Test: Sterling by Music Man Valentine JV60T, E-Gitarre

16. Mai 2019

Valentine light jetzt auch mit Vibrato!

Sterling by Music Man Valentine JV60T

Sterling by Music Man Valentine JV60T

Kaum hat der US-Premiumhersteller Music Man eine neue Gitarre am Start, dann dauert es meist nicht lange, bis auch die preisgünstigere Variante von Sterling by Music Man erscheint. Unter strenger Aufsicht des Herstellers werden in Indonesien preisgünstige Kopien der US-Instrumente gefertigt, deren Qualität sich durchaus sehen und hören lassen kann, wie wir schon in einigen Tests feststellen konnten. So geschehen nun mit der Signature-Gitarre des Maroon 5 Gitarristen James Valentine, für die in der US-Version je nach Finish und weiteren gewünschten Optionen rund 2700,- Euro investiert werden müssen, um sie mit nach Hause nehmen zu dürfen. Keine Frage – diese Gitarre ist jeden Cent wert, auch davon konnte ich mich vor Kurzem erst in einem ausgiebigen Test überzeugen, den man HIER findet.

Für viele von uns ist das aber trotzdem eine Menge Holz und so kommt die Sterling by Music Man Valentine JV60T E-Gitarre da manch einem natürlich sehr gelegen, denn mit einem Drittel des Verkaufspreises klingt die Sache dann schon wieder interessanter. Klingt denn die Gitarre interessant? Und wie steht es um den Rest?

Sterling by Music Man Valentine JV60T front

Die Valentine JV60T – Facts & Features

Ebenso wie beim US-Modell wurde bei der indonesischen Valentine Sumpfesche für den Korpus verwendet. Aus wie viel Teilen dieser besteht, lässt sich nicht sagen, denn die rund herum sauber aufgebrachte Metalliclackierung ist extrem deckend ausgefallen und verbirgt so dem Auge jegliche Naht der Verleimung. Bei der Auswahl der erhältlichen Lackierungen bleibt dem Interessenten keine große Wahl, denn die Sterling by Music Man Valentine JV60T ist aktuell nur in einer einzigen Farbe erhältlich, in einem kräftigen Dunkelblau, das der Hersteller als „Toluca Lake Blue“ bezeichnet.  Zum Schutz vor Kratzern auf der absolut planen Decke sorgt ein weißes Pickguard, das sich an die Ränder der beiden Pickups anschmiegt. Die Rückseite besitzt nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Öffnungen, deren Abdeckungen aber leider nicht versenkt angebracht wurden. Auffällig ist hier ein Batteriefach, das einen 9-Volt-Block im Innern trägt und für die Energieversorgung des eingebauten Boosters zuständig ist.

Sterling by Music Man Valentine JV60T Back

Sterling by Music Man Valentine JV60T – Elektrik

Über die Beschaffenheit der beiden Tonabnehmer gibt der Hersteller keine weitere Auskunft, wie beim US-Modell sitzt aber auch hier erneut ein Singlecoil am Steg und ein Humbucker am Hals, beide unter hübsch anzusehenden,  verchromten Blechkappen versteckt, die jedoch nicht ganz so vielseitige Funktionen wie die US-Valentine bieten. Geblieben ist jedoch die Boost-Funktion der Schaltung, die durch Drücken des Volumepotis das Ausgangssignal um 12 dB anhebt. Ein Dreiwegeschalter mittlerer Qualität sorgt für die Auswahl der gewünschten Pickup-Kombination, ein Tone-Poti komplettiert die elektrische Schaltung. Die Potis sind im Gegensatz zum Schalter von guter Qualität und durch ihre Metallknöpfe stets sicher zu greifen. Besonders das kombinierte Volume-Boost-Poti kann durch einen seidenweichen Lauf gefallen!

Sterling by Music Man JV60T TLB Pickups

James Valentine mag es so: Singlecoil am Steg und Humbucker am Hals!

Sterling by Music Man Valentine JV60T – der Hals

Wenden wir unseren Blick nun dem Hals der Sterling by Music Man Valentine JV60T zu, der laut Hersteller einer Wärmebehandlung unterzogen wurde und das verwendete Ahorn aus diesem Grund seine dunkle Färbung erhalten hat. Ich bin da leicht skeptisch, für mich sieht es eher so aus, als sei hier einfach nur mit dunkler Beize vorgegangen worden, das zeigen die hellen Flecken an der Rückseite des Halses unserer Valentine. Nichtsdestotrotz befindet sich der Hals mit seinem Music Man typischen Profil auf der Rückseite in einem sehr guten Zustand, das zusätzlich aufgeleimte Ahorngriffbrett besitzt 22 sauber eingesetzte Bünde, die an ihren Kanten und auf den Oberflächen sorgfältig bearbeitet wurden und auch der 42 mm breite Sattel sitzt passgenau an seiner Stelle. Ein Stückchen weiter höher – und wir sind bei den Mechaniken und somit der Hardware angelangt.

Sterling by Music Man JV60T – Hardware & Pickups

An der Kopfplatte sitzen sechs No-Name-Mechaniken, die weder besonders positiv, noch besonders negativ auffallen. Es sind ganz einfach Tuner, wie man sie in dieser Preisklasse erwartet: Etwas hakelig beim Drehen, im Großen und Ganzen aber brauchbar. Damit keine Probleme beim Halten der Stimmung auftreten, das gilt vor allem dann, wenn der Hebel zum Einsatz kommt, besitzen die Mechaniken einen Klemmmechanismus, der Gröberes verhindern soll. Und das können die Mechaniken auch ganz gut, zumindest das Gröbere, Verstimmungen sind dennoch auszumachen und man ist gut beraten, mit dem Vibratohebel nicht ganz so rüde umzugehen. Wer weiß, vielleicht „läuft“ sich das System nach einer Weile der Benutzung noch ein, speziell die Sattelkerben dürften hier vermutlich noch einigen Boden gutmachen können. An dieser Stelle klemmt es speziell am Anfang nämlich oft und sehr gerne.

Ach ja – und leider besitzt die Sterling by Music Man Valentine JV60T keine so schöne Abdeckung des Vibratoblocks, wie sie ihre Schwester aus dem sonnigen Kalifornien trägt.

 Sterling by Music Man Valentine JV60T Vibrato

Sterling Vintage Vibrato

Sterling by Music Man JV60T – in der Praxis!

Trockentest

Bereits unverstärkt betrachtet steht die Sterling by Music Man Valentine JV60T recht ordentlich im Futter. Ihr Grundsound ist auffallend warm, reich an Sustain und verfügt über ein gutes Attack, das schnell gespielte Töne sofort in ein akustisches Ergebnis umsetzt. Wer jemals den Hals einer Music Man E-Gitarre in der Hand hatte, der wird sich auch hier auf Anhieb zu Hause fühlen. Die schmale, aber sehr ausgeprägte C-Form der Halsrückseite kann regelrecht süchtig machen, auch wenn unser Testinstrument ab Werk nicht gerade mit der besten Saitenlage glänzte. Nicht vergessen zu erwähnen sollte man zudem die gut ausbalancierte Masse der Gitarre, die JV60T besitzt einen perfekten Schwerpunkt, der sie trotz ihres relativ hohen Gewichts absolut ausgeglichen auf dem Schoß aufliegen oder am Gurt baumeln lässt.

Etwas nervig erscheint in der Praxis die Tatsache, dass der Vibratoblock mangels Fräsung in der Decke nur in eine Richtung funktioniert – nach unten nämlich. Aber auch das kann man, wie die Saitenlage, korrigieren: Die beiden Stehbolzen des Systems könnten noch ein Stück herausgedreht und die Saitenreiter im Gegenzug abgesenkt werden. So wäre ein zumindest leicht frei schwebendes System möglich, was dessen Nutzen auch gleich mal um 50 % erweitert. So mache ich es mit meiner eigenen Music Man Silhouette Special übrigens schon seit Jahren. Wie bereits erwähnt, sollte man mit dem Hebel sachte zu Werke gehen, andernfalls darf man die Hand in Richtung Mechaniken zum Neustimmen bewegen.

Sterling by Music Man Valentine JV60T Headstock

Elektrischer Sound

Nun ja, so ganz hinterher kommen die beiden Pickups mit dem Grundsound der Gitarre nicht. Der Klang ist zwar nach wie vor noch druckvoll und mit dem Booster hat man ein brauchbares Werkzeug an der Hand.  Jedoch wirkt das Signal nicht ganz sauber aufgelöst, es fehlt vor allem an Höhen und Brillanzen, die einen nicht ganz unwichtigen Teil zu einem dynamischen Gitarrensound beitragen. In Sachen Nebengeräuschen gibt es jedoch Positives zu vermelden, denn meine anfängliche Skepsis bezüglich des Singlecoils und verzerrter Sounds erweist sich in der Praxis als unbegründet. Klar sollte aber sein, dass hier mit High-Gain nicht viel zu holen ist, dafür bietet Music Man bzw. Sterling by Music Man andere passendere E-Gitarren im Sortiment. James Valentine ist ein Rockgitarrist und das hier eben (s)eine Rockgitarre, nicht mehr und nicht weniger.

Hören ist besser als erzählen, von daher legen wir los mit den Klangbeispielen. Verwendet wurde (wie immer) der Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion V30-Box als mein Referenzsystem. Aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic, Effekte wurden nicht benutzt.

Beginnen wir mit den Cleansounds, im ersten Beispiel schalte ich alle drei Pickup-Kombinationen, beginnend mit dem Hals-Pickup, durch.

Jetzt die Overdrive-Sounds, auch hier die drei Möglichkeiten der Schaltung nacheinander: Hals-Pickup, beide Pickups und Steg-Singlecoil.

Fazit

Sicherlich sind Unterschiede zwischen der Sterling by Music Man Valentine JV60T TLB und ihrer mehr als dreimal so teuren US-Schwester auszumachen. Klammert man das aber mal aus, so präsentiert sich die Fernostvariante der Valentine als eine solide Rockgitarre der mittleren Preisklasse, die man mit einem Satz besserer Tonabnehmer und etwas Sorgfalt beim Setting zu einem echten Allrounder in Sachen Rock machen kann!

Plus

  • Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • 12-db-Booster
  • schöne klassische Optik

Minus

  • Pickups

Preis

  • Ladenpreis: 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.