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Test: G&L Tribute Asat Classic Blues CAR, E-Gitarre

28. September 2021

G&L Tribute-Tele

Nachdem ich schon die Gelegenheit bekam, die Bluesboy-Tele der G&L Asat Classic sowohl aus US- als auch aus indonesischer Produktion als Semi-Hollow genauer unter die Lupe zu nehmen, erreicht unsere Redaktion nun die Solidbody-Version in Form der G&L Tribute Asat Classic Blues CAR. Auffälligstes Merkmal aller drei Modelle ist der Humbucker in der Halsposition, mit dem sich besonders fette Blueslinien abfeuern lassen. Zumindest so lautete das Fazit im Test der beiden bereits hier besprochenen Modelle. Ob unsere Test-Tele in ihrem hübschen Candy-Apple-Design die Tradition der Bluesboys fortsetzt, werden wir nun erfahren.

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Facts & Features der Asat Classic Blues CAR

Aus Pappel wurde sie gebaut, mit einer roten Zuckerapfelschicht bedeckt und mit einem braunen Tortoise-Pickguard garniert: Das sieht wirklich zum Anbeißen knackig aus! Das „CAR“ in der Typbezeichnung bedeutet nichts anderes als die „Candy Apple Red“ Metalliclackierung, die den kompletten Korpus umschließt und absolut sauber aufgetragen wurde. Gut, hätten wir das schon mal geklärt. Im Gegensatz zur klassischen Tele, die ja vorne und hinten bloß ein flaches Brett ist, verfügt die Asat Classic Blues CAR auf ihrer Rückseite über das beliebte „Bierbauch-Shaping“, das den Korpus angenehm an den Körper des Spielers anschmiegt. Der Hals-Korpus-Übergang besitzt jedoch solche Annehmlichkeiten nicht, vielleicht hätte man ja hier die Fräse noch einmal ansetzen können. Trotzdem sind alle Bünde gut zugänglich und der unbehandelte Übergang fällt beim Bespielen der höchsten Lagen auf dem Griffbrett kaum spürbar auf.

One-Piece-Mapleneck und Palisandergriffbrett

Der Hals – Arbeitsplatz für unsere linke Hand. Da sollte möglichst nichts im Wege stehen und alles von oben bis unten schön „flutschen“! Der verschraubte Hals besteht aus einem einteiligen Stück Ahorn, auf das ein Palisandergriffbrett aufgeleimt wurde. Das C-Halsprofil ist angenehm flach ausgefallen, was zusammen mit der nur leicht satinierten Halsrückseite sowie der recht schmalen Sattelbreite von 41,3 mm ein wunderbar natürliches und komfortables Spielgefühl vermittelt. Die 22 Bundstäbchen wurden sauber eingesetzt, an ihren Kanten sorgfältig abgerichtet und haben vor der Auslieferung auch nicht auf eine ordentliche Politur verzichten müssen.

Mit einem Radius von 9,5″“ hält sich das Griffbrett mehr an eine traditionelle Form, die berüchtigte „Stratitis“, bei der die Saiten beim Ziehen früher oder später wegen des starken Radius plötzlich absterben, ist bei der G&L Tribute Asat Classic Blues CAR jedoch kein Thema. Ganz im Gegenteil: Bendings oder Vibratos gehen im wahrsten Sinn des Wortes „leicht von der Hand“ und das unabhängig davon, an welcher Stelle des Halses man sich auch immer gerade befindet.

Die Hardware

Na klar, bei der Tele kann es natürlich nur den Aschenbecher geben! Auch an der Tribute Asat Classic Blues CAR finden wir diese klassische Aufnahme für die Brücke und den hinteren Pickup in ihrer unverkennbaren Form. Im Innern des sauber verchromten Kastens sitzen sechs Saitenreiter aus Messing zusammen mit einem G&L Singlecoil, der aus amerikanischer Produktion des Herstellers stammt und auch in den vielfach teureren US-Instrumenten von G&L eingesetzt wird. Um dem Sustain und den Resonanzen im Allgemeinen auf die Sprünge zu helfen, setzt man auch bei dieser ASAT Bluesboy auf eine Saitenführung durch den Korpus hindurch in Richtung Mechaniken an der Kopfplatte. Die sechs Tuner dort oben zeichnen sich nicht gerade durch Präzision aus, sie besitzen allesamt deutliches Spiel auf ihren Achsen, was das Stimmen manchmal zur Geduldsprobe werden lässt. Ein typisches Manko in dieser Preisklasse, mit einem Satz Tauschmechaniken kann man die ansonsten sehr gute Verarbeitungsqualität der Gitarre und damit ihren Wert noch einmal deutlich verbessern.

Elektrik/Pickups

Den hinteren Singlecoil im Aschenbecher habe ich schon angesprochen, sein doppelspuliger Kollege am Hals kommt ebenfalls aus gutem Hause, nämlich auch aus der US-Produktion von G&L. Der AlNico Humbucker mit seiner aufgesetzten Chromkappe wurde von Paul Gagon entwickelt – einem absoluten Fachmann auf diesem Gebiet, der auch bei Fender schon so einiges in Sachen Entwicklung von Tonabnehmern bewegt hat. Ausgewählt werden die beiden Pickups über einen Dreiwegeschalter, die beiden obligatorischen Volume- und Tone-Regler sorgen für die Lautstärke bzw. die Klangfarbe. Alle Bedienelemente sitzen auch hier wieder ganz klassisch auf der sogenannten „Radioblende“, deren Chromschicht mit der vom Aschenbecher regelrecht um die Wette strahlt. Während die beiden Regler mit ihren wunderbar griffigen Metallknöpfen einen guten Eindruck vermitteln, wackelt der Schalter schon im Neuzustand bedenklich auf seiner Achse. Auch ein typisches Beispiel für ein Instrument dieser Preisklasse, allerdings mit nur wenig Aufwand zu wechseln, wenn er denn mal das Zeitliche segnen sollte.

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Eine Singlecoil-Schaltung für den Humbucker am Hals ist nicht vorhanden, es gibt also keine Push-Pull-Potis oder etwa einen kleinen Schalter, um dieses zusätzliche Feature zu aktivieren. Somit stehen lediglich die Kombinationen Steg-Singlecoil, Steg-Singlecoil und Humbucker gemeinsam oder eben der bloße Humbucker-Sound zur Verfügung. Zum Glück aber verliert der Klang der Gitarre bei Zurücknehmen des Volume-Reglers kaum an Kraft oder Dynamik und auch das Frequenzbild bleibt weitgehend erhalten, was die Flexibilität zusammen mit einem guten Röhren-Amp am anderen Ende der Strippe erfahrungsgemäß noch einmal deutlich erhöht. Obwohl meines Wissens nach keine Treble-Bleed-Schaltung in der Elektronik der Tribute Asat Classic Blues CAR verbaut wurde.

Wie klingt die Tribute Asat Classic Blues CAR nun?

Eigentlich genau so, wie man es von einer Tele erwartet! Der Grundsound der Pappel-Ahorn-Konstruktion liefert ein höhen- und mittenreiches Klangbild mit einer Menge Brillanz und ein sattes Sustain, hier scheint sich der Vorteil der Saitenführung durch den Korpus bemerkbar zu machen. Die Saitenlage ab Werk geht vollkommen in Ordnung, zusammen mit dem schlanken Hals und seiner nur leicht satinierten Rückseite entsteht so schon nach wenigen Augenblicken ein wunderbar natürliches Spielgefühl vom ersten bis hinauf zum letzten Bund, der dank des weit ausgesägten Cutaways auch für „Schlosserpranken“ bequem zu erreichen ist.

Am Verstärker angeschlossen setzt sich der positive Eindruck unvermindert fort, denn die beiden Pickups fangen den strahlenden Klang der Grundkonstruktion mühelos auf und fügen dem Sound zudem noch eine gewisse Portion „Vintage-Schmutz“ dazu. Der NDF-Singlecoil am Steg liefert dabei den typischen „Twang“, für den die Tele ja so geliebt und geschätzt wird. Dem hingegen drückt der Humbucker am Hals sehr ordentlich und ermöglich so fette Blueslinien, denen es an Kraft und Intensität wahrlich nicht mangelt. Zusammen benutzt, also in der Mittelstellung des Schalters, ergibt die Fusion beider ein sehr ausgeglichenes Klangbild, bei dem alle Frequenzen brav ihren Platz einnehmen. Und wie ich bereits weiter oben erwähnte, nimmt der Klang kaum Einbußen hin, wenn der Volume-Regler etwas abgesenkt wird.

G&L Tribute Asat Classic Blues CAR – Klangbeispiele

Für die nun folgenden Klangbeispiele habe ich die G&L Tribute Asat Classic Blues CAR zusammen mit meinem Orange Micro Dark Amp eingesetzt. Als Box wurde eine 1×12″ Celestion Vintage benutzt, ehe das Signal in Logic Audio aufgezeichnet wurde. Effekte wurden keine weiteren genutzt, lediglich auf der Summe wurde ein Kompressor eingesetzt, um eventuell auftretende Pegelspitzen abzufangen.

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Fazit

Eine gute Verarbeitung, eine gute Bespielbarkeit und dank der US-Pickups auch ein mehr als guter Sound: Was braucht es noch mehr, um einen Test positiv abzuschließen? Nicht viel und somit kann ich der G&L Tribute Asat Classic Blues CAR nach Abschluss der Begutachtung ein mehr als gutes Zeugnis ausstellen. Eine richtig gute Tele zu einem sehr fairen Preis!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • flexibler Klang
  • sehr gute Pickups
  • Optik

Minus

  • Qualität Mechaniken
  • fragiler Dreiwegeschalter

Preis

  • 579,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Codeman1965  

      Da hast Du nicht unrecht…!
      Die Kontur der Scratchplate ist auch nicht so hundertprozentig, aber das kann man ja unaufwändig nacharbeiten oder wechseln, die Teile kosten ja nicht die Welt.
      Ich (persönlich) würde mir ein Brett ohne weisse Lagen draufsetzen, das finde ich nicht so prickelnd.

      Ansonsten hört sich das hier ja schon sehr gut an, der Sound ist da, 100 € und zwei Stunden Arbeit später hast Du den „Tele-Part“ befriedigend abgedeckt…

      Danke an Stephan für den Test, wie immer erhellend…! :-)

      Tele steht momentan nicht ganz oben auf der Tanzkarte, aber diese G&L käme da durchaus in Frage…

  1. Profilbild
    brause

    meine G&L Tele (ist aber eine echte classic!) hat ein dezentes Schlagbrett in vintage white, sie hat diese „Weihnachtsmann-Optik“, das candy apple red ist echt der oberhammer – wirkt wie ein großer kandierter Apfel-Lolli – man ist versucht reinzubeißen und sieht vor seinem geistigen Auge volle Punschbecher mit Schuß und Würstchen- und Weihnachtsbuden im Schnee. Daß man darauf auch noch Gitarre spielen kann gerät dadurch fast zu einer Nebensache!

    Bei mir habe ich ähnliche Erfahrungen mit der Verarbeitung gemacht: die Elektrik war in meinem Fall lieblos zusammengezimmert, beide Potis liefen unrund und es fehlte sogar „ein Kanal“. Ich habe sie in München überprüfen lassen, da stellte es sich dann heraus: Wackelkontakt, die Mittelstellung klang genauso wie der obere PU. Ich habe mir die Potis und Schalter gegen hochwertige austauschen lassen und wenn man schon mal dabei ist, habe ich ihr einen Sattel aus Knochen spendiert. Die Mechaniken waren bei meiner Tele in Ordnung.

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