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Test: ESP Iron Cross SW, E-Gitarre

9. Oktober 2018

Das eiserne Brett

 

ESP Iron Cross SW titel

Der Riffgott bittet zur Kasse – diesmal mit der ESP Iron Cross SW. James Hetfield, einer der bedeutendsten Rhythmusgitarristen der Musikgeschichte, hat in der Vergangenheit immer wieder Signature-Modelle erhalten, die sich an seinem unverwechselbaren Stil orientierten. Brachiale Pickups und martialisches Design, wie beispielsweise bei der ESP Snakebyte Black Satin oder der ESP Vulture waren kennzeichnend. Und die Pickups – die Pickups machten den Unterschied. EMG hat sich immer wieder an den Signature Modellen ausgetobt und versucht, den individuellen Stil des Namensgebers hervorzuheben, sei dies bei Zakk Wylde, Marty Friedman oder dem Deftones-Gitarristen Stephen Carpenter. Ein warmer, durchdringender Punch ist also das Mindeste, was man von Signature-Pickups mit dem Namen Hetfield erwarten sollte!

Wohlgemerkt handelt es sich hier eben nicht um die LTD-Ausführung, sondern um das erheblich teurere Premiuminstrument. Natürlich werden wir uns auch anschauen, wo genau die Unterschiede liegen und wie der große Preisunterschied zu deuten ist. Aber alles zu seiner Zeit – kommen wir zunächst zu den Fakten!

ESP Iron Cross SW – Facts and Features, Hardware

Geliefert wird die ESP Iron Cross SW mit dem charakteristischen, robusten ESP-Koffer. Man öffnet das Ding und hält im nächsten Moment dann die „Certificate of Authenticity“, unterzeichnet von James Hetfield höchstpersönlich, in der Hand – gut zu wissen. Dann nimmt man das Modell in den Blick. Sofort fällt das martialische Design ins Auge und hinterlässt, zumindest beim Autor, einen etwas bitteren Beigeschmack. Die Bedeutung einer Ästhetik liegt nämlich nicht ausschließlich im Auge des Betrachters und das Kreuz, das unter dem Steg angebracht ist, weckt ungute Assoziationen und man darf sich fragen, ob das in dieser Schlichtheit und Ähnlichkeit angemessen ist.

Aber gut, gehen wir weiter zu den Merkmalen des Korpus. Klar ist, die Verarbeitung der Gitarre muss bei so einem Preis natürlich höchsten Ansprüchen genügen. Der Mahagoni-Korpus ist nicht ganz so schwer, wie man es beispielsweise von Gibson gewohnt ist und weist eine insgesamt präzise Verarbeitung auf. Der Nitrolack ist sauber und fehlerlos aufgetragen, der Korpus umrandet von einem cremefarbenen Binding, das makellos zur Ahorndecke aufschließt. Wie immer soll auch hier die Ahorndecke dem erdigen Sound des Mahagoni-Körpers einen etwas brillanteren, transparenten Touch geben. Hinsichtlich der Verarbeitung des Korpus gibt es zum LTD-Modell keinerlei Unterschiede.

Der geleimte Mahagonihals kommt mit einem Griffbrettradius von 305 mm aus, genau wie die Vulture oder die Snakebyte also, sodass zumindest im Griffing ein gewohntes und alles andere als untypisches Spielgefühl aufkommt. Insgesamt erscheint die ESP Iron Cross SW mit 22 Extra Jumbo-Bünden – der Bunddraht ist also etwas breiter und höher gesetzt. Das Griffbrett selbst besteht aus Ebenholz und weist präzise gesetzte Inlays auf, um den zwölften Bund herum jedoch auch wieder in der Ästhetik des geschmacklosen Kreuzes. Insgesamt fällt aber auf: kein Schnarren, kein seltsames Brummen oder störendes Vibrieren der Saiten, was wiederum von der erwartungsgemäß hohen Verarbeitungsqualität zeugt.

Für Rhythmusgitarristen, die sich mit dem Daumen zumeist hinter dem Hals platzieren, sorgt der Thin-U-Neck für eine ideale Greifbarkeit – auch deshalb, weil es sich ein bisschen flacher anlässt als herkömmliche U-Necks. Das Griffbrett schließt nicht übergangslos an den an Mahagoni-Hals an – das verhindert beim schnellen Spiel einen ungewollten Kontakt mit den Enden der Bunddrähte, die überall sauber eingesetzt sind, ohne auch nur einen zehntel Millimeter hervorzustehen.

Beim Sattel zeigt sich einer der Unterschiede zwischen der LTD und unserem Premiummodell. Während der Sattel der LTD aus Kunststoff besteht, hat man es hier mit einem Sattel aus Knochen zu tun. Generell sind es eben diese Feinheiten im Design, die den Unterschied zwischen den beiden Modellen ausmachen und keine grundlegenden Dinge. Ein weiterer Unterschied liegt bei den Stimmmechaniken. Das vorliegende Modell besitzt Sperzel Klemmmechaniken, während die LTD-Edition mit herkömmlichen Locking Tunern auskommt. Ein Vergleich hinsichtlich der Verarbeitungsqualität der Locking Mechanismen ist nicht möglich, da mir das LTD-Modell zum direkten Vergleich nicht vorliegt, aber die mattschwarzen Sperzel-Locks machen ordentlich was her und sehen einfach großartig aus!

Eingebettet sind die Saiten in einer Tonepros Locking TOM Brücke im Gibson-Style, die auch in einem schwarzen Design daherkommen. Insgesamt liegt die Mensur bei 628 mm und weist auch in dieser Hinsicht keine Überraschungen auf.

ESP Iron Cross SW – die Elektrik

Was muss eine James Hetfield Gitarre mitbringen? Punch, Punch und nochmals Punch. Der aggressive, aber stets warme und niemals sterile Sound, den Hetfield so gerne zelebriert, wird hier in seiner Vollendung präsentiert. Die EMG JH Set Pickups dürften zum Besten gehören, was EMG die letzten Jahre so hervorgebracht hat. Ein warmer, saturierter Sound sowie ein ungemein kräftiger Biss, der stets transparent bleibt – aber der Reihe nach.

Was hier natürlich vergeblich gesucht wird, ist ein Single-Coil-Splitter, aber der Fender Tone ist ja auch nicht unbedingt etwas, für das Hetfield und Konsorten bekannt sind. Ein Dreiweg-Schalter für die Pickups befindet sich an bewährter Stelle, während der obere Wahlschalter mit schwarzer Unterlegscheibe keinerlei Funktion besitzt und eine einfache Reminiszenz an die ursprüngliche Gibson Iron Cross darstellt.

Die Klinkenbuchse befindet sich wiederum an bewährter Stelle und besitzt, wie die Volume- und Tone-Potis, ebenfalls den schwarzen Lack.

Was die Pickups angeht, stellt das EMG JH Set das Nonplusultra in Sachen Punch und saturierter Wärme dar. Denkbar ist hier alles, vom warmen Balladen Sound, wie „Nothing Else Matters“, Midrange-Riffing wie zu „Load“ und „Re-Load“ Zeiten und dem brutalen Breitband-Thrashsound, den man bei „Battery“ um die Ohren kriegt. Das Feld, das diese Pickups abdecken, ist zweifelsohne beachtlich.

Eingesetzt wurden die zwei EMGs nicht „nackt“ auf der Ahorndecke, sondern jeweils in einem schwarzen Rahmen. Erwartungsgemäß dürfte der Steg-Pickup mit präzisem und glasklarem Sound aufwarten, der ordentlich Zähne zeigen kann, während der Hals-Pickup sich weich und voll anlässt – beides werden wir im Praxisteil genauer nachvollziehen.

ESP Iron Cross SW – Zwischenfazit

Ein etwas fragwürdiges Design und ein eher störender zusätzlicher Dreiwegschalter der Optik wegen – das war es mit den Kritikpunkten, zunächst jedenfalls. Der Thin-U-Neck ist die für Rhythmusgitarristen wahrscheinlich ergonomischste Schnittform, die für einen Hals infrage kommt und die allgemeine Verarbeitungsqualität wird dem Premiumanspruch zweifelsohne gerecht. Der Weg der Erkenntnis führt jedoch über den Sound und den hören wir uns jetzt genauer an!

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