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Test: Formula Sound NN-106 DJ-Mixer

12. Mai 2022

Ein mächtiger Brocken: Analoges Kraftpaket mit vielen Möglichkeiten

Formula Sound NN-106

Formula Sound NN-106

2020 angekündigt, nun im Test, der Formula Sound NN 106. Der 6-Kanal-Mixer im klassischen blockigen Formula Sound Mixer Design kommt erneut visuell brachial daher wie die die anderen Formula Sound Modelle, speziell die FF-Serie, auch, zugleich gibt sich der NN 106 ein wenig im Retro-Look. Das hier einige Poti-Kappen farbig sind komplett schwarz bei der FF-Serie hat einen Grund, den der NN 106 ist angelehnt an Modelle wie den PM-100 oder den PM-80R – also modular aufgebaute DJ-Mixer. Modular dahingehend, dass diese erweiterbar waren, indem die Kanalzüge einzelne Platinen sind und so der PM-80R z. B. auch in einer 6-Kanal-Version zu finden ist. Oder 7. Oder … Nicht genutzte Slots werden dann einfach per Blindplatte verschlossen und so kann die Kanalanzahl frei gewählt werden. Das ist mit den NN 106 nun ein wenig einfacher, den gibt es mit 6 Kanälen. Bis dato. Vielleicht folgt noch eine NN-104 und NN-108 Version?

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Vielleicht. Vor uns steht nun der NN-106 – ein massiver DJ-Mixer mit 6 Kanälen, vier davon mit Phono-Eingängen, Mikrofoneingang, USB-Audiointerface, Crossfader, Filter und Effekt-Schleife, drei Stereo-Meterings und das Ganze „Build in UK“. Soweit der erste Eindruck.

Formula Sound NN-106 – der DJ-Mixer im Überblick

Sechs Kanäle und ein wenig mehr Regler wollen gut verteilt sind. Wie zu erwarten ist der Mixer nicht gerade klein und im Falle von Formula Sound immer massiv gebaut. Erwarten tun einen gut über 7,5 Kilogramm Mixer auf 342 x 110 x 355 mm. Der NN-106 ist ohne Frage ein ganz schöner Brocken. Das Gehäuse ist aus Stahl, massiv, nicht gerade „rund“. Formula Sound Mixer waren schon immer von der Bauart und Qualität, dass man das Gefühl hat, dass bei einem Sturz der Boden eine Delle hat, der Mixer aber noch läuft.

Linksseitig befinden sich die sechs Kanalzüge, rechtsseitig gibt es eine Menge Regler für die Ausgänge, Filter, den Mic-In und einen Crossfader.

Ja, den ersten Punkt gedroppt, der NN-106 hat einen Crossfader. Unten rechts und somit nicht unterhalb der Linefader kann er genutzt und zugewiesen werden – oder aber ignoriert.

Formula Sound NN-106

Crossfader? Vorhanden!

Die Menge an Reglern (16) abseits der Kanalzüge wirft Fragen auf. Antworten folgen!

Schauen wir erst einmal auf die Rückseite, dann die Kanalzüge.

Anschlüsse, Einstellungen: Die Rückseite des DJ-Mixers

Die Rückseite eines Formula Mixers macht meistens schon klar, dass hier für den professionellen Audio-Bereich produziert wird. Damit sind nicht die XLR-Ausgänge gemeint, sondern so Auffälligkeiten wie Euro-Block/Phoenix-Anschlussklemmen.

Fangen wir simpel an. Rein geht es in die Kanalzüge primär per Cinch, für Phono- oder auch für Line-Zuspieler. Lediglich auf Kanal 1 und 2, wo es keinen Phono-Eingang gibt, findet man einen der beiden Line-Eingänge in Form zweier 6,3 mm Klinkenbuchsen als symmetrischer Eingang. Für alle, ja alle 12, Eingänge gibt es rückseitig im Gerät versenkte Schrauben zur Einstellung des Gains – vor dem Gain auf der Oberseite im Kanalzug. Jeder Kanalzug verfügt zu dem über einen XLR-In (samt rückseitigem Gain) für ein Mikrofon.

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Formula Sound NN-106

Rein in den Mixer …

Das ist schon viel, jedoch gefühlt nur die Hälfte. Das Master-Signal wie auch das Booth-Signal werden symmetrisch in XLR-Form aus dem Gerät geschickt, ein Rec-Out in Cinch-Form. Zudem gibt es einen Aux, einen Master-Insert, einen Sub-Bass (Stereo oder Mono sofern einseitig gesteckt) und einen FX-Loop-Anschluss, alles in Klinke-Format.

Für ein Master-Mikrofon, Console-Microphone genannt, bietet der Mixer ebenso einen Anschluss. Rückseitig oben links geht es rein per XLR, samt einschaltbarer Phantom-Speisung neben der XLR-Buchse und Gain-Regler.

Zudem gibt es die bereits erwähnten Phoenix-Klemmen für einen Zonen-Ausgang und den dazu notwendigen Remote-Anschluss. Um diesen Punkt kurz abzuarbeiten: Ein zweites Ausgangssignal kann hier abgegriffen werden und in der Lautstärke anhand eines Remote-Panels (kann zusätzlich erworben werden) gesteuert werden mit bis zu 30 Meter Abstand vom Mixer – z.b. in einem Nebenraum.

Formula Sound NN-106

… und raus aus dem Mixer.

Eine USB-Typ B Buchse dienst als Anschluss für den Computer und Strom bekommt der NN-106 mit internem Netzteil via Kaltgeräte-Stecker und An- / Aus-Schalter auf der Rückseite.

Ein paar Worte sind sicher noch notwendig zu den Phono-Eingängen. Diese besitzen rückseitig nicht nur einen Gain, sondern auch vier wählbare Parameter zur Einstellung der Eingangskapazität mit Hinblick auf verschiedene Tonabnehmer-Systeme von 470 PF, 330 PF, 220 PF bis hin zu 100 PF. IM Manual steht fälschlicherweise 100 PF. Wie bereits erwähnt, der Mixer kann definitiv auch hohen professionellen Ansprüchen genießen.

Gilt die Unterseite auch als „Rückseite“? Tun wir einmal kurz so, denn wie von einigen anderen Formula Sound Mixern bekannt sitzen auch hier einige Regler und Druckschalter zur Einstellung von Parametern.

Man könnte meinen, sehr unpraktisch, dort auf der Unterseite, aber diese Parameter können bei einem Mixer dieser Art und dem Einsatz von diesem sicher vorher geplant werden. Zu finden sind hier sechs Druckschalter für das Ein- oder Abschalten der Phantom-Power für die Mikrofone, ein Schalter für die Mono-Summierung des Zone-Outs, das Abschalten des Crossfaders sowie Regler für Werte des Kompressors (Treshold und Ratio). Zudem kann gewählt werden ob die Mikrofone auf den Booth-Ausgang gesendet werden sollen – oder besser nicht.

Die Mixer-Sektion: Oberseite & erster Funktions-Check

Vollbepackt ist es hinten und unten, auf der Oberseite sieht es nicht anders aus. Und selbst geübte Mixer-Nutzer:innen werden hier nicht jeden Knopf direkt gedanklich zuweisen können. Formula Sound liefert hier eine Menge Regler und Tasten, alleine 5 Stück pro Kanalzug. Das muss erklärt werden. Zum Glück ist alles auf der Oberseite gut beschriftet doch sogar dort, wo man sinnlos gesetzte Löcher vermuten könnte, verstecken sich plötzlich verborgene Druckschalter. Also Augen auf.

Ein Blick auf die Kanalzüge, beginnend oben beim rot-bedecktelten Eingangswahlschalter. Darunter gibt es den Gain (weiß), dann einen 3-Band-EQ. Darunter folgt eine Reihe von Schalter. 4x eckige Druckschalter gibt es hier für FX (gelb), Aux (grün), XFA und XFB (rot und grün) für die Crossfader-Zuweisung zu finden, zudem einmal eine runde Ausführung für den Cue.

Formula Sound NN-106

Die Kanalzüge samt EQ und Gain

Darunter folgen die 60 mm langen Linefader. Warum man die Crossfader-Zuweisung in Form zweier Schalter gemacht hat, die gute 3 cm in Höhe einnehmen insgesamt, anstatt eines Kippschalters, der zudem noch eindeutiger gewesen wäre, das ist mir ein wenig unverständlich. Zudem, hat man A gewählt, ist es auch A – auch, wenn man B dazu wählt, bleibt es bei A. Wählt man B und wählt A dazu, wird es A. Also, wo ist der Sinn? Ich sehe keinen, lasse mich aber eines Besseren belehren. Bis dahin sehe ich hier eine unnötige Fehlerquelle und zwei Taster für eine Auswahl, für die ein Kippschalter reichen würde.

Formula Sound NN-106

Auswahl-Tasten für FX, Aux und den Crossfader in den Kanalzügen

Soweit war es noch übersichtlich, nun folgen viele Regler für unterschiedliche Funktionen. Auf der rechten Seite befinden sich alles notwendige für Ausgänge, Filter, Effekte und co.

Ganz rechts befindet sich der Level-Regler, An-/ Ausschalter und 3-Band EQ für das Console-Mic. Unter dieser Sektion befindet sich der Cue-/ Mix-Regler wie auch der Level-Regler für den Kopfhörer-Ausgang. Zudem gibt es die Split-Cue-Funktion. Der Kopfhörerausgang ist sowohl als 3,5 wie auch 6,3 mm Klinkenbuchse vorhanden.

Formula Sound NN-106

Die Kopfhörer-Sektion auf der rechten Seiten des Mixers

Unter dem großen Formula Sound Logo befinden sich drei Sektionen. Einfach erklärt ist das Master-Level samt Master-Metering. Die Meterings sind alle Stereo-Meterings mit einer 12-gliedrigen Reihe. Sie reichen von -20 dB bis +8 dB. Ab 0 dB wird es orange, ab + 5dB wird es rot.

Formula Sound NN-106

3x Stereo-Metering!

Rechts also sitzt das Master-Metering, mittig das Booth-Metering – erweitert um einen Mono-Schalter und Panorama-Regler. Letzterer findet sich leider nur selten an DJ-Mixern, dabei wäre es der perfekte Regler um Setups, die nicht mittig im Sweet-Spot stehen, auszugleichen. Gerade hinsichtlich Live-Equipment einseitig – als ein Beispiel.

Unter dem Pan-Regler sitzt, mit roter Kappe, der Level-Regler für den Aux-Ausgang.. Dieser ist die Summe aller Kanalzüge, die auf den Aux-Weg gesendet werden.

Die linke Sektion beinhaltet die beiden Filter, also High-Pass- und Low-Pass-Fiter, zusammen mit dem FX-Loop. Diese beiden Möglichkeiten laufen hier parallel, die Filter wirken sich nur auf Kanäle auf, in denen „FX“ eingeschaltet ist. Zudem gibt es einen Dry-/Wet-Regler und den Schalter zum Einschalten des Kompressors auf dem Effekt-Weg.

Formula Sound NN-106

Die, nenen wir sie mal, Master-Sektion

Unter diesen drei Sektionen sitzt der Crossfader, 45 mm Laufweg, und mit solidem Widerstand. Kein Fader für Turntablisten, das steht fest, dennoch glatt laufend. Die Faderkurve kann anhand eines Reglers stufenlos eingestellt werden.

Formula Sound NN-106: Das Kraftpaket im Praxis-Test

Soweit und viel zur Theorie. Nun, wo wir wissen, wo alles ist, wird es mal Zeit dem NN-106 ein paar Töne zu Entlocken. Dafür wird der Mixer mittig platziert zwischen CDJs und Plattenspieler. Dabei fällt direkt etwa auf: Der Mixer ist mit 11 cm Höhe deutlich höher als CDJ und Plattenspieler. Wer es eben mag, der müsste hier links und rechts des Mixers ausgleichen.

6 Kanäle sind mehr als ich zunächst benötigt, also nutze ich erst einmal die mittleren. Direkt und sehr positiv fällt mir das kraftvolle aber zugleich sehr klare Klangbild der Phono-Eingänge auf. Die verbauten Phono-Preamps können definitiv überzeugen und geben reichlich Pegel nach dem Gain auf den Kanalzug, auch im Vergleich zu den Line-Eingängen. Gute Arbeit an dieser Stelle bereits einmal.

Das EQing über den 3-Band EQ funktioniert wie zu erwarten sehr angenehm, klanglich sanft in der Range von Full Kill bis + 6dB. Der Mix mit dieser Klangregelung und den Linefadern läuft wie erhofft sehr smooth, die langen Linefader tun ihren Anteil daran. Info dazu: Es ist keine Rotary-Version geplant. Soweit zumindest die Information aktuell. Spannend ist, dass auf dem Mixer nirgends an Reglern irgendwelche Werte stehen.

Das Cueing funktioniert einwandfrei, die großen Taster in den Kanalzügen sind schon schick, toller Druckpunkt und ich persönlich mag auch diese durchsichtigen Taster mit LED darunter. Die Kopfhörer-Sektion ist simpel gehalten. Level-Regler, Cue-/Mix-Regler und Split-Cue Taste. Ausreichend, keine Frage.

Bleiben wir kurz bei den Tasten. Die Auswahl für den Crossfader wurde schon erwähnt, auch die Frage, warum hier zwei sein müssen. Abseits dieser Frage jedoch funktioniert diese Auswahl wie auch der Crossfader einwandfrei. Unpraktisch finde ich, dass hier zwei Schalter für die Zuweisung vorhanden sind, während der Druckschalter zum Deaktivieren des Crossfaders sich auf der Unterseite befindet. Das heißt nicht, dass der Crossfader nicht deaktiviert werden kann, denn er kann ja einfach keinem Kanal zugeordnet werden. Ein Kippschalter mit A / Thru / B hätte jedoch dasselbe getan, wie drei Schalter, von denen einer unter dem Mixer sitzt.

Was bleibt an Schaltern? Aux und Filter – dazu kommen wir noch.

Die Steuerung von Master- und Booth-Out ist leicht zu handhaben. Zu Mono-Summierung und Balance-Regler muss wohl kaum etwas gesagt werden.

Auch klanglich ist der Formula Sound NN-106 ein Kraftpaket. Mächtiger Klang, kraftvoll in Bereich tiefer und mittlerer Frequenzen. Nicht überbetont, sondern voluminös mit spürbarer Dynamik. Der hohe Frequenzbereich ist klar dargestellt. Auch bei höhen Pegeln, Eingangs- wie Ausgangsseitig, lässt sich der NN-106 nicht in die Enge treiben. Selbst im roten Bereich ist keine Verzerrung zu vernehmen, hier ist ausreichend Headroom vorhanden.

Mächtig sind auch die Pre-Amps der Phonovorverstärker-Stufen. Diese haben ausreichend Kraft und klingen zugleich sehr gut. Transparent, dennoch kraftvoll.

USB-Audiointerface

Etwas unerwartet, da ungewohnt, ist das Vorhandensein eines Audio-Interfaces in einem Formula Sound DJ-Mixer. In diesem Fall aber gibt es genau das und der Mixer bietet ein solches mit 2 x 2 Kanälen, die von einem Computer über die Schnittstelle in den NN-106 gegeben werden können. Gesendet werden können diese auf jeden der 6 Kanäle. Die Unterscheidung findet jedoch nicht am Input-Wahlschalter statt, dort gibt es nur die Auswahl „U“, wie USB“.

Formula Sound NN-106

Mic, Line, Phono oder USB: So kann gewählt werden.

Die Auswahl ob 1 oder 2 findet links oben neben dem Linefader statt. In Form eines versenkten Tasters kann hier USB 1 oder USB 2, entsprechend die ersten beiden Stereo-Kanäle oder die zweiten beiden ausgewählt werden. Das ist so machbar, aber ehrlich gesagt super unpraktisch. Eine visuelle Rückmeldung gibt es nicht, spontanes Umschalten geht nur mit einem dünnen und spitzen Gegenstand und die versenkten Taster sind auch nicht so gestaltet, dass man wirklich gut fühlt, ob er nun gedrückt ist, oder nicht.

Formula Sound NN-106

Hinter diesen „Öffnungen“ verbirgt sich der Druckschalter für die USB-Auswahl

Sicher, diese Funktion werden nur weniger DJs nutzen und noch weniger werden das im Live-Betrieb spontan einstellen müssen. Fair. Dennoch wäre es hier sicherlich besser gegangen. Auf der anderen Seite sind relevante Einstellungen auch unter dem Mixer. Es ist also klar, dass der Mixer generell so gedacht ist, dass man diesen für die Bedürfnisse vorab einstellt.

Effekt-Schleife, Aux-Send und Filter-Sektion

Keine Effekt-Hascherei, aber auch keine Effekte. Der analoge Mixer NN-106 bietet derartiges nicht, nicht intern. Aber, über einen Aux-Send und den FX-Loop können externe Effekt-Geräte eingebunden werden, ebenso über den Master-Insert. Diese drei Wege gibt es entsprechend: Einen Master-Insert, eine Effekt-Schleife oder einen Aux-Ausgang, der entsprechend zurück zum Beispiel auf einen freien Kanalzug holen könnte.

Formula Sound NN-106

FX-Loop und Filter

Der Master-Insert ist als klassischer Master-Inert konzipiert inklusive entsprechenden Anschlüssen, entsprechend zwei 6,3 mm Klinkenbuchsen.

Ebenso schaut es bei dem Effekt-Loop aus, welcher ebenso über zwei Klinkenbuchsen aus dem Gerät raus und wieder reingeführt wird. Zu diesem gibt es einiges zu sagen: Jeder Kanalzug kann in die Effekt-Schleife gesendet werden – aber jeweils nur einer. Dazu gibt es die Taster mit orangenen LEDs in jedem Kanalzug. Schaltet man die Effekt-Schleife jedoch in mehr als einen Kanalzug ein, dann wird diese deaktiviert. An Reglern findet man für die Effektschleife nicht viel, eigentlich nur einen Dry-/Wet-Regler und den zuschaltbaren, bereits erwähnten, Kompressor.
Über den Dry- / Wet-Regler müssen wir sprechen: Alle Welt baut diesen so, dass auf 7 Uhr Dry sitzt und auf 5 Uhr Wet und man von Dry nach Wet mit dem Uhrzeigersinn aufdreht. Formula Sound macht es genau anders herum. Warum? Absolut unverständlicher Schritt hier gegen jeden Sinn im Bereich von DJ-Mixern oder auch Live-/Studio-Mischern zu gehen und dies anders herum zu machen. Daran muss sich wirklich gewöhnen. Die Frage ist, ob man das möchte.

Neben dem Effekt-Loop findet man in dieser Sektion auch das Low-Pass wie auch das High-Pass-Filter, welche ebenso über die FX-Auswahl im Kanalzug mit einem Signal versorgt werden kann und welche auch vor dem Dry-/Wet-Regler liegen. Ja – die beiden Filter werden zudem noch durch den D/W-Regler geregelt. Die Filter sind eher geringere Resonanz, schneiden also nicht durch das Frequenz-Band, sondern klingen eher sanft.

Insgesamt sind der FX-Loop und die Filter gern genommen, leider finde ich die Umsetzung für die Nutzung in der Praxis jedoch lässt sich dies alles eher umständlich nutzen. Ein D/W-Regler hinter den Filtern, Zuweisung für beides zu jedoch nur einem Kanalzug – das schränkt doch deutlich ein.

Mein Weg wäre wohl das Signal von einem oder mehrerer Kanäle via Aux zu senden in externe Effekt-Geräte und das effektierte Signal zurückzuholen in einen freien Kanalzug.

Mikrofoneingänge

Ein Unterpunkt für Mikrofoneingänge an einem DJ-Mixer, das muss man auch erst einmal schaffen. An dieser Stelle jedoch für die Funktionalität vielleicht gar nicht verkehrt. Auf allen sechs Kanalzügen kann via XLR-Eingang ein Mikrofon angeschlossen werden. Das Gain-Staging ermöglicht auch hier eine erste Gain-Einstellung auf der Rückseite und dann noch eine via Gain-Regler auf der Oberseite. Entsprechend kann für das Mikrofon-Signal auch der 3-Band EQ genutzt werden und wenn gewünscht auch der FX-Loop samt Kompressor. Bereits erwähnt, für alle 6 Mikrofone an den Kanalzügen kann auf der Unterseite die Phantom-Speisung separat eingeschaltet werden. Warum? Wird jemand mit dem NN-106 eine kleine Band mischen? Wohl eher kaum. Ich muss sagen, zwei Mic-Ins plus Console-Mic, also drei Mikrofoneingänge, dürften mehr als ausreichend – egal, ob der Mixer in einem DJ-Setup benutzt wird oder z. B. installiert im Bereich Gastronomie/Veranstaltungs-Location. So aber hat der NN-106 sieben Mikrofoneingänge. Braucht es das wirklich? Ich habe Fragen. Noch etwas wichtiges: Die Phantom-Speisung beträgt 17 Volt.

Neben den sechs Möglichkeiten auf den Kanalzügen gibt es noch den vermutlich hauptsächlich genutzten Mikrofoneingang, für den gesonderte Steuerungsmöglichkeiten vorhanden sind. So gibt es hier einen 3-Band-EQ (kein Full Kill), einen An-Schalter für das Mikrofon und eine Talk-Over Funktion mit einstellbarer erneutem An-/ Ausschalter, Sensibilität und Absenkung. Hier sollte man ein wenig mit rumspielen und sich ausprobieren, denn Formula Sound liefert hierzu keine technischen Angaben. Bei bestimmten Einstellungen funktioniert die Voice-Over Funktion sehr gut, mit der Attenuation kann man dann schön die Einwirkung auf das Signal anpassen. Je nach Einstellung der Sensibilität erreicht man natürlich auch bei hoher Absenkung den Klangcharakter, als wäre es ein Gate-Effekt auf der Musik.

Wichtig: Das Konsolen-Mikrofon geht direkt auf den Master, nicht jedoch auf den Booth-Ausgang.

Qualität und Haptik des DJ-Mischpultes

„Solid build“ – das beschreibt die Situation mit diesem Mixer in den Fingern sehr gut. Der schwere Stahlkoloss könnte vermutlich wirklich vom Tisch fallen und würde danach noch funktionieren. Das Gehäuse hat ein wenig von Panzerschrank, auch optisch, das sollte klar sein. Abgerundete Ecken und Handschmeichelei gibt es hier nicht, hier wird abgeliefert. Ähnlich straight ist man auch hinsichtlich der Poti- und Faderkappen unterwegs, denn auch hier sind keine Handschmeichler zu finden. Die Kappen sind allesamt aus Kunststoff, nicht gummiert und auch nicht gerade „rund“. Nicht, dass diese sich schlecht anfassen lassen, aber die Fader und Potis sind eher klare Arbeitswerkzeuge als sanfte Dreh- oder Schieberegler. Vorteil der Kappen gleichzeitig, man braucht recht wenig Drehbewegung um viel zu Drehen. Zugleich ist zwischen diesen ausreichen Platz, so dass die Bedienung wirklich gut „von der Hand geht“.

Der Formula Sound NN-106 ist auf jeden Fall eher robust, statt sanft. Entsprechend ist jedoch auch die Erwartungshaltung an die Haltbarkeit. Der NN-106 wirkt überhaupt robust, gut verarbeitet und wirft an keiner Stelle die Frage auf, ob frühe Schäden auftreten könnten.

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Fazit

Solide abgeliefert, wieder einmal. Der Formula Sound NN-106 ist nicht nur äußerlich ein wirklich solides Gerät, sondern kann auch mit den inneren Werten, Funktionen und dem Sound überzeugen. Dass sich dieses Gerät an professionelle Nutzer:innen wendet zeigt sich klar an vielen Stellen. Seien es die Euroblock-Ausgänge samt Remote-Eingang, der einstellbare Kompressor auf dem FX-Loop oder die wählbare Eingangskapazität für Tonabnehmer. Zugleich ist der Mixer gut strukturiert und kann auch von weniger anspruchsvollen oder erfahreneren DJs bespielt werden ohne große Stolperfallen. Klanglich wie hinsichtlich der Qualität Oberliga, über die massive Bauweise und nicht gerade handschmeichelnde Kappen aus Kunststoff kann man diskutieren, am Ende ist es ein Markenzeichen von Formula Sound. Rund 2800,- Euro wird man auf den Tisch legen müssen für den Mixer. Um ehrlich zu sein, dann muss man diesen Retro-Look und die Funktionen wirklich mögen, denn der Preis ist happig. Rund 1000,- Euro mehr als ein XONE:96, da muss der Wunsch nach Formula Sound vorhanden sein, den Look und dieses Einsatzgebiet, denn die Grundfunktionen sind Basics und nicht konkurrenzlos.

Plus

  • sehr solide Bauweise, gute Qualität
  • 6 Kanäle
  • Master-Insert, Effekt-Loop, Aux-Ausweg
  • verschiedene Ausgänge
  • Phono-Eingänge mit wählbarer Eingangsimpedanz
  • Phantomspeisung für die 6 + 1 Mikrofoneingänge
  • warmer, kraftvoller Klang

Minus

  • Effekt-Schleife und Filter nur auf jeweils einem Kanal
  • Dry-/Wet-Regler entgegen dem gewohnten Uhrzeigersinn

Preis

  • 2.799,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Das ist doch wieder Mal ein schöner Testbericht. Mit deinem Fazit gehe ich voll mit.
    Taster statt Kippschalter finde ich wiederum besser. Die Gefahr den Kippschalter ungewollt zu betätigen ist doch größer, meine Erfahrung.
    Was die Entwickler mit den Weg/ Dry geritten hat? Vielleicht hat auch nur einer das Poti falsch angelötet.

    Stellt sich die Frage, braucht es solche Dickschiffe noch? Der Markt wird es Regeln.

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