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Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

22. Juni 2021

Byebye Stepptanz - der Carl Martin The Strip

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Kleine Live-Anekdote gefällig? Als ich 2010 mit meiner ersten Band „Napalm Trio“ (ein Prog-Rock-Projekt, dessen Soundfiles ich mit ins Grab nehmen werde) den zweiten Auftritt unserer „Karriere“ absolvierte, hatte ich auf unserer Minibühne vor mir genau vier Pedale aufgereiht. Einen Ibanez Tubescreamer, ein Boss DD3, ein MXR Phase und EHX Small Clone. Vier Pedale – und einen Amp-Switch. Ich glaube, es war der dritte oder vierte Song – wir waren noch in der ersten Hälfte unseres „Sets“: Der Schweiß kam aus allen Poren, während ich meinen Pedal-Stepptanz aufführte und verzweifelt versuchte, mich zu erinnern, was bei der nächsten Passage ein- und was ausgeschaltet werden musste. Ob man Progrock mag oder nicht, spielt keine Rolle – die Musik, wie wir sie damals mit unseren jungen Spatzenhirnen verstanden, erforderte viele Parts. Songstruktur? Nein danke. Hier haste lieber noch ein Dream Theater Riff. Und noch eins. Und noch eins. Das Ende vom Lied war, dass ich in einem fliegenden Wechsel zwischen Passagen mich in den Kabeln verhedderte und mich vor circa einhundert Leuten brutal, schmerzhaft und hässlich hinlegte. Was folgte, waren die unangenehmsten zwei Minuten meines Lebens bis dato, als ich nach dem Plektrum suchte, während mein Fußknöchel sekündlich zur Größe einer Honigmelone anschwoll.

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Als dann ein erfahrener, älterer und professioneller Musiker mir irgendwann sagte „Dude, nimm doch ’nen Looper“, lautete meine gereizte Antwort: „Was soll mir das bringen live Passagen aufzunehmen und abzuspielen, Digger?“ Ich kapierte dann irgendwann im Thomann, warum er kopfschüttelnd abgezogen war und was er mit Looper gemeint hatte. Dann hatte ich Vietnam-artige Flashbacks zu jenem Augenblick, als ich den Small Clone verfehlte und dachte mir, dass ich vielleicht mein Konzept überdenken sollte. So insgesamt.

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Lange Rede, kurzer Sinn: Der Carl Martin Octaswitch sorgte dafür, dass ich diesen peinlichen Live-Moment nie wieder hatte. Wie sagt man so schön – special place in one’s heart – den hat der Octaswitch bei mir ganz sicher. Entsprechend war ich hocherfreut zu hören, dass Carl Martin mit „The Strip“ die bislang schlankste und fortschrittlichste Version des Loop-Switchers nun rausgebracht haben. Schauen wir uns das mal an!

Carl Martin Octaswitch The Strip – Loop-Switcher für E-Gitarre

Der große Vorteil des Octaswitch-Konzeptes war von Anfang seine Einfachheit. Es gibt Loop-Switcher da draußen, die sind komplizierter als nötig, sind seltsam rauschanfällig oder zu klobig. Den Fehler machten Carl Martin meines Erachtens auch mit dem Octaswitch MK3. Dieses rechteckige Format nahm viel zu viel Platz auf dem Pedalboard ein und wenn ein Switcher neben seinen Features noch einen weiteren Punkt mit sich bringen sollte, dann ist eben der: Er sollte platzsparend sein.

Enter The Strip. Schlankes Linien-Design, perfekt, um an den unteren Anfang des Boards platziert zu werden. Die vierte Generation des Loop-Switchers macht rein optisch schon mal einen hervorragenden Eindruck. Und tatsächlich haben Carl Martin endlich die Gebete erhört, die viele hatten: Ein MIDI-Out ist mit dabei. Doch alles der Reihe nach.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Der Carl Martin Octaswitch The Strip besitzt 8 Loops, die im True-Bypass arbeiten. Von den Loops arbeiten sieben in Mono und einer in Stereo. Wer bislang bei seinem Loop-Switcher immer ein Stück weit angesäuert war, einen Loop für die Effektschleife des Amps opfern zu müssen – keine Sorge, Carl Martin haben dieses alte Manko endlich behoben und einen zusätzlichen Input und Output für den FX-Loop eures Amps integriert, die sich neben den Loops 6 bis 8 befinden. Der Bypass-Knopf, den ihr da seht, greift übrigens als allgemeiner Bypass-Schalter für sämtliche Loops. Was ist die Anzahl der Banks angeht, hält sich der neue Octaswitch an seine Vorgänger: acht programmierbare Banks, die ihr mit acht Loops füllen könnt. Die grünen LED-Lichter beziehen sich auf die aktiven Banks, die blauen auf die aktiven Loops. Hinzu kommen vier (!) programmierbare Switches für externe Channels, die ebenfalls pro Bank programmiert werden können. Wenn ihr also neben Pedalen auch die Amp-Kanäle und Reverbs in Echtzeit switchen wollt, könnt ihr das hierüber tun. Und ein weiteres Novum, das – korrigiert mich sofern ich falsch liege – sind die dualen Outputs. Der Carl Martin The Strip besitzt die Möglichkeit, ein Stereo-Setup zu kontrollieren und pro Output könnt ihr auch hier einstellen, bei welchen Banks die Amps aktiv sein sollen. Der MIDI-Out wiederum ist kein Novum – auch der Harley Benton FLX8 Pro besaß einen MIDI-Output, der ebenfalls nur für Program-Change-Befehle herhalten kann. Das heißt konkret, dass ihr Multifunktions-Pedale wie beispielsweise den Eventide H9 mit Program-Change-Befehlen 1 bis 8 pro Bank per MIDI umschalten könnt und nicht auf die aktiven Parameter angewiesen seid.

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Zu guter Letzt wartet der Octaswitch noch mit einem grandiosen kleinen Schmankerl auf: der Instant Access Button, eine Funktion, die so simpel und zugleich brauchbar ist, dass man sich fragen muss, warum nicht jeder Loop-Switcher damit ausgestattet ist. Vereinfacht ausgedrückt erlaubt er euch, innerhalb einer Bank Loops dazuzuschalten, ohne das Preset zu verändern. Befinden sich beispielsweise also auf Bank 3 ein Overdrive und Phaser und ihr wollt momentan euer Equalizer-Pedal dazuschalten, ohne das Preset zu verändern – die Aktivierung des Instant-Access-Knopfes erlaubt euch, die Loops momentan dazuzuschalten.

Carl Martin Octaswitch The Strip – Looper in der Praxis

Das ist insgesamt also eine sehr lückenlose Nummer seitens Carl Martin. Die Tatsache, ein Stereo-Setup fahren sowie vier unterschiedliche externe Kanäle bedienen zu können, MIDI-PC-Signale ohne Umstände an Multifunktionspedale schicken zu können, das ultraschlanke Design, die zusätzlichen FX-Loop-Anschlüsse, sodass ihr keinen Loop für die Vier-Kabel-Methode opfern müsst – das ist insgesamt sehr rund. Auch die Möglichkeit, einzelne Loops per DIP-Switches aus den Kanal-Switches „rauszuhalten“ erlaubt noch mal zusätzliche Flexibilität.

Klanglich gibt es hier nichts zu demonstrieren, trotzdem wollen wir euch ein Beispiel für eine praktikable Nutzung nicht vorenthalten. Wir nutzen hierfür eine Reihe von Pedalen: den Specular Tempus von GFI Systems, den Benson Germanium Fuzz und Preamp sowie das Lysis von Solid Gold FX. Diese etwas krachige Signalkette verfolgt kein näheres Ziel und ist bewusst experimentell gehalten.

Wir speisen den Benson in Loop 1 und den Lysis in Loop 2.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Das Specular Tempus kommt in Loop 7 unter und damit in die Effektschleife des Orange Rockerverbs MKII.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Zusätzlich verbinden wir das Specular Tempus per MIDI mit dem Octaswitch The Strip, sodass wir zwischen den Loops-Presets innerhalb des Delay- und Reverb-Pedals wechseln können.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Für den Benson und Lysis in Loop 1 & 2 möchte ich den Amp im Clean-Channel halten – entsprechend stelle ich dies per DIP-Switches im Ext. 1 Channel ein.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

Das Setup ist komplett: Zwar steuern wir nur ein Mono-Setup an, schöpfen das Potential des Strip trotzdem aus, indem wir die DIP-Switches für Amp-Schaltung, das MIDI-Out sowie den FX-Loop für den Specular Tempus nutzen. In der Praxis zeigt sich sofort, wie viel der Instant Access-Button wert ist. Nicht gebunden zu sein an die Presets innerhalb der Banks, sondern gegebenenfalls, auch aus einem spontanen Impuls heraus während eines Jams, ein Pedal vorübergehend dazuschalten zu können – pures Gold. Die Geräuschlosigkeit ist quasi die Kirsche obendrauf.

Test: Carl Martin Octaswitch The Strip, Looper

 

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Fazit

Schickt die anderen in Rente – wem eine komplette Umstellung in MIDI zu umständlich ist und eine breite Palette an analogen Pedalen besitzt, die er mitsamt Amp-Channels simultan umschalten können will: Die Suche endet hier. Nach ausführlicher Praxis lässt sich nur sagen, dass der The Strip sämtliche Fehler der Vergangenheit ausräumt und den vielleicht stärksten und flexibelsten Loop-Switcher darstellt, den es aktuell auf dem Markt gibt. Der Preis ist happig, aber der Strip macht so ziemlich alles richtig.

Plus

  • Einfachheit in der Bedienung
  • MIDI-Out
  • Stereo-Output
  • separate Klinken für Effektschleife
  • Instant Access Button

Preis

  • 529,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    m+r

    klasse text!

    k o m p l i m e n t.

    bin ich wirklich der erste?

    shame you!

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