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Test: Freqport FT-1 Freqtube, Plug-in mit Röhrenprozessor

Hardware Plug-in mit vier Röhren

13. März 2023
Freqport-FT-1-Freqtube test

Freqport FT-1 Freqtube, Plug-in mit Röhrenprozessor

Die Tontechnikwelt ist gespalten: Auf der einen Seite stehen die Plug-in-Liebhaber, die „in the box“ arbeiten, also komplett innerhalb der DAW. Automation, „Total Recall“ und die unendlichen Möglichkeiten der Plug-ins stehen im Vordergrund. Selbst manch altgedienter Star-Ingenieur hat sich dem Trend ergeben und mischt in der kurzlebigen Welt der Charts die Hits lieber in der DAW mit Plug-ins, um dann im Anschluss noch auf Wunsch Stems, Remixe und mehr liefern zu können, als mit analogem Outboard. Die zweite Fraktion liebt analoge Hardware und hat dieser zu einem Revival verholfen, das kaum vorherzusehen war. Alte Geräte wurden plötzlich entstaubt und das Studio wieder mit Röhren geheizt. Doch was wäre, wenn man beide Welten zusammenbringen könnte? Freqport liefern mit dem Freqport freqtube einen Röhrenprozessor, der sich in die DAW integrieren lässt. Wir haben uns das Erstlingswerk des Herstellers angeschaut.

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Freqport

Das Freqport Headquarter befindet sich in Melbourne, Australien. Doch auch in Kopenhagen im schönen Dänemark ist man ansässig. Das erst 2019 gegründete Unternehmen besteht aus Aran Gallagher, der für die Entwicklung zuständig ist und als langjähriger Designer für analoge und digitale Audiotechnik sowie als Audio Engineer auf über 20 Jahre Berufserfahrung zurückblickt. Mikael Dahlgaard ist der Gründer des Indi-Labels Iboga Records und ist als Director of Sales und Marketing für das junge Unternehmen tätig. Michael Larsen ist ebenfalls Mitbegründer von Iboga Records und ist für das Rechnungswesen sowie die Kundenbetreuung der Ansprechpartner, während Ulrik Finne als Gesellschafter mit einer langen Geschichte als Unternehmer das Startup unterstützt. Allen gemeinsam ist die Liebe zur Musik und zur Audiotechnologie.

Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor

Bei der Testanfrage durch die Redaktion konnte ich mir unter dem Produkt nicht viel vorstellen. Weder vom Hersteller, noch vom Produktnamen hatte ich je etwas gehört. Auch die Recherche auf der Internetseite des Herstellers mit ihren recht spärlichen Informationen brachte mich nicht weiter und so stellte ich mir sofort die Frage: Braucht man so etwas?

freqtube ft 01 test

Lieferumfang, technische Daten und Installation

Nachdem das Produkt aus Dänemark zu mir ins Heimstudio gelangt ist, war ich zunächst einmal von den geringen Abmessungen überrascht. Das schwarze Metallkästchen mit seinem Display und acht Reglern ohne Beschriftung erinnerte mich irgendwie an den MOD Dwarf. Im schlichten Karton befand sich außer einem USB-C-Kabel, dem Freqport FT-1 Freqtube und einem Netzteil auch nichts weiter: keine Bedienungsanleitung und noch auch keine üblichen Marketing-Gimmicks wie ein Aufkleber mit dem Firmennamen.

Auch nach dem Anschließen änderte sich zunächst nichts. Auf dem Bildschirm waren ausgegraute Regler zu sehen. Um mit dem Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor zu arbeiten, muss zunächst ein Treiber auf dem Computer installiert werden. Dieser sorgt für die Verbindung des integrierten USB-C-Audiointerface mit dem Computer. Das Interface arbeitet 32 Bit Wandlern und einer Abtastrate von bis zu 192 kHz. Laut Datenblatt beträgt der Dynamikumfang 120 dB für den DA-Wandler und 116 dB für den AD-Wandler. Im FT-1 arbeiten außerdem vier Röhren. Diese sind durch die Lüftungsschlitze auf der Oberseite des Geräts nur zu erahnen. Bestückt ist das FT-1 mit zwei E83CC/12AX7 High Gain und zwei 12AT7 Mid Gain Tubes. Je zwei gleiche Röhren lassen sich für den Stereobetrieb koppeln. Möglich sind die Betriebsarten 2-2, 2-1-1, 1-1-2 und 1-1-1-1. Bis zu vier getrennte Monosignale lassen sich also mit dem FT-1 Freqtube Röhrenprozessor veredeln. Doch zunächst einmal geht es mit der Installation weiter.

Nach dem Download des Mac-Treibers (Intel/Apple Silicon) bin ich einen Schritt weiter, denn nun wird der Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor bereits in meinem System erkannt und auch Logic lädt das mitgelieferte Plug-in. Auf der Festplatte befindet sich nun eine App namens freqtube_hub, die automatisch geladen wird, sobald das Plug-in in der DAW einem Kanalzug hinzugefügt wird. Das freqtube-Plug-in ist sozusagen die Schaltstelle zwischen der Hardware und der DAW und ist für das Fernbedienen der Parameter und auch das Routing zuständig.

Da das Gerät nicht so ganz selbsterklärend ist, denn die Regler sind im Display des FT-1 immer noch ausgegraut, lade ich mir auch die Bedienungsanleitung herunter. Seltsamerweise wird diese nicht als PDF, sondern als Word-Datei zur Verfügung gestellt. Ob das angesichts der kurzen Anleitung eine Aufforderung darstellt, diese selbst zu ergänzen und die zahlreichen Rechtschreibfehler zu korrigieren? Jedenfalls fehlen beim Laden der Bedienungsanleitung sofort Schriften an meinem Mac und zahlreiche Meldungen erzählen mir, was alles nicht ordnungsgemäß dargestellt wird. Bitte, liebe Hersteller, wenn ihr schon keine gedruckten Bedienungsanleitungen euren Geräten beilegt, stellt zumindest die Anleitung als PDF zur Verfügung.

Anhand der Bedienungsanleitung erfahre ich, wie das Gerät einzusetzen ist und was es mit den acht Reglern auf sich hat. Diese sind nämlich frei den Bedienelementen innerhalb des freqtube-Plug-ins zuzuordnen. Hat man das erledigt, zeigt das Display an der Hardware auch brav die Belegung an und blendet den Regler endlich ein. Direkt unter dem Regler ist der Spurname zu lesen, dem das Plug-in in der DAW zugeordnet ist, darunter der ihm zugeordnete Parameter. Hier stolpere ich gleich über ein „Problem“, auf das ich später noch eingehen werden.

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Freqport-FT-1-Freqtube_02

Die Beschriftungen und Icons im Display lassen sich auch mit verschiedenen Farben versehen

Zwei Filter, zwei Busse

Die Bedienungsanleitung verrät mir außerdem, dass es zwei verschiedene Busse gibt: einen seriellen sowie einen parallelen Bus. Der serielle Bus verfügt über das Primary Filter, das sich ein- und ausschalten lässt. Hier handelt es sich um ein einzelnes, vollparametrisches Filterband, das als Low-Cut, Hig- Cut, Bell- und Bandpass-Filter konfiguriert werden kann. Die Flankensteilheit ist von 12 auf 24 dB/Oktave umschaltbar. Low- und High-Cut verfügen jeweils über die Möglichkeit der Resonanz. Das Filtermodul des parallelen Signalwegs ist identisch aufgebaut. Bei beiden Filtermodulen handelt es sich um digitale Filter innerhalb der Hardware. Das Plug-in übernimmt nur die Steuerung. Ein analoges Filter wäre schöner gewesen, aber wir wollen nicht meckern.

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Die Steuerung des FT-1 geschieht über ein Plug-in innerhalb der DAW

Drive, Röhren und Harmonics

Nach dem Primary Filter durchläuft das Signal die Drive-Stufe vor den Röhren. Diese lässt sich über einen Schalter um 18 dB boosten, möchte man die Röhren heißer anfahren. Nun geht es in die Röhrenstufe. Hier wählen wir die entsprechende Konfiguration aus Röhren aus und verlinken zwei gleiche Röhren gegebenenfalls für den Stereobetrieb. Unterhalb der Röhrenstufe entdecke ich zwei Software-Displays und einen mit Harmonics beschrifteten Regler. Das linke Display ist mit Volts/Time beschriftet und zeigt im Ausgangszustand eine Sinuskurve. Das rechte Display trägt die Beschriftung dB/Frequency und zeigt an, welche Obertöne mittels Harmonics betont oder abgeschwächt werden. Dreht man am Harmonics-Regler, verändern sich die Darstellungen in den beiden Displays, sodass man abschätzen kann, was gerade mit dem Eingangssignal passiert.Freqport-FT-1-Freqtube_10

Freqport FT-1: Seriell bis parallel – die Mischung macht’s

Der unterste Regler ist mit „Analog Mix“ beschriftet und lässt das stufenlose Regeln des Signals zwischen den Extremen Wet und Dry zu. Das Wet-Signal entstammt dabei immer dem seriellen Bus, das Dry-Signal dem parallelen Bus. Das Dry-Signal des parallelen Bus durchläuft dabei nie die Röhrenstufe, sondern ausschließlich auf Wunsch das parallele Filter. Das bearbeitete und unbearbeitete Signal lassen sich also stufenlos mischen. Interessant wird es, wenn das Dry-Signal invertiert wird. Dazu steht ein Schalter zur Verfügung. An bestimmten Positionen des Mix-Reglers ergeben sich somit Verstärkungen und Auslöschungen. Automatisiert man den Mix-Regler, lassen sich damit nette Effekte erzielen.

Zum Schluss durchläuft das gesamte Signal schließlich die Ausgangsstufe, wo es sich noch einmal im Pegel reduzieren oder verstärken lässt.

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Zwei Röhren lassen sich für Stereosignale verkoppeln. Der Signalweg kann eingeblendet werden und wird durch eine gestrichelte Linie im Plug-in dargestellt.

Praxiseinsatz im Tonstudio: Plug-in und Röhren

Wie erwähnt lässt sich der FT-1 Freqport in bis zu vier Instanzen einsetzen. Dazu muss man das Plug-in in den gewünschten Kanalzügen laden. Wichtig ist nun, das Plug-in entsprechend zu konfigurieren. Hat man in einer Instanz zwei Röhren im Stereobetrieb verwendet, stehen entweder noch zwei weitere Instanzen für den Monobetrieb oder eine weitere für den Stereobetrieb zur Verfügung. Wurde in der ersten Instanz nur eine einzelne Röhre ausgewählt, stehen noch bis zu drei weitere Instanzen zur Verfügung.

Im nächsten Schritt sollte man die Regler entsprechend zuweisen. Zu beachten ist, dass diese nicht global zugeordnet werden, sondern je einer Instanz. So kann ich in der ersten Instanz zum Beispiel die ersten vier Regler nutzen und für jede weitere Instanz stehen dann noch die verbleibenden vier Regler zur Verfügung. Alternativ lassen sich die Regler aber auch per MIDI ansprechen und somit auch über einen beliebigen MIDI-Controller steuern.

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Die Belegung der Hardware-Encoder und deren Verteilung auf die Instanzen will gut überlegt sein

Die Filter klingen in Ordnung, hauen mich klanglich aber auch nicht um. Die Plug-ins der DAW klingen vielfach besser. Immerhin werden die Reglerbewegungen an die DAW weitergereicht, wo sie sich aufzeichnen lassen, sodass man Effekte wie Filter-Sweeps in Echtzeit durchführen und aufzeichnen kann.

Wie klingt der Freqtube Freqport FT-1?

Bei gemäßigter Einstellung des Drive-Reglers erzeugt der FT-1 Freqport Röhrenprozessor eine schöne Sättigung des Signals. Alles wird kompakter und schon das Metering im Kanalzug der DAW verrät, dass Signalspitzen ähnlich wie bei der Bearbeitung mit einem Kompressor abgerundet werden.

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FT-1 im Heimstudio

Je weiter man den Drive-Regler aufdreht, desto mehr nehmen Verzerrungen zu. Über den Harmony-Regler lässt sich der Anteil der Obertöne bestimmen. So lässt sich die Qualität der Verzerrung gut einstellen. Drückt man den +18 dB-Schalter, geht es in den Overdrive. Die verschiedenen Röhren erzeugen dabei einen unterschiedlichen Sound und je nach Signal und gewünschter Qualität der Verzerrung wählt man entweder die High-Gain-Variante E83CC oder die etwas gemäßigteren 12AT7 Röhren. Interessant ist es auch, das Direktsignal mit dem Röhrensignal zu mischen. Die Ergebnisse sind ähnlich einer parallelen Kompression. Gerade dann, wenn man den Drive-Regler etwas weiter aufdreht, kann es sich lohnen, das Dry-Signal noch etwas beizumischen oder mit dessen Invertierung zu spielen und dann mit dem Wet/Dry-Regler langsam den Sweet-Spot zu suchen.

Gut gefällt mir der FT-1 Freqport Röhrenprozessor für das Andicken von Instrumenten oder Stimmen sowie für das nachträgliche leichte Verzerren von zum Beispiel Gitarren. Ihr hört hier einmal das Original, dann die Bearbeitung mit dem FT-1 und schließlich eine Bearbeitung mit Amplitube (kostenlose Version).

Auch auf einem Schlagzeug-Bus macht das FT-1 eine sehr gute Figur. Allerdings ist der Unterschied zu Plug-ins, die den gleichen Job erledigen, sehr gering. In den Klangbeispielen hört ihr einen direkten Vergleich des FT-1 Freqport Röhrenprozessor mit der Drive-Stufe aus dem Waves NLS Plug-in.

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Die Röhren sind durch das Lüftungsgitter oben sichtbar

Die extremeren Drive- und Harmony-Einstellungen machen sich gut auf Synthesizer-Bässen oder Synth-Leads. Ich habe dafür über längere Zeit mit den Parametern gespielt und das Ergebnis aufgezeichnet.

Zum Abschluss noch für diejenigen mit goldenen Ohren ein Track mit dem FT-1 und dem Waves NLS im Wechsel. Was ist was? Schreibt eure Vermutung gerne in die Kommentare.

Interessant wäre gewesen, den Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor für das analoge Summieren zu nutzen. Dafür sind vier mögliche Monobusse aber zu wenig und es fehlt außerdem ein Stereobus, auf dem sich der Mix zurück in die DAW schicken lässt. Vielleicht gibt es irgendwann noch einmal ein größeres Modell mit acht oder mehr Kanälen. Im Test hat mir persönlich die Variante gut gefallen, zwei Röhrenkanäle für die Schlagzeuggruppe zu verwenden und die zwei verbleibenden für den Master-Kanal.

Beim Re-recording von Spuren mit dem FT-1 ist mir aufgefallen, dass der Anfang des Originalsignals immer abgeschnitten wird. Das ließ sich auch durch andere Latenz-Einstellungen, die Einstellung „Lower Latency“ im Hub nicht verbessern. Hier hilft nur ein gewisser Vorlauf in der DAW, zum Beispiel von einem Takt. Außerdem sind die mit dem FT-1 bearbeiteten Spuren nicht phasensynchron, sondern zeitlich leicht versetzt. Mischt man ein Signal, das nicht den FT-1 durchläuft, mit der bearbeiteten Version aus dem FT-1, kommt es zu einem Kammfilter oder Phasing durch den Zeitversatz. Auch daran ändern die Latenzeinstellungen und die automatische Latenzkorrektur in Logic oder Ableton Live nichts. Das Abschneiden der Signale ist auch schön in einem der Beispielvideos des Herstellers zu sehen.

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Freqport Hub

Für wen eignet sich der Freqtube Freqport FT-1?

Vorab greife ich noch mal die Einleitungsfrage auf: Muss man Signale aus dem Rechner in ein Gerät mit Röhren leiten und dann wieder zurück in den Computer, um den Klang zu verbessern?

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Thema „Analoges Summieren“ hinweisen, das wir auch schon ausführlich auf AMAZONA.de behandelt haben. Auch dieses wird kontrovers diskutiert und am Ende muss man leider sagen, dass niemand sagen kann, welcher Song in den Charts oder darüber hinaus analog summiert und welcher komplett innerhalb der DAW aufgenommen und gemischt wurde. Analoge Technik macht noch keinen Hit und warm wird höchstens das Studio durch Röhren und Co. Umgekehrt kann Digitaltechnik steril klingen, wenn man nicht mit ihr umzugehen weiß. Am Ende ist immer der Techniker die entscheidende Variable in der Gleichung, die darüber entscheidet, welches Gesamtergebnis dabei herauskommt.

Nüchtern betrachtet hat eine Röhre schlechtere technische Werte als ein Transistor. Nicht umsonst war die Audiowelt geradezu versessen darauf, die Röhre endlich loszuwerden. Ähnlich war es mit Übertragern, die zunächst wieder aus der Audiotechnik verbannt wurden, um sie schlussendlich heutzutage wieder zu integrieren und die Geräte als High-End zu promoten.

Freqport-FT-1-Freqtube_03

Das ist fast so kurios wie der Trend in den 90er-Jahren, nach dem Abschied von Vinyl den digitalen Recordings Samples vom Schallplattenknistern hinzuzufügen. Ähnlich wie beim Analogsynth-Revival drehen wir uns gerade rückwärts und Künstler, die etwas auf sich halten, veröffentlichen ihre Werke wieder auf Vinyl – streng limitiert und dreimal teurer als eine Schallplatte jemals zuvor war. Ein kleiner Preisvergleich: Das aktuelle Springsteen-Album kostet auf CD 13,99 Eur, während die Vinyl-Version für 39,99 Euro im Handel zu haben ist. Im Download kostet das Album 10,99 Euro (iTunes Store). Selbstverständlich abzuspielen mit teuren Schallplattenspielern, die dann über einen Hifi-Röhrenverstärker und über per Kabelbrücken erdentkoppelte Lautsprecherkabel von Audioquest zu einem Schnäppchenpreis von 6.299,- Euro pro 6 m Kabel zu Boutique-Lautsprechern geleitet werden, die noch einmal Preisrekorde schlagen.

Nimmt man all das zusammen, wird schnell deutlich, wer sich für das Gerät nicht interessieren sollte: Wer es nicht schafft, mit einer DAW und den mitgelieferten Plug-ins einen guten Mix zu zaubern, wird das auch mit dem Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor nicht schaffen. Wer mit der DAW tolle Mixes kreiert, muss sich umgekehrt fragen, ob diese mit einem solchen Gerät noch zu verbessern sind?

freqport ft1 freqtube test

Wer sowieso für die Aufnahme mit einem Mikrofon schon analoges Outboard einsetzt und den Klang somit bei der Aufnahme kreiert und nicht erst im Mix, benötigt den Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor auch nicht unbedingt. Er ist schon aufgrund der Latenz, die er hinzufügt (zusätzlich zu der des Audiointerface) nicht unbedingt für das Recording geeignet, sondern für den Mix.

Anders ist es mit dem Sounddesign. Die Verzerrung einer Röhre darf hier viel aufdringlicher sein und klingt oft besser als ein Bitcrusher oder der Distortion-Effekt aus dem Rechner. Gerade, wenn es um Synthesizer-Sounds geht, empfinde ich hier den Röhrenklang durchaus als vorteilhaft. Auch beim Gesang kann etwas Röhrenklang durchaus ein gewisses Retro-Feeling erzeugen. Statt dann zum Röhrenkondensatormikrofon zu greifen, könnte man den Effekt auch nachträglich mit dem Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor hinzufügen. Gitarrenspuren, die mit einem digitalen Amp aufgenommen wurden oder aus einer Sample-Bibliothek stammen, profitieren ebenfalls vom Klang des Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor und erhalten ein etwas lebendigeres Klangbild. Hier liegt meines Erachtens die Stärke des Geräts. All diejenigen, die gerne mit Software-Klangerzeugern arbeiten oder mit Loops, bekommen mit dem FT-1 ein Tool an die Hand, das mal subtil, mal brachial den Sound aus Plug-ins verändern kann. Preislich liegt der FT-1 mit 850,- Euro im Bereich eines guten Audiointerface und ist eine gute Ergänzung für das sonst eher mit Software arbeitende Studio.

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Fazit

Der Freqport FT-1 Freqtube Röhrenprozessor kann von einem subtilen Röhren-Sound bis hin zu brachialen Röhrenverzerrungen alle Schattierungen erzeugen. Ob am Ende die Investition lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Drum-Bus oder auf Synthesizern bietet der FT-1 einen tollen Sound und auch Gitarren aus Software-Instrumenten oder Digitalamps gewinnen mit dem FT-1 mehr Tiefe und Lebendigkeit. Gute Plug-ins sind jedoch mittlerweile nicht weit entfernt und im fertigen Mix ist es nicht leicht zu hören, ob da nun echte Röhren am Start waren oder ein Plug-in. Wer ohnehin viel analoge Technik im Signalweg bei der Aufnahme hat, wird vermutlich den FT-1 im Mix nicht benötigen. Für das Recording ist die Summe aus der Latenz des Audiointerfaces zusammen mit der des FT-1 zu hoch. Vielleicht könnten Freqport einen Nachfolger zusätzlich mit analogen Eingängen ausstatten, um dann Gitarren, Vocals oder Synths direkt über den Freqtube aufnehmen zu können. Das würde den Mehrwert eines solchen Geräts erheblich steigern.

Plus

  • Qualität der Hardware
  • Klang
  • Preis

Minus

  • Signale nicht phasensynchron
  • Abschneiden des Signalanfangs beim Rerecording

Preis

  • 999,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Bave the Dutcher

    Ich hatte das Teil sofort bei Ankündigung vorbestellt, allerdings aus den oben im Artikel recht gut argumenntierten Gründen wieder storniert. Heute bin ich froh das Geld noch zu haben. Reizvoll ist die Kiste trotzdem sehr. mit ins und outs und analogen Filtern würd ich sie wahrscheinlich ordern. doch die haltbarkeit bei softwareabhängiger hardware ist ein echtes risiko, da ja die weiterversorgung mit softwre in anderen betriebssystemen nicht garantiert ist…

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @Bave the Dutcher Ja, das mit den Updates ist noch eine ganz andere Sache. Für mich stellt sich halt die Frage, wofür man das benötigt. Eine solche Kiste als Summing Mixer zu einem günstigen Preis wäre eine prima Sache. Also direkt per USB rein und raus und das Summing analog über die Röhren im Gerät selbst. Acht Kanäle würden reichen. Das Interface Class-Compliant und dann funktioniert das auch in 30 Jahren noch. Das wäre mal eine Aufgabe für Focusrite, so etwas auf der Basis der Scarlett-Technologie zu bauen.

      • Profilbild
        Bave the Dutcher

        @Markus Galla stimmt. allerdings hätt ich schon gern echte röhrensättigung in ner box auch. elektron analog heat auf röhrenbasis. das wär was.

        • Profilbild
          chrizzler82

          @Bave the Dutcher ich finde den preis grundsätzlich ok,… aber bei elektron kenn ich die qualität, und die steht mmn. außer frage…

          spl gainstation in kombi mit elektron analog heat mk 2 und elysia karakter wäre meine wunschvorstellung…

          aber ich bin gespannt, wie sich dieses produkt weiterentwickelt…

          • Profilbild
            Bave the Dutcher

            @chrizzler82 ich hatte das analog heat mk1 und beim sättigen trat links ein geknatter und surren auf. habs dann jemandeverkauft der die zerren verwendet hat, dem wars wurst. aber das kann man natürlich nicht brauchen im Studio. daher bin ich jetzt mal recht vorsichtig bei der mk2. elysia karacter überlege ich auch schon ne weile, und looptrotter sa2rate. der klingt als plugin schon sehr fesch. oder gleich den igs rubber bands und die röhrenstufe zum saturieren anfahren.

    • Profilbild
      janschneider

      @Bave the Dutcher Jo, analog ins und outs plus meinetwegen USB nur zur Steuerung vom plugin aus fände ich auch sinnvoller, dann kann man das Gerät auch als Frontend einsetzen, und weiterhin im Mix als external effect, so man denn will. Plus, wie schon gesagt, unabhängig davon, ob im fünf Jahren die Treiber noch funktionieren.
      Aber immerhin sind die Röhren schön ausgeleuchtet, damit man weiss, dass man einen schönen warmen Sound erhält.

  2. Profilbild
    noael

    Eigentlich schon toll. Aber ich finde es schon schade, dass die Filter digital sind. Was mich aber am meisten wundert, warum hat die Kiste keine inserts? Das wäre doch sowas von praktisch und naheliegend gewesen. Plugin laden sättigen und/oder noch mit anderer Hardware die Spuren verfeinern. Ohne kompliziertes routing und patchbay. Naja vielleicht dann bei der MK2 Version.

    Ach und das Beispiel mit amplitube vs Röhre ist krass :) da ist die Röhre wirklich viel besser für meinen Geschmack. Bestimmt wäre das Waves Plugin auch für den Vergleich ähnlicher gewesen. (Ich sollte es mir aber noch mal auf richtige. Lautsprecher anhören)

  3. Profilbild
    Tom Techno

    McDSPs ABP8/16 wäre die große Alternative. Nach Anhören von Klangvergleichen auch zu Plugin Alternativen finde ich das extrem schmackhaft. Kostet aber auch ordentlich.

  4. Profilbild
    r.biernat RED

    Hi Markus,

    schöner Test! Das 1. Schlagzeug-Beispiel klingt doch glatt nach Smooth Criminal;)
    Ich hatte für solche Anwendungen mal den SPL Charisma, der sehr geil klang. Ich würde mir so eine Kiste ohne analoge Ein- und Ausgänge aber nicht kaufen, da ist der Nutzen viel zu eingeschränkt und zur Einbindung in die DAW hab ich ja mein Interface. Übrigens zeigt z.B. die Tegeler Audio Manufaktur, dass man das Analoge problemlos über ein Plugin steuern kann ohne gleich die analogen Ein- und Ausgänge zu opfern.
    Der Vergleich mit dem NLS-Plugin zeigt mir, dass das NLS fetter klingt und gute Sättigungs-Plugins habe ich mittlerweile als Plugin, aktuell gerade neu THE OVEN von Maor.

    Das Problem mit dem Versatz liegt aber glaube ich an Logic Pro X. Ich habe das Ganze gelöst indem ich über das i/o-Plugin und den zugehörigen Ping-Knopf die Latenz ausgleichen lasse. Nun schicke ich die Spur, auf der der Hardware-Insert liegt, pre-Fader auf einen Bus und lege mir in einer weiteren Spur diesen Bus als Input an, der sich dann zeitsynchron aufzeichnen lässt.

    LG
    Robert

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @r.biernat Richtig gehört. Habe meine letzte Show direkt im Pult mitgeschnitten und das kam mir für den Test gerade recht.

      Das Versatz-Problem gab es auch mit Ableton Live. Vermutlich könnte man auch alle anderen Spuren entsprechend um die Latenz de Freqport verzögern. Ich habe das alles so gemacht wie von Freqport beschrieben. Das ist ja vermutlich auch das, was der Käufer machen würde. Und da kommt es dann halt zum beschriebenen Ergebnis.

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