width=

Test: FGN Boundary Odyssey, E-Gitarre

13. November 2019

Ein Brett aus den 80ern!

FGN Boundary Odyssey E-Gitarre

FGN Boundary Odyssey E-Gitarre

Die japanische Firma Fujigen Guitars, bekannt auch unter dem Kürzel FGN, gehört wohl zu einem der bedeutendsten Hersteller von Saiteninstrumenten aus Asien. Schon seit den 70er Jahren fertigt man in Matsumoto hochwertige Instrumente für klangvolle Namen des Business, wie etwa für Fender, Gibson, Yamaha oder für die Hoshino Gakki Company – vielen wohl eher bekannt unter dem Namen Ibanez. Seit gut zehn Jahren druckt man aber voller Stolz sein eigenes Label auf die Kopfplatte und präsentiert ein Sortiment an verschiedenen Kopien von Klassikern der Gitarrengeschichte. Eine dieser Kopien stammt aus der Boundary Serie, die sich ganz offensichtlich mit den Berühmtheiten der Firma mit dem „F“ im Namen beschäftigt und dazu noch mit ihrem rosaroten Finish einen Sprung zurück in die 80er wagt. Ist dieser Sprung gelungen? Schauen wir mal, was uns japanische Qualität der unteren Preisklasse in Form der FGN Boundary Odyssey E-Gitarre so bieten kann!

FGN Boundary Odyssey E-Gitarre

FGN Boundary Odyssey – Facts & Features

Im Wort „Kopie“ schwingt ja immer auch irgendwie etwas Abwertendes mit: Wer will schon eine Kopie, wenn es das Original gibt? Das ist primär natürlich eine Frage des Preises und mit einem VK von ziemlich genau 500,- Euro kostet die FGN Boundary Odyssey E-Gitarre im Laden weniger, als die Hälfte einer guten US-Fender und liegt selbst noch unter dem Preis einer in Mexiko hergestellten Stratocaster. Das sollte die Erwartungen eigentlich dämpfen, was sollte man für das bisschen Kohle schon erwarten können? Bloß eine weitere Strat-Kopie am ohnehin völlig übersättigten Markt? Diese Annahme erwies sich im Laufe des Tests als Trugschluß, doch alles der Reihe nach.

Ein paar hauchdünne Nuancen zum berühmten Vorbild finden sich im Design des Korpus schon, da muss man aber wirklich zweimal und ganz genau hinschauen, um die dezenten Unterschiede im Shaping zu erkennen. Ein größerer Unterschied besteht hingegen bei der Verwendung des Tonholzes, denn hier wurde Linde verwendet, im Gegensatz zu den klassischen Hölzern Esche bzw. Erle bei einer Strat. Die aufgebrachte Lackierung unseres Testinstruments nennt der Hersteller „Old Rose Pink“, zu bekommen ist die FGN Boundary Odyssey E-Gitarre neben dem weiteren recht schrillen „Canary-Yellow-Finish“ aber auch in eher konventionellen Lackierungen, wie etwa in Blau, in Weiß, in einem Sunburst-Finish oder schlicht in Schwarz. Alle gemeinsam besitzen sie jedoch einen eingeschraubten Ahornhals, der am Übergang zum Korpus ein Stück weit ergonomisch angepasst wurde und somit der Greifhand beim Bespielen der oberen Lagen gute Voraussetzungen bietet.

Der Hals: One Piece Maple und Circle Fretting Bünde

Der Hals wurde aus einem Stück Ahorn gefertigt, das sich mit einer schönen Maserung und frei von Artefakten, wie Astlöcher oder Ähnlichem, zeigt. Ein Ahorngriffbrett wurde zusätzlich aufgeleimt, es trägt die 22 Medium-Bünde, die auch hier wieder mit FGNs patentiertem „Circle Fretting System“ bearbeitet wurden. Dazu lassen wir den Hersteller selbst zu Wort kommen:

Bei der Circle Fretting Technologie laufen alle Saiten exakt im gleichen Winkel über die mit bearbeiteten Bünde, was genaueste Intonation und außerdem ein längeres Sustain und einen klareren Ton ermöglicht. Aufgrund des trapezförmigen Griffbretts bei konventionell bundierten Hälsen läuft keine der Saiten im rechten Winkel über die Bünde. Je näher eine Saite am Griffbrettrand ist, desto weiter ist sie vom rechten Winkel entfernt. Wenn die Saite dann auf den Bund gepresst wird, verursacht dieser Winkel einen geometrisch unscharfen Auflagepunkt, welcher die Saitenschwingung negativ beeinflusst. Das Resultat ist eine leicht verzerrte Intonation. Beim Circle Fretting System werden statt gerader minimal gebogene Bundstäbe im Griffbrett montiert, daher passiert jede Saite jeden Bund in exakt rechtem Winkel. Die Kontaktpunkte jeder Saite in jeder Position sind präzise definiert und erlauben es den Saiten mit einem Minimum an Verzerrung zu schwingen.“

Dazu noch ein Bild, das die Sache veranschaulicht.

Die Intonation sowie die Oktavreinheit unseres Testinstruments zeigen sich in jedem Falle einwandfrei, ob das nun an diesem CFS-Verfahren liegt, sei mal dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass die Bundierung perfekt gelungen ist, nichts steht über, kratzt oder schabt unangenehm auf irgend eine Weise. Dazu gesellt sich ein recht schlankes Halsprofil, dessen Oberfläche nur mit einer dünnen Satinlackschicht überzogen wurde und damit der rechten Hand ein natürliches Spielgefühl vermittelt.

FGN Boundary Odyssey – Hardware

Hardtail, also eine feste Brücke, anstelle eines Vibratos? In dieser Preisklasse oft die bessere Wahl, denn in aller Regel bereitet der Jammerhaken da oft mehr Kummer, als das er Spaß bringt. Aber ein Verzicht heißt nicht auch gleich automatisch ein Nachteil, zumindest nicht an dieser Stelle, denn als Ersatz für ein instabiles Vintage-Vibrato besitzt die FGN Boundary Odyssey E-Gitarre eine String-through-Saitenführung durch ihre verchromte Brücke: Das bietet gute Voraussetzungen für ein strammes Sustain und ein kräftiges Resonanzbild, das sagt die Erfahrung. Für eine weitere positive Überraschung sorgen die sechs Vintage-Tuner von Gotoh an der Kopfplatte. Nicht nur, dass sie optisch gut zum naturbelassenen Headstock passen, auch in ihrer Funktion überzeugen sie mit einem weichen Lauf und ermöglichen somit ein schnelles und präzises Stimmen. Mit Problemen dieser Art hatte die Boundary Odyssey während der Testdauer aber überhaupt nichts am Hut und hielt ganz brav ohne murren über viele Tage ihre Stimmung.

FGN Boundary Odyssey E-Gitarre Headstock

FGN Boundary Odyssey Headstock

FGN Boundary Odyssey – Pickups & Schaltung

Für eine möglichst breite Klangpalette wurden ein Humbucker sowie zwei Singlecoils aus hauseigener Produktion in ein Perlmutt-Pickguard eingesetzt. Auf den ersten Blick wirkt die Schaltung so, wie man es erwarten dürfte und in der Tat wählt der Fünfwegeschalter die Kombinationen Humbucker, Humbucker und mittlerer Singlecoil, mittlerer Singlecoil solo, mittlerer Singlecoil und Front-Singlecoil sowie den Front-Singlecoil solo an. Eine nicht zu unterschätzende Zusatzoption bietet sich jedoch mit dem kleinen Metallschalter an, der griffgünstig zwischen dem Volume- und dem Tonepoti positioniert wurde – Er schaltet dem Humbucker eine Spule ab, sodass hier auch reinrassige Singlecoil-Sounds im Stile einer echten Strat möglich sein sollen. Der Schalter und die Potis sind von sehr guter Qualität und durch die griffigen Metallknöpfe auf den Reglern bleibt man selbst im übelsten Eifer des Gefechts stets Herr der Lage.

FGN Boundary Odyssey Schaltung

Schaltzentrale

FGN Boundary Odyssey – In der Praxis!

Nach der Überraschung mit der guten Verarbeitung kommt die nächste beim Anspielen. Die FGN Boundary Odyssey E-Gitarre überrascht mit einem Klangverhalten und einem Spielgefühl, dass man in dieser Preisklasse nur selten findet. Der Grundsound ist knackig, sehr resonant und wie zu erwarten dank der String-through-Saitenführung  mit einer ordentlichen Portion Sustain ausgerüstet. Die Bespielbarkeit geht ab Werk in Ordnung, ich persönlich hätte mir vielleicht noch ein etwas flacheres Setting gewünscht. Dank der außergewöhnlich guten Verarbeitung des Halses und der Bundierung dürften aber hier wohl Bestmarken möglich sein, sodass auch Griffbrettakrobaten an diesem Stück Holz durchaus ihren Gefallen finden dürften.

FGN Boundary Odyssey Hardtail

FGN Boundary Odyssey Hardtail

Die drei FGN-Vintage-Pickups haben keine Probleme, den knackigen Grundsound des Instruments einzufangen und steuern dem Klang eine süßlich-weiche Note bei. Sie liefern den typisch glasigen Sound, wie man ihn von einer Strat gewohnt ist. Der Humbucker am Steg kann jedoch auch sehr böse sein und ein Gewitter an Riffs abfeuern, man sollte ihn nur nicht mit zu viel Gain füttern, sonst kann die Performance schnell in einem Matschen oder einem undefinierbaren Brei enden. Wie viele ihrer Kollegen leiden auch die Singlecoils in der FGN Boundary Odyssey E-Gitarre unter Nebengeräuschen bzw. dem gefürchteten 50-Hertz-Brummen, was sich natürlich besonders bei Overdrive-Sounds unangenehm bemerkbar macht. Im Cleanbereich oder bei leicht angezerrten Sounds kann der Spieler jedoch mit einem dynamischen und druckvollen Sound rechnen, den zumindest ich einer Gitarre dieser Preisklasse nie und nimmer zugetraut hätte!

FGN Boundary Odyssey – Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich die FGN Boundary Odyssey E-Gitarre an meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark angeschlossen. Der war verbunden mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box, aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio, ohne weitere Effekte.

Fazit

Über ihre Optik lässt sich ganz bestimmt streiten, über ihre Qualität ganz gewiss nicht. Die FGN Boundary Odyssey bietet für knapp 500,- Euro verdammt viel Gitarre fürs Geld und gleichzeitig kaum Raum für Kritik. Allenfalls die brummenden Singlecoil-Sounds könnte man bemängeln, aber das liegt ja eher in der Natur der Sache. Daher: beide Daumen nach oben für eine sehr gut verarbeitete, leicht zu bespielende und toll klingende E-Gitarre!

Plus

  • sehr gut verarbeitet
  • knackiger und vielseitiger Sound
  • gute Bespielbarkeit
  • robuster Gigbag im Lieferumfang
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Singlecoil-Brummen

Preis

  • Ladenpreis: 499,- Euro
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.