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Test: Dübreq Stylophone S-1, GEN X-1, Toy-Synthesizer

20. März 2021

Synth for Kids & Nerds

Vorwort der Redaktion

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Gar nicht so einfach, das Dübreq Stylophone S-1 richtig einzuordnen, denn unzweifelhaft ist es vintage und ein Stück Musikgeschichte, auf der anderen Seite wird es nach wie vor hergestellt und kann aktuell für 26,50 im Thomann Online-Shop erworben werden.

Kürzlich erschien sogar ein echter Nachfolger, das Dübreq Stylophon GEN R-8. Dieses ist mit 329,- Euro um einiges kostspieliger, bietet aber auch mehr, wie unser Autor Markus Schröder HIER in seinem Report ausführlich beschreibt.

Mit dem Dübreq Stylophone GEN X-1 gibt es aktuell aber auch ein interessantes Modell, das irgendwo zwischen den beiden Welten liegt – und über deutlich mehr Parameter verfügt als der kleine Bruder.

Dübreq Stylophone GEN X-1

Womit ich an Martha Bahr alias Panik Girl übergebe:

Die Geschichte des Dübreq Stylophones

Es ist klein, einfach zu bedienen und wurde ursprünglich für den Spielzeugmarkt entwickelt. Dennoch lässt sich dieses silberne Plastikgerät, erfunden von Brian Jarvis in den späten 60er-Jahren, in Equipment-Listen diverser Größen wie David Bowie, Jean Michel Jarre, Kraftwerk, Pulp und Marilyn Manson wiederfinden, wurde bereits innerhalb der ersten zehn Produktionsjahre über drei Millionen Mal verkauft und avancierte schließlich zum Kultobjekt unter Musikern und Synthesizer-Liebhabern. Und bis heute ist das Interesse an dem Miniaturkeyboard ungebrochen: Obwohl die Herstellerfirma Dübreq 1980 ihre Türen geschlossen hatte, nahm sie aufgrund der wachsenden Nachfrage die Produktion im Jahr 2007 wieder auf. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf diese kuriose Erfindung aus England zu werfen.

Genau genommen verdanken wir die Entstehung des Stylophones der kleinen Nichte von Brian Jarvis. 1967 bat sie ihren Onkel, ihr defektes Spielzeugpiano zu reparieren, ein simples mechanisches Instrument, das mittels einer kleinen Tastatur und damit verbundenen Hebeln Töne von sich gab. Doch anstatt lediglich die abgebrochenen Tasten zu ersetzen, fing er an, in seiner Werkstatt zu experimentieren und zu improvisieren. Er ersetzte die Mechanik durch Kondensatoren, Widerstände, Transistoren und andere elektronische Komponenten, baute eine flache Metallplatte als Klaviatur ein, brachte auf der Rückseite ein Batteriefach für die Stromversorgung an und erfand dabei schließlich ein neues Gerät: das Stylophone. Es war in vier verschiedenen Varianten erhältlich: Standard, Bass, Treble und 350S, wobei das Standard Stylophone das bei weitem Geläufigste war.

Wie spielt sich ein Dübreq Stylophone?

Doch wie lässt sich eine solch metallene Klaviatur ohne jegliche Anschlagmechanik spielen? Das Prinzip ist simpel und wird auch gleichzeitig im Namen des Instruments beschrieben: Das griechische Wort „Stylos“, im englischen „Stylus“, bedeutet soviel wie Stift und „Phone“ heißt übersetzt Stimme, Laut oder Sound. Das Keyboard wird also nicht wie üblich mit den Fingern gespielt, dafür sind die kleinen Tasten auch nicht geeignet, sondern mit einem metallenen Stift, der durch ein Kabel mit der Elektronik im Inneren verbunden ist. Unter jeder der 20 „Tasten“ sitzt ein Widerstand, dessen Wert sich abhängig von der jeweiligen Tonhöhe unterscheidet und die wiederum alle mit einem spannungsgesteuerten Oszillator verbunden sind. Sobald die Metallspitze des Stiftes eine Taste berührt, wird der bis dahin unterbrochene Stromkreis geschlossen und je nach Widerstandswert der Taste die entsprechende Tonhöhe ausgegeben. Der Klang des Stylophones ist dabei recht eindringlich und markant.

Stylophone Erfinder Brian Jarvis

Der Funktionsumfang des kleinsten Stylophones

Alle weiteren Funktionen dieses monophonen Synthesizers sind schnell aufgezählt: Auf der Vorderseite der Originalversion von 1967 sind ein On/Off- und ein Vibrato-Schalter zu finden, während man auf der Rückseite das Tuning im Ganzen feinjustieren kann. Wer darüber hinaus nach weiteren Einstellungsmöglichkeiten sucht, wird nicht fündig werden. Sogar das Ausgangssignal, das über den integrierten Lautsprecher ausgegeben wird, kann in der Lautstärke nicht variiert werden- zumindest nicht mit einem üblichen Volume-Regler. Laut Handbuch soll die freie Hand diese Aufgabe übernehmen: Indem man sie über das Lautsprechergehäuse legt „erhalte man klangliche Variationen“.

Das hat sich in der Neuauflage des Stylophones von 2007 glücklicherweise geändert. Neben einem Volume-Regler sind zusätzlich noch drei schaltbare Klangvarianten und ein Kopfhörerausgang hinzugefügt worden. Daneben befindet sich ein Miniklinken-Eingang, über den man MP3-Player oder ähnliche Geräte anschließen kann. Das hier anliegende Signal wird über den internen Lautsprecher ausgegeben, um dazu Melodien auf dem Stylophone spielen zu können, ein entsprechendes Miniklinke-auf-Miniklinken-Kabel wird mitgeliefert. Abgesehen von diesen Modifikationen ist das neue Modell, offiziell Stylophone S1 genannt, dem Original jedoch treu geblieben.

Rolf Harris und das Stylophone

Die Taschenorgel

Auch wenn das Stylophone heutigen Ansprüchen an Synthesizer nicht genügen kann, es wurde ja auch schließlich für den Spielzeugmarkt konzipiert und hatte nie den Anspruch, als vollwertiger Synthesizer verstanden zu werden. Das Marketing von Dübreq, einer von Brian Jarvis zusammen mit Burt und Ted Coleman gegründeten Firma, konzentrierte sich vor allem auf Kinder und Familien. Dafür engagierten sie den australischen Musiker und Entertainer Rolf Harris, der es in den Medien mit großem Erfolg als „Pocket Electronic Organ“ bewarb, als eine elektronische Taschenorgel also, die jeder ohne Mühe und Übung zu spielen imstande sei. Und bereits 1973 hatten sie, trotz des auf heutige Verhältnisse umgerechnet recht hohen Preises von circa 110,- Euro, über eine Millionen Exemplare verkauft.

Namhafte Künstler und das Stylophone

Dass sich das Stylophone darüber hinaus auch in professionellen Musikerkreisen wiederfand, erstaunte Brian Jarvis und seine Kollegen: David Bowie benutzte es in seinem Song „Space Oddity“, Kraftwerk spielten es auf ihrem Album „Computerwelt“ – nennenswert ist hier der Titel „Pocket Calculator“- und auch Pulp, Erasure, Little Boots, Marilyn Manson, The Boss Hoss und einige andere entschlossen sich, das handliche Kinderspielzeug in ihren Werken einzusetzen. Inzwischen gibt es sogar Musiker, die sich eigens auf das Stylophone spezialisiert haben: Brett Domino ist wohl der Bekannteste unter ihnen. Mit seiner Band „The Brett Domino Trio“ spielt der „Stylophoniac“ hauptsächlich Cover-Versionen bekannter Songs und nutzt neben anderen Instrumenten immer auch ein Stylophone. Ebenso das Stylophone Orchestra of Great Britain, drei Stylophonisten, die ihre Cover-Songs ausschließlich mit dem Miniatur-Synthesizer spielen.

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„Der Wahnsinn hat begonnen, jeder spielt das Stylophone“

Weitere Stylophone Modelle

Überrascht von so viel Aufmerksamkeit der Musikszene, machten sich die Gründer von Dübreq Anfang der 70er-Jahre daran, ein Modell zu entwickeln, das sich als ausgereifter, polyphoner Synthesizer behaupten sollte. Das Stylophone 350S ist zum einen wesentlich größer als das Standard-Modell und kann zum anderen mit zwei Styli gespielt werden. Anstatt 20 hat es 44 Tasten und bietet weit mehr Einstellungs- und Modulationsmöglichkeiten wie zum Beispiel einer Photo-Control-Funktion, Wah-Wah- und Delay-Effekten, Holzbläser-, Blechbläser-, Streichereinstellungen und einer Lautstärkeregelung. Doch trotz der neuen Features konnte sich diese Ausführung im Vergleich zum Standard Stylophone auf lange Sicht nicht durchsetzen.

Stylophone 350S

Die Wiedergeburt der Stylophones ab 1980

Im Jahr 1980 schließlich beschlossen Brian Jarvis, Ted und Burt Coleman, getrennte Wege zu gehen und Dübreq zu schließen. Das sollte es aber nicht gewesen sein, ungefähr 20 Jahre später tauchte das Stylophone wieder vermehrt in den Medien auf. Grund genug für Ben Jarvis, der Sohn von Brian Jarvis, Dübreq in Kooperation mit der Firma Re:Creation neu zu eröffnen und das Stylophone wieder auf den Markt zu bringen. 2009 erweiterte Dübreq Ltd. die Produktpalette noch um die Stylophone Beatbox, die auf dem gleichen Prinzip basiert wie das nun über 40 Jahre alte Miniatur-Keyboard: 13 kreisförmig angeordnete Sound-Pads aus Metall werden mit dem charakteristischen Stylus gespielt. Anstelle von Orgel-Sounds stehen hier drei verschiedenen Sound-Kits zur Auswahl: Percussion, Beatbox und Bass. Die jeweilige Tonhöhe ist einstellbar, genau so wie das Tempo der Aufnahme-, Wiedergabe- und Loop-Funktion.

Die Stylophone Beatbox 2009

Das Stylophone als iOS-App und Plug-in

Wer das Stylophone allerdings doch lieber auf seinem iPhone oder iPhone Touch spielen oder es gerne in seinem Software-Sequencer einbinden möchte, anstatt sich die Hardware zu kaufen, kann dazu Emulationen im Internet finden. Entwickler wie Sparque und Superwave zum Beispiel boten Freeware-VST-Plug-ins für Windows an. Superwave nutzte hierfür einen Sample basierten Oszillator mit Aufnahmen von einem Stylophone aus den 60er-Jahren und ist wie das Original monophon.

Inwieweit diese Plug-ins heute noch unter aktuellen Betriebssystemen laufen, ist fraglich. Hier würden wir uns über Feedback von euch freuen.

Und auch für das Apple iPhone und iPod Touch gab es verschiedene Apps, die sich am Stylophone orientierten.

Am interessantesten dürfte da die App STYLO-1o1 für 1,09 Euro von Rob Wilmot sein, die auch umfangreiche Parameter zur Klangveränderung bereithält.

Das Dübreq Stylophone S1 on YouTube

Ziemlich abgefahren, wie das Stylophone S-1 im Verbund mit einem kompletten Arrangement klingt:

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Fazit

Obwohl das Stylophone de facto ein Spielzeug-Keyboard ist, das mit ausgewachsenen Synthesizern nicht konkurrieren kann und obwohl es ganze 30 Jahre lang nicht mehr produziert wurde, fasziniert und inspiriert das Stylophone immer wieder Musiker aller Art und ist bis heute ein begehrtes Kultobjekt geblieben. Ob es nun ein überflüssiges Relikt aus alter Zeit oder doch ein ungewöhnlicher Retro-Synth mit charmantem Klang ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Wer allerdings einen Hang zu ausgefallenen Spielzeuginstrumenten hat, kann es nun in zwei günstigen Hardware-Versionen wieder im Thomann Online-Shop kaufen. Ein Versuch lohnt sich.

Preis

  • Dübreq Stylophone S-1: 26,50 Euro
  • Dübreq Stylophone Gen-X1: 69,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lightman  AHU

    Schöner Artikel über einen Klassiker. Als Kind hatte ich ein Stylophone, das mit einer Flexidisk kam, auf der Bill Ramsey die Funktionen erkläre und einige Beispiele vorgestellt wurden. Ich mochte es gern und spielte viel damit herum. Der typische nasale Klang ist bis heute unverwechselbar, so zwischen Spielzeug und Instrument, der ist eigentlich allen diesen Geräten zu eigen, mit Ausnahme des Gen-X1 und vor allem dem genialen Gen-R8, das leider in viel zu geringen Stückzahlen produziert wurde, hätte gerne eins gehabt.

    Ein Kollege und ich haben das originale Stylophone immer mal wieder gesampled, dabei kam bevorzugt ein Mikrofon zum Einsatz. Wir hatten das Gerät zwar auch mit einem Audio-Ausgang versehen (also eine Buchse an die Lautsprecherkabel angeklemmt), aber dabei verlor der Sound viele seiner Eigenheiten.

  2. Profilbild
    SkandinAlien  

    Haha ich kann mich noch dran erinnern so ein „Schtülofon“ für ein paar Mark auf dem Flohmarkt gekauft zu haben und dann zuhause erstmal ordentlich die original vintage 70ies Nikotinschicht abgeschrubbt. Nichtrauchende Haustiere für Heimstudios sind wohl eine Erfindung des letzten Jahrzehnts.

    Fand den Sound damals ziemlich gruselig, aber irgendwie hat es auch echt Spaß gemacht :) Ich werde mir tatsächlich den X1 mal näher ansehen, mit den heutigen Methoden kann ich mir gut vorstellen dem ollen Sound noch ein bisschen mehr zu verbiegen und als Sample zu nutzen.

  3. Profilbild
    k-langwerkstatt  

    Ach kommt schon, warum nur ein „Befriedigend“ für so ein sympathisches, kleines Instrument? Das hat doch zumindest ein „Gut“ verdient…

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