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Test: Heritage Audio Lang PEQ-2, Equalizer

Rückkehr eines seltenen EQ-Klassikers

21. August 2023

heritage audio lang peq 2 test

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Der Lang PEQ-2 ist ein monophoner, passiver Equalizer mit einem legendären Ruf, den Heritage Audio nach dem Erwerb der Firmenrechte erst kürzlich neu aufgelegt hat. Das amerikanische Unternehmen Lang Electronics Inc. produzierte in den 60er-Jahren preiswertes Studio-Equipment, zu dem neben Kompaktmischpulten, Wiedergabeverstärkern für Bandmaschinen auch verschiedene Versionen des PEQ zählten.

Ursprünglich wurde der PEQ-2 als günstige Alternative für den berühmten Pultec EQP-1A entwickelt. Im Gegensatz zu dem Vorbild basierte seine Bauweise aber nicht auf einer Röhren-, sondern Transistor-Schaltung, darüber hinaus besaß er eine größere Frequenzauswahl. Heute existieren nur noch wenige der sehr gefragten Originale, die zu horrenden Preisen gehandelt werden – die Neuauflage von Heritage Audio kostet allerdings gerade mal 999,- Euro.

Lang PEQ-2

Das Vorbild aus den 60er-Jahren: LANG PEQ-2 Vintage (Quelle: Heritage Audio)

Heritage Audio Lang PEQ-2 auf den ersten Blick

Der Lang PEQ-2 ist in einem robusten Gehäuse mit 19 Zoll Breite, zwei Höheneinheiten und 15,3 cm Tiefe untergebracht, sein Gewicht liegt bei 3,1 kg. Rundum betrachtet hinterlässt er einen soliden Eindruck, alle Kipp- und Drehschalter wirken hochwertig, ebenso wie die leicht gerasterten Drehregler.

Mal abgesehen von den fehlenden seitlichen Griffen, entspricht das schlichte, silberne Industrie-Design des Frontpanels dem Original. Das Bedienfeld ist sehr großzügig gestaltet, die spitz zulaufenden Regler haben je nach Ausrichtung einen Abstand von 2 – 3 cm zueinander, so dass sich der PEQ-2 bequem betätigen lässt.

Das Konzept dieses klassischen Programm-Equalizers ist recht simpel, insgesamt besitzt er vier Bänder, zwei für Anhebungen (Boost) und zwei für Absenkungen (Droop).
Im Bassbereich kommen zwei Kuhschwanzfilter mit unveränderbarer Flankensteilheit zum Einsatz, die im Gegensatz zu dem EQP-1A jeweils über eine eigene Frequenzauswahl verfügen.

Die oberen Mitten und Höhen können wiederum mit einem Glockenfilter (HF Boost) angehoben werden, dessen Q-Wert regelbar ist. Als Ergänzung gibt es noch ein weiteres Kuhschwanzfilter (HF Droop) zum Absenken der Höhen.
Gerade die Wechselwirkung von Boost und Droop bzw. Cut zeichnet Equalizer im Pultec-Stil aus, da sich so eigenständige Kurvenverläufe formen lassen.

Auf der Rückseite ist der Ein- und Ausgang im XLR-Format für das Audiosignal eingelassen, ebenso wie der Anschluss für das im Lieferumfang enthaltene, externe 48 V Netzteil.

Lang PEQ-2

Die Anschlüsse auf der Rückseite

Die Frequenzbänder des Lang PEQ-2

Gegenüber den 14 Eckfrequenzen des EQP-1A stehen für die vier Bänder des Lang PEQ-2 insgesamt 26 verschiedene Einsatzpositionen zur Auswahl.
Das Kuhschwanzfilter für Anhebungen im Bassbereich hat allein acht wählbare Frequenzen (20, 30, 40, 60, 80, 120, 160 und 240 Hz) mit einer maximalen Verstärkung von 16 dB, während eine Absenkung von bis zu 18 dB bei 25, 50, 100 und 200 Hz möglich ist.

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Abhängig von der Einstellung der Bandbreite sind mit dem Glockenfilter Anhebungen von maximal 12,5 bis 21 dB möglich, seine Eckfrequenzen liegen bei 2,5, 3.75, 5, 7,5, 10, 12, 15 und 20 kHz. Für Absenkungen der hohen Frequenzen von maximal 16 dB gibt es ein weiteres Kuhschwanzfiler mit sechs Einsatzfrequenzen (2,5, 5, 7,5, 10, 15 und 20 kHz).

Lang PEQ-2

HF Boost und Droop

Technische Details

Währende teurere Geräte des spanischen Herstellers stets als „made in the EU“ deklariert werden, steht auf dem Label des PEQ-2 lediglich „engineered and designed in Spain“. Der deutsche Vertrieb bestätigte auf Nachfrage, dass Heritage Audio den PEQ-2 gemäß der vorgegebenen Spezifikationen in China fertigen lässt.

Wie so oft bei Produkten von Heritage Audio, sind die technischen Angaben überschaubar:

Der Signalpfad des Lang PEQ-2 beginnt mit einem Übertrager bestücktem Eingang (ein exklusiv für Heritage Audio in England gefertigter Übertrager, der auch beim Motorcity EQ zum Einsatz kommt), dessen Impedanz bei 2400 Ohm liegt. Darauf folgt die EQ-Sektion und ein Siliziumtransistorverstärker, der sich mittels einer kleinen Schraube justieren lässt, die sich in dem Notenschlüssel des Logos auf dem Frontpaneel befindet.
Auch der Ausgang ist mit einem Übertrager von Cinemag ausgestattet, wie bei Geräten aus dieser Zeit üblich, beträgt seine Impedanz 600 Ohm.

Lang PEQ-2

HF Boost Bandwidth

Das Rauschverhalten bezeichnet Heritage Audio als „Noise-free“, tatsächlich liegt sein Wert bei ≤-86 dBu. Das ist passabel, aber bei starken Anhebungen im Höhenbereich trotzdem hörbar.

Heritage Audio verwendet laut eigener Aussage für die Neuauflage das originale Schaltungsdesign des PEQ-2, das aber ganz offensichtlich mit deutlich kleineren Bauteilen realisiert wird. Bei dem Original, sitzen mehrere, hervorstehende Erweiterungen auf der Rückseite, die die Module der einzelnen Bänder und die Übertrager beinhalten.

Lang PEQ-2

Die Rückseite eines Vintage PEQ-2 (Quelle: Heritage Audio)

Lang PEQ-2 im Tonstudio

Wie bereits erwähnt, gestaltet sich das Arbeiten mit dem PEQ-2 überaus intuitiv. Bei Mono-Anwendungen mit nur einem Gerät kann dank der großen Regler und des aufgeräumten Bedienfeldes beherzt zugegriffen werden, alle Funktionen sind dabei weitestgehend selbsterklärend.

Für diesen Test standen sogar gleich zwei Geräte zur Verfügung, deren Abgleich für Stereoanwendungen jedoch durch die grobe Skalierung – ca. 1 cm Abstand von Punkt zu Punkt – etwas schwierig ausfällt. Die Ausrichtung der meisten Drehregler beider Exemplare ist sehr sorgfältig aufeinander abgestimmt, aber leider nicht bei allen Reglern. Gerade die kleinen Schritte der Rasterung führen zu Irritationen, da durch den Versatz der Drehregler nicht exakt die gleiche Position eingenommen werden kann.
Wohlgemerkt, früher hatten die Pultec EQs immer nur freilaufende Regler, deren Abgleich ganz gewiss nicht präziser war, dennoch sollen gerasterte Drehregler natürlich genau dieses Problem verhindern.

Wenn der PEQ-2 zunächst nur für Absenkungen oder Anhebungen genutzt wird, ist eigentlich keine Einarbeitungsphase notwendig. Sehr schnell fällt auf, dass er gerade bei stärkeren Anhebungen eine kräftige Färbung hervorruft, wodurch ein sehr schöner, gesättigter Ton mit viel Vintage-Vibe entsteht.
Im Vergleich zu teuren Röhren-Equalizern hat der PEQ-2 einen sehr plakativen Klang, zu dessen Stärken nicht gerade Diskretion, eine feine Transparenz oder eine plastisch hervorgehobene Tiefendarstellung zählen – das ist angesichts des Preises aber auch nicht ungewöhnlich.

Lang PEQ-2

Das Testsetup

Dafür trumpft er aber mit einem überaus musikalischen Klangverhalten und vereint gleich mehrere Vorteile analoger Aufnahmetechnik:
Hervorstechende Pegelspitzen werden behutsam eingebettet und auch die Transienten wirken etwas runder. Grundsätzlich haben die Ergebnisse immer einen kraftvollen und offenen Charakter, zusätzlich erklingen die oberen Mitten deutlich entspannter.

Der HF-Boost besticht vor allem bei breiter Filtergüte durch eine unaufdringliche, angenehme Präsenz in den oberen Mitten und Höhen, so dass auch großzügigere Anhebungen kein Problem darstellen. Etwas mehr Vorsicht ist bei spitzeren Q-Werten geboten, dann wird der Klang schnell etwas scharf und beißend. Darüber hinaus entsteht bei schmalen Einstellungen ab einem gewissen Maß der Verstärkung auch eine deutliche Eigenresonanz des Filters, die nicht so schön ist.

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Heritage Audio LANG PEQ-2 Equalizer
Heritage Audio LANG PEQ-2 Equalizer Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Etwas mehr Einarbeitungszeit benötigen die Wechselwirkungen aus Absenkungen und Anhebungen der Bänder. Im Höhenbereich sind gerade mit diesem Feature kräftigere Verstärkungen kein Problem, da sich das Topend letztendlich immer noch abrunden lässt.

So richtig beeindruckend ist schließlich das Klangverhalten der Tiefenbänder, mit denen sich ein fulminanter Bass formen lässt. Ähnlich wie bei dem berühmten „Pultec-Trick“, muss dafür der Bereich unterhalb der angehobenen Frequenz drastisch abgesenkt werden. Das funktioniert in unterschiedlichen Frequenzpositionen gleichermaßen gut und führt meistens zu einer Einstellung, in der sich Boost und Droop im Regelbereich von 12 bis 3 Uhr befinden.
Egal ob Bassdrum, E-Bass oder Synth-Bass, der PEQ-2 verleiht allen ein fulminantes Lowend, was nun auch die folgenden Klangbeispiele demonstrieren sollen.

Lang PEQ-2

Der Netzschalter

Klangbeispiele zum LANG PEQ-2

Alle Klangbeispiele sind wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3s (320 kBit/s) aufrufbar. Vorab ist immer das unbearbeitete Original und dann eine Version mit dem Lang PEQ-2 zu hören.
Durch die Zunahme der Bässe, oberen Mitten und Höhen erklingen die Ergebnisse natürlich lauter als die unbearbeiteten Spuren. Ganz bewusst wurden die Lautstärken aber anschließend nicht angeglichen, da die unverstärkten Frequenzen sonst wieder leiser als zuvor wären und zu einem nicht repräsentativen Vergleich führen würden.

Vocal

Los geht es mit einer Gesangsspur von Mani Mathia, die mit einem Neumann U87 durch den IGS Audio NE573 Preamp aufgenommen wurde.
Bei der ersten Ausspielung sind die Bässe bei 120 Hz leicht angehoben und bei 50 Hz abgesenkt, während die Höhen bei 7,5 kHz mit breiter Güte eine kräftige Betonung erhalten. Die Einstellung der zweiten Ausspielung ist fast identisch, nur sorgt hier ein Roll-off in den oberen Höhen für etwas mehr Vintage-Flair:

Einstellung:
LF-Boost: 120 Hz, 9 Uhr, LF-Droop: 50 Hz, 9 Uhr, HF-Bandwidth: 3 Uhr, HF-Boost: 7,5 kHz, 3 Uhr, (HF-Droop: 20 kHz, 12 Uhr)

Lang PEQ-2

LF Boost und Droop

Drums

Als nächstes werden sowohl akustische als auch elektronische Drums durch den Lang PEQ-2 geschickt.

Die folgende Schlagzeugaufnahme hat Christoph Eggener für den Test des UnderToneAudio MPDI-4 und MPEQ-1 eingespielt. Im Bassbereich greift der LF-Droop bei 25 Hz, während der LF-Boost im gleichen Maß bei 40 Hz eine Anhebung erzeugt. Das Topend wird wiederum bei 10 kHz verstärkt und bei 15 kHz leicht reduziert.
Der bereits beschriebene Sättigungseffekt tritt hier deutlich auf, da der PEQ-2 besonders die hervorstechenden Pegelspitzen der Snare sehr schön einbettet:

Einstellung:
LF-Boost: 40 Hz, 1 Uhr, LF-Droop: 25 Hz, 1 Uhr, HF-Bandwidth: 3 Uhr, HF-Boost: 10 kHz, 2 Uhr, HF-Droop: 15 kHz, 9 Uhr

Die elektronischen Drums stammen aus der Jomox XBASE 09. Ähnlich wie zuvor funktioniert auch hier die Wechselwirkung aus einer Anhebung bei 40 Hz und einer Absenkung bei 25 Hz, die ein massives Lowend hervorruft. Die crunchigen HiHats werden bei 7,5 kHz mit breiter Güte akzentuiert und in den oberen Höhen wieder abgesenkt:

Einstellung:
LF-Boost: 40 Hz, 1 Uhr, LF-Droop: 25 Hz, 2 Uhr, HF-Bandwidth: 5 Uhr, HF-Boost: 7,5 kHz, 3 Uhr, HF-Droop: 20 kHz, 12 Uhr

Lang PEQ-2

Der Bypass-Schalter

Bass

Das äußerst kräftige und straffe Lowend ist bei den Drum-Beispielen schon beeindruckend, jetzt soll der PEQ-2 noch seine Fähigkeiten bei der Bearbeitung von E- und Synth-Bässen unter Beweis stellen.

Bei dem E-Bass handelt es sich um einen Bogart 5-String Custom Bass, aufgenommen mit dem Vorverstärker des Rupert Neve Designs Shelford Channels. Er wird bei 60 Hz betont und bei 50 Hz gedrosselt, zusätzlich erhält er mit relativ schmaler Güte mehr Präsenz bei 3,75 Hz.

Einstellung:
LF-Boost: 60 Hz, 1 Uhr, LF-Droop: 50 Hz, 2 Uhr, HF-Bandwidth: 10 Uhr, HF-Boost: 3,75 kHz, 2 Uhr

Das letzte Beispiel ist auch bei dem Test des IGS Audio NE573 mit einer Novation Bass Station 2 entstanden. Wieder wird die Spur bei 40 Hz verstärkt und bei 25 Hz abgesenkt, zeitgleich sind die oberen Mitten breitbannig angehoben mit einem leichten Rolloff der oberen Höhen.

Einstellung:
LF-Boost: 40 Hz, 1 Uhr, LF-Droop: 25 Hz, 2 Uhr, HF-Bandwidth: 4 Uhr, HF-Boost: 3,75 kHz, 2 Uhr, HF-Droop: 20 kHz, 10 Uhr

Lang PEQ-2

LANG PEQ-2 von Heritage Audio

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Fazit

Der Lang PEQ-2 ist ein günstiger und guter Equalizer im Stil des legendären Pultec EQP-1A. Seine Verarbeitungsqualität wirkt hochwertig und auch die Bedienung gestaltet sich dank des aufgeräumten Frontpanels sehr intuitiv. Lediglich bei dem Abgleich von zwei Geräten für Stereo-Anwendungen sind die Reglerpositionen nicht immer ganz identisch.

Klanglich sorgt der PEQ-2 für eine schöne, kräftige und plakative Färbung des Eingangssignals, die vor allem bei starken Anhebungen mehr hervortritt. In den oberen Mitten und Höhen besticht der PEQ-2 bei einer breiten Filtergüte durch eine angenehme, unaufdringliche Präsenz und Offenheit. Hohe Verstärkungen sorgen allerdings in den Höhen für ein hörbares Rauschen.

Die größte Stärke des PEQ-2 liegt definitiv im Bassbereich. Dank gelungenem Zusammenspiel von Boost und Cut lassen sich sehr straffe Ergebnisse erzielen, die stets einen muskulösen und satten Charakter haben.

Wer auf der Suche nach einem preiswerten Equalizer im Pultec-Stil ist, sollte den Lang PEQ-2 unbedingt einmal ausprobieren.

Plus

  • behutsamer Klang bei breiter Güte des HF-Boosts
  • straffes, kräftiges Lowend
  • schöne Klangfärbung
  • Verarbeitung

Minus

  • rauscht bei starken Anhebungen im Höhenbereich
  • Reglerabgleich von zwei Geräten bei Stereo-Anwendungen

Preis

  • 999,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    masterBlasterFX

    Hallo Chris,

    Vielen Dank für diesen interessanten Test.

    Mit deinen Klangbeispielen und deinem Beschrieb hast du mir diese
    Maschine sehr greif- und hörbar dargestellt. Super, Hut ab !

    Ich suche einen EQ dieser Art.

    Der Heritage Audio Lang PEQ-2 hat einen sehr schönen Klang und eine vielseitige Klangbeeinflussung, finde ich.

    Gruss
    masterBlasterFX

  2. Profilbild
    Jörg Hoffmann RED

    Hallo, danke für den Test.
    Aber: Bei einem Gerät mit 2HE sollte definitiv Platz für ein internes Netzteil sein. Selbst ein Klark Teknik oder Warm Audio schafft das für deutlich weniger Geld.😑

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