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Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

26. August 2021

Luxusinstrument für anspruchsvolle Sängerinnen und Sänger

Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

Hinter vielen Produkten oder ihren Herstellern stehen spannende Geschichten. Manchmal sind es berühmte Kunden, die mit dem betreffenden Produkt erfolgreich gearbeitet haben und um das Produkt herum einen Mythos haben entstehen lassen. Manchmal ist es das Produkt und seine Entstehungsgeschichte selbst und in anderen Fällen ist es die Geschichte, wie es überhaupt zur Firmengründung kam, die interessant ist. So beginnen die meisten meiner Produkttests mit einer Geschichte zum Hersteller oder zum Produkt. Earthworks machen diesbezüglich keine Ausnahme. Warum nicht nur der Hersteller, sondern auch seine Produkte komplett anders sind, erfahrt ihr hier.

Wer ist Earthworks?

Vom Plan, den besten Lautsprecher zu bauen zur Herstellung von Mikrofonen – so könnte die Kurzfassung zur Geschichte von Earthworks lauten. David Blackmer hatte sich ursprünglich in den Kopf gesetzt, den besten Lautsprecher der Welt zu bauen. Bei seinen Konstruktionsversuchen scheiterte er jedoch nicht am Lautsprecherbau selbst, sondern an den am Markt verfügbaren Messsystemen oder besser gesagt Messmikrofonen. Diese waren einfach nicht gut genug, um seinen hohen audiophilen Ansprüchen zu genügen. So konstruierte er kurzerhand sein eigenes Mikro – das OM1. Hier könnte die Geschichte enden und statt eines Gesangsmikrofons würde ich nun einen Lautsprecher testen. Dies war auch der Gedanke, den David Blackmer hatte. Leider hat er die Rechnung nicht mit dem durchschlagenden Erfolg des OM1 Messmikrofons gemacht. Somit wurde der Lautsprecherbau weiterhin vertagt und stattdessen konzentrierte man sich auf die Herstellung hochwertiger Mikrofone und Preamps. Am Ende schaffte Blackmer es doch noch, einen Lautsprecher zu konstruieren, der seinen Wünschen entsprach. Doch das Hauptprodukt von Earthworks blieben und sind die Mikrofone. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe hochwertiger Mikrofone im Portfolio und sogar Mikrofonkapseln für Funksysteme werden angeboten. Im AMAZONA.de-Testbericht gibt es daraus heute das Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon.

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Earthworks Audio SR40V

Gesangsmikrofone gibt es wie Sand am Meer und mit den beiden Mikrofonen KMS104 und KMS105 haben Neumann die Messlatte vor einiger Zeit sehr hoch gelegt. Gesangsmikrofone gehören fest zum Instrument eines Sängers. Hier entscheidet sich maßgeblich, was von der Stimme am Ende beim Publikum ankommt. Gesang bedeutet körperliche Arbeit und das Mikrofon ist das Tool, das diese Arbeit unterstützen soll, um am Ende das bestmögliche Ergebnis zu präsentieren. Was sich hier aus dem Mund (oder den Fingern) eines AMAZONA.de-Autoren hochgestochen anhört, wird von den meisten erfahrenen Sängern (und Sängerinnen) sicherlich sofort unterschrieben werden. Ein schlechtes oder nicht passendes Mikrofon macht es dem Musiker und seiner Stimme unnötig schwer.

Es ist also Sache des Sängers, sich das passende Arbeitsmittel auszusuchen wie die Zauberer aus der Welt Harry Potters den Zauberstab. Und oft wirkt es tatsächlich wie Magie, wenn man ein zu einhundert Prozent passendes Mikrofon in der Hand hält und munter drauflos singt. Für genau so einen Moment sorgte das Earthworks Audio SR40V während des Tests. Doch dazu später mehr. Zunächst einmal die technischen Daten:

Das Earthworks Audio SR40 V Gesangsmikrofon verfügt über eine Kondensatorkapsel mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 40 kHz. Richtig gelesen: 40 kHz. Die Nierenkapsel besitzt eine Empfindlichkeit von 10 mV pro Pascal, entsprechend -40 dBV pro Pascal. Für den Betrieb wird eine Phantomspeisung von mindestens 24 V bis maximal 48 V bei 10 mA benötigt. Das sollte für die meisten Mischpulte kein Problem darstellen. Beachtenswert ist der extrem große maximale Schalldruck von 145 dB SPL. Damit wird selbst der größte Heavy-Shouter das Mikro selbst nicht zum Clippen bringen und auch einer Nahaufnahme eines Jets steht nichts im Wege. Interessant ist für die meisten Sänger, die das Mikro den ganzen Gig über in der Hand halten, das Gewicht. Dieses liegt bei hohen 377 g. Nicht gerade ein Leichtgewicht und noch einmal schwerer als das zum Vergleich herangezogene Neumann Gesangsmikrofon und das Sennheiser e945.

Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

Die Messdiagramme des Herstellers zeigen den extrem weiten Frequenzgang des Mikrofons sowie die Richtcharakteristik

Frequenzgang für Fledermausohren?

Zurück zum Frequenzgang. Fast alle Gesangsmikrofone haben eine obere Grenzfrequenz von 15 kHz bis maximal 20 kHz. Warum sollte man auch mehr liefern, wenn unser Gehör ohnehin bei 20 kHz dicht macht und die meisten Rockmusiker mit Bunkerproberaum die 10 kHz kaum noch erreichen? Die Antwort liefern Earthworks auf ihrer Website:

Earthworks begründen den bis zu 50 kHz reichenden Frequenzgang ihrer Mikrofone mit der Sensitivität des Gehörs in der Zeitdomäne. Während unser Gehör auf der Frequenzebene im Kindesalter maximal bis 20 kHz reicht, ist es laut Earthworks für Signale mit einem zeitlichen Unterschied zueinander von bis unter 10 µs extrem hochauflösend. Earthworks führt weiter aus, dass diese sehr hohe zeitliche Auflösung des Gehörs mit einer Frequenz von über 80 kHz korrespondiert. Die Periodendauer von 80 kHz beträgt nämlich 12,5 µs (= 0,0125 ms). Nun können wir zwar diese hohen Frequenzen nicht hören, allerdings würden wir laut Hersteller das „Verschmieren“ in der Zeitdomäne bei Mikrofonen mit niedrigerer oberen Grenzfrequenz durchaus wahrnehmen.

Leider sind das Aussagen, die ich nicht durch Messungen am Mikrofon überprüfen kann, denn erstens besitze ich keinen Lautsprecher, der in der Lage wäre, Frequenzen in dieser Höhe zu reproduzieren, noch besitze ich ein Messmikrofon oder Messsystem, das diese zu messen vermag. So bleibt hier nur das Vertrauen in die Herstelleraussagen übrig.

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Noch ein Wort zum Lieferumfang: Bei Earthworks scheint man mehr Wert auf die inneren Werte als auf die Produktverpackung zu legen. Schmuckloser Pappkarton, Klemme, Mikrofon und eine einfache Tasche sind alles, was man erhält.

Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon in der Praxis

Da ich selbst nicht zu den begnadeten Sängern gehöre, aber glücklicherweise mit einer Sängerin verheiratet bin, habe ich ihr das Mikrofon kurzerhand direkt vor einem Auftritt in die Hand gedrückt. Auftritte sind zurzeit eher rar und so war ich froh, dass die Ankunft des Mikrofons per Post mit einem Bühneneinsatz zusammenfiel. Konkret ging es um die musikalische Gestaltung eines modernen Gottesdienstes. Dargeboten wurde moderne Lobpreismusik (Worship) mit Klavierbegleitung und Backing Tracks. Acht Lieder mit unterschiedlichsten Stilistiken, mal sehr leise, mal laut, mal ruhig, mal schnell, wurden auf die Bühne gebracht. Normalerweise setzen wir für den Lead-Gesang ein Neumann Mikrofon ein, für die Verstärkung meiner eigenen Stimme „reicht“ ein Sennheiser e945, ein ebenfalls sehr gutes Bühnenmikrofon. Da eine Woche später die Gestaltung einer Trauung anstand, durfte auch dort das Mikrofon noch einmal zeigen, was es kann. Dieses Mal waren unter anderem Pop-Songs gewünscht, wie zum Beispiel „Übermorgen“ von Mark Forster, „Zu Dir“ von Lea oder „Seite an Seite“ von Christina Stürmer. Stilistisch wie gesangstechnisch konnte also aus dem Vollen geschöpft werden. Doch dazu später mehr.

Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

Mikrofon, Klemme und eine Tasche – alles verstaut in einem schnöden Pappkarton – gehören zum Lieferumfang

Für den weiteren Testablauf musste ich von meinem gewohnten Testschema abweichen und ich möchte kurz erklären, warum. Schon nach dem ersten Anschließen habe ich festgestellt, dass das Earthworks Audio SR40V anders ist. Für mich als Laiensänger war das zunächst subtil spürbar, für  eine erfahrene Gesangssolistin jedoch sofort stark greifbar: Das Earthworks Audio SR40V erleichtert das Singen stark. Uns kam beiden sofort ein Zitat von Bruce Lee in den Sinn, das wir oft von unserem Karatetrainer gehört haben: „I do not hit. It hits all by itself.“ Das Mikrofon bietet der Stimme den geringst möglichen Widerstand. Die Erfahrung, damit zu singen, kann man schlecht in Worte fassen und schon gar nicht per Messungen oder anhand von Hörbeispielen belegen. Es ist eine Erfahrung, die man selbst, wenn möglich auf der Bühne, machen muss. Wir haben nach den beiden Auftritten mit dem Earthworks Audio SR40V lange über das Ergebnis diskutiert und die beste Umschreibung, die uns eingefallen ist, ist die des perfekten Instruments:

Ein Gitarrist sucht lange nach seinem Instrument. Hat er es gefunden, wird er es nicht mehr aus der Hand legen. Er passt sein Spiel aber auch immer dem verwendeten Instrument an. Gleiches gilt in sehr hohem Maße für Pianisten. Ein Sänger hat auf der Bühne als Referenz hauptsächlich den Klang des Mikrofons und der verwendeten Monitore. Er wird ebenfalls den Gesang automatisch daran anpassen. Singt er immer durch das gleiche Mikrofon und benutzt ein ähnliches Monitoring, wird sich daraus der eigene Sound ergeben. Beim Earthworks Audio SR40V ist die Stimme so nah an dem, was man hört, wenn man ohne Mikrofon spricht, dass sich ein komplett anderes Gefühl beim Sprechen oder Singen einstellt. Bianca bezeichnete das im Gespräch als „Echtheit“ der Stimme. Genau an diesem Punkt erklärt sich, warum eine Demoaufnahme dem Mikrofon nicht gerecht wird: Der Hörer müsste dazu die Originalstimme mit der Aufnahme vergleichen können, um diesen subtilen und doch wahrnehmbaren Unterschied zu verstehen. Auch ein Vergleich mit zum Beispiel dem Neumann KMS104 würde nur einen leicht anderen Klang ergeben, aber eben nicht diesen Umstand der „Echtheit“ demonstrieren.

Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

Das Earthworks SR40V wusste bei zwei Veranstaltungen Sängerin wie Autor voll und ganz zu überzeugen

Dieser Sachverhalt spiegelt sich dann auch in der Verwendung des Pult-EQs wider, denn dieser konnte zu 100 % als Klangwerkzeug und nicht als Korrekturwerkzeug verwendet werden, sobald sich Sänger und Mikrofon aufeinander eingestellt haben. Letzteres ging erstaunlich schnell und schon beim zweiten Auftritt fiel die besondere Leichtigkeit auf, mit der die Titel gesungen wurden. Bianca sagte mir hinterher, dass sie jederzeit das Gefühl hatte, die volle Kontrolle über das Mikrofon und das Endergebnis zu haben.

Test: Earthworks Audio SR40V Gesangsmikrofon

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Fazit

Ihr eigenes und mein Fazit lauten deshalb, dass dieses Mikrofon trotz des hohen Preises jeden Cent wert ist. Es ist kein Mikrofon für Einsteiger, sondern für Profis, die für die Stimme das ideale Instrument zur Verstärkung suchen. Das Earthworks Audio SR40V legt keine Steine in den Weg, es beseitigt Hürden und gibt dem Sänger die Kontrolle zurück, die Instrumentalisten niemals aus der Hand geben würden – die Kontrolle über den eigenen Sound. Wie sehr man sich an Mikrofone gewöhnt und seine eigene Gesangstechnik darauf abstellt, zeigt erst der eigene Vergleich zwischen dem lange genutzten Gesangsmikrofon und dem Earthworks Audio SR40V. Aus diesem Grund empfehle ich dringend einen persönlichen und vor allem längeren Test, wenn möglich mit Bühneneinsatz. Über die Beschreibung eigener Erfahrungen mit dem Earthworks Audio SR40V in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.

Plus

  • Verarbeitungsqualität
  • Klangqualität
  • "Echtheit" der Schallwandlung

Preis

  • 809,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    SongJoy

    Danke für diese sehr interessante (und schön plastisch und unterhaltsam geschriebene) Produktvorstellung und -bewertung! Das Neumann fand ich zu bassschwach für meine (Bariton)Stimme, und die Höhen fand ich zu „gewollt“. Auch die von dir erwähnten Mitbewerber haben mich seinerzeit nicht überzeugt, da sie jeweils eine zu starke eigene „Signatur“ auf den Sound drückten, die mir etwas zu hi-fi-mäßig rüberkam. Von daher bin ich umso gespannter auf den Textkandidaten… Interessant gewesen wäre auch eine Aussage über das Verhalten der Nahbesprechung. Bei dem Preis muss man schon schlucken, aber wenn sich das Ding als Top-Lösung herausstellt und das Feedback-Verhalten auch nicht zu krass ist, ist der Preis irgendwie verkraftbar.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Bei Neumann gibt es eine Version, die eigentlich für Frauenstimmen gedacht ist. Da sind die Bässe ziemlich stark betont. Interessanterweise gefällt mir das Mikrofon aber besser bei Männerstimmen als bei Frauenstimmen. Es ist das KMS 104 Plus. Einfach mal ausprobieren.

      Der Nahbesprechungseffekt ist deutlich vorhanden, hält sich aber in Grenzen. Das gibt es bei einigen Mikrofonen stärker. Man kann aber gut damit spielen. Die besten Ergebnisse haben wir im Abstand von 1-3 Zentimeter erzielt. Feedbacks gab es überhaupt keine, auch bei der Trauung direkt vor dem Lautsprecher nicht. Aber das erwarte ich in der Preisklasse auch.

  2. Profilbild
    funkateer  

    Danke für den Bericht – durch diesen bin ich erst aufmerksam auf dieses Mikrofon geworden und werde es sicher testen.
    Mir aber ein Rätsel, weshalb man diesem vergleichsweise teuerem Mikro nur ein „Stofftäschchen“ beilegt, das erfahrungsgemäß das Produkt wenig schützt und der Reißverschluss nach 5-maligem Öffnen aufreißt ;)
    Zusätzlicher Transportschutz muss also einkalkuliert werden.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Das hat mich auch etwas verwundert. Taschen kosten ja auch nicht die Welt. Und Neumann ist da wirklich vorbildlich.

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