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Test: IGS Audio NE573, API500 Vorverstärker

18. Februar 2022

Polnischer 1073 Preamp

igs audio ne573 preamp test

IGS Audio NE573, API500 Vorverstärker

Der IGS Audio NE573 ist ein Vorverstärker im API 500 Format, für den der Preamp der legendären Neve 1073 Kassette als Vorbild diente. Damit reiht sich der polnische Hersteller in die Riege der zahllosen Anbieter von Neve-Nachbauten ein und platziert das Modul preislich im Mittelfeld zwischen den Günstigsten und Teuersten seiner Art.

Wie viele dieser Firmen benutzt IGS Audio zwar gängige Bauteile, betont aber, dass es sich bei seiner Version um eine eigenständige Interpretation handelt – genau wie alle seine anderen Replikate berühmter Studio-Klassiker.

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IGS Audio NE573

IGS Audio NE573 Test-Setup

Im Jahr 1970 bestückte Rupert Neve erstmalig die Kanalzüge der A88 Konsole mit den allseits beliebten 1073 Einschüben. Für diese verwendete er Class-A Vorverstärker mit trafosymmetrierten Ein- und Ausgängen sowie einen zum Teil Induktionsspulen basierten 3-Band-Equalizer.

Insbesondere die Übertrager sorgten für einen vollmundigen, gesättigten und obertonreichen Klang, der im Studiovolksmund oft als „larger-than-life“ oder „British-Sound“ beschrieben wird.

IGS Audio NE573 Vorverstärker auf den ersten Blick

Der NE573 ist für einen Slot eines API500er Racks bestimmt und lässt sich mit jedem gängigen Standard-Netzteil betreiben. Das Einsetzen des Moduls gestaltet sich sehr einfach, da das Gehäuse an den Seiten mit soliden Metallplatten versehen ist und sich somit keine hervorstehenden Bauteile verkanten können.

Schon beim ersten Betrachten fällt die enorme Ähnlichkeit mit dem 1073LB Modul von AMS Neve auf, das ganz offensichtlich bei der Entwicklung als Inspiration diente.

Die Frontblende ist anscheinend in zwei Farben erhältlich: Das Testgerät hat eine matt-blaue Vorderseite, während auf der Homepage von IGS Audio der NE573 in dem klasschen „Royal Airforce Blue“ der originalen Neve Mischpulte gezeigt wird. Ob ein Käufer sich die Farbe selbst aussuchen kann, ließ sich leider trotz Nachfrage beim Hersteller nicht klären.

IGS Audio NE573

Regler im Marconi-Stil

An oberster Stelle sitzt auf dem Bedienfeld ein Schaltregler, der mit einem markanten, roten Schürzendrehknopf im Marconi-Stil bestückt ist. Mit ihm wird der Grad der Vorverstärkung in 5 dB Schritten eingestellt, wobei eine kleine, mehrfarbige LED als Aussteuerungsanzeige hilft.

Darunter sind vier schmale Taster zum Einschalten der obligatorischen Preamp-Funktionen eingelassen, ihr Status wird jeweils über eine separate LED angezeigt.

Der oberste stellt die Impedanz des Eingangs von 1200 Ohm auf 300 Ohm um – dieses sehr wichtige Feature liegt übrigens beim Original schwerzugänglich auf der Rückseite des Moduls. Zwei weitere sind zum Aktivieren der Phasendrehung und der 48 Volt Phantomspeisung bestimmt, der Vierte muss für Aufnahme von HiZ-Signalen gedrückt werden. Alle Taster haben zu den Seiten relativ viel Platz und wackeln daher beim Betätigen leicht, was aber nicht wirklich dramatisch ist.

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IGS Audio NE573

Combi-Buchse von Amphenol

Rechts von den Tastern liegt ein gerasterter Regler, mit dem sich das Ausgangssignal im Rahmen von +/-5 dB anpassen lässt. An unterster Stelle befindet sich noch eine Combi-Buchse für einen 6,3 mm Klinken- oder XLR-Stecker, die alternativ zu dem Rack-Anschluss auf der Rückseite genutzt werden kann. Die Klinkenbuchse ist ausschließlich für HiZ-Signale bestimmt, nicht für Line-Quellen. Auf Grund der in den letzten zwei Jahren schwankenden Verfügbarkeit von Bauteilen verwendet IGS wahlweise Buchsen von Amphenol oder Neutrik, die beide sehr hochwertig sind und sich qualitativ nicht sonderlich unterscheiden.

IGS Audio NE573 Vorverstärker: Technik und Bauteile

Bezüglich technischer Details hält IGS Audio sich relativ bedeckt und erteilt selbst auf Nachfrage leider wenig Auskunft. Auch die Angaben auf der Produktseite und im Handbuch sind bedauerlicherweise sehr überschaubar:

Wie so viele Anbieter von 1073-Nachbauten, verwendet auch IGS handgewickelte Ein- und Ausgangsübertrager des britischen Herstellers Carnhill, einem Zulieferer von Neve in den 80er-Jahren. Diese werden sehr oft und sehr gerne als echte Replikate der ursprünglichen Marinair Übertrager deklariert, was zumindest laut AMS Neve, dem Inhaber der originalen Patente, nicht zutreffend ist.

Auch die Schalter von Grayhill und die Motorola Transistoren in der Ausgangsstufe bezeichnet IGS Audio als authentische Bauteile. In diversen Fachforen gibt es hierzu ebenso sehr unterschiedliche Meinungen, wobei eine einfache Tatsache oft übersehen wird: Innerhalb der drei Jahre, in denen die 1073 Einschübe produziert wurden, gab es allein über zwanzig verschiedene Revisionen.

IGS Audio NE573

Das Innere des IGS Audio NE573

Im Gegensatz zu dem Vorbild, das über drei Verstärkungsstufen mit insgesamt 80 dB Gain verfügt, ist der NE573 mit nur zwei Stufen ausgestattet, die sowohl für Mikrofon-, Line- und HiZ-Anwendungen gleichermaßen genutzt werden. Für Irritation sorgen an dieser Stelle die widersprüchlichen technischen Angaben: In der Bedienungsanleitung steht als maximaler Verstärkungswert 70 dB, wiederum zeigt die Frontblende einen Höchstwert von 65 dB an. Auf Nachfrage nennt der Hersteller als tatsächlichen Maximalwert dann plötzlich 75 dB Gain.
Sofern die zuletzt genannte Angabe korrekt ist, lässt sich vermuten, dass die erste Stufe pauschal 10 dB Gain liefert und die Zweite 65 dB – auch dieses Frage hat IGS Audio leider nicht beantwortet.

Der IGS Audio NE573 Vorverstärker in der Praxis

Die Bedienung gestaltet sich angesichts der wenigen Elemente überaus einfach und komfortabel:
Mal abgesehen von den leicht wackeligen Tastern, ist die Qualität des Gain-Drehschalters und des gerasterten Potentiometers für den Ausgang sehr hochwertig. Vor allem im Vergleich zu der schwammigen Abstufung der Regler des erst neulich getesteten IGS Audio ONE LA Kompressors sind die für den NE573 verwendeten Komponenten wesentlich präziser.

Die Ausgangsregelung eignet sich sehr gut für Volume-Fahrten während einer Aufnahme. Leider bietet die höchstmögliche Dämpfung von 5 dB aber nicht viel Spiel, um den Preamp in die Sättigung zu treiben. Benutzer, die einen sehr sauberen Klang bevorzugen, werden mit den gegebenen Möglichkeiten ohne Probleme auskommen. Für die meisten Anwender beginnt aber die eigentlich „Magie“ eines Neve-Preamps erst im oberen Bereich der Verstärkung, wenn die Sättigung und damit einhergehende Kompression und Bildung von Obertönen einsetzt. Natürlich kann mit einem weiteren Abschwächer hinter dem 500er Rack der Aussteuerungsbereich erweitert werden, flexibler und einfacher wäre allerdings eine interne Lösung, wie zum Beispiel bei dem bereits genannten 1073LB Modul von AMS Neve, das eine Absenkung von maximal 20 dB bietet.

IGS Audio NE573

Funktionstaster

Klangbeispiele mit dem IGS Audio NE573 Vorverstärker

Grundsätzlich entspricht der NE573 durchaus den klanglichen Attributen, mit denen der legendäre Neve-Sound stets beschrieben wird: warm, weich, musikalisch, aber dennoch kräftig und vollmundig. Im Gegensatz zu gängigen Nachbauten hat er ausgeprägte untere Mitten, die allerdings den Klang nicht so sehr verwaschen, wie zum Beispiel der etwas günstigere Warm Audio WA73.

Im Vergleich zu aktuellen Neuauflagen von AMS Neve erklingt der NE573 in den Höhen zurückhaltender, allerdings nicht so dunkel wie die Versionen von BAE Audio. Der Sound von AMS Neve tritt dagegen wesentlich moderner, offener und größer in Erscheinung.
Wiederum hat der NE573 aber auch nicht die „sandigen“ Mitten der Nachbauten von BAE Audio oder des Rupert Neve Shelford Channels, die charakteristisch für die originalen Vintage-Module sind.

Der Bassbereich des NE573 ist sehr kräftig und hat eine schöne, saubere Kontur, sofern der Preamp nicht zu hoch ausgesteuert wird, was gleich die Synthesizer Klangbeispiele anschaulich demonstrieren. Eine leichte Sättigung eignet sich gut, um einem Bass mehr Obertöne zu verleihen, stärke Effekte dieser Art sind in erster Linie für die mittleren und oberen Frequenzen ein Gewinn.

Alle Audiofiles sind wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3 (320 kBit/s) aufrufbar.

IGS Audio NE573

IGS Audio NE573 mit dem 573EQ

IGS Audio NE573

IGS Audio NE573

Preis749,00 €

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Vocal

Wieder einmal hat Mani Mathia sich die Zeit genommen, ein paar Zeilen in vier separaten Takes für diesen Test einzusingen. Dafür wird ein altes Neumann U87 Kondensatormikrofon der ersten Generation genutzt, während die Vorverstärkung bei 30 und 40 dB liegt. Beide Gain-Settings sind jeweils mit einer Eingangsimpedanz von 1200 und 300 Ohm zu hören. Letztere kann in einzelnen Situationen sinnvoll sein, grundsätzlich harmoniert das U87 aber mehr mit der 1200 Ohm Einstellung:

Synthesizer

Das nächste Beispiel ist eine Synthesizer-Sequenz, die mit der Novation Bass Station 2 aufgenommen wurde. Um die Grenzen der Vorverstärkung auszuloten, liegt an dem Ausgang des 500er Racks ein Kabel mit einer Abschwächung von 20 dB an.

Bei einer Verstärkung von 15 dB ist das Signal sehr sauber mit einem voluminösen, strafen Lowend.
Eine deutliche Sättigung der Aufnahme kann bei 25 dB Gain wahrgenommen werden, wovon die Mittenfrequenzen und Höhen profitieren. Ab 30 dB beginnt die Aufnahme zu verzerren, was in speziellen Fällen auch seinen Reiz hat. Alle darüberliegenden Verstärkungswerte sind in diesem Fall nicht mehr brauchbar, da der Preamp dann ein krachendes Clipping erzeugt.

Infos zu den Klangbeispielen

Vocal:
Sänger: Mani Mathia
Mikrofon: Neumann U87

Synthesizer:
Novation Bass Station 2

Preamp: IGS Audio NE573
Audiointerface: RME Fireface 800
DAW: Logic Pro

Die Klangbeispiele sind unbearbeitet, nur die Lautstärken wurden angepasst.

IGS Audio NE573

IGS Audio NE573 API500 Vorverstärker

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Fazit

Der IGS Audio NE573 ist ein guter Vorverstärker im Stil des berühmten Neve-Preamps für das System 500. Seine Verarbeitung wirkt sehr solide und auch die meisten Bauteile, wie der Drehschalter und das gerasterte Potentiometer, machen einen hochwertigen Eindruck.

Klanglich erinnert er durchaus an den legendären 1073 Vorverstärker, da er einen sehr warmen, geschmeidigen, aber dennoch druckvollen Klang mit vollmundigen, unteren Mittenfrequenzen hat. Etwas schade ist, dass der Ausgang sich nur um maximal 5 dB abschwächen lässt, wodurch das Spektrum für Sättigungen und Obertonanreicherungen leider begrenzt wird.

Als Ergänzung zu dem NE573 Preamp bietet IGS Audio auch den 573EQ an, deren Kombination einen vollständigen 1073 Kanalzug nachempfindet. Ein Testbericht über den 573EQ erscheint schon bald auf AMAZONA.de.

Plus

  • hochwertiger Vorverstärker
  • vollmundiger Klang

Minus

  • Abschwächung des Ausgangs von nur maximal 5 dB

Preis

  • 777,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Vollmundig aber nicht sandig… Wer hat schon gern den Mund voll Sand!?!

    (Sorry, konnte ich mir nicht verkneifen, …Spaß nä!)

    Danke für’s testen.

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      Der Beweis, dass es immer schwierig bleiben wird einen Klang subjektiv und neutral zu beschreiben. Bei den Ergebnissen der Wörter lässt es sich oft nicht verkneifen, ein Schmunzeln in’s Gesicht zu drücken. Wörter wie „schwammig“, „nasal“, „glänzend“ und „seidig“ gehören hier mittlerweile zum ganz normalen Wortschatz um einen Klang zu beschreiben. Aber lustig auch die Produktnamen von IGS Audio: Da tauchen Namen auf wie: „Panzer“, „Wolfram“, „Alter“. Tatsächlich deren ganz normale Produktpalette. Na ja, Hauptsache es klingt gut und erfüllt seinen Zweck. :)

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