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Test: Ibanez RGDIX6MPB-SBB, E-Gitarre

31. Januar 2017

Mit eiserner Hand

Die Ibanez RG Serie treibt weiter ihre Blüten. Unaufhaltsam schieben die Japaner eine Gitarre nach der anderen aus der Pipeline, wobei der Schwerpunkt immer mehr auf die ganz harte Schiene verlegt wird und mit der Iron Label Serie auch einen eigenen Namen bekommen hat. Die Instrumente dieser noch jungen Baureihe stechen neben technischen Upgrades, wie etwa die Modelle mit sieben oder acht Saiten auch optisch aus dem Sortiment der Japaner hervor. So auch die Ibanez RGDIX6MPB-SBB, die wir uns jetzt mal in einem Test vornehmen werden.

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— Die Ibanez RGDIX6MPB-SBB —

Facts & Features

Nein, die Decke unserer Ibanez ist nicht unter zu starker Hitzeeinwirkung zerlaufen! Viel mehr steckt hinter der ungewöhnlichen Optik des Korpus um ein gefärbtes Furnier aus Pappel, das auf ein zweilagiges Stück Esche aufgeleimt wurde. Zunächst einmal sieht das verdammt gut aus, beim genaueren Hinsehen wirken beide Oberflächen allerdings so, als habe man zum Schluss eine deckende Schicht Klarlack einsparen wollen. Denn dann wäre die Illusion einer geschlossenen Decke vielleicht gelungen, so aber wirken die beiden Teile doch etwas grob zusammengeschnitzt. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Struktur des Eschenholzes extrem kräftig ausgefallen ist und sich mit dem komplett anders strukturierten „Burl Top“ sich einfach nicht zu einem Ganzen fügen möchte.

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— Etwas grob geschnitzt – der Übergang des Pappelfurniers zum Eschekorpus —

Dennoch wurden die Arbeiten am Holz sehr sauber ausgeführt und den Benutzer erwarten die gewohnt typischen Vorzüge einer Ibanez RG, wie etwa die Shapings auf Vorder- und Rückseite, die extrem weit ausgesägten Cutaways oder der schmale Hals-Korpus-Übergang. Wobei die Cutaways zwar nicht größer als die einer Serien-RG ausgefallen sind, wohl aber deutlich spitzer an ihren Enden.

Der Hals der  Ibanez RGDIX6MPB-SBB

Was kann es anders sein als ein Wizard Neck? Klar, auch die Ibanez RGDIX6MPB-SBB hat einen dieser „Hochgeschwindigkeitshälse“ eingeschraubt. Mit einem Radius von 400 mm wurde ein Ahorngriffbrett separat aufgeleimt, das ist verdammt flach! Genau so flach wie auch die Rückseite, die, genau wie der Korpus, keinerlei Behandlung der Oberfläche erhalten hat. Was beim Korpus eher grob wirkt, zeigt sich hier an der Halsrückseite durch ein griffiges Spielgefühl natürlich sehr willkommen!

Eher ungewöhnlich dürftig für ein Instrument der Premium-Baureihe erscheint dagegen die Verarbeitung der 24 Bundstäbchen unseres Testinstruments. Nicht nur dass die Bünde nicht gleichmäßig in ihren Schlitzen im Griffbrett versenkt wurden, auch deren Kanten sind nicht gerade sorgfältig abgerundet. Bei der einen oder anderen Bewegung kann man diesen Fakt an der Greifhand spüren. Die nicht gleichmäßig eingesetzten Bünde verhindern auch ein optimales Setting – es wäre hier eine viel bequemere Saitenlage möglich, würden nicht drei bis vier Bundstäbchen aus dem Griffbrett übermäßig herausragen.

Ob dieser Mangel auch in der Serienproduktion vorhanden ist, lässt sich natürlich nicht sagen. Bei unserer Ibanez RGDIX6MPB-SBB war dies aber so. Seltsam ist es allemal, sind doch die in Indonesien gefertigten Premium-Instrumente dank des vom Hersteller eingeführten „Fret Edge Treatment“ Verfahrens eigentlich bekannt für ihre makellos verarbeiteten Bundkanten.

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— Die Iron Label RG von der Rückseite – Naturholzlook vom Feinsten —

Gegenüber den herkömmlichen Serien-RGs verfügt unsere Ibanez RGDIX6MPB-SBB über ein weiteres, in der Metalszene gerne gesehenes Feature, nämlich die verlängerte Mensur. Durch nun 670 anstelle der üblichen 648 mm (bei einer Standard-RG) werden somit die in der Szene kaum noch wegzudenkenden Droptunings vereinfacht. In der Praxis ist davon so gut wie kaum etwas zu bemerken, die RGDIX6MPB-SBB spielt sich genau so angenehm wie jede andere RG auch.

Hardware und Pickups der Ibanez RGDIX6MPB-SBB

So typisch wie der Wizard-Hals einer RG, so typisch auch die Tonabnehmer der indonesischen Superstrat. Die können natürlich nur aus dem Hause DiMarzio stammen, den direkten Weg in die Decke haben hier zwei identische Modelle gefunden. Die beiden Fusion Edge Pickups sitzen an Steg- und Halsposition, angewählt werden sie durch einen robusten Dreiwegeschalter aus Metall, der sehr griffgünstig in unmittelbarer Nähe des unteren Cutaways platziert wurde. Komplettiert wird die elektrische Schaltung lediglich durch das Volumepoti, auf eine Tonblende wurde verzichtet. Verzichtet wurde auch auf eine Singlecoil-Schaltung: In der Stilistik, in der die Ibanez RGDIX6MPB-SBB ihren Einsatzbereich findet, ist das aber wohl zu verschmerzen.

Die schwarz lackierte Brücke basiert auch hier auf dem zurzeit schwer angesagten „String-Through“ Prinzip, die Drähte werden also von hinten durch den Korpus eingefädelt, ehe sie den Weg zu den Gotoh-Mechaniken an der Kopfplatte antreten. Die Tuner sind Locking-Varianten und von sehr guter Qualität, was sich sowohl durch ein einfaches und präzises Stimmen, als auch durch ein sicheres Halten der Stimmung des Instruments zeigt. Während der Testdauer gab es diesbezüglich überhaupt keine Probleme.

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— Zuverlässige Kandidaten – die sechs Gotoh Klemmmechaniken —

Auffällig an der Brücke ist der enorm große Weg, den die Saitenreiter auf ihrer Schraube zurücklegen können. Damit ist gewährleistet, dass auch bei Droptunings oder häufigem Saitenwechsel (mit Sets unterschiedlicher Stärke) stets eine saubere Oktavreinheit eingestellt werden kann. Ach ja, eine bequeme Auflagefläche für die rechte Hand bietet die Brücke natürlich auch!

Zwischenzeugnis

So ganz frei von Tadel präsentiert sich die Ibanez RGDIX6MPB-SBB nach dem ersten genauen Check nicht unbedingt. Dinge wie die unsauber verarbeiteten Bundstäbchen sollten eigentlich bei einem Instrument dieser Preisklasse nicht vorkommen, das Design der Decke und des Korpus hingegen ist wohl Geschmackssache. Für meine Begriffe wirkt es etwas zu „hölzern“ bzw. grob, eine Klarlackschicht hätte der Optik hier sicher gut getan.

Gut in Form präsentiert sich hingegen die wenige Hardware mit der massiven String-Through-Brücke und den sechs Klemmmechaniken aus dem Hause Gotoh, mit Stimmproblemen sollte der neue Besitzer der Gitarre auf lange Zeit keine Probleme bekommen. Soweit zu den äußeren Werten, wollen wir nun mal hören, was die RGDIX6MPB-SBB für innere Werte bereithält!

Sound & Praxis mit der Ibanez RGDIX6MPB-SBB

Akustischer Grundsound

Der Grundsound unserer Ibanez RGDIX6MPB-SBB ist typisch für eine Ibanez Gitarre der RG-Baureihe und ebenso typisch für ein Instrument mit Eschekorpus und eingeschraubtem Ahornhals. Bissig, drahtig und mit viel Attack geht es bereits im akustischen Grundsound zur Sache, dafür muss man aber auch hier Abstriche im Sustain machen. Nach der Korrektur des dürftigen Werkssettings (unter Berücksichtigung der zum Teil unsauber eingesetzten Bünde) kann man die Bespielbarkeit unserer Testgitarre als befriedigend bezeichnen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sich die wahren Griffbrettakrobaten mit dieser doch ungewöhnlich hohen Saitenlage für eine RG nicht zufriedengeben werden. Gerade im Metalbereich werden ja sehr gerne und ausgiebig moderne Techniken wie Sweeping oder Tapping verwendet und dafür ist eine Saitenlage > als 4 mm in der Oktavlage dann doch eher kontraproduktiv …

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Elektrischer Sound

Das, was die Gitarre aufgrund ihrer Grundkonstruktion an Frequenzen und Resonanzen nicht stemmen kann, ergänzen die beiden DiMarzio Fusion Edge Humbucker fast ausnahmslos. Plötzlich sind druckvolle und straffe Bässe im Sound und auch das Höhenspektrum gewinnt noch einmal deutlich an Klarheit, ohne jedoch dabei zu schrill und zu sehr nach „sägendem Metalsound“ zu klingen. Der Klang ist einfach sehr ausgewogen und ergänzt sich prima mit dem Grundsound der Gitarre, auch wenn ich persönlich eine Singlecoil-Option der Pickups schon irgendwie vermisse. Trotzdem sind auch die unverzerrten Sounds gut zu nutzen, insbesondere bei der Auswahl beider Pickups. Die Domäne sind aber natürlich die verzerrten Sounds und hier überzeugen beide DiMarzios mit einem ausgewogenen Klangbild bei minimalen Nebengeräuschen.

Fazit

Auch wenn die Ibanez RGDIX6MPB-SBB nicht ganz frei von Mängeln ist, so ist sie doch eine typische Ibanez RG: ergonomisch perfekt designt, technisch gut ausgestattet und optisch dem Geschmack der Zielgruppe angepasst. Das alles gibt es zu einem recht günstigen Preis, trotz hochwertiger Zutaten wie etwa den DiMarzio Pickups oder den Klemmmechaniken aus dem Hausen Gotoh. Ob es sich bei unserem Testmodell um ein „Montagsprodukt“ handelt, kann nur vermutet werden, interessierte Musiker sollten sich die Gitarre bzw. den Hals und die Verarbeitung der Bünde in jeden Fall genau anschauen oder von einem Fachmann begutachten lassen.

Plus

  • gute Verarbeitung (bis auf die Bünde)
  • gute Bespielbarkeit (nach Korrektur des Werkssettings)
  • Qualität Hardware
  • hervorragende Pickups
  • auffällige Optik

Minus

  • Bünde nicht sauber verarbeitet
  • Werkssetting
  • kein Case oder Koffer im Lieferumfang

Preis

  • Ladenpreis: 799,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tenderboy  

    Welche Stärke haben denn die mitgelieferten Saiten? Ich frage weil wir auf A-Standard runterstimmen und dafür schon ein dicker Satz nötig ist… wo es dann aber Probleme mit den Locking Tunern geben kann die nur für Saiten bis .060 oder so ausgelegt sind aber für .068 oder .072 nicht mehr gehen.

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