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Test: BOSS RC-600 Loop Station, Effektgerät

Loopen bis der Arzt kommt

16. August 2022

 

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Aller-, allerspätestens seit Ed Sheerans Stadion Tour nur mit Akustikgitarre und Loop Station ist diese Technik weltweit in aller Munde. Aber auch durch etliche Videos auf Social Media von diversen Künstlerinnen und Künstlern (und natürlich auch zuvor längst bei vielen im realen Leben im Einsatz) erlangen Loop Station Beachtung. Auch wenn mit aktuell keine Zahlen vorliegen, so war und ist BOSS auch gefühlt zumindest sehr weit vorne mit dabei in Sachen Popularität und Features und baut in der RC-Serie großartige Geräte mit schier endlosen Funktionen. Die Möglichkeiten sind ja auch enorm, bedenkt man, dass man etwas nur einmal spielen muss, um es dann endlos wiederholen zu lassen und neue Phrasen dazu zu ergänzen, auszutauschen oder zu modifizieren. Mit dem RC-600 brachte BOSS Anfang 2022 ein neues Update der Serie auf den Markt. Let’s unbox the BOSS RC-600 Loop Station.

BOSS RC-600

 

UNBOXING – BOSS RC-600 Loop Station, Effektgerät

Die RC-600 kommt im unauffälligen Produktkarton daher. Neben dem Gerät liegt diesem nur das zweiteilige Netzteil und ein Umschlag mit Benutzerhandbuch und Registierkarte etc. bei. Kein Schnickschnack, aber alles Nötige. Was steckt da so drin?

 

SPECS & FACTS – BOSS RC-600 Loop Station, Effektgerät

Die Kiste sieht den Brüdern und Schwestern des Herstellers gar nicht so unähnlich. Die Optik wirkt sehr vertraut, was einem direkt Feel-Good-Vibes verleiht und man keine Panik bekommt vor (möglicherweise) zu vielen Funktionen. Optisch macht die rot-schwarz-silberne Optik auch einiges her. Die hellen LEDs und das LC-Display erstrahlen, wenn man das Gerät einschaltet in angenehm bläulichem Ambiente.

Die neun in zwei Reihen (6 + 3) angeordneten Fußschalter sind clickless (geben also kein Geräusch von sich beim Treten) und haben einen guten Widerstand. Fühlt sich alles sehr wertig an und hat den praktischen Vorteil, dass man nicht so leicht versehentlich etwas drückt!

BOSS RC-600 Rückseite

Orientierung wird großgeschrieben: Sehr schön und gleichzeitig hilfreich im Looping ist die großen Tempo/Takt-Anzeige in der Mitte des Gerätes. Diese blinkt im Tempo (die 1 jedes Taktes in Rot, alle weiteren Schläge in Grün) und zeigt in einer runden Lauflichtanzeige, wo im Loop man sich gerade befindet, wenn der Loop aus mehreren Takten besteht.

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Jeder Fußschalter ist mit zwei Funktionen ab Werk belegt und kann aber frei belegt werden.

Die 435 x 163 x 66 mm große und 2,4 kg schwere RC-600 Loop Station bietet sechs simultane Stereo-Phrasenspuren mit 32 Bit AD/DA-Wandlung und 32 Bit Fließkommaberechnung, sage und schreibe 49 Input-FX- und 53 Track-FX-Typen, von denen 4 gleichzeitig nutzbar sind, 99 Speicherplätze und 200 Onboard-Rhythmus-Patterns und 16 Drum-Kits. Alle zeitbasierten Effekte können (logisch, aber praktisch) automatisch mit dem Tempo des aktuellen Loops synchronisiert werden. 

Anschlussseitig findet man auf der Rückseite des Geräts:

  • zwei XLR-Mikrofon-Inputs (beide können mit Phantom-Power gespeist werden)
  • zwei mono oder stereo nutzbare Klinken-Inputs (wählbar Line/Inst-Level)
  • mono/stereo Main-Out (Klinke)
  • zwei Subs-Outputs (jeweils mono oder stereo nutzbar)
  • einen Kopfhöreranschluss
  • zwei Control-Anschlüsse für je zwei Fußschalter oder ein Expressionpedal
  • MIDI In/Out
  • USB-B (Datensicherung, Import/Export mit BOSS Tone Studio & Pattern-Import)
  • Power-Button
  • DC-In (1200 mA bei 9 V), Netzteil wird mitgeliefert

BOSS RC-600 Display

 

PRAXISTEST 1: Handling – BOSS RC-600 Loop Station, Effektgerät

Im Handling ist die Loop Station ein gesundes Mittelmaß. Aufgrund der hohen Anzahl an Funktionen ist sie kein Hands-on-Gerät, das man direkt zu 100 % versteht. Viele Funktionen erklären sich von selbst und man kann auch ohne Benutzerhandbuch direkt loslegen, dennoch sind viele Dinge in den Menüs versteckt, die auf dem kleinen Display zwar gut erkennbar und sich problemlos auswählen lassen, dennoch ist es ein bisschen ein „Gefummel“ sich durch die Menü-Instanzen zu klicken. Hier lohnt sich ein kurzer Blick in das mitgelieferte Handbuch, bevor man anfängt Sounds zu basteln. Dann kommt man relativ schnell in einen Flow, baut eigene Sounds und findet sich gut zurecht. Manches liest man halt dreimal nach (geht mir zumindest so, haha ^^).

Der Mixer regelt die Lautstärkenverhältnisse der verschiedenen Inputs zueinander sowie z. B. den Drum-Computer. Super wichtiges Tool, das man mit zwei Klicks erreicht. Die Drehpotis sind durch die Rasterung gut einstellbar. Hält man ein Poti gedrückt und dreht an ihm, so springen die Parameter in schnelleren/größeren Schritten voran.

Toll ist auch die hohe Anzahl an integrierten Effekten und Amps. Die Qualität ist hierbei allerdings nicht so hoch wie in anderen, extra dafür gebauten Produkten der Firma BOSS. Möchte man aber nur mit einem Floorboard arbeiten, so ist erstmal alles an Bord, was das Herz begehrt, von Modulationen, über Delays und Reverb bis hin zu Exoten/Specials wie Ring-Modulation oder Radio-Filter.

Die Effekte lassen sich dann auf Fußschaltern in zwei oder dritter Instanz ablegen, um sie bequem während der Performance aufrufen zu können. Gut durchdacht. Dennoch ist es auf Dauer etwas fummelig und nervig, sich ständig zum Gerät bücken zu müssen, um z. T. etwas in der Lautstärke anzupassen. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass man im Laufe der Zeit, wenn man den RC-600 regelmäßig und oft nutzt, in einen besseren Workflow kommt, als ich während des Tests und man noch mehr Funktionen entdeckt und Abläufe perfektioniert, die einem das Leben erleichtern!

Undo/Redo, die Löschfunktion eines aufgenommenen Loops durch langes Gedrückthalten des entsprechenden Stop-Fußschalters, sind essentiell und top umgesetzt, um ggf. korrigieren zu können.

Die Verarbeitung ist erste Sahne! Man hat etwas in der Hand, das stabil ist, nicht extrem viel Platz braucht und dennoch unfassbare viele Features in sich trägt. Die Fußschalter treten sich mit dem leichten Widerstand sehr angenehm, die Dreh- und Pushpotis fühlen sich auch sehr hochwertig an und tun ihren Dienst sehr gut und zuverlässig. Die hellen LEDs und das LC-Display zeigen klar und deutlich an, was gerade Phase ist und erleichtern einem so das Leben (oder besser als Loopen).

Einziges Manko im Handling (frage ich mich aber bei vielen Geräten): Warum gibt es ein externes Netzteil und kein internes mit lediglich einem Kaltgeräteanschluss? Man bedenke das Horrorszenario, dass man das Netzteil vergisst. Ein Kaltgerätekabel findet man auf jeder Bühne oder in jedem Backstage irgendwo (notfalls baut man eines irgendwo ab UND legt es nach dem Gig brav zurück ;-) ).

Aber wie klingt das Ding denn nun?

BOSS RC-600

 

PRAXISTEST 2: Sounds – BOSS RC-600 Loop Station, Effektgerät

Wie es klingt, hängt natürlich sehr vom Spieler ab. Es lassen sich großartige Sounds erzeugen durch die Möglichkeit des Übereinanderlegens mit Loops, die Nutzung der integrieren Effekte oder durch die Half-Speed- oder Reverse-Funktionen.

Um einen groben Überblick über die enorme Bandbreite an Funktionen zu geben, gibt’s ein paar exemplarische Audiodemos. Zum einen hört ihr die verschiedenen Amps-Modelle, die im RC-600 integriert sind, Drum-Style- und Drum-Sound-Beispiele sowie ein paar Effektbeispiele und ein Funk-Loop-Demo.

Wirklich toll ist die hohe Anzahl an Drum-Styles, die dann durch die Sounds, Variationen und Grooves angepasst werden können. WOW! Es lässt sich einstellen, ob Fills oder Endings gespielt werden sollen, die Variationen und Grooves arbeiten mit verschiedenen Subdivisions (z. B. binär 8s, 16s oder ternär). So lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen umsetzen.

Alle Klangbeispiele wurden in folgender Signalkette erstellt und aufgenommen, es fand keine nachträgliche Bearbeitung oder zusätzliches Looping/Overdubing in einer DAW statt: Fender Perf MN Stratocaster -> BOSS RC – 600 -> Universal Audio Apollo Twin X -> Steinberg Cubase 12 PRO

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Plus

  • viele Funktionen
  • einfache Bedienung
  • clickless Footswitches

Minus

  • Netzteil extern

Preis

  • 566,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
      • Profilbild
        karbunkeljoe

        Auf dem Papier war das auch schon auf meiner RC-50 möglich – de facto haben die BOSS-Loopstations meinem Informationsstand nach aber bislang alle keinen zuverlässlichen MIDI sync als slave. Man findet zumindest immer irgendwelche Forenbeiträge im Internet, die enthüllen, dass es nicht geht oder zu Artefakten führt.

  1. Profilbild
    Jovenja

    Die Bewertung im Fazit „einfache Bedienung“ kann ich nicht nachvollziehen. Und Sie passt auch nicht zu dem, was im Text unter „Praxistest“ zu lesen ist. Ich fand die Bedienung ziemlich unübersichtlich, spätestens ab dem Zeitpunkt wenn man anfängt Ein- und Ausgangssignale von den Standardeinstellungen abweichend zu routen, oder die Belegung der Taster den eigenen Wünschen anpassen will. Mir fehlt auch ein Hinweis auf die endlosen Diskussionen in zahlreichen Foren, zu Bugs in der Firmware, verwirrendem Verhalten zum Beispiel beim Play-Sync in den unterschiedlichen Modi (Single und Multi), Lautstärken die nicht balanciert sind und sich (wie Du zurecht schreibst) schlecht on the fly ändern lassen. Beim Vorgänger gab es dafür noch Fader. Wenn man mit dem Board täglich arbeitet, ist das sicherlich irgendwann alles drin und eingespielt. Ich nutze es eher unregelmäßig und habe statt Noten jetzt die Bedienungsanleitung des Loopers auf dem Notenpult liegen ;o)

    Ein weiterer Minuspunkt: Für Menschen mit rot-grün-Schwäche ist das Board fast nicht nutzbar – warum kann man LED-Farben nicht anpassen?

    • Profilbild
      LouisWu13!

      Ich schließe mich Deinem letzten Absatz an (die vorherigen Aussagen kann ich nicht beurteilen 🙂). Ein Mindestmaß an Barrierefreiheit sollte doch Basiswissen von Produktmanagementleuten sein.

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      Simon Schneid RED

      Ich muss Dir recht geben, dass „einfache Bedienung“ eventuell etwas zu pauschalisiert ist. An sich kam ich persönlich mit dem Gerät nach kurzem Einlesen sehr gut zurecht. Für den täglichen Praxisalltag auf der Bühne muss man sich gewiss dann sehr tief einarbeiten, um alle Funktionen schnell und ohne nachdenken am Start zu haben :-) Software Probleme oder Bugs hatte ich im ausführlichen Test keine.

      Danke für den Tipp bzgl. rot-grün Schwäche. Da kann tatsächlich nachgearbeitet werden!! Guter Punkt!

  2. Profilbild
    ukm

    Ich habe schon einige Anwendungen der Looper-Künste im live-Betrieb gehört. Beim ersten Mal ist das noch recht interessant, beim zweiten Mal wird es schon langweilig, und beim dritten Mal sollte man den Arzt vielleicht schon vorbeugend bestellen.

  3. Profilbild
    ronzo

    I am completely indecisive if I should buy the 505MKII or the RC-600. I am usung Keyboards, Piano, Bass and Guitars. The foot pedal version looks like a perfect fit. But the tabletop version seems to have many more diect control options as well as LED indicators. What would you say?

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