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Test: IK Multimedia iRig Mic HD, Mikrofon für iOS

15. Dezember 2014

iOS-USB-Mikro in HD

Das iRig Mic war vor gut drei Jahren mit das erste Mikrofon speziell für die Apple-Geräte. Insofern kann man dem umtriebigen italienischen Hersteller IK Multimedia nicht vorwerfen, mal eben schnell auf den immer schneller werdenden Zug – beladen mit stylishen iGeräten – aufgesprungen zu sein. Nein, die Jungs waren schon von Anfang an dabei und haben seitdem ihre spezielle iRig-Produktpalette auch ganz schön ausgebaut. Neben Audio- und MIDI-Interfaces (iRig MIDI 2, iRig Pro, iRig Pre, iRig HD), Controllern (iRig Pads, iRig Keys Pro) und dem DJ-Mixer iRig MIX finden sich auch einige Mikrofone: Das aufsteckbare Stereo-Mikrofon iRig Mic Field, das iRig Cast, das angesprochene (ältere) iRig Mic und jetzt auch dessen Weiterentwicklung, das IK Multimedia iRig Mic HD. Und das schauen wir uns heute mal näher an.

Technische Daten

Haken wir eben kurz den Faktencheck ab: Das iRig Mic HD ist ein iOS/USB-Mikrofon (Elektret-Kondensator mit Nierencharakteristik) mit integriertem Vorverstärker und Digitalwandler. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 40 – 18.000 Hz an, den maximalen Schalldruckpegel (Sound Pressure Level, SPL) mit 134 dB – das sollte selbst dann genügen, wenn jemand auf die Idee kommt, ein Düsentriebwerk aus 50 Zentimeter Entfernung aufzunehmen. Der integrierte A/D-Konverter schließlich arbeitet mit 24 Bit / 44,1 – 48 kHz.

Ausgepackt

Mit im Karton befindet sich – neben dem Mikrofon selber – eine Stativklemme (Clip-Halterung) inklusive 5/8“ auf 3/8“ Reduziergewinde und ein Lightningkabel (1,5 m) zum Anschluss an iPads ab Version 4, iPad mini, iPhones ab iPhone 5 oder iPod Touch (4. oder 5. Generation). Für Besitzer älterer iGeräte gibt es optional ein 30-Pin-Kabel, das dann aber gesondert gekauft werden muss – allerdings auch recht happige 25 Euro kostet.

Des Weiteren entdecke ich ein USB-Kabel (ebenfalls 1,5 m) für den Rechneranschluss, eine Aufbewahrungstasche und einen Plastikstöpsel mit Gewinde und Seitenschlitz, der sich als praktische Sicherung für den Kabelanschluss erweist. Der wird nämlich am unteren Ende (über der Anschlussbuchse) aufgeschraubt und verhindert ein Abknicken des Steckers. Einfach, aber sehr durchdacht.

Das alles ist mit dabei

Das alles ist mit dabei

Dazu kommt noch eine dünne Anleitung im Pixiebuch-Format (kennt die überhaupt noch jemand?) und Ikea-Optik (also nur Bilder, ohne Text), ein wesentlich dickeres Reklameheftchen mit IKM-Produkten für Mobilgeräte und eine kleine Karte für die Registrierung des Produkts samt Link zu den Apps. Beides praktischerweise mit QR-Code, das erleichtert die Tipperei. Ein Windschutz ist nicht dabei, der ist laut IK Multimedia bereits im Mikro verbaut. Schauen wir mal.

Die Ankündigung von IK Multimedia „iRig MIC HD comes with a full suite of apps“ ist dagegen wieder mal die übliche Marketing-Augenwischerei. Denn erstens werden die Apps natürlich nicht wie suggeriert mitgeliefert (wie denn auch?), zum anderen gibt es auch keinen Gutschein, Code oder was auch immer für irgendwelche Vollversionen. Die Apps VocaLive, iRig Recorder und AmpliTube tragen allesamt den Zusatz FREE, sind also nicht an das iRig gekoppelt oder speziell dafür gemacht und haben in der kostenlosen Version auch nur einen begrenzten Nutzwert. Die Vollversionen kosten dann 17,99 Euro (VocaLive, iPad), 8,99 Euro (AmpliTube, iPad) bzw. 6,99 Euro (iRig Recorder, iPhone). Der Hinweis auf die „Full Suite of Apps“ ist also kein Mehrwert, sondern reine Reklame.

Angeschaut

Das mattschwarz lackierte Metallgehäuse (gibt es auch in Alu-silber) des iRig Mic HD macht einen stabilen Eindruck – wozu auch der Metallkäfig und das kompakt-satte Gewicht von 210 Gramm beitragen. Das verträgt auch härtere Schläge oder Stürze, ohne gleich die akustischen Segel zu streichen.

Der Stecker wird durch eine Drehkappe geschützt

Der Stecker wird durch eine Drehkappe geschützt

Die Anschlussbuchse (Micro-USB) sitzt – durch die Schraubsicherung geschützt – am unteren Ende des Mikros. Auf der Oberseite – und zwar weit genug oben, um nicht von der Hand verdeckt zu werden – befindet sich eine kleine LED für Status- und Pegelanzeigen (blau für „betriebsbereit“, dann grün / orange / rot), auf der Rückseite ein kleines Einstellrad für den Pegel. Und zwar nicht der übliche ins Gehäuse eingelassene Typ mit Zahnung zur einfacheren Bedienung, sondern glatt und aufgesetzt. Das verhindert einerseits eine lässig-schnelle Einhand-Bedienung, hat aber andererseits den Vorteil, dass man nicht aus Versehen daran herumspielt. Allerdings fehlt mir da eine klare Beschriftung. Es ist nur schwer zu erkennen, wie weit der Pegel da gerade aufgemacht wurde.

Ausprobiert (iPad)

Als Testgerät musste hier wieder mal mein iPad Air herhalten (die Erstausgabe, nicht das neue). Der Anschluss ist hier (Apple-typisch) simpel: Anstöpseln und loslegen, das iRig Mic HD wird von meinen Apps automatisch erkannt. Ausprobiert habe ich das mit den Vollversionen von Voice Record, Harmony Voice, Tape, Auria und Garage Band. Probleme gab es nur mit Take von Propellerhead, das die Pegeljustierung am Mic ignoriert; kann aber auch sein, dass ich da was übersehen habe, die Ursache liegt aber in jedem Fall im App. Außerdem wollte das iRig Mic dann nach dem sechsten App in Folge nicht mehr so richtig; ein finales Schließen nicht benötigter Apps per Wischbewegung brachte aber sofortige Abhilfe. Anscheinend verheddert sich das iPad, wenn zu viele Apps mit Mikro-Anforderung noch im Speicher hängen.

Einige Dinge, die mir beim Praxistest auffielen: Die Pegel-LED ist bei jedem App schneller im roten Bereich als die Anzeige der Apps. Die Abweichung ist aber nicht so dramatisch. Und besser zu früh gewarnt als zu spät. Apropos LED: Bespricht man das Mikro selber aus kurzer Distanz (und hat es dabei in der Hand), führt die hohe Position der Pegel-LED dazu, dass man schon schielen muss, um die noch erkennen zu können. Was bei den Interviews anderer Personen durchaus von Vorteil ist (die hohe Position, nicht das Schielen), ist im Selbstversuch eher hinderlich. Aber gut, das lässt sich eben nicht anders lösen.

Eine LED als Pegelanzeige

Eine LED als Pegelanzeige

Was ebenfalls auffällt: Das iRig Mic HD ist mit seinem Metallkorpus etwas empfindlich für Handgeräusche. Man muss die Finger also schon absolut ruhig halten, will man sich nicht die Aufnahmen zerschießen. Kleiner Tipp aus meiner Radioreporter-Praxis: In solchen Fällen hilft es, einen Stoffhandschuh zu tragen. Das sieht zwar im Sommer idiotisch aus, mindert die Störgeräusche aber ganz erheblich. Professioneller ist es natürlich, ein kleines Handstativ einzusetzen – was aber nicht immer vorhanden ist.

Aufgrund dieser Empfindlichkeit ist es leider auch nicht möglich, während der Aufnahme am Pegelrad zu schrauben. Hier macht sich dann die etwas ungewohnte Bauform nachteilig bemerkbar. Also: Vorher gut einpegeln und dann Finger weg. Oder falls möglich in der App nachjustieren.

Die Sache mit dem eingebauten Windschutz ist eher eine Good-Will-Aktion. Zwar tatsächlich besser als nichts, aber eben nicht so gut wie ein echter Windschutz. Da sollte man dann doch besser noch ein paar Euro investieren und dem iRig Mic HD einen Extra-Schaumstoffüberzieher besorgen. Vermisst habe ich einen Power-Switch. Wäre schon praktisch, das Mikro eben mal abschalten zu können. Zumindest bei Handmikrofonen gehört das eigentlich zum Standard.

Der Klang ist klar und druckvoll, das Grundrauschen ist vorhanden, aber nicht mehr so heftig wie beim Vorgänger, hält sich also noch in vertretbaren Grenzen, sofern man den Pegelregler nicht überreizt. Natürlich ist der Sound auch immer abhängig von der App, die gerade im Einsatz ist. Werden da 24 Bit und 48 kHz unterstützt, ist das Ergebnis natürlich besser als eine App, die nur mit 16 Bit und 44,1 kHz läuft. Für mich ist am Ende entscheidend: Bekomme ich eine Aufnahme, die ich ohne große Nachbereitung und ohne Murren von CvD und Technik senden kann – die Jungs in den ARD-Studios haben da ziemlich kritische Ohren. Antwort: Ja – passt. Klar, ein Neumann mit Edel-Pre-Amp und Digi-Pult liefern natürlich bessere Ergebnisse, aber das ist ja nicht der Maßstab.

Ausprobiert (PC)

Auch am PC funktioniert das iRig Mic HD problemlos. Unter Windows 7 wird es von systemeigenen Treibern genährt, da muss nichts weiter installiert werden. Testweise Skype gestartet und nachgeschaut – da findet es sich dann unter eigenem Namen in den Audio-Einstellungen. Und auch in den Audiogeräten in der Systemsteuerung wird es natürlich auch namentlich erwähnt – was will man mehr?

Mic in the Box

Mic in the Box

iRig für Android

Während ich das hier schreibe, hat IK Multimedia eine spezielle Version des iRig Mic HD für Android nachgeschoben, das iRig Mic HD-A. Das kommt zusammen mit einer Android-Version des Apps EZ Voice, läuft aber nur zusammen mit Geräten mit Android 5 – denn nur das unterstützt jetzt auch digitales Audio per USB.

Fazit

Das größte Lob, das ein Tester einem Produkt überhaupt machen kann, ist doch, wenn er am Ende darüber nachdenkt, sich das Teil selber zuzulegen. Und so geht es mir in diesem Fall. Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim IK Multimedia iRig Mic HD stimmt, die Soundqualität ist ok und die Verarbeitung gut. Und gerade für den kurzen Take zwischendurch, bei dem es schnell gehen muss und keine Zeit mehr für komplexeres Studiogedöns bleibt, ist das iRig Mic HD wie geschaffen. Schnell einsatzbereit und mit ordentlichen Ergebnissen.

Plus

  • massiver, stabiler Korpus
  • Sicherung für Kabelstecker
  • ordentliche Klangqualität

Minus

  • Einstellung des Pegelrades nur schwer ablesbar
  • kein Power-Switch am Mikro
  • etwas empfindlich für Handgeräusche

Preis

  • Ladenpreis: 109,- Euro
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