Test: Genelec 7040 APM, Studio-Subwoofer

27. Juli 2020

Kleine Bassschnecke der großen Finnen

genelec 7040 apm test

Genelec 7040 APM, Studio-Subwoofer

Wie war das doch gleich mit der kleinen Schwester? Sagt man doch, es würde schwieriger als mit der Erstgeborenen? Tatsächlich sind mir Fälle bekannt, wo das durchaus zutrifft. Hier aber handelt es sich eher um einen kleinen Zwillingsbruder des Genelec 7050C, den ich vor längerer Zeit hier getestet habe. Das Bass-Management und der Aufbau hatten es mir angetan, allerdings war mir persönlich die Ausstattung zu reichhaltig, denn Surround-Anwendungen nutze ich nicht. So gesehen ist obiger Geschwistervergleich hinfällig, denn bis auf Ausstattung und Größe unterscheiden sich die Modelle hauptsächlich im Low-End und der Verstärkerleistung.

Darüber hinaus gibt es mit dem Genelec 7060 B einen größeren Vertreter, der zwar nicht mehr erhältlich ist, sich dafür eher als Spielpartner für die 8030 eignen soll. Hingegen empfiehlt Genelec den 7040 APM und 7050 C für die Monitore 8010, 8020 (seit kurzem übrigens auch im rohen Look erhältlich) und M030. Wie dem auch sei, in kleinen Räumen, Heimstudios und überall dort, wo selbst für einen Subwoofer wenig Platz ist, passt sicher noch ein Genelec 7040 APM. Was in dem kleinen Kerlchen steckt, verrate ich euch in diesem Test. Übrigens heißt das Modell eigentlich 7040A, die Kürzel P und M definieren die Farbe und magnetische Abschirmung.

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Auspacken

Da klingelte der freundliche UPS-Bote und die Kontaktlosigkeit reichte immerhin für einen Satz: „Vorsicht, ist schwer.“ Ich nahm ihm den Karton ab und wunderte mich eher über das geringe Gewicht. Zwar wiegt der Genelec 7040 APM an sich 11,3 kg, was aufgrund des kleinen Packmaßes zwar vergleichsweise schwer wirkt, für einen Subwoofer an sich ist er wiederum recht leicht.

Betrachtet man zudem die recht geringen Abmessungen in Verbindung mit dem nicht allzu großen Treiber, fragt man sich dann wieder, woher das Gewicht kommt. Das wird allerdings schnell deutlich, wenn man sich die Konstruktion näher anschaut. Neben dem Subwoofer selbst finde ich im unauffällig braunen Karton mit Umkarton ein Kaltgeräte-Netzkabel und eine sehr ausführliche Anleitung mit Tipps zur Aufstellung und technischen Detailangaben. Diese ist in englischer Sprache verfasst und richtet sich gleichermaßen an Einsteiger und Fortgeschrittene.

Genelec 7040 APM kaum größer als eine Langspielplatte

Der Genelec 7040 APM steht im Prinzip senkrecht und wird auf Vorder- und Rückseite durch zwei beschichtete MDF-Platten begrenzt, die mit der Basis sicher verschraubt sind. Auf diesen liegt der Subwoofer auf, Gerätefüße oder Isolierpads liegen nicht bei. Im Prinzip sind sie auch nicht nötig, sieht man mal von potentiellen Gehäusekratzern ab, da das dickwandige Chassis selbst bei höheren Lautstärken kaum in Schwingungen gerät.

Die Rückseite ist plan und die Vorderseite verbirgt den Treiber. Das Anschlussterminal bietet je zwei symmetrische Ein- und Ausgänge in Form verriegelbarer XLR-Buchsen, einen Soft-Power-Taster samt LED, einen Gain-Regler und ein Mäuseklavier mit fünf Dip-Schaltern, die versehentlich nicht verändert werden können. Wer die Anschlüsse lieber auf der Hinterseite haben möchte, kann Subwoofer und Phase drehen, das ist jedoch nicht im Sinne des Erfinders. Der Subwoofer ist sehr wertig verarbeitet und grundsolide.

Genelec 7040 APM Oberseite

Die beiden Griffe sollen dies natürlich beim Transport verhindern, wobei sich der Genelec 7040 APM im Vergleich auch ohne gut tragen lässt. Manche Subwoofer lassen sich hingegen schwer greifen, so dass man sie ungern anders platziert. Hauptgrund für die Griffe dürfte allerdings eher die Versteifung des Gehäuses sein, die inmitten platzierte Bassreflexschnecke wird dadurch fixiert und stabilisiert. LSE nennt Genelec das Prinzip, dies steht für „Laminar Spiral Enclosure“.

Genelec 7050C

Mich erinnert die Konstruktion an eine Tuba oder andere Blasinstrumente, bei denen man über die Länge des Schalltrichters mehr Volumen erzeugt. Bowers & Wilkins hatte ein ähnlich schneckenförmiges Konzept in den 90er Jahren bei der Nautilus-Serie vorgestellt, um den rückwärtigen Schall besser abzuleiten, damit dieser die Membran nicht durch unerwünschte Reflexionen abbremsen kann. In diesem Fall soll LSE mögliches Flattern und Nebengeräusche verhindern und es sei verraten, dass dies beim Genelec 7040 APM vor allem bei hohen Lautstärken nicht ganz so geglückt ist. Ansonsten wundert man sich eher über den edlen Tiefbass, den man so einem kleinen Gerät kaum zutrauen würde.

Genelec 7040 APM Vorderseite

Auf der Vorderseite befindet sich der hinter einem quadratischen Metallgitter geschützte 6,5-Zoll-Treiber, ähnelt mit dem Genelec-Schriftzug optisch den größeren Vertretern der Serie und wird von einem Class-D-Verstärker mit 50 Watt angetrieben. Das Gehäuse ist 410 mm hoch, 350 mm breit und 205 mm tief, so dass er aufgrund der Bauweise recht wenig Stellfläche benötigt.

Genelec 7040 APM Anschlüsse

Das Anschlussterminal bietet je zwei symmetrische Ein- und Ausgänge in Form verriegelbarer XLR-Buchsen, einen Soft-Power-Taster samt LED, einen Gain-Regler und ein Mäuseklavier mit fünf Dip-Schaltern, die versehentlich nicht verändert werden können. Wer die Anschlüsse lieber auf der Hinterseite haben möchte, kann Subwoofer und Phase drehen.

Die Hinweise in der Anleitung sind recht hilfreich, wenn man sich über die Positionierung unsicher ist. In meinem Fall genügt das Aufstellen unter dem Tisch inmitten der Hörposition. Dabei wird er in den Signalweg eingeschleift und reicht das Signal des Zuspielers an die Monitore weiter. Alternativ ließe er sich auch an einen summierten LFE-Ausgang anschließen.

Technisches

Wie erwähnt empfiehlt Genelec den 7040 APM als Ergänzung zu den Abhören 8010, 8020 oder M030. Allerdings stand mir keines dieser Pärchen zur Verfügung, es lassen sich natürlich andere Monitore genauso verwenden. Ich wählte aus meinem Fundus die Tascam VL-S5, die mit einer unteren Grenzfrequenz von 60 Hz durchaus mehr Tiefgang vertragen können.

Tascam VL-S5 Testaufbau

So erweitert der Genelec 7040 APM diesen nach unten auf 30 Hz bei -6 dB, wobei die obere Grenzfrequenz fest auf 90 Hz eingestellt ist. Angeschlossene Lautsprecher durchlaufen ein Hochpassfilter, was den Einsatz von Boxen ohne integrierte Filter vereinfacht und Überlagerungen bei größeren Monitoren verhindern kann. Sie verstummen, wenn der Subwoofer abgeschaltet wird. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, den 7040 APM an die Abhöre anzupassen.

Genelec 7040 APM verkabelt

Da wäre als Erstes der Gain von -6 bis +12 dB. Bei 0 dB soll er gut zu den hauseigenen Monitoren passen, in meinem Fall passt das auch und ich regele die Eingangslautstärke an den Boxen auf 5. Ist der Gain zu hoch eingestellt und das Eingangssignal zu kräftig, riegelt der Subwoofer ab, so dass er die 100 dB Schalldruck wohl kaum übersteigen kann.

Verkraften die angeschlossenen Monitore mehr Pegel und man erhöht die Lautstärke des anliegenden Signals, werden diese zwar lauter, der Subwoofer allerdings nicht. Dies fällt bereits bei höherer, noch erträglicher Lautstärke auf, aber man bedenke die vergleichsweise schwache Leistung. Manche günstigen Subwoofer kommen mit 150 Watt oder mehr, diese Reserven bietet der Genelec 7040 APM einerseits nicht. Andererseits ist die Leistung gemessen an Größe und bewegter Luft ausreichend für kleine Räume, dafür wurde er schließlich konzipiert.

Genelec 7040 APM unterm Tisch

Um die Nachbarn etwas zu schonen, denn Moden dürften bei kleinen Räumen in diesem Frequenzbereich kaum auftreten, lässt sich das Roll-off am unteren Frequenzspektrum bis auf -6 dB absenken. Das ersetzt zwar keine ordentliche Einmessung, genügt aber für eine grobe Anpassung.

Die ersten zwei Dip-Switches der Mäuseklaviatur senken um je -2 und -4 dB und lassen sich kombinieren. Mit den anderen beiden Dip-Switches lässt sich die Phase um 90, 180 und 270 Grad drehen, das verhindert Auslöscheffekte. Weiterhin ist diese Funktion praktisch, um Laufzeitunterschiede am Hörplatz auszugleichen und es lässt sich mit diesen Einstellungen gut experimentieren. Weil der Subwoofer nicht fernbedienbar ist, kann dies etwas lästig werden. Mit dem fünften Schalter lässt sich die ISS-Funktion (Intelligent Signal Sensing) aktivieren, damit schaltet er sich automatisch ein und aus. Weitere Einstellungen gibt es nicht, so ist auch keine Bypass-Schaltung vorgesehen.

Der Sound

Als Erstes fällt auf, dass der Genelec 7040 APM im Betrieb keine hörbaren Störgeräusche von sich gibt. Weder Netzteil, noch Brummen oder Rauschen, es ist selbst aus geringer Distanz nichts zu hören. Einzig beim Ein- und Ausschalten hört man das Relais und ein leises Knacken. Beim ganz normalen Musikhören mit verschiedenen Genres zeigt sich, dass er sehr gut kleine Lautsprecher im Tiefgang überzeugend unterstützt, wenn man nicht besonders laut hören will. Leise ist hier definitiv die Stärke, dann halten sich unerwünschte Nebengeräusche und Flattern sehr in Grenzen und tiefe Bässe klingen sehr edel. Mit einem Sweep konnte ich bis 27 Hz noch was hören, darunter fällt der Bass steil ab und ist bei unter 25 Hz verschwunden, das entspricht den technischen Angaben und ist gemessen an Volumen und Treiber schon fast sensationell.

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Dreht man allerdings etwas auf, sind Wind- und Flattergeräusche wahrzunehmen, die sich bei Zimmerlautstärke noch in Grenzen halten. Bei Musik mit komplexeren Bässen leidet jedoch etwas die Präzision, hier hätte ein regelbarer Highcut gut helfen können, um Harmonische etwas besser in den Griff zu bekommen. Glücklicherweise fällt das im normalen Betrieb nicht so auf, weil die angeschlossenen Monitore diese gut überlagern. Wenn man allerdings die Boxen abschaltet, hört man in Teilen die Nebengeräusche deutlicher. Nehmen wir als Beispiel eine Kickdrum in einem Metal-Stück, diese hört man bei höherem Pegel schon gut ploppen. Beim oben erwähnten Sweep hat der Genelec 7040 APM zwischen 80 und 40 Hz in Teilen gut gerappelt, allerdings bei wirklich höherem Pegel. Leise gelingt es der LSE-Spirale hingegen, den Druck besser abzufangen. Diesen Effekt konnte ich auch beim 7050 C wahrnehmen, allerdings aufgrund der größeren Bauweise nicht ganz so ausgeprägt. Die Devise heißt einfach, mehr Geld in die Hand zu nehmen und so muss man den 7040 APM schon als guten Kompromiss anerkennen.

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Immerhin ist der Subwoofer mit der vergleichsweise kleinen Endstufe nicht für hohe Lautstärken konzipiert und soll kleine Monitore in kleinen Räumen gut unterstützen. Das gelingt ihm und wer damit keine Hausparty veranstalten will, dürfte mit den Einschränkungen gut zurechtkommen. Immerhin steht auf der Habenseite ein sauberer Tiefbass hinunter bis 30 Hz, was günstigere Subwoofer selbst mit größerem Volumen nicht unbedingt so akkurat hinkriegen. Wer einen dedizierten Sub-Out mit regelbarem Tiefpassfilter vorschaltet, könnte ihn im oberen Spektrum etwas entlasten und auf diese Weise die Nebeneffekte etwas minimieren. Es ist gut möglich, dass er sich inmitten der empfohlenen Monitore sogar noch deutlich besser einfügen kann, wobei die Grenzen durch den Genelec 7040 APM bestimmt werden. Wie immer heißt es ausprobieren und im eigenen Umfeld testen, ob er zum Raum und vorhandenem Equipment passt.

Fazit

Der Genelec 7040 APM ist ein kompakter Studio-Subwoofer für kleine Räume, der die Monitore 8010, 8020 und M030 im Tiefgang gut unterstützen soll. Die Übergangsfrequenz ist fest auf 85 Hz eingestellt.

Mit maximal 100 dB ist der 7040 nicht unbedingt für lautes Musikhören geeignet, dafür bringt er leise und vor allem tiefe Bässe bis 30 Hz sauber rüber und dies in einem stabilen und edlen Gehäuse. Wer mehr will, muss entsprechend mehr ausgeben und sich bei den größeren Modellen umsehen.

Plus

  • verhältnismäßig tiefes Low-End
  • stabiles Gehäuse
  • einfache Handhabung
  • klingt leise recht edel

Minus

  • keine regelbare Grenzfrequenz
  • riegelt bei hoher Lautstärke ab
  • bei höherem Pegel verliert er an Präzision
  • kleine Endstufe mit 50 Watt

Preis

  • 584,- Euro
Forum
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    dAS hEIKO  AHU

    Mit dem „Kleinen“ haben sich die Finnen natürlich selbst konkurrenz geschaffen. Ist der Preisabstand zum nächstgrößeren Model doch deutlich, so darf das neue Geschwister natürlich keine 130W oder 150W Endstufe bekommen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass das Edelteil gerade in Heimstudios seinen Platz finden kann, wo aufgrund der Wohnsituation ohnehin nicht auf 80% Lautstärke gefahren werden kann/sollte.

    Doch selbst mit dem bei thomann deutlich reduzierten UVP muß sich der Genelec mit unzähligen Mitbewerbern messen, die teils größere Chassis verbauen (Prodipe, Presonus, JBL) und oder erheblich weniger kosten. Was die Frage aufwirft, ob sie damit automatisch schlechter klingen.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Ich hatte ja einige auf dem Tisch und diese Frage hatte ich mir auch gestellt. Ich denke, es hängt auch wirklich davon ab, was man genau sucht. Günstigere Modelle mit größerem Chassis sind lauter, können aber nicht so tief oder weniger sauber. Manche bieten eine regelbare Übergangsfrequenz, was mir zumindest die Anpassung etwas erleichtert hat. Zugegeben klingen Tiefbässe aus dem kleinen Genelec gemessen am Volumen richtig satt, aber im Vergleich konnten günstigere Modelle besser mit Windgeräuschen und Harmonischen umgehen, auch wenn das beim Genelec im Zusammenspiel nicht so auffällt. Mir scheint es schon so, als ob man den Subwoofer primär an die hauseigenen Monitore angepasst hat, da wäre ein Vergleich im Set vermutlich sinnvoller gewesen. Nur bei der Leistung, 50 Watt für den Woofer, da kann manch 8-Zoll-Monitor mehr. Meine Mackie XR824 können auch tief, sauber und vor Allem deutlich mehr Druck im Tiefbass erzeugen. Bevor die Wände mit dem Genelec zu wackeln beginnen, begrenzt er leider.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Hier noch einige Anmerkungen Seitens Genelec: Das Modell heißt 7040A, das PM steht für Farbe und magnetische Schirmung. Der 7060B ist nicht mehr erhältlich. Die Seitenplatten bestehen aus MDF-Holz, das erklärt das Gewicht. Man stellt den Sub so auf, dass sich die Anschlüsse seitlich befinden und passt mit den Dip-Schaltern den Sub im Verhältnis zu den Boxen an. Die Absenkung der Frequenzen ersetzen keine Einmessung, können aber helfen, den Klang etwas homogener anzupassen.

  3. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Mich hat der Testaufbau ohne die passenden Genelec Boxen sehr gewundert.
    Thomann schreibt auf seinen Online-Ratgeber Seiten dazu: »Wenn ein Subwoofer eingesetzt werden soll, dann sollte man innerhalb einer Produktrange eines Herstellers bleiben (also kein Subwoofer eines anderen Herstellers verwenden). Betrachten Sie Monitore und Subwoofer immer als komplettes System.«.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Wir haben halt nur den Subwoofer bekommen, das ist halt in diesem Fall so. Ich sehe das aber auch ähnlich wie Thomann, wobei im Idealfall bei neutraler Abstimmung ein anderer Subwoofer bei richtiger Einstellung nicht das Problem sein sollte.

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