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Test: EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD, Reverb Effektpedal

Space Odyssey in Grün!

16. Oktober 2022

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Wohl kaum ein Produkt, welches in den letzten Jahren so unglaublich stark vermehrt wurde wie der Bereich Stompbox, im Deutschen auch gerne als Pedale bezeichnet. Was aufgrund der vergleichsweise einfachen Grundschaltung zunächst nur die Bereiche Overdrive, Distortion und Fuzz erfasste, schwappte dann auch in den Bereich Modulations- und Raumeffekte über. Um sich nun in dem nahezu unübersichtlichen Dschungel nicht nur akustisch, sondern auch optisch abzuheben, streben die jeweiligen Marketing-Abteilungen der Pedal-Hersteller immer öfter die Zusammenarbeit mit angesagten Künstlern an, um ihre Pedale auch optisch von der Konkurrenz abzuheben, so geschehen bei dem EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD, welches eine auf 1.500 Einheiten begrenzte Auflage darstellt und welche unter der Mitarbeit des Künstlerpools Brain Dead entstand.

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Test

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Front

Das Konzept des EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD

Auch wenn einige Leser sich fragen werden, warum man ein bereits existierendes Pedal mit einer anderen optischen Auslegung noch mal herausbringen soll, möge man sich einfach einmal im KFZ-Bereich umsehen und schauen, welche Preise in diesem Segment für „Sonderlackierungen“ aufgerufen werden. Ich selber konnte erst kürzlich feststellen, dass zum Beispiel Tesla für ein einfaches „Rot“ oder „Blau“ anstatt dem Standard-Weiß gerne einmal bis zu 2.000 Euro mehr aufruft, wohlgemerkt ohne dass der Aufpreis irgendeine andere Zusatzausstattung beinhaltet. Macht einen Aufschlag von etwas mehr als 3 %.

So gesehen ist der Preisaufschlag des EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD von knapp 16 % gegenüber dem regulären Ghost Echo schon eine sportliche Ansage. Im Gegenzug erhält man allerdings auch eine optisch deutlich interessantere Ausgabe des Pedals, wenngleich die veränderte Optik in der Praxis einen kleinen Nachteil offenbart. In der Tat ist die Optik des regulären EarthQuaker Devices Ghost Echo ein wenig, ich möchte nicht unverschämt klingen, sagen wir mal ihrer scwarz-hellblauen Kringeloptik ein wenig belanglos. Hier kann das kräftige Grasgrün mit hohem Blauanteil der Brain Dead Mannschaft deutlich mehr punkten, wenngleich mich die gelb-schwarzen Aufdrucke ein wenig an die Motive der Filmreihe „der phantastische Film“, welcher in den Siebzigern für Gänsehautmomente im ZDF sorgte, erinnern. Auf was jetzt allerdings genau die aufgedruckten Pilze (Magic Mushrooms?) am oberen Rand des Gehäuses anspielen sollen, bleibt mir ein Rätsel. Egal, ist Kunst.

Einen Nachteil gegenüber dem Original Ghost Echo bringen jedoch die drei durchsichtigen Drehregler mit sich, welche zwar flippig aussehen, ihre Einstellung jedoch nur schwer erkennbar machen. Insbesondere bei geringer Bühnenausleuchtung kann man die schwarzen, nur dünn aufgetragenen Striche so gut wie gar nicht erkennen, so dass man sich auf sein Gehör verlassen muss, sobald man den Effekt aktiviert. Hier können in Sachen Ablesbarkeit wiederum die großen schwarzen Drehregler mit weißem Strich des Originals punkten, welche auch bei geringem Bühnenlicht eine gute Erkennbarkeit gewährleisten.

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Test

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Stirnseite

Der Sound

Was für einen Effekt erzeugt der EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD denn nun eigentlich? Dem Namen nach sollte es ein Delay sein oder etwa vielleicht doch nicht? Ja und nein möchte man sagen, da es sich um ein spezielles Reverb-Pedal handelt. Da ein Reverb-Effekt aber letztendlich auch nur eine hohe Anzahl von Echos darstellt, kann man die etwas verwirrende Typenbezeichnung verschmerzen, zumal die Bezeichnung „Reverb“ im Portfolio zusätzlich auftaucht. Nur auf dem Pedal wird lediglich die Bezeichnung „Ghost Echo“ geführt.

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD

Die Besonderheit des Pedals ist in dem Algorithmus zu suchen, der für das Pedal verwendet wird. Das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD simuliert einen Federhall, wie er in den Anfangstagen der Gitarrenverstärkertechnik insbesondere von der Firma Fender als Bonusleistung verwendet wurde. Für alle 1990 und später Geborenen, es handelte sich dabei um mehrere Spiralfedern, welche meistens auf dem Boden des Combos angebracht waren, von dem Gitarrenton in Schwingung versetzt wurden, über einen Tonabnehmer wieder abgenommen und dann mittels des Reverb Reglers des Combo dem Originalton hinzugemischt wurden, wahlweise auch mit einem Fußschalter abrufbar. Der Effekt war erwartungsgemäß nicht die möglichst perfekte Abbildung eines Raums, was technisch auch nicht möglich gewesen wäre, sondern mehr ein sehr charakteristischer Nachhall mit einem sehr hohen Diffusionsanteil. Zusammen mit dem Slapback-Echo zeichnen diese beiden Effekte maßgeblich für die Klangästhetik der Fünfziger und Sechziger in Sachen Gitarrensound verantwortlich.

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Um richtig zur Geltung zu kommen, benötigt der Federhall ein möglichst aufgeräumtes Arrangement und eine möglichst cleane Gitarre, gerne auch mit Single-Notes, so wie es dem oben genannten weltberühmten Klangbeispiel zu entnehmen ist. Fette High-Gain-Power im schnellen Staccato-Style kommen in dem sehr breiten Hallteppich des Federhalls nicht zur Geltung und driften schnell ins Matschige ab.

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Test

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Unterseite

Die Regelmöglichkeiten des EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD

Der EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD kommt mir einer für ein Raumeffektpedal geringen Anzahl von drei Reglern aus, welche mit den Namen Attack, Depth und Dwell bezeichnet sind. Ihr Aufgabengebiet gestaltet sich wie folgt:

Attack: Der Attack-Regler bestimmt die Dauer des Pre-Delays, bevor der Effekt einsetzt und kann je nach Stellung des Reglers zwischen 30 und 150 ms betragen. Ist der Dwell-Regler im hinteren Regelbereich auf Selbstoszillation eingestellt, regelt dieser Regler zusätzlich die Tonhöhe der Oszillation.

Dwell: Dieser Regler steuert die Länge des Effektes, bis zu einem Punkt, wo der Effekt sich „überschlägt“ und die Selbstoszillation einsetzt.

Depth: Dieser Regler regelt dem „Dry“-Anteil den „Wet“-Anteil hinzu. Ein 50/50-Verhältnis von trockenem und bearbeitetem Signal erhält man in der 12-Uhr-Stellung, darüber hinaus wird der originale Signalanteil stetig zurückgefahren.

Das Pedal ist mit True-Bypass ausgestattet, welcher auf einer elektronischen, Relais-basierten Schaltung aufbaut. Daher wird auch kein Signal weitergeleitet, wenn das Pedal vom Strom getrennt wird. Das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD benötigt für einen Raumeffekt die sehr geringe Stromaufnahme von nur 86 mA, d. h. selbst ein 100 mA Anschluß reicht für den Betrieb völlig aus. Das Pedal benötigt zwingend ein Netzteil, welches im Lieferumfang nicht enthalten ist, der Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.

Geliefert wird das Pedal in einem Stoffsäckchen, mit einem Aufkleber und einem ebenfalls sehr auf „flippig“ getrimmten Manual, welches in mehreren Sprachen neben den wichtigsten technischen Eckdaten eine Soundbeschreibung enthält, als ob der Autor selbst vor dem Erstellen des Artikels einige „Magic Mushrooms“ eingeworfen hätte. („gruselige Version der gespenstischen Spring-Reverb-Einheit … furchterregendes Pre-Delay … zähflüssiges, ektoplasmisches Reverb“).

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Test

EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Aufsicht

Das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD in der Praxis

Das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD Pedal ist ein klassisches One-Trick-Pony im besten Sinne. Es bietet genau einen Effekt, den man in seiner Intensität regeln kann, das war es im Endeffekt auch schon. Selbiger Effekt ist jedoch sehr geschmackvoll und lässt sich sowohl im Vintage-, als auch im Ambient-Bereich sehr gut einsetzen. Interessanterweise ist die Bezeichnung „Echo“ nicht ganz von der Hand zu weisen, denn im Gegensatz zu den originalen Hallspiralen, welche keinen Delay-Effekt generieren, hat das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD im Prinzip ein zusätzliches Slapback-Delay noch dazugeschaltet, was man sehr schön in dem Single-Note-Klangbeispiel hören kann. Wer also eine möglichst identische digitale Kopie der aufwändigen analogen Hallspiralen erwartet, sollte sich nach anderen Pedalen umsehen, da das Earthquaker Pedal einen höheren Fokus auf eine gewisse Eigenständigkeit legt.

Nichtsdestotrotz bietet das EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD eine sehr eigenständige und interessante Interpretation des klassischen Hallspiralensounds und kreiert durch die Kombination mit dem Delay-Effekt einen eigenständigen Sound, welcher als klassischer Effekt im eigentliche Sinne einen guten Job erledigt. Zudem ist Grün meine Lieblingsfarbe, was dem Pedal einen in höchstem Maße subjektiven Bonuspunkt einbringt.

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Fazit

Mit dem EarthQuaker Devices Ghost Echo V3 Reverb LTD führt der amerikanische Hersteller eine limitierte Ausgabe seines Ghost Echo im Portfolio, welches in Zusammenarbeit mit dem Künstlerpool Dead Brain entstanden ist. Trotz der Vorlage des Hallspiralensounds der Sechziger bietet das Device eine eigenständige Interpretation des analogen Vorbilds und überzeugt mit einem interessanten „Space-Sound“, welcher im Gegensatz zum Original auch die Verwendung eines Delay-Effektes mit einschließt.

Wem der Aufpreis von 40,- Euro gegenüber dem Original-Pedal die künstlerische Optik wert ist, sollte sich das Pedal einmal näher anschauen. Es ist ein One-Trick-Pony, aber der Trick ist sehr ansprechend!

Plus

  • Sound
  • Optik
  • Verarbeitung

Preis

  • 289,- Euro
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