Test: Danelectro Billionaire Effektgeräte

11. Januar 2018

Willkommen im Club der Billionäre!

Danelectro Billionaire 1

Als die Firma Danelectro im Spätsommer letzten Jahres ein Update ihrer Product Range vorstellte, sorgte das für reichlich Gesprächsstoff in den Foren. Nicht einmal wegen der vier neuen Effektpedale, sondern vor allem wegen der neuen „9-Volt-Vintage-Akkus“, die Vorteile im Klang gegenüber handelsüblichen Batterien und Akkus in unseren Pedalen bewirken sollen. Nun ja, diese Art von „esoterischem Kaffeesatz lesen“ überlasse ich gerne anderen, zumal die vier zum Test gelieferten Danelectro Billionaire Effektgeräte ohnehin nicht mit diesem vermeintlichen „Wunderakku“, geschweige denn überhaupt mit irgendeiner Batterie betrieben werden können. Von daher bleiben wir mal lieber auf dem Boden der Tatsachen und prüfen im nun folgenden Test die vier neuen Effektpedale Big Spender, Filthy Rich, Pride of Texas und Billion Dollar Boost auf ihre Tauglichkeit.

Gemeinsamkeiten der Danelectro Billionaire Effektgeräte

Alle vier neuen Danelectro Billionaire Effektgeräte besitzen identische Gehäuse und die sind nicht nur schick, sondern auch richtig robust ausgefallen. Die sehr kompakten Treter bestehen komplett aus Metall, wurden mit einer Hochglanzlackierung versehen und besitzen die Anschlüsse an der Stirnseite. Dort geht es mono rein und raus, eine Buchse für ein 9-Volt-Netzteil erwartet den für den Betrieb zwingend notwendigen Adapter, ich erwähnte es bereits. Positiv zu bewerten sind die relaisgesteuerten Metallschalter aller vier Probanden, hier gehen also alle Schaltvorgänge ohne nerviges Knacken und zudem ganz weich vonstatten.

Weniger gut dagegen erscheint die Tatsache, dass sich die Potis aller Pedale direkt auf der Platine befinden und nicht mit dem Gehäuse eine solide verschraubte Einheit bilden. Und das fällt primär durch ein Wackeln auf, das bei dem einen Pedal (Big Spender) mal weniger und bei dem anderen (Filthy Rich) mal stärker ausgeprägt ist. Auf die Regler drauftreten sollte man möglichst bei keinem der vier Pedale, was aber trotz der Keilform der Gehäuse im Eifer des Gefechts schnell mal passieren kann. Wenn es denn sein muss, dann bitte den Tritt möglichst weit hinten ansetzen! Am Drehwiderstand der Regler gibt es hingegen nichts auszusetzen, zusammen mit den griffigen (und farbigen) Potiknöpfen ermöglichen sie ein punktgenaues Einstellen der gewünschten Parameter. Alle vier Pedale haben noch eines gemeinsam – die Betriebsanzeige mit einem Hintergrundbeleuchteten „B“. Und die leuchtet nun als erstes beim Danelectro Big Spender auf.

Danelectro Billionaire Big Spender Spinning Speaker


Danelectro Billionaire Effektgeräte Big Spender

Der Danelectro Big Spender Spinning Speaker soll uns die Sounds eines rotierenden Hochtonlautsprechers, ähnlich dem eines Leslie, liefern. Dazu stehen ein Regler für die Geschwindigkeit, einer für die Intensität des Effekts und ein Dritter für das Anheben der Höhen im Signal zur Verfügung. Die Besonderheit an diesem Pedal ist jedoch die Ramp-Funktion, mit der sich die LFO-Geschwindigkeit von der langsamsten bis zur schnellst möglichen in einem Zeitfenster von 10 Sekunden durchfahren lässt. Eine eigens dafür zuständige LED informiert über die aktivierte Zusatzfunktion.

Sound & Praxis mit dem Spinning Speaker

Um ehrlich zu sein, weckt der Sound des Danelectro Big Spender Spinning Speaker bei mir nicht besonders viel Assoziationen zum typischen Klangverhalten eines rotierenden Hochtonlautsprechers. Das Pedal erzeugt eher einen brauchbaren und vielseitigen Chorussound, der allerdings bei zu stark aufgeregeltem Volumepoti zu auffälligem Rauschen neigt. Die Rampage-Funktion erweist sich in der Praxis als nützliches Tool, um ohne großen Aufwand dem Sound durch die variierende LFO-Geschwindigkeit interessante Facetten hinzuzufügen.

In Klangbeispiel 1 hören wir den Danelectro Big Spender Spinning Speaker mit einer mittleren LFO-Geschwindigkeit.

Nun das Pedal mit aktiviertem Rampage-Modus. Das Signal beginnt mit einer langsamen Geschwindigkeit, steigert sich hinauf bis zur vollen und kehrt dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Das Ganze zweimal.

Ein solider, wenig spektakulär klingender Modulationseffekt mit Problemen im Rauschverhalten. Dafür aber ist der Danelectro Big Spender mit nur 89,- Euro auch recht günstig ausgefallen.

Danelectro Billionaire Filthy Rich Tremolo

Danelectro Billionaire filthy rich

Das zweite Pedal im Club der neuen Danelectro Billionaire Effektgeräte ist ein weiterer Modulationseffekt, wenn auch kein ganz so aufwendiger – ein Tremolo. Das Danelectro Filthy Rich Tremolo bietet diesen klassischen Vintage-Effekt mit zwei Potis und einem Schalter, wobei der Miniswitch den Benutzer rudimentär zwischen einer harten und einer soften „Einschwingkurve“ des LFOs wählen lässt. Das klappt in der Praxis wunderbar, so kann das Einsatzgebiet des Pedals von typischen 60s Surfsounds bis hin zu zerhackten Numetal-Riffs reichen. Deutlich besser als beim Big Spender zeigt sich das Rauschverhalten des Danelectro Filthy Rich Tremolo, hier gibt es gar nichts zu meckern, vor allem nicht beim günstigen Preis von nur 69,- Euro.

Sound & Praxis mit dem Filthy Rich Tremolo

Im ersten Klangbeispiel hören wir zunächst eine unverzerrt gespielte Linie im Softmodus und mittlerer Modulationsgeschwindigkeit.

Nun ein verzerrtes Riff mit dem Miniswitch in „Hard“ Position.

Danelectro Billionaire Billion Dollar Boost

Danelectro Billionaire Billion Dollar Boost

Nach den zwei Modulationseffekten folgen nun die beiden Dynamikeffekte der neuen Danelectro Billionaire Serie – ein Verzerrer und ein Booster namens Billion Dollar Boost. Eine Zweiband-Klangregelung mit Bässen und Höhen, ein Lautstärkepoti sowie ein Miniswitch, mit dem ein voreingestellter Lowcut geschaltet werden kann, sollen dem angeschlossenen Verstärker so richtig Dampf im Kessel machen. Zumindest mit meinem kleinen Orange Micro Dark kann ich das nur bestätigen, der Danelectro Billion Dollar Boost brachte den absolut clean eingestellten Amp schon recht ordentlich in die Zerrung, wie man in den zwei folgenden Klangbeispielen hören kann!

Zudem überraschen auch hier die trotz der hohen möglichen Verstärkung des Signals die geringen Nebengeräusche, bisher scheint dieses Problem wohl ausschließlich den/das Big Spender der Danelectro Billionaire Serie zu betreffen. Eine besonders auffällige Eigenfärbung fügt der Danelectro Billion Dollar Boost dem Sound nicht bei, sodass man hier für schlanke 69,- Euro einen soliden und zuverlässigen Booster bekommen kann, der den Charakter des angeschlossenen Verstärkers kaum spürbar beeinflusst.

Danelectro Billionaire Pride of Texas

Danelectro Billionaire Pride of Texas

Na, an was denken wir, wenn wir den Namen „Pride of Texas“ hören? Na klar, an messerscharfe und bissig-drahtige Zerrsounds, die der Danelectro Pride of Texas der neuen Danelectro Billionaire Effekte auch zweifellos liefern kann! Eine gut zupackende Zweiband-Klangregelung mit Bässen und Höhen sowie ein Gain- und ein Volumeregler basteln in Handumdrehen einen Sound, der auch Stevie Ray Vaughan gefallen dürfte.

Sound & Praxis mit dem Danelectro Pride of Texas

Überraschend gut zeigt sich das Pedal auch in Sachen Dynamik und folgt ganz brav der Stärke der eingespielten Noten, zudem sind auch hier die Rauschwerte auf einem sehr erfreulich niedrigen Level. Und das trotz der hohen Gainreserven, wie man im ersten Klangbeispiel hören kann. Zum Sound des Danelectro Pride of Texas wurde hier noch etwas Hall hinzugefügt. Eingespielt wurde das Beispiel mit dem Frontsinglecoil meiner Music Man Silhouette Special. Etwas Schmutz ist durchaus gewollt!

Das zweite Klangbeispiel zeigt den Danelectro Pride of Texas mit mittlerer Verzerrung. Nun gut, dann und wann ist der Sound etwas matschig, dafür aber mit einer wunderbaren Dynamik spielbar.

Auch hier kann man mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden sein, vor allem dann, wenn man sich den erneut sehr günstigen Preis von 79,- Euro betrachtet. Der Danelectro Pride of Texas bringt den Style und das Flair eines gut aufgedrehten US-Vintage-Amps in unsere Verstärker, zumindest ist er sehr nahe dran!

Fazit

Die Danelectro Billionaire Serie mit ihren vier neuen Effekten ist unterm Strich betrachtet ein durchaus faires Angebot. Auch wenn nicht alle Probanden überzeugen, hier sei besonders das Rauschverhalten des Big Spender erwähnt, bekommt man doch das ans Ohr geliefert, für was der Name des Pedals steht. Der Big Spender rauscht zwar etwas übermäßig, bietet aber mit seinem Rampage-Modus interessante Facetten der Klangbeeinflussung. Das Filthy Rich Tremolo kann mit seinen zwei Modi (Hart und Soft) sowohl die Ansprüche eines Vintagefans als auch die eines Metallers befriedigen, wo hingegen die beiden Zerrpedale bzw. Booster Pride of Texas und Billion Dollar Boost dem eigenen Amp ganz neue Töne entlocken bzw. Beine machen könnten. Check them out!

Plus

  • robuste Metallkonstruktion
  • ausnahmslos Softklickschalter
  • guter Klang
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Rauschen (Big Spender)
  • Potis auf der Platine sitzend (alle)
  • kein Netzteil im Lieferumfang

Preis

  • Ladenpreise:
  • Big Spender Spinning Speaker: 89,- Euro
  • Filthy Rich Tremolo: 69,- Euro
  • Billion Dollar Boost: 69,- Euro
  • Pride of Texas: 79,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Also, wenn ich das richtig sehe, sind das im Wesentlichen soundtechnisch mittelmäßige Pedale in allerbrutalst billigster Verarbeitung, garniert mit jeder Menge Marketing-Blub-Blub.
    .
    Für so einen Mist über 80 Euro zahlen??
    Nie im Leben!

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Allerbrutalst billige Verarbeitung würde ich es nicht nennen, das geht schon noch ne Spur schlechter … unterm Strich finde ich das Angebot insgesamt aber fair.

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