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Test: Blackstar HT-5R MkII, Gitarrenverstärker

28. Mai 2019

Blackstar präsentiert ein Update ihres Lunchbox-Amps

Blackstar HT-5R MkII

Blackstar HT-5R MkII

Kleine Röhrencombos der sogenannten „Lunchbox-Klasse“ sind nach wie vor schwer angesagt. Das weiß auch die britische Firma Blackstar, die neben richtig fetten Amps auch einige der kleinen und universell einsetzbaren Röhrencombos im Programm führt. Einer der davon ist der HT-5 R, der nun in einer überarbeiteten Version erscheint und sinngemäß auf den Namen Blackstar HT-5R MkII getauft wurde. Ein kleiner, feiner Gitarrenverstärker mit ausreichend Leistung für zu Hause und kleinere Sessions und zudem mit einer Menge praktischer Anschlüsse ausgerüstet. Werfen wir mal einen Blick auf die kleine Kiste!

Blackstar HT-5R MkII Front

Blackstar HT-5R MkII – Facts & Features

Bei einem Gewicht von rund 14 kg wird sofort klar, dass wir es beim Blackstar HT-5R MkII nicht mit einem DSP-Amp zu tun haben. Im Innern des 441 x 410,5 x 249 mm großen oder besser gesagt kleinen Gehäuses werkelt eine Röhrenschaltung, die aus einer ECC83 für die Vorstufensektion und einer 12BH7 für die Endstufe besteht. Das rückt nun mal die Waage nach unten, zum Glück aber hat der robuste Tragegriff auf der Oberseite des Combos kein Problem mit dieser Last. Ist der HT-5R MkII dann erst mal in die richtige Ecke gestellt, dann bleibt er dort auch sicher stehen, denn vier große Gummifüße auf der Unterseite des Gehäuses sorgen für einen sicheren Stand ohne Wackeln und/oder Rutschen auf glatten Untergründen. Des Weiteren finden wir an jeder Ecke des Gehäuses Kantenschoner, die einen guten Schutz gegen grobe Schläge gewährleisten.

Ein robuster Bespannstoff auf der Vorderseite schützt den verbauten 1×12″ Lautsprecher, der aus eigener Fertigung von Blackstar stammt und das Gehäuse an der Front nahezu ausfüllt. Der Hersteller gibt die Leistung des Amps mit maximal 5 Watt an, damit sollte der Speaker wohl keine Probleme haben, obwohl eine Röhrenendstufe, wir wissen es alle, im Peak schon auch mal mehr als das Doppelte abfeuern kann. Bevor wir uns mit dem Bedienpanel auf der Oberseite befassen, schauen wir vorher noch auf die Rückseite und damit zu den Anschlüssen, die uns der Blackstar HT-5R MkII bietet.

Blackstar HT-5R MkII – Rückseite mit Anschlüssen

Blackstar HT-5R MkII rear

Auf der Rückseite sind eine Menge Buchsen zu finden, die das Einsatzgebiet des HT-5R MkII erweitern, gehen wir sie der Reihe nach durch. Ganz rechts außen sitzt die Buchse für den Fußschalter, der sich samt ausreichend langem Kabel im Lieferumfang befindet und die beiden Kanäle sowie die pro Kanal verfügbaren zwei „Voicings“ schaltet. Direkt daneben platziert sitzt eine USB-Buchse, die ein Direct-Recording ohne Einsatz eines Mikros ermöglicht – prima für die Sessions nach Mitternacht! Weiter geht’s mit einem Effektweg, dessen Signalstärke in zwei Stufen (+4 dB und -10 dB) regelbar ist und einem MP3/Line-Eingang zum Zuspielen externer Audioquellen.

Dann kommen wir zu zwei weiteren Ausgängen, dem Kopfhöreranschluss sowie einer XLR-Buchse, die, wie der USB-Ausgang, ein frequenzkorrigiertes Signal führt und so direkt einem Mixer zugeführt werden kann. Es stehen sogar zwei verschieden nachgebildete Boxentypen für das bearbeitete Signal zur Verfügung: 1×12″ und 4×12″. Damit nicht genug, finden wir noch drei Lautsprecherausgänge, an die Boxen mit einem Lastwiderstand von 1x 16, 1x 8 oder 2x 16 Ohm angeschlossen werden können.

Das ist mal ein eindrucksvolles Gesamtpaket, vermisst noch jemand etwas? Ach so, klar, der Stromanschluss bildet den Abschluss auf der Rückseite. Etwas nervig finde ich persönlich ja die Anbringung sämtlicher Buchsen auf der Unterseite des Verstärkers, aber hier muss man im Hinblick auf die Topteilversion des Amps Verständnis zeigen – ein doppeltes Layout für Combo UND Top hätte den Preis sicher nach oben getrieben. So, nun aber rüber zum Bedienpanel!

Blackstar HT-5R MkII – Bedienpanel

Blackstar HT-5R MkII Panel

Trotz der geringen Maße des Amps wirkt das vollständig im Gehäuse versenkte Bedienpanel sehr aufgeräumt und übersichtlich. Die neun Potis mit ihren Mini-Chickenhead-Knöpfen besitzen genügend Abstand zueinander, sodass man sie mit mindestens zwei Fingern gut greifen kann. Ganz links geht es los mit dem unverzerrten Kanal, der einen Volume- sowie einen Tone-Regler besitzt und mittels eines Voice-Schalters zwei verschiedene Charakteristiken liefern kann. Welches der beiden Voicings nun gerade aktiviert ist, meldet eine LED, die bei eingedrücktem Schalter grün aufleuchtet.

Durch einen Druck auf den OD-Select-Schalter gelangt man hinüber zum verzerrten Kanal des Blackstar HT-5R MkII, der deutlich umfangreicher ausgestattet ist. Auch hier gibt es wieder zwei Voicings, einen Gain- sowie einen Volume-Regler, allerdings auch eine vollwertige Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen sowie als Bonus oben drauf die von Blackstar patentierte ISF-Schaltung. Die soll dem Verstärker eine Charakteristik von amerikanischen bis englischen Sounds ermöglichen und das stufenlos durch einen Drehregler. Ehrlich gesagt konnte mich diese „Wunderschaltung“ bei den von mir bisher getesteten Blackstar-Amps nicht überzeugen, mir fehlte stets eine „echte“ Klangregelung, um an den Sounds spürbar und vor allem hörbar etwas ändern zu können. Doch oh Wunder, mein Flehen wurde anscheinend erhört, denn nun befindet sich sogar beides an Bord des kleinen HT-5R MkII!

Blackstar HT-5R MkII EQ ISF

Ziehen zusammen am selben Strang: Dreiband-EQ und die patentierte Blackstar ISF Schaltung

Bleibt noch abschließend der Regler für den integrierten Digitalhall zu erwähnen und, last but not least, ein schwarzer kleiner Druckschalter, der nach Drücken die Leistung der Endstufe von 5 hinunter auf 0,5 Watt senkt. Wie bitte, ein Powersoak bei einem 5-Watt-Gitarrenverstärker? Ja, das rthibt schon Sinn, denn auch die nominellen 5 Watt können sehr laut sein und vielleicht möchte man den Amp auch ohne Klingeln in den Ohren mal mit voll aufgedrehtem Volume-Regler hören bzw. dessen dann zweifellos bessere Dynamik genießen. Ganz rechts auf dem Panel schließlich sitzt der Power-Schalter – und den legen wir jetzt mal um.

Blackstar HT-5R MkII Set-up

Blackstar HT-5R MkII – in der Praxis!

Absolut geräuschlos nimmt der kleine Blackstar-Combo seine Arbeit auf. Nichts kracht beim Einschalten und nach einer kurzen Aufwärmphase der Röhren kann der Spaß dann beginnen. Für seine Größe klingt der Zwerg erstaunlich voluminös und besitzt vor allem im Cleanchannel eine Menge Headroom, um die Sounds bis in die maximale Lautstärke ohne eine Spur der Verzerrung im Signal abfeuern zu können. Die zwei vorhandenen Voicings und der Tone-Regler reichen in der Tat hier völlig aus, um einen warmen und dicken Cleansound zu erzeugen, der dank der Röhrenschaltung auch wunderbar dynamisch agiert bzw. reagiert.

Der Overdrive-Channel liefert den typisch britischen Sound – kräftige Mitten, drückende Bässe, aber auch dieses gewisse Kratzen in den Höhen – man muss es mögen. Zusammen mit der Dreiband-Klangregelung und dem ISF-Regler lässt sich in jedem Fall aber eine Vielzahl brauchbarer Sounds erzeugen. Ein Druck auf die Voice-Taste bietet hier zudem eine komplett neue Klangcharakteristik, der Grundsound ändert sich dann mehr in Richtung Modern-Metal-Sounds. Mit abgesenkten Mitten und ordentlich Bässen könnte man auch von einem Scoop-Sound sprechen, so heißt es zumindest im Fachjargon. Überzeugend klingt dieses Voicing in meinen Ohren jedoch nicht, denn der Sound wird mit zunehmender Zerrung breiig und undefinierbarer, da wähle ich persönlich doch lieber Voicing 1.

Über die Lautstärke, die der kleine Blackstar HT-5R MkII abzugeben im Stande ist, muss man eigentlich keine großen Worte verlieren. 5 Watt, abgefeuert aus einer Röhrenendstufe über einen 1×12″ Speaker, können einfach höllisch laut sein und reichen für zu Hause oder sogar kleinere Gigs bzw. Sessions meist völlig aus. Da ist die Powersoak-Schaltung mit seiner Absenkung um ganze 4,5 Watt schon sinnvoll, kann man so den gewünschten Kanal bzw. die Endstufe mit deutlich weniger Krach in die Reserve locken. Gut gefällt auch der Hall, der in seiner Dauer und Tiefe gut abgestimmt wurde und dem Signal beim Hinzumischen keine unangenehmen Nebengeräusche hinzufügt.

Blackstar HT-5R MkII – die Klangbeispiele

Kommen wir zu den Klangbeispielen, für die ich meine Music Man Silhouette Special in den Eingang des Blackstar HT-5R MkII eingeklinkt habe. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal dann in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Beginnen wir mit einem Clean-Sound im Blues-Style, hier kann man auch den etwa zur Hälfte aufgeregelten Hall ganz gut hören. Gewählt ist Voice 1, der Schalter ist also nicht eingedrückt. Das Tone-Poti befindet sich in Mittelstellung.

Nun ein weiterer Cleansound mit gedrücktem Voice-Schalter – die Grundcharakteristik wird voluminöser, ohne etwas am Tone-Poti verändert zu haben. Der Hall bleibt nach wie vor aktiv.

Wir wechseln rüber zur Overdrive-Sektion und hören nacheinander einen Crunchsound, der Gain-Regler befindet sich auf 12 Uhr, ebenso wie auch die Regler des Equalizers und das ISF-Poti. Den Hall habe ich für die verzerrten Beispiele deaktiviert.

Abschließend zwei High-Gain-Sounds mit voll aufgedrehtem Gain-Poti: Nummer 1 mit dem ISF-Poti auf Vollanschlag links und Nummer 2 mit dem ISF-Regler ganz auf der rechten Seite. Die Unterschiede sind mehr als deutlich zu hören.

Blackstar HT-5R MkII Panel 2

Fazit

Der Blackstar HT-5R MkII präsentiert sich im Test als ein sehr gut verarbeiteter und typisch „britisch“ klingender Lunchbox-Amp mit vielen nützlichen Features, die ihn ideal für den Einsatz in den heimischen vier Wänden und für kleinere Sessions machen. Über seinen Cleansound gibt es keine Diskussionen, beide Voicings klingen richtig gut und dank der Röhrenschaltung sind sie mit der gewohnten Dynamik und dem notwendigen Druck ausgestattet. Bei den Zerrsounds hingegen dürften sich die Geister scheiden, für den einen ist das gebotene Klangbild dann doch zu kratzig und ein wenig harsch, der andere freut sich über einen derart durchsetzungsfähigen Sound. Ein persönliches Antesten ist also angesagt!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • Ausstattung
  • zwei per Fuß schaltbare Kanäle & Voicings - Fußschalter befindet sich mit im Lieferumfang
  • Dynamikverhalten
  • geschmackvoller Hall

Minus

  • Overdrive-Sounds Geschmackssache

Preis

  • Ladenpreis: 444,- Euro
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