Test: Death By Audio Evil Filter, Gitarrenpedal

28. Januar 2020

Death by Filter - DBAs Monstermaschine

Von Death By Audio haben wir zuletzt das Total Sonic Annihilation 2 unter die Lupe genommen, bei dem der Name mehr oder minder Programm war. Death By Audio macht Nischenpedale für die Masse – einfallsreiche, transformierende Stomp-Boxen, die ihren rauen Vintage-Charme auf die Noise-Spitze treiben können. Die Firma wird nicht grundlos von vielen abgöttisch geliebt: Sie macht Pedale für Leute, die Krach lieben – vereinfacht ausgedrückt. Echte Garage-Ästhetik, zusammengebaut in einer Lagerhalle in Queens, New York. Und an der Speerspitze Oliver Ackermann, ehemaliger Gitarrist von A Place to bury strangers. Geht es deswegen heillos chaotisch zu? Bei Weitem nicht. Hinter dem Wahnsinn steckt System und ein paar Konzeptionen und Einfälle der Firma waren schlichtweg brillant.

Jetzt gibt es natürlich viele Nischenpedale – den Reverberator, den Micro Delay uvm. Doch wenn es um das „Schlachtschiff“ von DBA ging, fiel oft der Name Evil Filter. Es ist das ambitionierteste und massigste Pedal der Firma und liegt uns nun endlich vor. Ob Gitarre, Synthesizer oder Drum-Machine: Wir machen den umfassenden Test und schauen uns an, wie evil die Nummer hier wirklich ist.

Death By Audio Evil Filter, Gitarrenpedal – Facts and Features

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich beim Evil Filter um ein Filter-/Fuzz-Pedal mit analoger Bauweise, das mit mehreren Filtern, separatem Fuzz- und Filter-Output arbeitet und mehrere Schwingungsformen und Spektren für Resonanz besitzt. Es ist in der Mitte aufgeteilt – Filter und Fuzz können getrennt voneinander angesteuert werden, doch zusammen ergeben sie eine besonders bissige Kombination. Die Verarbeitung lässt wie gewohnt nichts zu wünschen übrig: Massives und stabiles Metallgehäuse, mit dem DBA-typischen Design und bei dmn eingerasteten Poti wackelt auch nichts. Das ist eben die Sorte Stompbox, die chaotisches Touren problemlos überstehen soll. Oder in den Worten der Firma selbst:

„We like to destroy things. So we build everything at DBA to last through the toughest beating. We guarantee it. If you can possibly break it. We will fix it.“

Auf dem Pedalboard nimmt das Gerät am besten die zentrale Position ein: Über 700 g schwer, 191 x 117 x 64 mm. Und wie typisch für Death By Audio, spart das Gerät mit einer hohen Anzahl an Anschlüssen: 6,3 mm Monoklinke für den Input, eine weitere für den Output sowie eine Anschlussbuchse für ein Expression-Pedal, mit dem sich die Frequenz des Filters aus dem Stand einstellen lässt, was sich für Filter- und Wah-Effekte ganz hervorragend eignet. Entsprechend sind der große Selling Points des Evil Filter: die Psycho-Highpass-, Lowpass- und Bandpass-Kapazitäten. Ein weiterer: der Medical Grade Chip, mit dessen Hilfe ungemein präzise Filtereffekte erzeugt werden können. Das gesamte Sweeping- und Filter-Spektrum ist also viel genauer aufgeteilt, besser zugänglich und lässt vor allem mit Expression-Pedalen viel mehr Raum als herkömmliche Wahwah-Pedale. Über den CV-Anschluss kann der Filter-Cutoff zusätzlich auch mit einem Synthesizer angesteuert werden.

Death By Audio Evil Filter, Filter-Pedal – Bedienpanel

Auffällig ist wie eingangs erwähnt die Zweiteilung des Evil Filters: Der Fuzz und das Filter können unabhängig voneinander operieren. Ein Kippschalter und ein Regler kümmern sich um die Fuzz-Sektion des Death By Audio Evil Filter:

  • Fuzz Output: Lässt einen den Volume der Fuzz-Sektion einstellen.
  • Fuzz Type Switch: Zwei Modi besitzt der Fuzz – Sinus oder Rechteck, für weichere Chords oder drückende Sounds im zwölften Bund.

Mehr braucht es hier auch nicht. Die Filter-Sektion ist schon weitaus umfangreicher. Die Filterarten, Frequenzen, Resonanz und Schwingungsformen sind allesamt getrennt voneinander einstellbar. Schauen wir uns das mal im Detail an:

  • Filter Freq: Der Cutoff des Filters kann hier anhand Hz – Angaben eingestellt werden. Wer Subbass will, kann das hier genauso einstellen wie schreiende, kratzende Sweeps.
  • Filter Output: Hier lässt sich die Lautstärke der Filter-Sektion einstellen.
  • Filter Selector: Die Filtertypen können beim DBA Evil Filter wie gesagt separat eingestellt werden – Lowpass, Bandpass und Highpass.
  • Filter Resonance und Resonance Switch: Die Resonanz des Filters kann über den Kippschalter enger und weitläufig eingestellt werden. Der Filter-Resonance-Regler wiederum ermöglicht es, die Resonanz als solche dann abzuschwächen oder zu verstärken. In den höheren Regionen stellt sich dann wiederum ein von alleine fortschreitender Oszillationseffekt ein – etwas, womit so ziemlich jedes Death By Audio Pedal ausgestattet ist.

Es passiert also in erster Linie auf der Filter-Ebene das Besondere. Schnörkel gibt’s nicht viele – kein MIDI, kein USB, kein „Firmware-Updates“, Stereoanschlüsse, Aux-Ins oder derartiges: Pustekuchen. Irgendwie erfrischend, wenn man vor allem im Rahmen der NAMM mal wieder gesehen hat, dass das aktuelle Steckenpferd der Szene High-Tech-Floorboards sind mit einer kleinen Armada an Anschlüssen. Gibt’s hier nicht – und das ist vielleicht ganz gut so. Soll eingesteckt und losgetreten werden, die Kiste. Und genau das machen wir jetzt.

Death By Audio Evil Filter – In der Praxis

Wie eingangs erwähnt, wird sich der praktische Teil auf drei Teile beschränken: Das Evil Filter wird mit Gitarre, Synthesizer und Drum-Machine gepaart. Da keine MIDI-Kompatibilität vorhanden ist, handelt es sich ganz klar um eine experimentelle Angelegenheit ohne konkrete Synchronisation. Aber das ist vielleicht gar nicht schlimm. Beginnen wir mit der Gitarre.

Man kann jetzt natürlich wieder fachsimpeln, welche Bauweise sich auf welchen Fuzz-Sound auswirkt. Aber de facto glaube ich nicht, in der letzten Zeit einen dreckigeren, fieseren Fuzz-Sound gehört zu haben. Die Einsatzgebiete beschränken sich bei so einem Sound auf die Grenzgebiete der Genrewelt: Es brutzelt, voller Glitches, jaulender Resonanz und Rückkopplung. Der ausgebildete Jazz-Gitarrist wird das Ding entsprechend zum Teufel jagen, aber wer versteht, welchem Zweck das hier dienen soll – Doom, Noise- und Garagenrock, dürfte hier auf eine Art heiligen Gral gestoßen sein. Da muss man sich eben auch mit Tatsachen abfinden wie das konstante, leichte Rückkopplungs-Fiepen. Der Fuzz ohne Filter:

Wermutstropfen bei der nächsten Demonstration: Mein Valeton Expression-Pedal wollte das gute Stück nicht erkennen. Also wurde ein Loop entsprechend eingespielt und die Filter-Sweeps wurden am Bedienpanel durchgeführt. Jede einzelne Filter-Schwingungsform wurde hier der Reihe nach durchgeschaltet – Oszillationswahnsinn und Degradierung par excellence.

Nun wird eine Sequenz aus dem Volca Beat durch das Pedal gejagt. Während der Fuzz als solcher natürlich für die Zersetzung des Klangbildes sorgt, funktioniert das Evil Filter hervorragend als Filter-Modul. Fuzz plus Drum-Machine ist eine durchaus legitime Angelegenheit, aber hier muss leider befürchtet werden, dass beide Fuzz-Typen das Signal dann doch eine Ecke zu arg aufbröseln. Trotzdem wird auch deutlich, wie ungemein sauber und gleichmäßig der Filter-Sweep vonstattengeht.

Zu guter Letzt nehmen wir zwei Sequenzen aus dem Korg Monologue und verpassen ihnen die Death By Audio Behandlung. Beim ersten Loop ist der Fuzz aktiviert, beim zweiten nicht. Auch hier gilt wieder: Man muss es schon äußerst dreckig mögen, um den Fuzz-Sound des Evil Filters für einen analogen Synthesizer verwenden zu wollen – speziell jedoch das Lowpass-Filter bringt das Gerät an seine Grenzen. Hat durchaus … Charakter? Da ist die schlichte Anwendung der Filter-Sektion durchaus sinniger. Der weitläufige Sweep lässt die Resonanzen richtig pralle werden. Beide VCOs werden auch ohne Fuzz an die Oszillationsgrenze gebracht. Da vermisst man den MIDI-Anschluss nur bedingt: Funktioniert auch ohne bestens.

Fazit

Knallt ordentlich: Der Name ist Programm. Das Evil Filter lässt Oszillationswahnsinn auf einen enorm dreckigen Fuzz treffen und Death by Audio zeigt mal wieder, dass sie zur Speerspitze der unkonventionellen amerikanischen Pedalbauern gehört. Für diejenigen, die wissen, was sie bei DBA bekommen, ist das Evil Filter eine kleine Offenbarung. Einen dicken Punktabzug gibt es aber beim lächerlichen Preis: 450,- Euro für ein Pedal, das trotz tollem Filter so arm an Features und Flexibilität ist – das ist schon eine leichte Unverschämtheit.

Plus

  • irrsinniger Sound
  • über viele Gebiete hinweg einsetzbar
  • starkes Filter

Minus

  • Preis

Preis

  • 439,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Für so ein One-Trick-Pony 450 Euro? Es gibt viele, sehr gut klingende Fuzz Pedale bis 200 Euro. Ich glaube, hier werden nur echte Fuzz-Freaks zuschlagen…
    Danke für den Bericht – besonders die Beispiele mit Synthesizer sind interessant!

  2. Profilbild
    OscSync  

    Hmm, wirklich happig. Das Pedal ist zumindest ähnlich positioniert wie das alte Moog Minifooger MF-Drive (Zerre mit variablem Filter inkl. CV-Eingang, aber kein Envelope Follower), aber der Preis war bei Moog tatsächlich ungefähr halb so hoch, wenn ich mich recht erinnere. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…..

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Moogerfooger MF-101 Low Pass Filter kostete 310,-€, bot jedoch einen Envelope Follower und Modulations-Inputs für alle Parameter inklusive Resonance. Allerdings ist das Evil Filter weitaus aggressiver, was nicht so mein Fall und sicher keine 435,-€ wert ist…

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Richtig. DBA machen immer wieder mit sehr hohen Preisen von sich reden. Der Total Sonic Annihilation 2 ist auch preislich recht happig.

  4. Profilbild
    Hein Bloed  

    Ich war ganz hingerissen (Sound/Optik) – bis ich den Preis gesehen habe. Sehr schade, auch wenn es klanglich right between the eyes ist.
    Gibt’s eventuell dann mal im Sale…

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