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Test: Clavia Nord Wave Synthesizer & Sampleplayer

19. Dezember 2007

Nord VA-Synthesizer mit Samples

Clavia Nord Wave

Die schwedische Firma Clavia hat, nachdem ein erster Blick ohne Ton schon auf der Frankfurter Musikmesse im Frühjahr 2007 riskiert werden konnte, endlich den lang erwarteten Nord Wave Synthesizer auf den Markt gebracht. Es war zwar nicht ganz so geheimnisvoll, wie es sonst bei neuen Instrumenten aus diesem Hause üblich war, aber mehr als dieser grobe Blick und ein paar lockere Angaben über Einzelheiten des neuen Konzepts war über die ganze Zeit hinweg nicht in Erfahrung zu bringen. Im November kamen dann konkrete Angaben und endlich stand auch ein Gerät in greifbarer Nähe zur Verfügung, so dass der Lupe des Betrachters kein Halt mehr geboten werden konnte. Nur der Entschluss, noch auf eine offizielle Fassung des Sample-Editors zu warten, um einen vollständigen Bericht abliefern zu können, hielt uns bis heute zurück, ein Review zu veröffentlichen, denn m.E. ist das genau die Ecke, die wirklich neu ist.

Ein erster Eindruck vom Nord Wave

Eines gleich vorweg und für viele potentielle Anwender dürfte es auch nichts Neues mehr sein, denn es wurde schon eifrig über diesen Punkt in diversen Foren diskutiert: Es gibt am Clavia Nord Wave keine mit LED-Kränzen ausgestattete What-You-See-Is-What-You-Get-Regler mehr, wie sie vom mittlerweile eingestellten Nord Lead 3 und dem Nord Modular G2/G2X (letzterer ebenfalls nicht mehr erhältlich) bekannt sind. Hier finden sich die vom Nord Lead 1/2/2X bekannten Regler wieder und damit soll es auch gut sein, denn die letztgenannten Regler sind doch eher der Normalfall und die LED-Kränze daher doch die Ausnahme. Sehen Sie es mir daher bitte nach, dass dieser Punkt nicht als Bewertungskriterium von mir herangezogen wird. Einzig eine Leuchtanzeige, die über die Zuweisung eines Reglers zu einer Morphgruppe Auskunft gibt, ist vorhanden.

Persönlich finde ich es auch schade, als Nord Lead 3- und G2-Nutzer bin ich in dieser Hinsicht selbst sehr verwöhnt, aber es ist zur Hauptsache nur innerhalb der Clavia-Modellreihe ein Rückschritt und mit Sicherheit auch ein wirtschaftlicher Gesichtspunkt, der letztendlich auch dem Interessenten und etwaigen Käufer zu Gute kommt. So sehe zumindest ich es nach einigen Tagen des Spielens und Programmierens.

Ich möchte an dieser Stelle weitere Sachen, die Clavia Nord Lead 1, 2 und/oder 3-Besitzer vielleicht vermissen werden, gleich abhandeln, auch wenn es nicht auf alle Vorgängermodelle in gleichem Maße zutrifft. Fangen wir auf der Rückseite an, indem wir nur noch ein Stereoausgangspaar und MIDI In/Out vorfinden: Kein MIDI-Thru, keine Einzelausgänge! In diesem Zusammenhang steht gleich der Verzicht auf den zuletzt 4-fachen Multimode, der durch zweifach multitimbrales Verfahren mit Layerfunktion ohne die Möglichkeit des Keyboard-Splits ersetzt wurde. Natürlich können Sie auch zwischen beiden Einzelklängen umschalten. Über MIDI lassen sich beide Klänge auf unterschiedlichen Kanälen getrennt ansprechen, so dass z.B. getrenntes Spiel mittels einer zweiten Tastatur durchaus möglich ist. Auch der Drummode ist dem Wave nicht beigegeben worden.

Dafür gibt es mit dem Clavia Nord Wave keinen Unterschied mehr zwischen Patches und Performances, es gibt nur noch Programme, die eben aus ein oder zwei Klängen in Slot A und B bestehen, und davon insgesamt 8 Bänke mit jeweils 128 Programmen.

Die Morph-Gruppen finden sich auch leicht verändert vor, Aftertouch zählt überhaupt nicht mehr dazu, kann aber zur Regelung des Vibratos eingesetzt werden und das Modulation Wheel ist mit dem Expression Pedal in die gleiche Gruppe gepackt worden.

Und kein Arpeggiator?

Auch auf den Arpeggiator wurde bei diesem Modell verzichtet. Schmerzen könnte den einen oder anderen Tastendrücker der Wegfall des Unisono-Modes, was vermutlich nur geringfügig mit dem Vorhandensein eines dem Einzelklang zuordenbaren Chorus kompensiert werden kann.

So, nun ist es genug mit der Miesepeterei, es ist eigentlich nicht meine Art, zuerst nach den Dingen zu schauen, die ein Gerät nicht kann oder hat, aber ich wollte damit anfangen, um mich nun voll den schönen Funktionen des neuen großen Roten zuzuwenden, ohne all diejenigen Anwender zu vergessen, die immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe sind. Zugegeben, es gibt genug Geräte, bei denen man mit dieser Methode die Basiskomponenten für eine neue Perücke zusammenstellen kann, aber eines kann ich Ihnen schon jetzt sagen: Dieser Synthesizer gehört NICHT dazu! Da nun einige Sachen weichen mussten, schauen wir jetzt, was ihm dafür mitgegeben wurde, denn man soll ja alte Sachen nicht immer wieder aufwärmen.

Was ist neu am Clavia Nord Wave?

Der Clavia Nord Wave, das mir vom Sound Service Berlin freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, bekam per Download-Link noch ein Update auf das OS V 1.0. Update, Treiber und Software nebst einer runderneuerten Basis-Library ließen sich in kurzer Zeit einwandfrei installieren.

Fangen wir zuerst mit den Bausteinen der virtuell-analogen Synthese an. Hier hat sich wenig Prinzipielles getan, womit ich ausdrücken möchte, dass die bisher bekannte sehr gute Qualität der Clavia-Geräte nicht im geringsten gesunken ist und daher der typische Charakter erhalten geblieben ist. Wer die Geräte immer schon mochte und nach wie vor einsetzt, wird auch hier seine helle Freude haben, aber jetzt noch nicht wissen, warum er/sie sich nun von seinem schwer verdienten Geld trennen soll.

De facto bietet der Clavia Nord Wave für die meisten Funktionen einen eigenen Regler oder Taster und ist somit für die Live-Performance und das schnelle Programmieren wie geschaffen, denn mit einem Griff (und in Einzelfällen mit dem Zweitgriff auf die SHIFT-Taste) sind Sie genau dort, wo Sie eingreifen möchten.

Oszillator 1 und 2 bieten an Wellenformen Sägezahn, in der Pulsbreite einstellbares Rechteck und Dreieck an, darüber hinaus steht auch ein 2-Operator-FM Modus zur Verfügung, der jetzt sogar über eine Feedbackschleife verfügt.

Oszillator 1 bietet darüber hinaus noch 62 Wavetables und eine Wellenformquelle namens MISC an, die zur Zeit nur Rauschen anbietet, in zukünftigen Updates allerdings mit mehr unterschiedlichen Wellenformen gefüttert werden soll.

Am Oszillator 2 finden wir hingegen unter SAMP einen austauschbaren Vorrat an Samples/Multisamples und unter SWAV ein Angebot an 22 Attacksamples akustischer Instrumente. Mit bis zu 99 Multisamples und einem Gesamtspeichervermögen von 185 Mb an speziell komprimierten verlustfreien Daten (mehr dazu im Bereich Editor) kann im Flash-ROM (der Speicherinhalt bleibt bei Abschalten erhalten) schon reichlich Basismaterial vorgehalten werden.

Beide Oszillatoren des Clavia Nord Wave sind noch mit Shapern versehen, deren (Nicht-)Funktion abhängig von der gewählten Wellenform ist. Oszillator 1 kann zum 2. Oszillator synchronisiert werden.

Der große Wurf in Sachen Weiterentwicklung ist neben dem Angebot an Wavetables am Oszillator 1 nun die Option, am Oszillator 2 Samples zu laden und diese mit der gesamten Folgeverarbeitung ab dem Mixer, die auch einem normalen Oszillator zur Verfügung steht, nachzubearbeiten. Einige Klangbeispiele standen hier schon auf der Website von Clavia zur Verfügung, aber da geht es mir sicherlich wie vielen anderen Hörern auch, umgehauen haben mich diese Beispiele erst einmal nicht. Aber wie so oft bringt es da oftmals nur das eigene Arbeiten mit dieser Maschine, um zu wenigstens einem oder besser mehreren Aha-Erlebnissen zu gelangen, die man natürlich wieder nur schwer in Worte fassen können wird, je extremer und bizarrer die Klänge werden.

Zur Bearbeitung der Samples selbst steht im Nord Wave nur das Weglassen der Sample-Attackphase zur Verfügung, alle anderen Methoden der Samplemanipulation stehen nur in der Vorbearbeitung mittels des Sample Editors bereit, zu dem ich später komme. Um kurz auf den Basisumfang bei Auslieferung einzugehen: Mitgeliefert wurden eine Reihe von Samples und Multisamples, u.a. eine Teilmenge von insgesamt 68 Mellotronklängen des kanadischen/schwedischen Mark VI-Herstellers Mellotron (der Rest zur Vervollständigung soll später zum Download oder als kostenfreie DVD bereitgestellt werden) und diverse Pianos, Orgeln, Strings u.ä. zur Deckung eines gewissen Brot-und-Butter-Bedarfs aus den Produktionen diverser namhafter Hersteller wie Sonic Reality und Kirk Hunter. Auch hier sollen in Zukunft weitere Samples von Clavia angeboten werden.

Interessant, wenn auch nicht neu (Yamahas 77er- und 99er-Modelle seien hier als Beispiel genannt), ist die Frequenzmodulation von Oszillator 1 durch Oszillator 2, besonders wenn Samples als Modulationsquelle ins Spiel kommen, womit sich nun neben dem bloßen Abspielen von Samples nun doch eine neue Klangwelt für alle Clavia-Liebhaber öffnet, denn hier erreichen Sie schnell eine Ecke, welche die o.a. fehlenden Eigenschaften schnell vergessen machen kann. Die Eingriffe können subtil bis rabiat gestaltet werden, so dass allein Ihr Empfinden und Ihre persönliche Ästhetik entscheiden kann, was klingt und was nicht. Deswegen sei die Wertung der entstehenden Klanggewitter allein den Schraubern überlassen, Fakt ist, dass an dieser Stelle ein unglaubliches Potential lauert, zumal Sie ja auch nicht von bestimmten Samples abhängig sind, sondern Ihren Bedarf selbst erstellen und einspielen können, doch auch dazu mehr im Bereich des Editors.
Das resonanzfähige Multimodefilter bietet jeweils ein Lowpass-, Bandpass-, Highpass-, Formant- und ein Kammfilter sowie ein Multistagefilter, das mit drei bestimmten Resonanzspitzen ausgestattet ist. Somit steht an dieser Stelle ein breit aufgestelltes Angebot zur Verfügung, die in der Oszillatorsektion entsprungen Klänge entscheidend zu färben und zu prägen. Hier hat sich gegenüber dem Vorgängermodell im Bereich der Filtertypen doch Einiges getan. Die Flankensteilheit ist ebenfalls in den Einstellungen 12 und 24 dB wählbar, das Keytracking orientiert sich an der Funktionalität des Minimoogs und bietet mittels eines Schalters 1/3, 2/3 und volles Tracking im Verhältnis zur Tastatur. In meinen Ohren klingt das Multimodefilter wirklich gut, selbst bei einfachen Einstellungen, und lässt sich auch bei heftigen Modulationen mittels der schnellen Hüllkurven oder eines LFO nicht zu unerwünschten Verzerrungen hinreißen. Die Ausstattung mit dem Formant- und dem Multistagefilter erscheint mir gerade im Zusammenhang mit den Waves/Wavetables äußerst sinnvoll.

Morphing & Modulation

Die Modulationsquellen des Clavia Nord Wave sind ebenfalls vielfältig: Neben zwei (leider) nicht zu MIDI-Clock synchronisierbaren LFO, die auf verschiedene Ziele geroutet werden können, stehen noch eine AR/AD-Hüllkurve, Velocity, Aftertouch, Keytracking und die schon bekannten Modulation Wheel- und Pitchstick-Einheiten im typischen Clavia-Design zur Verfügung. Rückwärtig finden sich noch die Anschlussmöglichkeiten für ein Expression- und ein Sustain-Pedal.

Das bereits angesprochene Morphing (für Clavia-Newbies: hier können mehrere Regler in jeweils einem zu wählenden Wertebereich einem Controller zur gleichzeitigen Werteveränderung zugewiesen werden) bezieht beim Nord Wave auf die Gruppen Velocity, Modulation Wheel/Expression Pedal und Keytracking und ist nach wie vor ein wertvoller Helfer bei der gewünschten Echtzeitmodulation diverser Parameter mit einer Bewegung.

Neu wiederum gegenüber seinen Vorgängern ist ein Equalizer im Anschluss an den von einer ADSR-Hüllkurve gesteuerten VCA. Dieser Equalizer ist mit einem Höhen- und einem Tiefenregler ausgestattet, die in diesen Frequenzbereichen mit bis zu 15 dB bipolar eingestellt werden können.

Doch damit nicht genug, denn auch ein Chorus-Effekt, der über einen Schalter verfügt, um ihn in vier Intensitätsstufen verwenden zu können, ist dem Nord Wave mitgegeben worden. Inwieweit dieser vierstufige Schalter genügt oder ein stufenloser Regler eher gewünscht gewesen wäre, lassen wir einmal dahingestellt. Persönlich bevorzuge ich immer den stufenlosen Regler beim Einschalten eines Chorus, aber man darf auch an dieser Stelle das Konzept des Live-Instrumentes nicht hinten anschieben und die Einstellungen sind gut gewählt.
An dieser Stelle endet übrigens die Programmierung der einzelnen Slots hinsichtlich der zweifachen Multitimbralität, jetzt geht es in die gemeinsame Effektsektion, die Clavia diesem Gerät noch spendiert hat. In der unveränderlichen Reihenfolge Delay, Tube Amp und Reverb durchläuft das Klangprogramm diese und endet am Stereoausgang.

Auch hier finden wir am Clavia Nord Wave nur wenige stufenlose Regler, das meiste wird auch hier mit Schaltern erledigt.

Die Delay-Einheit ist mit einem gut reagierenden und ebenfalls sehr liveorientiertem Taster zur Eingabe eines Tap-Tempos versehen, das Feedback ist ebenfalls über einen Taster in vier Stufen wählbar, und auch hier erscheint die Auswahl der vorprogrammierten Stufen sehr gut am Bedarf angeglichen zu sein. Als Zweitfunktion unter Zuhilfenahme der Shift-Taste bietet dieser Schalter die Auswahl zwischen Mono- und Stereodelay. Per Regler lassen sich die Verzögerungszeit und der Mix zwischen Original- und Delaysignal einstellen.

Der Tube-Amp-Effekt ist zuschaltbar und stufenlos in seiner Sättigung einstellbar. Ich mag diese simulierte Tube-Verzerrung, sie kann dem Klang eine durchaus angenehme bis heftige Färbung verleihen.

Reverb bietet 5 unterschiedliche Hallprogramme, bei denen der Hallanteil von trocken bis nass, wie der Ostwestfale sagt, stufenlos regelbar ist.
Der Hall des Clavia Nord Wave klingt durchweg sehr brauchbar, soll aber natürlich nicht mit den absoluten Oberklassehallmaschinen mithalten. Als Bestandteil der Klangprogrammierung darf und wird er aber schon das kleine i-Tüpfelchen sein, hier fliegt bestimmt kein Blech weg!

Der Editor/Sound Manager

Ohne diesen kann man zwar spielen, aber er ist enorm wichtig für die individuelle Bereitstellung von Samples und zum Zusammenstellen und Verwalten der Klangprogramme. Bearbeiten können Sie hier nur die (Multi-)Samples, also den Bereich des Wave, den Sie am Gerät nicht bearbeiten können. Programme müssen an der Hardware erstellt werden. Ich möchte mich jetzt nicht in den Einzelheiten der Bedienung verlieren, für so etwas gibt es Manuals.

Die Software erweist sich als sehr bedienerfreundlich, wenn man weiß, was man zu tun hat, ich empfehle zumindest das einmalige Studium der Bedienungsanleitung, damit nichts verloren geht oder sich nicht offenbart. Einen Absturz oder Aufhänger habe ich mit der mir beim Test vorliegenden V 1.04 nicht erlebt.
Arbeiten können Sie mit Samples, die als mono- oder stereo-*.wav-Files gespeichert sind und über eine Sampling-Rate von 16 oder 24 bit verfügen. Der Flash-ROM-Bereich mag mit ca. 180 Mb etwas gering erscheinen, aber die Daten werden im Editor, wenn sie denn schlussendlich für den Wave aufbereitet werden, im Schnitt auf 1/3 ihrer ursprünglichen Größe verlustfrei komprimiert. Was ich an Mengen bei guter Qualität in der Basisausstattung gesehen habe, dürfte auch eine individuelle Befüllung für einen Live-Gig nicht überschreiten. Und im Studio interessiert es bei erfolgter Computeranbindung eh nicht so, das jedenfalls ist eher meine Welt und ich fand es unproblematisch.
Durch Backup-Speicherung kompletter Bibliotheken sollte es auch dem Sessionmusiker leicht fallen, den Nord Wave bei sorgfältiger Pflege seiner Bibliotheken selbst mehrfach am Tag schnell mit jeweils angesagtem Material zu versorgen. Eine Komplettbefüllung geht in relativ kurzer Zeit vonstatten, aber mit einer Stoppuhr habe ich mich jetzt nicht daneben gestellt.
Ich wollte auch für mich einmal persönlich erleben, wie schnell und gut ein Multisample für den Clavia Nord Wave  erstellt ist, beginnend mit der Auswahl der Samples für ein neues Projekt/Instrument. Das schon beim GForce VSM-Review für meinen Kontakt Sampler erwähnte Solina wollte ich nun auch im Nord Wave haben und so griff ich zu meinen mono 24 bit 48 KHz-Samples und wählte 8 davon aus, um sie zu einem Multisample zusammenzustellen. Zuordnen, loopen und konvertieren ging recht fix und so ergab sich ein Paket in Größe von ca. 1,9 Mb zum Download in den Wave. Das Ergebnis können Sie bei den Audiobeispielen als Debussy On Solina hören. Hat Spaß gemacht und das Ergebnis des Multisamples hat mich überzeugt! Zumal ich beim Vergleichsobjekt Kontakt 49 Samples verbraten habe (aus Überzeugung pro Taste eines) und hier dank guter Keyzonebearbeitung seitens der Software mit den acht Samples schnell zu einem schönen Performance Solina gekommen bin.

Zu den Audiobeispielen

Ich habe Abstand davon genommen, Programme und Instrumente der Werkslibrary zu verwenden, weil eigentlich jeder Keyboarder weiß, wie sich ein Piano, eine Orgel oder ein Standardmellotronklang anhört. Auch Bässe, Leads und Pads sind in allerbester Clavia-Qualität vorhanden, da wird es an nichts fehlen. Ich habe mich auf das Einladen und Bearbeiten eigener Samples konzentriert und möchte einige der dabei erzielten Ergebnisse vorstellen.

Der Clavia Nord Wave on YouTube

Und hier eine kleine Empfehlung von YouTube:

Fazit

Ich nehme trotz anfänglicher Skepsis den Clavia Nord Wave jetzt so, wie und was er ist! Ein absolut livetaugliches Instrument, das durch seine Oberflächengestaltung zum Klangmanipulieren einlädt. Klanglich über alle Maßen erhaben, eben in gewohnt hervorragender Clavia-Manier, stellt er durch seine neuen Funktionen hinsichtlich der Samples Möglichkeiten und Funktionen bereit, die es in dieser komprimierten Form auf Hardwareebene in Kombination mit einem Synthesizer so noch nicht gegeben hat. Für alle Nord Lead 3-Besitzer gilt aber: Verkauft eure Maschine NICHT, wenn ihr sie schätzt! Der Nord Wave ist nicht schlechter, er ist ANDERS und kann und will seinen Vorgänger nicht ersetzen. In Sachen Nord Lead 2/2X möchte ich mich nicht so festlegen, da sprechen vielleicht andere Gründe eine Rolle. Aber wenn ich aus eigener Erfahrung sprechen darf: Verschieben Sie solche Verkaufsentscheidungen besser nach hinten, wenn es irgendwie geht!

Mich hat das Konzept grundsätzlich überzeugt und ich bin hinsichtlich der intuitiven Bedienung recht schnell mit der Maschine warm geworden. Ich habe mich dann bei dem Test hauptsächlich auf die Sample-Seite konzentriert, denn auf der VA-Seite bin ich rasch zu der Erkenntnis gekommen, dass diese gut wie eh und je ist, allein bei den digitalen Single-Cycle- und Attack-Wellenformen habe ich feststellen dürfen, dass auch diese zu einer erheblichen Klangerweiterung der Clavia-Welt beitragen.

Die mitgelieferte Basisausstattung an Samples/Multisamples ist brauchbar, wenn auch nicht überragend, zunehmend spannend wird dann jedoch erst die Ausstattung des Geräts mit eigenem Material, um dann z.B. mit eigenen Drumloops die Gestaltung des Gesamtklangs zu übernehmen oder mit gelayerten Atmos/VA-Sounds lebendige Pads zu generieren. Eine qualitativ bewährte Synthese trifft auf Flash-ROMpler und beeinflusst sich auf subtile bis rabiate Weise. Wieder ist es eine Frage der Kreativität und des Aufwands des einzelnen Anwenders, um ein Gerät zu nutzen und es auf vielfältige Weise zu seinem eigenen zu gestalten. Auch wenn die Oberfläche zuerst einen recht einfachen Synthesizer vermuten lässt, ist der Nord Wave alles andere als simpel in seinem klanglichen Ergebnis. Sie werden sich auf jeden Fall nicht in Parameterfluten verlieren und eine komplizierte Zicke befindet sich auch nicht unter Ihren Händen.

Insgesamt erscheint der Nord Wave als ideales Instrument für den Live- und Session-Keyboarder, der seine Instrumente nicht nur spielen, sondern auch schnelle und gezielte Klangeingriffe durchzuführen wünscht. Der Klangfrickler wird das eine oder andere Schmankerl vermissen, aber auch so zu erstaunlichen Ergebnissen kommen. So kann man schon mal seine Klassiker zu Hause lassen, indem man seine Lieblingsklänge in den Nord Wave portiert, um für den Oberheim Brass und die Solina Strings nicht unbedingt die alten und auch schweren Teile durch die Gegend zu karren. Und es soll auch Leute geben, die nach wie vor kein Vertrauen zu Computern entwickeln, besonders nicht auf Bühnen. In Zeiten des Verschwindens der Hardware-Sampler ist der Clavia Nord Wave schon ein praktischer Schritt in Richtung des individuell bestückten Keyboards. Hier ist einfach mal eine wirklich praktische Lösung!

Aus dem Bauch heraus würde ich dem Nord Wave liebend gern die Höchstwertung verpassen, muss mich aber aus dem Grund der Funktionsreduzierungen mit einem Sehr Gut begnügen…mit starker Tendenz nach oben, denn ich, eher der Soundfrickler als der Live-Keyboarder, kann auch gut ohne diese „Minusse“ leben! Hier geht es um das einmalige Konzept, der Nord Wave kann und will keine eierlegende Wollmilchsau sein.

So, ich muss jetzt Schluss machen, es wird gleich dunkel. Ich muss noch schnell in den Baumarkt fahren und Zusatzschlösser an der Tür anbringen, damit hier keiner diesen Apparat herausholen kann!

Plus

  • das gesamte Konzept
  • bewährte VA-Synthese/Klang, erweitert durch Wavetables und Attacksamples
  • intuitiv nutzbare Oberfläche
  • Flash-ROM
  • gute, wenn auch (noch) nicht überragende Basisausstattung
  • gute Verwaltung/Bearbeitung durch den Editor zum schnellen Wechsel der Klangausstattung
  • sehr ansprechendes Filter
  • überschaubare und gut bedienbare Editorsoftware, dadurch ist das schnelle Erstellen von Instrumenten möglich

Minus

  • nur ein Stereoausgang
  • kein Keyboard-Split
  • kein Arpeggiator
  • keine MIDI-Clock Verarbeitung (LFO, Delay)
  • kein Multilayering bei Samples möglich, Duallayering durch die Verwendung beider Slots machbar

Preis

  • 1.990,-- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Vielen Dank für diesen guten Test. Er vermittelt einen guten und realistischen Eindruck des Gerätes. Frohe Weihnachten und möge JEDER hier einen Nord Wave unter dem Baum finden ;)

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja wahnsinn,
    endlich ist die Kiste draußen!

    Echt total schade wegen der Potis.

    Bleibt nur noch abzuwarten, ob eine Rack-Version erscheint.

    Die hier zur Verfügung gestellten Klangbeispiele finde ich nicht so toll!

    Gerade die Werkslibrary ist wichtig, arbeiten tut jeder sowiso anders mit dem Gerät.

    Vielen Dank für den Artikel!

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Macht keinen schlechten Eindruck. Nur ist mir nicht klar warum nur 4 Oktaven Tastatur. Für mich jetzt ein Grund das Gerät nicht zu kaufen.

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo,
    ich habe mir den Wave Synthesizer im Musikladen mal richtig vorgenommen und durchgehört, gedreht und geschraubt.

    Mein Fazit: Was an dem Gerät toll sein soll erschließt sich mir nicht . Das gibt es alles schon lange und ist ehr ein Schritt rückwärts. Und der Preis ist echt überhöht.

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Kein Arpeggiator? Kein Tastatursplit?!? Keine zur MIDI-Clock syncbaren LFOs und Delays?!?! Wir sind fast im Jahr 2008, Leute! Ich bin erschüttert… Für meine Live-Elektronik (ohne Laptop) absolut ungeeignet und selbst im Studio für mich weitgehend sinnlos (unten den Arpeggiator laufen lassen oder nen Bass oder nen Pad spielen, oben drüber improvisieren, alles nicht möglich!). \r\n\r\nIst es so rechenintensiv, Split und Sync einzubauen, oder woran liegt sowas? \r\n\r\nAber der Artikel ist mal wirklich ganz schön geschrieben :-)\r\n\r\nPhil

  6. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hatte mir mal einen Modular neu gekauft, war ziemlich teuer, dann kam OSX raus. Clavia fertigte zwar noch einen neuen Editor für Windows XP an, für OSX gab es aber nichts. Schnell war mein Gerät fast nichts mehr wert, die Gebrauchtpreise sanken, ich selbst konnte schlicht nichts mehr damit anfangen. Monate später kam der neue Modular raus. Ich kam mir vera++++t vor, gerade weil die Clavia zum teuersten gehört, da hätte ich mehr Kundenpflege erwartet (siehe Access, die sehr lange ausgelaufene Modelle unterstützen). Als ich die Kritik zum Wave las und sah, dass es auch hierfür einen Editor gibt, konnte ich nicht anders, als allen mal den guten Tipp zu geben: kauft Euch lieber Hardware, die so entwickelt wurde, dass alles, was zum Funktionsumfang gehört, rein auf dieser Basis läuft, das ist zukunftssicherer und man hängt nicht so am Tropf des Herstellers.

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    AMAZONA Archiv

    An Jean:

    wenn man bischen nachforscht wird man feststellen, dass es ein Editor für OS-X auch für den alten modular gibt….es gibt auch Konvertierungsmöglichkeiten für G1->G2 patches usw…
    Clavia mit Access zu vergleichen…naja…immerhin funktionieren die Clavias wenigstens wenn sie auf den Markt kommen, was man von Access Geräten nicht gerade behaupten kann.

    An Dieter:

    also ich entnehme diesem Test eigentlich, dass sich der nord wave einem durch ausprobieren im Musikgeschäft von den Möglichkeiten und dem eigentlichen Potential das in Ihm schlummert überhaupt nicht erschließen lässt….Oder hast Du den ausprobieren können mit Editor und mit eigenen Samples die du reinladen konntest?

  8. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo zusammen,

    ich benutze den NordWave nun seit gut einem Monat regelmäßig und möchte hier mal in Kurzform meine Eindrücke schildern :
    1. Verarbeitung und Hardware-
    Qualität sind hervorragend.
    2. Die Soundqualität sowohl der VA-Synthese als auch des Sample-Play sind 1A. Wer sich Sorgen wegen der Sample – Kompression macht – vergeßt es.
    3. Handhabung und Work-Flow sehr gut.
    4. Editor läuft stabil und absturzsicher (gilt hier nur für WIN XP)
    Zum Schluß noch ein paar Meckereien und ein kurzer Wunschzettel :
    – der 2. Audioausgang wird auch von mir schmerzlich vermißt
    – Keyboardsplit sollte per OS-Update nachgereicht werden
    – ein Update der manager-Software muß unbedingt ein Vorhören der Samples über den Datei-Browser mitbringen. Jetzt kann das Sample erst nach dem Einladen gehört werden. :-(

    So das wars.
    redwave

  9. Avatar
    AMAZONA Archiv

    was sich hier anbieten würde, wäre mal der Vergleich mit dem V-Synth.
    Da beide Synthies in etwa die prinzipiellen gleichen Möglichkeiten haben.

    Haben hier ja auch noch einen Test zum V-Synth.

    • Profilbild
      changeling  AHU

      War das ein Witz?
      Der V-Synth hat doch wesentlich mehr Möglichkeiten ein Sample zu verbiegen als der Wave und ist auch von der Bedienung her völlig anders.
      Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass beide VA- und Sampling unter einer Haube vereinen. Das macht aber z.B. auch der Waldorf Blofeld.

  10. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich habe einen Nord Lead 2 und einen Nord Wave. Beide Instrumente haben aus meiner Sicht sehr unterschiedliche Stärken. So nutze ich den Wave eher als Lead Synthi und zum Teil als Sampler. Der Nord Lead hat dafür die fantastischen fetten "analogen" Flächen, weil ich 4 Klänge übereinander legen kann. Der Nord Wave ist eher die Brücke zwischen den reinen Synthezisern und der tollen Piano- und Orgelinstrumenten.

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Hallo,
      wie ist das neue Soundset von Clavia??
      Streicher, Akkordeon ??

      Bin am überlegen ob
      PC3 oder nord wave.

      Danke im vorraus

  11. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich habe den Nordwave seit 4 Monaten. Ich habe NOCH NIE so schnell ein spielfertiges Multisample erstellt. Weder mit Kontakt, noch mit Halion oder mit meinen Emulator Samplern früher. Wenn ich auf die Stoppuhr gucke, brauche ich keine 3 Minuten vom Spielen auf der Tastatur eines Soundlieferanten angefangen bis zum spielfertigen Preset am Nordwave. Die alten Mellotron Samples sind eher was für Leute, die sich noch an Tangerine Dream und ähnliche Bands erinnern. Mir stellt sich die Frage, warum Native Instruments nicht mal auf die Idee kommen, so eine geile Automatik Sample Funktion auf die Beine zu stellen.

  12. Avatar
    AMAZONA Archiv

    ich weiss nicht, aber das gerät scheint ein ziemlicher flop zu sein, ist auch schwierig mit diesen rückschritten vom nl3 zum nw, ist wie mit einer lohnerhöhung, ein zurück kommt da meistens schlecht an. rückschritte wie regler, arp, midiclock etc. drumloops sind ja cool, aber wenn die nicht mal im sync sind und so…? obwohl es inzwischen rechtg gute gebrauchtangebote für fast die hälfte des ursprünglichen neupreises gibt, werde ich es mir wohl verkneifen den anzuchecken… finde es übrigens schaade das es hier kein rack mehr gibt, das 4he rack format von clavia hat mir immer sehr gefallen.

  13. Profilbild
    Tyrell  RED 113

    Ich besitze den Nord Wave nun seit einer Woche und habe folgende Erfahrung damit gemacht. Er klingt dreckig und brachial und darin liegt seine Stärke. Wer denkt, mit dem Nord Wave einen echten Analogen ersetzen zu können, der liegt sicher falsch. Wer die Sample-Playback-Funktiin einsetzt um mit neuen Grundwellenformen die Synthese auszureizen, wird seinen Spaß an der Unit haben. Wer aber mit dem Wave einen Sampler/Sampleplayer ersetzen möchte, dem würde ich ganz klar zu anderen Geräten raten.

    • Profilbild
      mira

      gerade die Klangeigenschaften sind für mich das Hauptkriterium, deshalb vergebe ich 3 Sterne.

      Der Wave muss auch keinen Analogen ersetzen (welcher Analogsynth ersetzt schon einen anderen?), aber man hat doch einige Möglichkeiten hier und da auf einen solchen (analogen) zu verzichten. Selbst als Presetschleuder macht er z.B. aus einem monophonen Voyager einen polyphonen und für einige Sound einer Session reicht’s allemal.

      Leider hat Clavia den Wave nicht ganz zu Ende gedacht, die fehlenden Features sind bekannt, doch die flüssige Bedienung und der Sound entschädigen für vieles. Ich hoffe doch sehr auf eine weitere Pflege des OS.

      Kein Synth ist perfekt, wenn man jedoch die Möglichkeiten des Wave ausreizt, dann ist (zumindest aus meiner Sicht) der Spass zu 100% garantiert. Ich wüsste keinen ernstzunehmenden Mitbewerber.

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