Test: Death By Audio Rooms, Hall-Pedal

9. August 2020

Tausend Räume in Stereo

Test Death By Audio Rooms

Unsere Redaktion macht keinen Hehl um die Vorliebe, die wir für Death By Audio hegen – die Firma versteht es, spannende und unberechenbare Pedale zu erschaffen, die den Prozess des Musizierens spannend beeinflussen können. Ob zerstörerische Fuzz-Konzepte wie beim Evil Filter oder Feedback-Pedal wie das Total Sonic Annihilation 2 – Death By Audio verstehen es, einen zu überraschen. Zugegeben – der Preis für das eine oder andere Death By Audio Pedal ist hoch. Death By Audio bauen jedoch unzerstörbare Pedale, die überdauern sollen. Eins der kultigsten Pedale ist der Reverberator – die klirrende, unterkühlte und oszillierende Klangwelten des Hall-Pedals fand viele Freunde. Ein monumentales Stereo-Reverb-Pedal aus dem Hause von Death By Audio war also überfällig. Es ist angekommen – heißt ein bisschen unspektakulär „Rooms“, erschließt aber mehr als nur ein paar (Klang-) Räume. Zugegeben: der Preis lässt einen zusammenfahren. Schauen wir uns mal im Detail an, was Death By Audio sich hierbei gedacht haben.

Death By Audio Rooms, Reverb-Pedal – Facts & Features

Sieht toll aus – finde ich zumindest. Die Maße von 151 x 98 x 75 mm sprengen das herkömmliche Stompbox-Format. Hat eine gewisse Retro-Ästhetik, die analoge Assoziationen aufkommen lässt. Aber keine Missverständnisse: Das Death By Audio Rooms ist ein vollkommen digital arbeitendes Monster, das ein halbes Kilogramm schwer ist und ein knallhartes Metallgehäuse besitzt. Ein Netzteil ist im Lieferumfang nicht enthalten. Wer Death By Audio kennt: Sperenzchen wie zweite Bedienebenen oder TRS-Anschlüsse für eine Software oder einen Editor gibt es normalerweise nicht. Death By Audio sind Puristen und das ist beim Umfang der Features immer spürbar. Doch beim Rooms passiert mehr als man es von DBA gewohnt is .

Test Death By Audio Rooms

Das Death By Audio Rooms besitzt auf der rechten Seite einen Alt-Knopf, der zum einem den Modus für das Expression-Pedal aktiviert und zum anderen ein zweites Regler-Set aktiviert. Die großen Potis bedienen eine Ebene, doch unter dem großen Time-Regler sitzen drei kleinere: alternative Einstellungen für Frequency, Depth und Time – der Alt-Knopf erlaubt es, zwischen beiden Settings hin und her zu wechseln. Ein zweiter, kleiner Alt-Schalter auf der rechten Seite ist dafür zuständig, den Expression-Modus auszuwählen, entweder Frequency oder Time können über das Pedal angesteuert werden. Die Krux beim Room ist natürlich die Stereo-Kapazität: Auf der Stirnseite befinden sich entsprechend zwei Inputs und Outputs, die dafür sorgen, dass ein Gitarren- oder Synth-Signal in Stereo oder Mono rausgegeben werden können.

Death By Audio Rooms, Hall-Pedal – Panel & Engines

Auch die Anzahl der auswählbaren Engines ist für diesen Preis recht übersichtlich: Sechs Hall-Typen vereint das Rooms in sich, die auf unterschiedliche Weise von den Reglern angesteuert werden. Prinzipiell sind die Potis und Verteilungen bei Death By Audio immer ein klein wenig anders und ungewohnt. Beim Rooms beispielsweise sind der Dry- und FX-Regler dafür zuständig, das bearbeitete und das unbearbeitete Signal unabhängig voneinander einstellen und mit einem Boost versehen zu lassen. Der große Regler, Time, ist zuständig für die Dauer und Länge der Hallfahne – das Decay, das dafür sorgen kann, das bearbeitetes und unbearbeitetes Signal beiderseits in einem klanglichen Watt ertrinken. Schauen wir uns im Detail nun an, was die einzelnen Hall-Arten des Pedals können und wie sie von den beiden Reglern Frequency und Depth angesteuert werden.

  • Room: Ein klassischer Raumhall mit kurzem Hall-Charakter als Ausgangslage. Frequency lässt die Klangfarbe des Decays einstellen, Depth ist zuständig für das Pre-Delay.
  • Digit: Ein eigensinniger Filter-Reverb, der für unwirkliche Resonanzen und zufällige Frequenzgängen aufwarten kann. Frequency lässt hier die Delay-Time der Reflexionen einstellen, Depth ist zuständig für das Delay-Feedback.
  • Peak: Ein reißerisches Bandpass-Filter wird hier mit Ambience kombiniert. Frequency justiert die Filterfrequenz, Depth die Resonanz.
  • Gate: Der typische Gated-Reverb, besonders geeignet für Arpeggios mit Freeze-Funktion. Frequency kümmert sich wieder um die Klangfarbe des Decays, Depth die Reaktivität des Gated-Reverb.
  • Wave: Pitch-Vibrato-Reverb – der modulierte Hall des Room, wenn man so will. Modulationsfrequenz und -tiefe lassen sich mit den beiden Reglern einstellen.
  • Gong: Die eigensinnigste und mutigste Engine des Rooms – geeignet für Science-Fiction-Soundtracks und ätherische Sounds. Modulationsfrequenz und Ringmodulator-Effekte lassen sich mit den beiden Reglern einstellen.

Test Death By Audio Rooms

Ein höchst reaktives Pedal, dessen Stereo-Kapazitäten zu allerhand Experimenten einlädt. Ich bin von Death By Audio so einiges gewöhnt – die Arten und Weisen, wie sich Oszillation und Noise in der DBA-Welt manipulieren und kontrollieren lassen, sind einzigartig. Und die Tatsache, dass man ordentlich ein paar Dezibel auf das unbearbeitete oder bearbeitete Signal drauflegen kann, verspricht schon mal allein im Ansatz eine höchst interessante Angelegenheit zu werden. Der Reverberator von Death by Audio spielte seine Stärken vor allem aus, wenn man das Pedal atmen ließ. Wie verhält es sich beim Rooms? Finden wir es raus.

Death By Audio Rooms, Hall-Pedal – in der Praxis

Nicht nur ist es interessant, die Oszillation in der Stereo-Ausgabe zu überprüfen. Hierfür arbeiten wir mit dem Audient Sono Interface für die Abnahme in Stereo. Wir arbeiten zum einem mit dem Kemper Rack für das Klangfundament, zum anderen kombinieren wir das Death By Audio Rooms mit einer Reihe von anderen Pedalen in Stereo. Das Polymoon von Meris kommt hierbei zum Einsatz, wird in Stereo in das Rooms eingespeist und aus dem Rooms in Stereo wieder ans Audient Sono weitergegeben. Auch nutzen wir den Malekko Manther Synthesizer in Kombination mit dem Death By Audio.

Test Death By Audio Rooms

Dem LoFi-Charakter sind Death By Audio zweifelsohne treu geblieben – nur potenzieren sie diesen nun um ein Vielfaches. Das Rooms ist massiv, lässt sich bisweilen nur schwer zähmen. Immer wieder reißen die Frequenzen aus – es ist auch dem mangelnden Headroom geschuldet, aber tatsächlich kratzt das Rooms des Öfteren an der Übersteuerung (leider sehr auffällig bei dem Gate-Beispiel). Nach einer Weile wird man jedoch warm mit dem Pedal – und lernt es, den Rooms zu kontrollieren. Dann setzt sich der Eindruck fest: Es klingt absolut massiv, eins der massivsten Hall-Pedale, das ich je gehört habe – weitläufig, tief und wahrlich monumental. Man will sich nicht zurückhalten und die „leisen“ Töne versuchen. Speziell die Gong-Engine kitzelt mit den leichten Bitcrusher-Anwandlungen am Gehörgang. Die Wave-Engine steuern wir mit dem Expression-Pedal an und Peak ist mit seinem Shimmer-Charakter etwas wirklich Besonderes. Verzerrungen nimmt das Rooms ebenfalls vorzüglich an – wie wir mithilfe der Digit-Engine demonstrieren.

Interessant ist es bei einem Hall-Pedal immer zu testen, wie es auf ein Delay reagiert. In diesem Fall steht uns ein Polymoon zu Verfügung, das sich erfreulicherweise per Stereo ins Rooms speisen lässt. Ohne Frage kann sich kein Pedal dem Charakter des Rooms entziehen. Es ist nimmt den Klang und wirft ihn den Bergen zu Füßen. Steht also auch experimentellen Delay-Sounds ungemein gut zu Gesicht – a match made in heaven könnte man sagen (wobei das Polymoon mit fast jedem Reverb großartig harmoniert).

Bei einem Stereo-Reverb ist die Verwendung eines Synthesizers unverzichtbar. Mein Go-To-Synthesizer ist der klanglich starke Malekko Manther. Wir nutzen ein paar programmierte und vorbereitete Sequenzen und schalten uns durch die Engines. Was soll man dazu sagen, außer dass sich der massive Eindruck zweifelsohne fortsetzt? Auch lässt sich freier tweaken, das Rooms notfalls auch zähmen, wenn die Oszillation an einem bestimmten Frequenzpunkt unerwartet ausreißt. Zuletzt hatte das Red Panda Context V2 mit toller Klangtiefe beim Manther punkten können, aber speziell die Magie, die das Rooms in der Shimmer-Engine des Peak entfesselt, stehen der Sequenz sagenhaft gut zu Gesicht – nachzuhören im dritten Beispiel. Fast ist man gewillt, die Zulegung des Rooms allein für die Verwendung bei Synthesizern in Erwägung ziehen. Beim letzten Beispiel schalten wir von Engine zu Engine – speziell das Gated-Reverb ab 1:12 funktioniert unerwartet gut.

Fazit

Ein absurd hoher Preis für ein Reverb – ist er gerechtfertigt? Nun – für diesen Preis bekommt man zweifelsohne eins der am besten klingenden Reverb-Pedale, die es derzeit auf dem Markt gibt. Sechs Engines sind nicht viel – aber die klangliche Tiefe und die Einstellmöglichkeiten sind ausreichend. Doch es ist Vorsicht geboten – das Rooms ist launisch, hat kritische Frequenzpunkte, die recht unerwartet ausreißen können.

Man will eine Prognose wagen: Nämlich, dass sich das Rooms häufiger in Studios antreffen lassen wird als auf einem Pedalboard. Wer sich nämlich Zeit zum Tweaken nimmt, wird mit einem regelrecht lebendigen Hall-Pedal belohnt, das – ist man versucht zu sagen – mit Synthesizern fast schon besser harmoniert als mit Gitarre. Daumen hoch, Death By Audio – echte Legenden, denen die Puste nicht auszugehen scheint. Fakt ist aber auch: Über eine MIDI-Anbindung hätte man sich besonders gefreut und die hätte für diesen Preis einfach drinnen sein müssen – deshalb gibt es nur ein „Gut“, auch wenn der Klang absolute Spitzenklasse ist.

Plus

  • klanglich absolut erhaben
  • Expression-Funktion
  • Stereo

Minus

  • schwer zu zähmen
  • enormer Preis
  • keine Speichermöglichkeiten

Preis

  • 458,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dflt  

    „Fast ist man gewillt, die Zulegung des Rooms allein für die Verwendung bei Synthesizern in Erwägung ziehen.“

    fast? in meinem fall ausschließlich! :D klingt schon geil, aber bei dem preis könnte der oto bam vielleicht die für’s studio geeignetere (wenn ich weniger experimentelle) alternative sein?

    an dieser stelle nochmal vielen dank für die synth-beispiele :)

  2. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Besonders die Beispiele mit dem Manther sind tatsächlich sehr überzeugend. Da wünscht man sich sofort reflexartig eine Eurorack-Variante. Vielleicht dann einen Hauch günstiger??

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