Test: Genelec 7350 APM, Subwoofer

16. April 2021

Mehr Platz und mehr Ressourcen

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Genelec 7350 APM, Subwoofer

Die 7000er Serie des finnischen Unternehmens Genelec beinhaltet die Basserweiterungen für die bestehenden Monitoring-Systeme. Möchte man allerdings Lautsprechersysteme erweitern, die über das Genelec-eigene GLM System zur Anpassung der Lautsprecher an den Raum verfügen, so wäre es verschenktes Potenzial, nicht in ein Produkt aus der 7300er Serie zu investieren. Diese verfügt über den eingebauten DSP, der es möglich macht, besagte Anpassungen durchzuführen. Zudem lassen sich alle Mitglieder der 7300er Familie digital beschicken und über das Lautsprechermanagementsystem in der GLM-Software in Mehrkanalsysteme bis zu 80 Lautsprechern integrieren.

Der Genelec 7350 A stellt den kleinsten Aktiv-Subwoofer der Produktreihe dar, empfiehlt sich vor allen Dingen für kleinere (Stereo-) Setups mit den 8320/8330er Lautsprechern und ist Gegenstand dieses Testberichts.

Genelec 7350 A

Was bietet der Genelec 7350 A Subwoofer?

Zusammen mit einem Pärchen Genelec 8341 trudelt der 7350 A bei mir im Studio ein. Der Subwoofer ist in einem robusten Karton verpackt. Die 18 kg Gewicht merkt man dem Kraftzwerg aufgrund seiner Handlichkeit überhaupt nicht an, durch zwei oberseitig eingeschraubte Querstreben lässt er sich mit großer Einfachheit positionieren und bewegen. Das Gerät misst insgesamt 410 x 350 x 319 mm, hierfür sind allerdings in der Hauptsache die Front- wie die rückseitig angebrachten Gehäuseteile verantwortlich. Würde man diese entfernen, würde lediglich ein rundes, zylinderförmiges Gehäuse mitsamt der Anschlusssituation übrig bleiben.

Genelec 7350 A

Ein hübsches Gitter: Membranöffnung des Genelec 7350 A

Hinter dem ansehnlichen Gitter der Frontplatte befindet sich ein 8 Zoll Treiber, der mit 150 Watt einer Class-D PWM-Endstufe versorgt wird. Der hierbei entstehende Luftzug entweicht über eine linksseitig in den Zylinder integrierte Reflexöffnung. 104 dB SPL Schalldruck kann er alleine in 1 m Abstand gewährleisten und das bei einem Frequenzumfang von 25-150 Hz mit -6 dB-Punkt bei 22 Hz

Anschlussseitig lässt der Genelec 7350 A keine Fragen offen: Hier befinden sich fünf analoge Ein- und Ausgänge über XLR für Stereo, LCR oder 5.1 Setups sowie ein dedizierter analoger LFE-Eingang. Auch für Xmon-Nutzer und andere Anwender mit dediziertem Ausgang für das Bass-Management gestaltet sich die Nutzung somit problemlos.

Die digitalen Schnittstellen und die Genelec GLM 4.0 Software

Der besondere Reiz liegt hier allerdings in der AES/EBU-Schnittstelle mitsamt Ein- und Ausgang in XLR, mit denen sich sämtliche Lautsprecher eines Setups digital beschicken und seriell per Punkt-zu-Punkt Prinzip miteinander verbinden lassen. Laut Website mit GLM-Stütze über die Ethernet Ports funktioniert das mit bis zu 80 Lautsprecher gleichzeitig.

Genelec 7350 A

Anschlussvielfalt am Genelec 7350 A

Das Speaker-Mangement geht fortan, egal ob man sich für die digitale oder analoge Anschlusssituation entscheidet, ganz bequem in der GLM 4.0 Software vonstatten. Hier lässt sich auch, je nachdem mit welchen Satelliten man arbeitet, in welchem EBU-, Rundfunk- oder Kinostandard man gerade mischt oder je nach den Begebenheiten des Raumes, die Crossover-Frequenz zwischen Subwoofer und Satelliten festlegen.

Das abhörpositionsbezogene Einmessen erfolgt in Windeseile. Alle Lautsprecher im Netzwerk werden mit einem Sinus-Sweep beschickt, der von dem GLM-System beigelegten Messmikrofon aufgenommen und in der Software analysiert und ausgewertet wird. Die erfassten Daten wandern via Ethernet-Kabel im selben Prozess zurück auf den DSP der Lautsprecher – danach lässt sich sofort loslegen.

Das alles dauert bei der hier getesteten 2.1 Konfiguration und abhörpositionsbezogener Messung keine zwei Minuten. In diesem Prozess berücksichtigt werden Pegel, Abstandsverzögerung, Phasenlage des Subwoofers und die Raumanpassung. In meinem kleinen Test-Setup ist die Benutzerfreundlichkeit dieses Systems bereits absolut über jeden Zweifel erhaben – stellt man sich allerdings erst einmal vor, wie leicht, effizient und vor allem schnell sich hiermit Auro- oder andere immersive Setups à la 7.4.1 und Co. einmessen lassen, wird dem Nutzer der Vorteil der eigenen Genelec-Software besonders bewusst. Auch ein Nutzer, der seine Lautsprecher als mobiler Produzent häufig in anderen Räumen nutzt, erhält so immer eine verlässliche Referenz.

Praxis: Klang und Nutzbarkeit des Genelec 7350 A

Der Fairness halber muss ich zum Beginn des Praxisteils erwähnen, dass mein Schaffensweg schon seit einigen Jahren immer mit mindestens einem Pärchen Genelec begleitet wird. Die kleinen 8020er, die ich nun seit einigen Jahren als Zweitabhöre verwende, waren zwischendurch auch mal, gestützt vom kleineren Genelec 7040er Subwoofer mit der 6,5 Zoll Membran, meine Erstabhöre.

Auch ein Pärchen 1032er durfte ich mal mein Eigen nennen (diese vermisse ich zugegebenermaßen sehr). Für einen vorangegangen Test hier bei AMAZONA.de durfte ich die letzten Monate die Genelec 8341 betreiben, die für unseren Subwoofer Test heute neben meinen 8020ern als Satelliten-Modell stehen dürfen.

Besonders faszinierend ist die stetige Kohärenz zwischen den Monitorfamilien, man würde sie im Blindtest mit Sicherheit erkennen. Und mischt man auf den 8020ern, kommt in ein fremdes Studio in dem 8040er, 8341er oder andere Zöglinge des finnischen Unternehmens stehen, weiß man sofort, woran man sich bei der klanglichen Beurteilung des Audiomaterials festhalten kann. Es fällt vor allen Dingen sehr leicht, auf Genelec Lautsprechern Mixe zu erstellen, die sich fortan gut auf jegliche Consumer-Lautsprecher übertragen.

Genelec 7350 A

Die spartanische Rückseite des Genelec 7350 A

Einsatz im Studio

Zunächst verkabele ich also meine 8020er analog mit dem Genelec 7350 A Subwoofer. Diese sind nicht DSP-gestützt, verfügen aber dafür über das altbekannte Mäuseklavier auf der Rückseite des Lautsprechers. Hier aktiviere ich den Bass-Rolloff bei 85 Hz, daher mit weichen 6 dB pro Oktave arbeitet. Der Subwoofer verfügt wie besprochen über den DSP, also wähle ich hier die Weichenfrequenz von 85 Hz. Eine Laufzeitkorrektur des Subs kann in diesem Setup von der GLM Software natürlich nicht gewährleistet werden, also richte ich den Sub manuell, mich an der Position des rechten Satelliten orientierend, in einem ähnlichen Hörabstand zu diesen aus. Danach führe ich ein paar schnelle Sinus- und Rausch-Messungen mit der Software Room EQ Wizard durch und nehme manuelle Pegelanpassungen vor – bis der Frequenzgang auf dem Papier halbwegs linear anmutet. Da die 8020er etwas erhöht auf meinem Tisch stehen, ergeben sich Probleme wegen der Reflektion des Tisches (um etwa 120 Hz).

Der Test des 7350 mit den analogen 8020 ist eher „suboptimal“. Hier wären  8320 oder 8330 die  richtige Wahl gewesen. Zu den analogen 8020er Lautsprechern würde der analoge 7050 Subwoofer am besten passen, dieser verfügt über einen Locut mit dazu passender Flankensteilheit wohingegen der 7350 eben eher auf die DSP gestützten Lautsprecher des Unternehmens ausgelegt ist. Aufgrund von Überlagerungen an der Grenzfrequenz um 85 Hz ergibt sich hier ein etwas HIFI-artig anmutender Sound, der Test in Kombination mit den 8341ern ist demnach der deutlich validere.

Schließt man seine Lautsprecher an den Subwoofer an, hört dieser die tieffrequenten Anteile sämtlicher „Zuspiel“-Lautsprecher und summiert sie eigenständig zum LFE-Kanal. Gemessen an der kompromissbehafteten Aufstellung der kleinen 8020er im absoluten Nahfeld (ca. 1 m Abstand zur Hörposition), steht der Sub sozusagen direkt vor dem Tisch.

Genelec 7350 A

Handlich trotz Gewicht: Streben am Genelec 7350 A

Als erstes Hörbeispiel wähle ich Untitled (How does it feel) von D’Angelo, eine Referenz im R’n’B, die vor allen Dingen im Bezug auf die Dynamik im Bassbereich sowie das Kick-Bass-Verhältnis absolut empfehlenswert ist. Hört man sich dieses Musikstück auf den 8020ern ohne Stütze im Bassbereich an, kommen diese extrem schnell an ihre Grenzen – schon im Referenzpegel-Bereich. Die Dynamik und Tiefenstaffelung leiden unter der Angestrengtheit der Membranen und hört man in einem Abhörpegel von rund 85 dB SPL, kommen diese hier gehörig ins Schwitzen und stehen gefühlt kurz vor der Verzerrung.

Gemeinsam mit dem Genelec Subwoofer und dem Roll-off des Basses gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Eine hinreichende Stabilität der Transienten lässt sich auch ohne die digitale Laufzeitkorrektur durch manuelle Einstellungen (die, meint man es ernst, allerdings auch einmal locker einer Woche des Finetunings bedürfen können) erreichen.

Der Woofer ist hier das krasse Gegenteil der Satelliten, er verhält sich schlichtweg unangestrengt und bildet sämtliches, was unten herum passiert, absolut präzise ab. Die Satelliten müssen nun ebenfalls deutlich weniger leisten, wodurch sie vor allen Dingen den Mittenbereich deutlich präziser abbilden können, allerdings lange nicht auf dem Niveau des gefühlt deutlich ressourcenstärkeren Woofers. Eben durch diesen Umstand ergibt sich eine Klangkultur, die recht HiFi-artig anmutet.

Beim Hören einiger modernerer Jazz- und Soul-Produktionen, hier stehen E.S.T.s Album 301, aufgenommen und produziert in 301 Studios in Sydney und José James Album No Beginning No End (Blue Note) im Vordergrund, bestätigt sich dieses Bild nachhaltig.

Man könnte den Höreindruck in etwa so beschreiben, dass er mehr Spaß macht, als er es in diesem Kontext eigentlich sollte. Beim Hören von statischen Techno-, House- und EDM-Produktionen ergibt der Genelec 7350 A im Kontext mit den 8020ern aber wieder deutlich mehr Sinn. Hier gibt der Tieftontreiber einen beeindruckenden Vorgeschmack darauf, wie tief und präzise er mit einem passenderen Satelliten-Pärchen blicken lassen wird …

Genelec 7350 A

Klein und präzise gegen groß und Lautstärke bedürftig: Woofer-Vergleich mit der Genelec 7350 A

Die Genelec 8341er stehen im Stereodreieck von rund 1,40 m, den Subwoofer positioniere ich wieder in direkter Nähe zum rechten Lautsprecher. Nach einem dem Vorgehen mit den 8020ern gleichenden Anschlussprozess verbinde ich sämtliche Komponenten mit den dem Genelec GLM-Set 3.0 beigelegten Ethernet-Kabeln.

Ein Blick in die Software GLM 4.0 verrät: Alle System-Komponenten wurden erkannt. Also: Start Measuring. Der oben beschriebene Prozess erfolgt in Windeseile und macht das System auf möglichst weiche Art und Weise durch Glockenfilter, Lautstärke- und Laufzeitanpassungen so linear wie in der gewählten Aufstellungsposition eben möglich. In dieser Konfiguration spielen die Satelliten auf dem Niveau des Subwoofers. Dieser stellt hier eine natürliche Erweiterung des tieffrequenten Bereiches dar und sorgt, ähnlich wie bei den 8020ern, dafür dass die 8341er vielleicht noch eine Spur präziser abbilden können, als sie es vorher ohnehin schon vermochten.

In dieser Konfiguration wird es hinfällig, über Genres zu sprechen, die besonders funktionieren oder ähnliche Geschmacksdinge, hier hört man alles in lupenartiger Präzision und das Genelec-typisch ohne merkbare Anstrengungen seines Gehörs auch bei hohem SPL. Gerade bei einer gewissen Lautstärke beeindruckt das System dadurch, dass es nicht schneidig oder unpräzise wird. Die Lautsprecher reagieren unangestrengt und müssen logischerweise nicht so sehr angeregt werden wie die kleineren Treiber der 8020 – hier stimmt die Auflösung der Satelliten mit der des Subwoofers überein.

Fazit

Das finnische Unternehmen Genelec hat nicht umsonst so zahlreiche Subwoofer-Typen im Repertoire. Für jedes Lautsprecherpärchen des Unternehmens findet sich etwas Passendes „für unten herum“.

Lassen sich die potenten, aber präzisen Bässe zwar selbstverständlich mit beliebigen Lautsprechermodellen betreiben, so glänzt der Genelec 7350 A vor allen Dingen durch seine Möglichkeiten der Feinabstimmung und Raumanpassung durch die kürzlich aktualisierte Genelec GLM 4.0 Software sowie den eingebauten DSP, der natürlich viel Potenzial verschenkt, nutzt man sie nicht mit Satelliten, die über die gleichen Möglichkeiten verfügen.

Der Genelec 7350 ist weder zu groß noch zu klein, die 8-Zoll-Membran kann präzise und schnell abbilden und ist gleichzeitig nie überfordert – diese Größe eignet sich dem Testeindruck nach vor allen Dingen für den Betrieb in kleinen bis mittelgroßen Räumlichkeiten. Verarbeitung, Klang und Nutzbarkeit erfüllen sämtliche Erwartungen an das Produkt und überzeugen nachhaltig – ebenso, wie man es von einem Produkt, das nun seit über 19 Jahren stetig weiterentwickelt wird, auch erwarten kann.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • DSP

Preis

  • 1.059,- Euro
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