Test: Hexinverter Mutant Machine, Eurorack Drummodul

27. März 2020

Das Drum-Chamäleon

test hexinverter mutant machine

Hexinverter Mutant Machine, Eurorack Drummodul

Die Mutant Machine von Hexinverter, beworben als Dynamic Analog Percussion Engine, gibt es nun in schwarzer Farbgebung als Edition Noire. Ein guter Grund, das interessante Modul für das Eurorack-Format endlich einmal in unser Testlabor einzuladen.

Die Firma Hexinverter, ein Ein-Mann-Unternehmen aus dem kanadischen Winnipeg unter der Federführung von Stacy Gaudreaus, beglückt die Eurorack-Modularsystem-Gemeinde seit dem Jahr 2012 mit tollen und innovativen Modulen abseits der üblichen Pfade der analogen Synthese. Schaut man sich im umfangreichen Portfolio auf der Website von Hexinverter um, fallen dem geneigten User neben diversen Tools vor allem die Drum-Module ins Auge. Mit den Mutanten Bassdrum, Snare, Rimshot, HiHats und Clap wird fast schon die komplette Klopfpalette mit Spezialmodulen abgedeckt. Die gesammelten Erfahrungen mit diesen Spezialisten wird die Firma wohl zum aktuellen Testkandidaten, The Mutant Machine, inspiriert haben. Denn mit diesem Modul, soviel kann ich dem Test schon einmal vorweg nehmen, wird das Thema Drum- und Percussion-Sounds komplett abgedeckt. Aber Hexinverter wäre sich nicht treu, wenn das dann auch schon alles wäre …

Was ist die Hexinverter Mutant Machine?

Die Hexinverter Mutant Machine bietet auf 29 TE Microcontroller-freie analoge Drum- und Percussion-Synthese. Die Signale und Schwingungsformen werden alle von diskreten Komponenten und ICs erzeugt. Damit lässt sich ein breites Spektrum an analogem, perkussivem und tonalem Klangmaterial abdecken. Mit den integrierten Waveform-Scannern lassen sich komplexe und dynamische Klangfärbungen erzeugen. 13 CV- und Audioeingänge sowie 7 CV- und Audioausgänge sorgen für eine perfekte Integration in das Eurorack-Modularsystem.

Hexinverter Mutant Machine Userbild Verpackung Ausgepackt Packungsinhalt

Mutant Machine ausgepackt

Eine große hübsche Pappschachtel lässt schon ahnen, dass hier kein Leichtgewicht an den Start geht. Gut verpackt kommt das hübsche schwarze Modul mit den üblichen Beilagen: Schrauben, Eurorack-Powerkabel und eine farblich gut aufgemachte sechsseitige Pocket Reference als Quick Start Guide liegen für den unkomplizierten Beginn bei. Eine Bedienungsanleitung gibt es auf der Website als Download, wobei der Inhalt im Wesentlichen nicht über den der Pocket Reference hinausgeht. Das Modul bedarf wohl keiner größeren Erklärungen und kann intuitiv erlernt werden? Nun ja, wir werden es sehen.

Hexinverter Mutant Machine Userbild Rückseite des Moduls

Das mit 35 mm sehr flache Modul eignet sich prima für den Skiffeinbau und belastet die +12V-Leitung mit 139 mA und die -12V-Leitung mit 115 mA. Okay, das haben wir schon stromsparender gesehen, aber ist jetzt auch nicht der nennenswerte Ausreißer für ein Modul dieser Größenordnung. Der reichlich mit SMD-Bauteilen bestückte PCB auf der Rückseite des Moduls beherbergt den üblichen Eurorack-Poweranschluss und lockt mit der in goldener Schrift getragenen Verheißung: „… AND I WILL GIVE YOU SOUND!“ Ja! Den will ich jetzt! Modul einbauen! Schnell!

Erst einmal heißt es Platz freizuschaufeln im stets eng bestückten Case, das „Mutanten-Ding“ ist schon ein ordentlicher Platzhirsch. Bei der Gelegenheit merke ich auch, was mir noch fehlt. Ich hasse ungenutzten Leerraum und der entsteht bei mir durch die mit 29TE ungerade gewählten Teileinheiten des Moduls. Eine TE bleibt im Rack nun frei. Merke: Blindplatten in 1 TE bestellen! Vorerst werde ich zähneknirschend damit leben müssen, ist halt so eine Macke von mir, bedeutet nun aber auch nicht den Weltuntergang.

Ich mag auch keine vom Rackrash verschandelten Module und so wird die tolle Machine nun, natürlich mit Washern vor den Schrauben geschützt, endlich eingebaut. Kurzer Rückblick: Die Erstauflage der Mutant Machine war in ihren zusammengehörigen Arbeitsbereichen farblich grau in grau abgesetzt und die Ausgangsbuchsen waren mit orangener Farbe unterlegt. Die Funktionsbereiche waren dort also optisch eindeutig zu erkennen. Bei der schwarzen Neuauflage als Edition Noire wurde das alles ein wenig dezenter gelöst. Schaut man genau hin, sieht man auch hier die Unterteilung der Arbeitsbereiche, nur diesmal nicht in Farbe, sondern durch Struktur. Die Ausgangsbuchsen wurden nun mit goldener Farbgebung unter der Beschriftung versehen. Das sieht doch alles sehr schick und edel aus. Begeben wir uns also auf einen virtuellen Rundgang über die Frontplatte des großen Mutanten.

Das MEMBRANE Interface des Drum-Moduls

Das Membrane Interface und seine zugehörige Kontrollabteilung erstreckt sich im oberen Feld links über zweidrittel der Frontplatte. Im ganz linken oberen Bereich, der auf dem Grund der Frontplatte durch eine eingearbeitete Musterung strukturell abgesetzt ist, befindet sich die Klangerzeugung.

Hier wird der Grundklang, also die MEMBRANE, der Sounds geformt. Oben die beiden mit LEVEL beschrifteten Regler pegeln das Mischverhältnis der beiden Waveforms in der Lautstärke. Darunter befinden sich die Waveform-Slots. Hier kann man per Button bei beiden Waveform-Slots zwischen drei Grundschwingungsformen wählen. Unter den Waveform-Slots befinden sich zwei Schalter. Der linke Schalter ist für das Einschalten des Wavescannings zuständig. Mit dem rechten Schalter wählt man, ob das Einschalten des Wavescannings mit Schalter 1 nur für Waveslot 1 oder für beide Waveslots gilt.

Hexinverter Mutant Machine Herstellerbild bearbeitet Modulfront Bereich MEMBRANE Interface

Das mittlere Feld mit glattem Hintergrund und vielen Reglern übernimmt die Parameterkontrolle. Ganz oben links der Regler DETUNE WAVE2 verstimmt den Waveslot 2 gegen den Waveslot 1 und legt damit ein geräuschhaftes, schräges oder breites Fundament in den Sound. Die Regler darunter, für PITCH und PITCH CV, dürften selbsterklärend sein. Hier wird die Tonhöhe beider Waveslots eingestellt oder über CV an der entsprechenden Eingangsbuchse moduliert. Der Pocket Guide winkt an dieser Stelle einladend mit dem ganzen Zaun und meint, dass hier auch Audiomodulation möglich ist. Unbedingt probieren!

Hexinverter Mutant Machine Herstellerbild Handbuch Schema MEMBRANE Interface

Schema Flowchart MEMBRANE Interface

Die mittlere Reihe von oben mit den Reglern SCAN FREQ und SCAN FREQ CV bringen Leben in die Waveslots. Diese werden bei einer Einstellung größer Null durchfahren. Wavescanning nennt sich das Feature und ist natürlich auch über CV und Clock steuerbar.

Hohe Frequenzen beim Durchfahren der Waveslots bringen neue Schwingungsformen in das Gehör und sorgen damit für Abwechslung im Grundsoundvorrat, während niedrige Frequenzen den Output eher in den Bereich der sequenzierten Sounds treibt. Das ist schwierig zu erklären, man muss es eben gehört haben. Auf jeden Fall erweitert dieses Feature die Klangmöglichkeiten der Hexinverter Mutant Machine enorm und lässt sehr dynamische und, wenn gewollt, sehr abwechslungsreiche Klänge entstehen. Darunter der Regler OUTPUT DRIVE macht, wie die Beschriftung es suggeriert, dem Modul am Output ordentlich Beine.

Die nächste Reihe an Reglern eröffnet oben der Regler PITCH DECAY. Dieser stellt per Minihüllkurve die Ausklingphase für beide Sounds der Waveslots gemeinsam ein. Über anliegende Steuersignale am CV-Eingang PITCH DECAY CV kann mit dem darunterliegenden Regler AMOUNT diese Ausklingphase in Dauer und Intensität dynamisch moduliert werden. Mit dem untersten Regler in dieser Reihe wird eine AD-Hüllkurve für die gesamte MEMBRANE geregelt. Auch diese kann über Steuersignale an der Eingangsbuchse MEMB DEC dynamisch moduliert werden. Ja richtig, das Wort dynamisch fällt hier sehr oft und zeigt, dass hier keine statischen Klänge entstehen, sondern richtig Leben in die Bude kommt, wenn gewünscht.

Das SNAPPY Interface

Mit dem SNAPPY Interface fügt man der MEMBRANE weitere Klangkomponenten hinzu. Das können z. B. ein Snare-Teppich, Rauschen oder Attack-Geräusche wie Klicks sein. Dazu stehen ein Rausch- und ein Klick-Generator zur Verfügung. Hier die Auflistung der Regler im wieder strukturiert abgesetzten Bereich auf der rechten Seite des Moduls.

Oben links der mit CLICK beschriftete Regler pegelt die Lautstärke für einen kurzen Hochfrequenzton. Klicks und Metallisches, aber auch die Grundlage für HiHats werden hier erzeugt. Darunter der Regler DECAY steuert wieder eine Hüllkurve in Länge und Intensität, diesmal für den Rauschgenerator und auch diese ist natürlich über die gleichgenannte CV-Eingangsbuchse dynamisch steuerbar. Der Regler SNAPPY IN regelt die Lautstärke für die gleich benannte Eingangsbuchse. Hier kann jegliches externes Audiomaterial in die Klangerzeugung des SNAPPY INTERFACE eingespielt werden. Bleibt die Buchse ungenutzt, wird mit dem Regler die Lautstärke des Rauschgenerators eingestellt.

Hexinverter Mutant Machine Herstellerbild bearbeitet Modulfront Bereich SNAPPY Interface

Die Regler und Buchsen vom SNAPPY Interface

Mit LEVEL, dem Regler ganz oben rechts, wird die Gesamtlautstärke des mit dem SNAPPY INTERFACE erstellten Teilsounds eingestellt. Darunter der Regler PITCH, der, wenn man es so sagen kann, die Tonhöhe des Rauschens regelt. Auch diese ist über den darunter liegenden Regler und die zugehörige gleichnamige Eingangsbuchse PITCH CV per beliebigen CV-Steuersignal modulierbar. In hohen Bereichen erklingen hochfrequente Signale bis hin zum weißen Rauschen am Rechtsanschlag des Reglers, während es in den tiefen Bereichen mit der Noiserate hinab bis in den Subaudiobereich geht.

Hexinverter Mutant Machine Herstellerbild Handbuch Schema SNAPPY Interface

Schema Flowchart SNAPPY Interface

Was fehlt noch? Einige Ein- und Ausgangsbuchsen wurden noch nicht erwähnt. Das holen wir jetzt schnell nach, denn diese sind das Salz in der Suppe und machen das Modul durch die Einbindung in ein erweitertes Modular-Setup erst zum Soundmutanten.

Also ganz nach unten links geschaut auf die Buchsenarmada. Die Eingangsbuchsen TRIG und ACCENT sollten klar sein: Hier eingehende Triggersignale lösen den Sound des Moduls aus und setzen Betonungen. Dann sind vier Buchsen für das MEMBRANE Interface optisch zusammengefasst. Über die Eingangsbuchse WAVE1 IN kann der Sound in Waveslot 1 durch externes Audiomaterial ersetzt werden. PITCH CV wurde schon erwähnt, aber die beiden darunterliegenden Ausgangsbuchsen sind interessant. Hier liegen die Ausgänge der Waveslots zur weiteren Bearbeitung im Modularsystem an.

Das nächste Buchsenset gehört der SCAN FREQ Sektion im Kontrollbereich des MEMBRANE Interface. Hier wird über die CLOCK-Eingangsbuchse die Frequenz gesteuert oder über FREQ CV Eingang dynamisch moduliert. Die CLOCK wird über eine Ausgangsbuchse auch wieder zur Verfügung gestellt und über die Eingangsbuchse ENABLE wird das Wavescanning der Waveslots an- und ausgeschaltet. Das nächste Buchsenquartett ist für die Steuerung der Hüllkurven des MEMBRANE Interface gedacht, die Ausgangsbuchse PITCH CV stellt die Hüllkurve für weitere Nutzung im Modul oder auch im System wieder zur Verfügung. Dann fehlen nur noch die Ausgangsbuchsen aus dem SNAPPY Interface. Diese bringen wie beschriftet die WAVES, den Gesamt-OUT und per NOISE das Rauschen nach außen. Puh, das war jetzt ein ordentlicher Ritt über die enorme Funktionalität der Frontplatte, aber keine Angst! Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!

Die Bedienung des Mutanten

Die Hexinverter Mutant Machine lässt sich durch die große Arbeitsoberfläche insgesamt ergonomisch gut bedienen. Selbst für meine Riesenfinger reicht der Spielraum zwischen den einzelnen Reglern gut zum gepflegten Arbeiten an dem durchgehend wertig verarbeiteten Modul aus. Die Regler sind leichtgängig, perfekt im Regelweg aufgelöst und lassen ein nuanciertes Einstellen der Parameter zu. Man merkt dem Modul die Erfahrung der Erbauer, gesammelt bei der Entwicklung der spezialisierten Mutanten, an, denn wenn es um die Erstellung eines komplexen Drumsounds geht, ist das Bedienkonzept in sich absolut schlüssig.

Die strukturiert abgesetzten Arbeitsbereiche helfen bei der erfolgreichen und schnellen Erschließung des Workflows an dem doch in der Funktionalität sehr umfangreichen Modul. Ich hätte mir für meine langsam trüber werdenden Augen eine bessere Lesbarkeit der Beschriftungen gewünscht, aber da schaut man eh nur am Anfang genauer hin. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit wird man gezielt die benötigten Regler anfahren.

Hexinverter Mutant Machine Userbild Beschriftung

Im Gegenlicht ist die Beschriftung nicht immer optimal lesbar. Wendler sagt: EGAL!

In der Regel wird man sich mit dem MEMBRANE Interface eine Grundlage für den gewünschten Sound basteln, diesen per SNAPPY Interface garnieren und dann im mittleren Reglerbereich die Parameter des gewünschten Drumsounds feintunen.

Nach meiner stundenlangen Testerfahrung mit diesem tollen Modul kann ich vollmundig bescheinigen, dass man damit so alles an analogen und elektronischen Drumsounds herbeischrauben kann, was man bisher irgendwo gehört und tatsächlich auch, was man so wohl noch nicht gehört hat. Die Kollegen Uumpf, Rumms, Bumm, Bäng, Zap, Zisch, Klopf, Klonk, Schepper und Fieppz sind aber auf jeden Fall in allen erdenklichen Versionen mach- und dazu auch noch dynamisch steuerbar. Das Modul hat am Output ordentlich Wumms, so dass sich die erstellten Sounds im Mix gut durchsetzen.

Hexinverter Mutant Machine Userbild Patching

Viele Buchsen laden zum Patchen ein

Viel spannender als das Herbeischrauben von Einzelsounds war für mich aber das Basteln von Loops und dynamischen Drumtracks. Mit cleveren Einstellungen schafft man es durch die dynamische Steuerung der Waveslots und weiterer Parameter sogar, dass bei gezielten Triggern unterschiedliche Sounds abgefeuert werden, so dass der Eindruck eines ganzen Drumsets entsteht.

Sehr spannend fand ich auch den Selbstversuch, das Modul einfach nur mit sich selbst zu modulieren, für Freunde gepflegter Knarz- und Britzelsounds ein wahres Fest. Möglich war auch tonal spielbares Material. Natürlich ist, bedingt durch die Architektur des Moduls mit Focus auf Drumsounds, dieser Anwendungsbereich eher eingeschränkt, aber kurze Keys oder Bässe gelangen trotzdem erstaunlich gut. Kurze Rede, langer Sinn: Ich hatte mit dem Mutanten von Hexinverter eine Menge Spaß!

Hexinverter Mutant Machine Herstellerbild

Fazit

Drum-Chamäleon trifft es wirklich! Man erhält mit dem hübschen, aber zugegebenermaßen großen Modul eine universelle Drum-Sound-Schleuder, die alle Bereiche von Drum- und Percussionsounds hinreichend abdeckt und dabei auch noch satt klingt. Darüber hinaus bettelt die einladende Frontplatte mit ihren vielen Reglern geradezu darum, dem Mutanten Sounds abseits der ausgetretenen Pfade zu entlocken.

Die vielen Ein- und Ausgangsbuchsen bieten der Machine im vorhandenen Modularsystem eine perfekte Einbindung und sorgen darin für eine unendliche Spielwiese. Die flexible und sehr gut dynamisch steuerbare Hexinverter Mutant Machine ist im Livecase damit genauso gut aufgehoben, wie im modularen Studio und kann mit ihrer guten und logischen Bedienoberfläche mobile Soundfrickler und Studiosoundbastler gleichermaßen befriedigen. Wer die Scheine übrig hat und genügend freien Platz im Case, erhält hier ein Hammermodul … im wahrsten Sinne!

Plus

  • wertige Verarbeitung
  • flexibler und druckvoller Sound
  • perfekte Einbindung in bestehende Modularumgebung
  • gut strukturiertes Userinterface
  • hoher Spaßfaktor

Minus

  • Platzbedarf im Case

Preis

  • 599,- Euro
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