Test: Gretsch Catalina Club Jazz Set, Schlagzeug

24. April 2020

Günstiges Gretsch Set mit tollem Sound

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Gretsch Catalina Club Jazz Set, Schlagzeug

Ich schaue beim Auspacken der Test-Sets grundsätzlich nie vorher auf den Lieferschein oder die Labels auf den Kartons, um mich überraschen zu lassen, welche Farbe das Set hat. Als ich das Gretsch Catalina Club Jazz Set ausgepackt habe, entfuhr mir ein „Aaaalter!“ Das ist doch mal ein Finish! Yellow Satin Flame heißt das und strahlt wirklich wie die Sonne. Das muss man mögen, ich find’s saucool!

Gretsch Catalina Club Jazz

Yellow Satin Flame. Das leuchtet!

Gretsch ist neben Ludwig wohl die traditionsreichste amerikanische Schlagzeug-Firma und hat völlig zu Recht viele Fans. Wer schon mal Gelegenheit hatte, ein USA-Gretsch zu spielen, ist normalerweise sofort verliebt. Die Sets klingen einfach fantastisch. Da nicht jeder einen Sack voll Dollar für ein originales USA-made Gretsch rumliegen hat, bietet man natürlich auch Sets zum Einsteigerpreis an – wie die Catalina Serie. Während in der Catalina Maple Serie der Schwerpunkt auf Standardgrößen liegt, gibt es bei der Catalina Club Serie die etwas ausgefalleneren Shell-Sets (mit 18, 20 oder 24 Bass Drum) zu erstehen. Wahlweise mit oder ohne Snare Drum.

Technik

Gehen wir kurz die Spezifikationen durch. Das Gretsch Catalina Club Jazz Set hat die Größen 18×14 BD, 12×08 Tom, 14×14 Standtom und 14×05 Snare. Alle Kessel bestehen aus sieben Lagen asiatischem Mahagoni und sind 6 mm stark. Die Bearing Edges sind sauber gearbeitet und für Gretsch typisch mit 30º zum Kesselinneren gefräst. Die Spannreifen auf Toms und Snare sind einfache, 1,6 mm starke Stahlreifen. Die Bass Drum Hoops sind schwarz und mit passendem Inlay versehen.

Das Finish ist an allen Kesseln sauber verarbeitet bzw. verklebt. Zum Lieferumfang gehören ein Single Tom-Halter für das 12er Tom und – sehr erfreulich – ein Bass Drum Riser. Die Felle sind – wie in dieser Liga üblich – REMO UT. Coated oben/Clear unten auf Toms und Snare. Clear mit Dämpfungsring oben/Coated mit Gretsch-Logo auf der Bass Drum.

Gretsch Catalina Club Jazz Test

Gut verarbeitete Kessel und nützliche Features

Beim Zusammenbauen des Sets gibt es leider bereits erste Mängel zu registrieren. Gewinde und Stimmschrauben sind nicht von allerbester Qualität und man muss einige von ihnen mit sehr viel Gefühl in die Gewinde schrauben, damit nichts hakt. Auch die Halterungen der Floor-Tom Beine sind sehr einfach konstruiert und dementsprechend hakelig.

Will man die aufgebaute Trommel dann mal in Höhe oder Winkel verstellen und löst eine Schraube an den Brackets, hängt das Bein fest und muss durch einen mehr oder weniger sanften Klaps mit der Hand aus der Umklammerung gelöst werden. Das sind Punkte, die mich persönlich beim täglichen Umgang mit dem Set nerven würden. Fellwechsel, auf- und abbauen, stimmen – so was sollte einigermaßen geschmeidig von der Hand gehen.

Die Bass Drum Claws sind ebenfalls von der einfachsten Sorte und besitzen keinerlei Isolierung, sondern liegen direkt auf dem Spannreifen auf. Das ist kein Drama, aber da habe ich auch in dieser Preisklasse schon Besseres gesehen. Der Single Tom Halter ist stabil und hält das Hängetom mit dem „Mini GTS Tom Suspension System“ sicher fest. Außerdem bietet er eine Aufnahme z. B. für einen kleinen Beckenarm. Sehr praktisch. An dieser Stelle möchte ich auch den augenscheinlichen Trend zu schlankeren, optisch dezenten Tomhalte-Systemen einmal ausdrücklich begrüßen. Sehr schön!

Der mitgelieferte Bass Drum Riser ist ein willkommenes Extra und hilft, den Beater der Fußmaschine zu zentrieren. Die Platte, an der die Maschine montiert wird, ist allerdings so dünn, dass die Klemmmechanismen mancher Pedale keinen Grip bekommen. Da schafft das ebenfalls im Lieferumfang enthaltene Schutzgummi für den BD-Spannreifen Abhilfe.

Gretsch Catalina Club Jazz

18/12/14/Snare. Classic Be Bop!

Das Hauptproblem des ganzen Sets ist allerdings die Snare-Drum. Erstens taugt der Teppich maximal zum Schneiden von gekochten Eiern, zweitens ist die Snare-Abhebung dermaßen billig konstruiert, dass sie schon im eintägigen Testbetrieb anfing zu haken und zu klemmen und die Stimmschrauben müssen zum Erreichen höherer Stimmregionen mit roher Gewalt bewegt werden.

Spätestens an diesem Punkt muss man als potentieller Käufer überlegen, wozu man so ein Set tatsächlich benutzen würde. Denn je nach Einsatzgebiet sind die angesprochenen Schwachpunkte mehr oder weniger relevant. Wer viele Gigs spielt, hat wahrscheinlich auch schon eine oder mehrere gute Snaredrums am Start und ist nicht auf die Catalina-Snare angewiesen. Braucht man ein günstiges Übungs-Set für zu Hause oder den Proberaum und lässt es – einmal aufgebaut, mit neuen/besseren Fellen ausgestattet und gestimmt – dort stehen, dann ist alles gut.

Gretsch Catalina Club Jazz

Und noch mal das Finish, weil’s so schön ist

Will man das Set aber wirklich zu Gigs mitnehmen und oft auf- und abbauen, werden einem hakelige Floor Tom Brackets und schwergängige Stimmschrauben womöglich sehr viel mehr auf die Nerven gehen. Es hängt also ganz davon ab, wozu man das Set benutzen will, ob die genannten Mängel wichtig sind oder eher nicht.

Nach dem ganzen Gemotze aber nun zu etwas Erfreulicherem – dem …

Sound

Ich habe Audiofiles in zwei verschiedenen Stimmungen aufgenommen: medium und high. Eine richtig tiefe Stimmung war mit den mitgelieferten Fellen nicht wirklich möglich. Die Medium-Variante, die ihr hört, ist die tiefste, saubere Stimmung, die ich hinbekommen habe. Das Catalina Club Set klingt mit den Mahagoni-Kesseln warm und melodisch. Toms und Bass Drum gefallen mir in beiden Stimmungen sehr gut. Die Snare kann da leider nicht mithalten. Auf den Soundbeispielen klingt sie sogar noch ganz ordentlich, da können gute Mikrofone offensichtlich einiges „schönfärben“, auch ohne EQ. Sie selbst zu spielen, war aber keine besondere Freude. Akustisch klingt sie matt und nicht besonders dynamisch. Die Teppichansprache ist dürftig (was man mit besserem Teppich wohl verbessern könnte), das Stimmen eine Qual und irgendwie fällt sie zu Bass Drum und Toms deutlich ab. Damit würde ich mich nicht in ein Studio oder vor Publikum wagen. Für den Proberaum reicht’s vielleicht noch.

Für die Aufnahmen habe ich wieder mein übliches 3-Mic Setup benutzt: 2 AKG C214 als Overheads und ein Audix D6 für die Bassdrum. Presonus Interface, MacBook Pro mit StudioOne. Die „NoFX“ Soundfiles sind unbearbeitet, bei den „FX“ Files sind ein wenig EQ und Kompression am Start.

Fazit

Tja, was soll man sagen – wo Licht ist, ist auch Schatten. Und während das Gretsch Catalina Club mit seinem Sound und der Optik durchaus punkten kann, habe ich doch – trotz des günstigen Preises – einiges zu meckern. Die Snare Drum ist sowohl vom Sound als auch Hardware-technisch nicht auf Augenhöhe mit dem Rest des Kits. Die Stimmschrauben lassen sich in höheren Tunings nur mit Gewalt bewegen und die Abhebung ist – sorry – Schrott. Das Gute daran – man muss die Snare nicht mit dem Set kaufen, es gibt das Shell-Set auch ohne Snare. Dann wird ein Schuh draus. Aber auch an Bass Drum und Toms gibt es Hardware-Schwächen, die auf die Gesamtwertung drücken.

Wer das Set einmal aufbaut und dann im Proberaum stehen lässt, mag damit glücklich werden. Als Set für aktive Drummer, die damit wirklich Gigs spielen wollen und es oft auf- und abbauen, kann ich es nicht empfehlen. Die angesprochenen Hardware-Mängel würden mich verrückt machen. Da gibt es auf dem Markt solidere Alternativen zum gleichen Preis.

Plus

  • Optik
  • Sound (BD+Toms)
  • BD-Riser inkl.

Minus

  • Snare Drum
  • Hardware (Gewinde/Schrauben, FT-Brackets)

Preis

  • Yellow Satin Flame (mit Snare): 679,- Euro
  • Jazz Blue Flame (mit Snare): 599,- Euro
  • Red Swirl (mit Snare): 555,- Euro
  • Silver Sparkle (ohne Snare) 499,- Euro
Klangbeispiele
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    AMAZONA Archiv

    Optisch echt ’ne Augenweide. Schöne, saubere Aufnahme. Da kriegt man glatt selbst Bock auf Drumming,… wenn man nur nicht so’n Grobmotoriker wär‘.

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