Test: Golden Age Project Pre-73 MK III, Mikrofonvorverstärker

12. Oktober 2015

Schwedische Variation auf britischem Fundament

Es gibt wahrlich nur wenige Namen in der Studiotechnik, bei denen selbst der größte Kritiker sich aufgrund der klangtechnischen Wegweisungen zu einem in sich gekehrten „Aaah“ hinreißen lässt. Auch wenn die Namen je nach Priorisierung unterschiedlich ausfallen dürften, den Namen „Neve“ hat wohl jeder auf der Liste. Als der „Vater der Konsole“ hat Rupert Neve zu viele Duftmarken hinterlassen, als dass nicht jeder Toningenieur mit Stolz ein Produkt aus dem Neve Stall seinen Kunden und Kollegen im Rahmen seiner Studioausrüstung zeigen würde.

Golden Age Project Pre-73 MKIII - Seite

Golden Age Project Pre-73 MKIII – Seite

Doch wie immer wenn es um Legenden geht, schlagen zwei Herzen in der Brust des wirtschaftlich denkenden Studiobetreibers. So wollen die entsprechenden Namen auch mit entsprechenden Euros vergütet werden, wobei sich sowohl in einer Neuanschaffung als auch auf dem Vintage Markt die Preise auch für die kleinsten Preamps locker zu einem ambitionierten vierstelligen Betrag hoch schrauben lassen. Auch wenn nahezu alle Neve Produkte auch mit den aktuellen Produkten ihrem Legendenstatus klanglich alle Ehre machen, muss sich jeder persönlich fragen, ob es im Hobby- oder semiprofessionellen Bereich finanziell sinnvoll ist, ein Produkt zu erwerben, was zwar den Fachmann klanglich zu Tränen rührt, die Verkaufszahlen aber wohl kaum in dem Maße boostet, dass sich die Anschaffung wirtschaftlich trägt.

Wann immer Gedankengänge dieser Art einen Techniker heimsuchen, schlägt die Stunde der Kopisten. In diesem Fall ist es die schwedische Firma Golden Age Project (GAP), die sich mit einer schaltungstechnisch nahezu identischen Kopie des legendären Neve 1073 anschickt, das überaus erfolgreiche Original aus den Siebzigern zu kopieren. Allerdings nicht ohne ein paar interessante Erweiterungen zu verbauen. Der Preamp bekam den Namen Golden Age Project Pre-73 MK III und liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in seiner nunmehr dritten Version vor. Ob das Produkt allerdings auch in Schweden gebaut wird, ließ sich trotz der Pflicht, dies auf dem Produkt oder dem Verkaufskarton zu vermerken, nicht in Erfahrung bringen. Alter Schwede …

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mhagen1  

    Danke, Axel, für diesen professionellen und praxisnahen Test und die guten Soundbeispiele! Die Golden Age Project Geräte habe ich schon länger im Auge, weil die Originale unfassbar teuer sind, besonders im API 500 Format. Ob es den Mk III wohl auch bald als System-500-Modul geben wird, so wie den Pre-573? Die Herstellerwebsite ist leider nicht aktuell.

    Das mit der verbesserten Sprachverständlichkeit kann ich übrigens an den Soundbeispielen nicht nachvollziehen. Ich habe kein Wort verstanden :-)

  2. Profilbild
    Pflosi  

    Hübscher Bericht, danke! Erfreue mich immer noch an meinen beiden MK1 Modellen. Meiner Meinung nach ist bei dem Preamp hervorzuheben, dass er „färbt“ – im guten Sinne, aber wenn man ein absolut cleanes Signal will, sollte man anderswo suchen IMO.

    Kann gut verstehen, dass man ein so schönes iDesk nicht verkratzen will :) Allerdings, GAP bietet Rackkits an, mit denen man problemlos zwei ihrer Halfrack Geräte in ein normales Rack einbauen kann. Insofern ist die Aussage im Bericht, dass das nur „mit ordentlichen Umbaumassnahmen“ möglich ist, eher irreführend. Ein weiterer Flüchtigkeitsfehler: der Low-Z Switch schaltet natürlich den Miceingang von 1200 Ohm auf 300 Ohm runter, nicht umgekehrt ;)

    Gruss!

  3. Profilbild
    AQ  AHU

    Hallo Axel
    Sehr guter Beriicht über einen sehr interessanten Preamp. Leider hat sich da ein falscher Link zum Hersteller eingeschlichen. Auf der richtigen Seite sind auch alle Infos zu finden: http://gol.....mutweb.com.
    Gruss
    Andz

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