Test: Ernie Ball Music Man Mariposa, E-Gitarre

19. April 2020

Pure Eleganz, neues Design - ein moderner MM-Klassiker

Im Test: Music Man Mariposa E-Gitarre

Die Mariposa von Ernie Ball ist die nächste Music Man in einer langen Liste von illustren Namen, die von John Petrucci bis Albert Lee reichen. Music Man Signatures sind – das ist nicht unbedingt Konsens, aber durchaus die Meinung einiger – die besten Signature-Gitarren da draußen. Die Mariposa entstammt der Zusammenarbeit von Music Man und Omar Rodriguez Lopez, Songwriter und Komponist hinter At the Drive In und den famosen Mars Volta. Die Majesty von Music Man, ein regelrechtes Flaggschiff im Namen von John Petrucci, hat bereits demonstriert, was die Music Man Signatures so besonders macht: Die Designs gehen die extra Meile, wirken bisweilen exzentrisch, funktionieren aber trotzdem erstaunlich gut. Hardware und Elektronik sind auch meistens über alle Zweifel erhaben. Die Mariposa ist in Sachen Design noch mal eine Ecke exzentrischer: Das Angular-Design, anzusiedeln irgendwo zwischen Firebird, Offset und Jazzmaster, dürfte auf den ersten Blick wieder ordentlich polarisieren. Es wirkt retro, inspiriert und eigenwillig – die Mariposa, eine Nischengitarre? Oder ein genialer Glücksgriff? Wir schauen uns das jetzt im Detail an.

Music Man Mariposa – Facts and Features

Als Fanboy muss und will man sich trotzdem stets um Objektivität bemühen – doch als bekennender Prog-Rock-Liebhaber kann man an dieser Stelle nur noch mal hervorheben: Frances the Mute, das zweite Album von Mars Volta, gehört zu den besten Prog-Alben aller Zeiten und sollte an dieser Stelle jedem Musikliebhaber ans Herz gelegt werden.

Im Test: Music Man Mariposa E-Gitarre

Bei aller Exzentrik lädt die Music Man Mariposa E-Gitarre doch zum sofortigen Spielen ein – denn sie ist leicht. Kein massives Mahagoni-Holz kam hier zum Einsatz, sondern afrikanisches Okume-Holz, ein Balsambaum der Mahagoni-Familie, der leichter ist als viele verwandte Holzarten. Ich hatte Bedenken beim ungewöhnlichen Korpus, doch die verfliegen schnell. Hier wurde Komfort nicht zugunsten des Designs geopfert: Die leichte Taille ist nach hinten hin durch Abrundungen dem Körper angepasst, die Kanten abgeweicht – die Music Man Mariposa liegt, bei einer Mensur von 648 mm, perfekt an. Auch der Hals fühlt sich hervorragend an – zwar handelt es sich hier auch um bewährtes, geröstetes und gewachstes Ahorn, das Gott sei Dank nach hinten nicht lackiert ist, sondern durch die geölte Prozedur ungemein geschmeidig und weich anliegt. Der naturbelassene Hals ist selbstredend nicht durchgehend, sondern mithilfe von fünf Schrauben fest im Korpus der Mariposa eingelassen und weist eine Breite von 56,9 mm auf – fast ein bisschen schmal, möchte man meinen, mit einem deutlichen C-Shape in der Verlaufsform. Das Finish aus Hochglanz Polyester wirkt hochklassig.

Im Test: Music Man Mariposa E-Gitarre

Kommen wir zum Griffbrett: Die Bundstäbchen sind auf den Millimeter genau eingesetzt und stehen nirgendwo auch nur im Ansatz ab – für eine Signature in diesem Preisbereich eigentlich fast eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Das Griffbrett aus Ebenholz liegt auf einem Radius von 25,4 cm Hals auf und unterteilt sich in 22 High-Profile Medium-Bünde, die durch die eleganten, wenn auch etwas für meinen Geschmack etwas zu präsenten Perlmutt-Inlays markiert werden. Trotzdem zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Music Man Mariposa durch die sorgfältige Bearbeitung und Halsform in Sachen Haptik besonders gut abschneidet – und das trotz der eigensinnigen Form. Am Ende des Gitarrenhalses zeichnet sich in goldener Mechanik der Trossrod zum Verstellen der Halskrümmung ab und die abgerundete Passung zwischen Korpus und Hals wirkt geschmackvoll und mit viel Liebe gemacht. Da wirkt die Kopfplatte bei der sonstigen Extravaganz fast schon ein bisschen altbacken und gewöhnlich, aber das kann verschmerzt werden.

Music Man Mariposa, E-Gitarre – Hardware und Elektronik

Der Matching Headstock der Music Man Mariposa ist mit recht einfachen, aber verlässlichen Schaller Stimmmechaniken in 4-2-Anordnung ausgestattet, die über einen schwarzen Kunststoffsattel hin zur verchromten Sattel-Hardware der Mariposa führen. Die goldene und verchromte Hardware der Mariposa ist bei der Imperial White und Imperial Black Ausführung serienmäßig, während sie beim Dorado Green und dem Pueblo Pink silbern ausfällt.

Das Music Man Modern-Tremolo gehört zu den stimmstabileren Tremolos auf den Markt – dazu tragen die federnden Sättel aus Vintage Stahl bei, die mit dem stilsicher wirkenden Chevron Cover bedeckt und geschützt sind. Der Stimmblock ist nicht eingefräst – Upbendings mit der Tremolo-Gabel im klassischen Sinn sind also nicht möglich, trotzdem kann man das Tremolo-System an seine Grenzen bringen, weit über einen Halbton hinaus. Was die Einfachheit der Handhabe verstärkt: keine Saitenniederhalter und das obwohl der Headstock der Mariposa nicht wirklich geneigt ist. Das von kunstvollen Ornamenten verzierte Schlagbrett verzeichnet an ungewöhnlicher Position den Dreiwegschalter: Auf der Spitze des unteren Flügels, fast schon ein bisschen versteckt. Ob sich das auf das Spielgefühl auswirkt, werden wir im Detail untersuchen.

Im Test: Music Man Mariposa E-Gitarre

Tone-Regler sucht man bei der Music Man Mariposa vergeblich. Wer die Klangfarbe seines Sounds einstellen möchte, muss dies also anderweitig tun. Beide Regler sind für das Volume der Pickups zuständig, sind erstklassig eingearbeitet und lassen einen gleichmäßigen Regelweg erwarten. Ansteuern tun sie zwei Music Man Custom Wound Humbucker mit Gold-/Chrom-Kappen. Eine hochwertige Kombination, die zuletzt bei der Music Man Stingray Verwendung gefunden hat. Der Sound der HH Custom Wounds ist warm, aber durchaus bissig. Wer Omar Rodriguez Lopez kennt, weiß, dass High-Gain weniger ein Markenzeichen seines Sounds ist, sondern eher pristine, klirrende Distortion und warmer Crunch. Inwiefern die beiden Tonabnehmer diese Klangfelder abdecken, werden wir uns im Praxisteil im Detail ansehen.

Im Test: Music Man Mariposa E-Gitarre

Music Man Mariposa E-Gitarre – in der Praxis

Wie ausgewogen ist das Gefühl des Korpus – haben wir es hier mit einer ergonomischen Form zu tun? Definitiv. Nicht nur auf dem Knie, sondern speziell umgehängt ist die ungewöhnliche Form mit dem tiefen Cutaway ein mutiges Design-Juwel, bei dem nichts im Weg steht. Unangeschlossen erklingt die Music Man Mariposa E-Gitarre fest, frei von Nebengeräuschen, nicht ganz so charakterstark in der Resonanz, wie zunächst erwartet. Klar, hell und deutlich im Schwingungsverhalten, tut sich bei mir persönlich gleich ein Makel in Sachen Bespielbarkeit auf: Denn ein normaler C-Shape ist das nicht. Das ist – ich betone es erneut – kein objektives Manko, sondern eins, das sich durch meine persönlichen Präferenz ergibt: Flache Hälse wie der einer SG sagen mir persönlich mehr zu. Der C-Shape der Music Man Mariposa ist extra rund, fast kernig und erfordert durch die durchgehend konstante Breite speziell in den höheren Lagen einen ungewohnt festen Grip. Ich persönlich finde, dass sich das nach längerem Spielen ermüdend auswirken kann. Doch darüber hinaus ist die naturbelassene Rückseite des Halses eine wahre Freude vom Spielgefühl her.

Kommen wir zu den Tonabnehmern und dem Spielcharakter der Mariposa. Und der spricht für sich: Klangtransparenz ist bei Mid- und High-Gain keine einfache Sache. Während der Output als solcher zwischen moderat und hoch eingestuft werden kann, glänzt die Mariposa in der Art, wie Low-End, Mid-Scoop und höhere Frequenzen voneinander glasklar abzutrennen sind und niemals verwischen. Der Grundcharakter ist hell – die Music Man Mariposa britzelt und brutzelt nur, wenn sie es will. Es spricht aber, unabhängig vom Grundcharakter, sehr für sich, dass bei höherem Gain der Frequenzgang immer deutlich und differenziert bleibt. Der Regelweg der Potis ist ebenfalls makellos und gleichmäßig. Der einzige Schönheitsfehler dürfte der etwas für meinen Geschmack zu wacklige Dreiwegschalter sein – für die Preisklasse dürfte man erwarten, dass das wie angegossen sitzt – eher untypisch für Music Man und sicher kein serienmäßiges Manko.

Wir beginnen mit der Bridge-Position, wo man klar vernehmen kann, dass ein offenes, atmendes Spiel der Music Man Mariposa E-Gitarre ungemein gut steht. Genutzt wird der Zerrkanal eines Laney Lionheart, garniert mit ein bisschen Verstärker-Hall. Gain ist hier weitestgehend auf 2 Uhr gelegt und trotzdem bleibt es schön resonant klar, bisweilen massiv und immer warm. Hinzu kommt ein gutes Sustain, das manchmal ein bisschen schnell zu verschwinden scheint, dies aber im gesamten Frequenzgang sehr gleichmäßig macht. Wie kann man den Charakter der Mariposa definieren? Er erinnert mich durchaus an eine Kreuzung zwischen einer Paula Singlecut und einer Jazzmaster – völlig einzigartig.

Ein Hauch Stratocaster offenbart sich in der mittleren Position des Dreiwegschalters. Auch hier gilt: warm und transparent ohne Ende – eine wahre Freude. Für meinen Geschmack offenbart für den Clean-Bereich die Mariposa einen kleinen Hauch zuviel Low-End, aber das ist allemal zu verschmerzen.

Für die Rhythmus-Sektion des Neck-Humbuckers offenbart sich im Klangcharakter eine sehr deutliche Omar Rodriguez Lopez Note. Bei der warmen, hellen Note des Gains werden – bei mir persönlich zumindest – At The Drive-In-Assoziationen wach. Nach gewisser Zeit hat man sich auch an das schmale, aber sehr runde Halsprofil gewöhnt – zu sehr erfreut man sich am Klang: Auch in der Neck-Position ist es niemals dumpf, sondern dynamisch und angenehm mittig anstatt dröhnend. Der insgesamt Treble-freudige Sound offenbart einen grundsätzlich höhenlastigen Charakter der Music Man Mariposa E-Gitarre, der auch durchaus dreckig kann – eine klanglich ungemein flexible Gitarre, die auch Garage beherrscht.

Fazit

Edel und klanglich erstklassig – bei dem Preis blutet einem natürlich das Herz, aber de facto liefern Music Man hier erneut eine fantastische Signature ab. Warm, mit hellem Grundcharakter, kann diese Mariposa in Sachen Flexibilität auf ganzer Linie überzeugen. Sie kann Garage, dynamisch clean, High-Gain, warmen, mittigen Crunch und klingt dabei stets unverwechselbar wie eine Kreuzung aus einer Jazzmaster und einer grunzenden Singlecut, nur um manchmal einen erdigen Stratocaster-Sound plötzlich zu offenbaren. Für eine High-End-Gitarre gilt hier: Der Mut zu dem Design und der sehr eigene Klangcharakter wollen belohnt werden, denn diese Mariposa-Gleichung geht zu 100 % auf – daher Best Buy, trotz des hohen Preises.

Plus

  • neuartiges, formidables Design
  • hochwertige Haptik
  • Stimmstabil
  • großartiger Sound

Minus

  • Preis

Preis

  • 3.699,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    uelef  

    Auch wenn es bei einer Gitarre ja vor allem auf den Klang und die Bespielbarkeit ankommt – mich macht das Design gar nicht an. Aber als extravaganter Rockstar kann man mit der MAl RIchtig POSen, äh Mariposa sicher punkten … ;-)

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Ich sag’s mal so – die Kombination von cremefarben und goldener Hardware ist schon ein bisschen saftig bei dem Design. Die Kombination aus Silber und Türkis wiederum wirkt gar nicht mal so exzentrisch, finde ich.

    • Profilbild
      Hein Bloed  

      Mein Design ist es auch nicht, mich stört vor allem der Mangel an kohärenter Formsprache – die eine Seite ist eckig und erinnert an einen Thunderbird, die andere Seite ist stratmäßig rund.
      Wirklich furchtbar finde ich auch den Hals, ich kann unbehandelte Hölzer nicht austehen aber hier wurde dazu noch die Rückseite der Kopplatte (und nur die!) in Hochglanz lackiert.
      Der Sound vom Neck-PU ist allerdings mein Ding.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Der reine Formfaktor ist ja gut. Aber Farbe, Kontraste und Pickguard erinnern mich an eine mexikanische Mariachi-Rock Band, die beim Kokskartell zur Party aufspielt. Bei dem Preis muss man sich auch schon ein ordentliches Näschen gezogen haben.

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