Test: iZotope Ozone 5, Mastering Plug-in

11. Juli 2012

Mastering Plug-in

In der Hoffnung, das Mastering Plug-in Ozone 5 von iZotope lasse meine Tracks endlich so klingen, dass sie sich vor amtlichen Produktionen nicht mehr zu verstecken brauchen, lade ich mir die Software auf meinen Computer. Hier produziere ich mit Synthesizer und Samples elektronische Musik. Meine Beats grooven, der Bass drückt und die Drops lassen die Hände in die Luft gehen – fast. Im Vergleich zu meinen Lieblingsproduzenten fehlt nämlich der letzte Schliff. Was können die, was ich nicht kann? Schon klar: Die sind richtig gut. Und ihre Tracks schicken sie zur Nachbehandlung in ein Mastering-Studio. Genau das kann ich mir aber nicht leisten, denn mit meiner Musik verdiene ich kein Geld. Also Ozone 5 starten und selber Hand anlegen.

Der totale Überblick über die Pegel: Meter Bridge der neuen Advanced-Version von Ozone 5

Der totale Überblick über die Pegel: Meter Bridge der neuen Advanced-Version von Ozone 5

Was ist neu?

Schon die älteren Versionen des Mastering Plug-ins Ozone von iZotope wurden von Amazona für gut befunden. Die Tests meines Kollegen Ingo Barsekov sind sehr empfehlenswert – er ist ein Profi. Die neue Version 5 läuft auf AU, VST, RTAS und Direct-X. Die überarbeitete Oberfläche ist übersichtlich und klar strukturiert. Hier gibt’s trotz Analog-Modeling keine Anlehnung an Vintage-Geräte, was bei der Fülle an Reglern sehr wohltuend ist. Die Einzelteile – Equalizer, Reverb, Harmonic Exciter, Multiband Dynamics, Stereo Imaging, Post Equalizer und Maximizer – sind im Plug-in der Standardversion fest vereint, lassen sich aber frei anordnen.

Neu ist eine Advanced-Version von Ozone 5 erhältlich. Sie bietet jedes Gerät als einzelnes Plug-in zur freien Verfügung. Zudem gibt’s ein separates Fenster für die neue Meter-Bridge mit vier skalierbaren Anzeigen für Pegel, Frequenzspektrum und Stereobreite. Jedes Gerät verfügt über spezielle Advanced-Funktionen, die in der Standard-Version nicht vorhanden sind. So findet man zum Beispiel beim Reverb einen Regler für den Anteil an „Early Reflections“, die zusätzlichen Räume „Theatre“, „Cathedral“ und „Arena“ und einen Regler für die Kontrolle über den Stereo-Mix („Crossmix Control“). Oder die Möglichkeit, beim Maximizer mittels „Transient Recovery“ einen transparenteren Klang zu erhalten. Wer sich für die Advanced-Version entscheidet, sollte auch über entsprechend fortgeschrittenes Mastering-Wissen verfügen, um die zusätzlichen Funktionen wirklich nutzen zu können. Denn mit knapp 850 Euro kostet sie rund viermal mehr als die Standardversion. Dafür kann man die Geräte dann auch einzeln im Mix einsetzen – gerade der EQ und die Multiband Dynamics machen zum Beispiel auf Drum-Gruppen einen ausgezeichneten Sound.

Auch den verbesserten Equalizer gibt es in der Advanced-Version als eigenständiges Plug-in

Auch den verbesserten Equalizer gibt es in der Advanced-Version als eigenständiges Plug-in

Einzelteile im Überblick

Für Version 5 hat Ozone neue Algorithmen erhalten, die deutlich transparenter klingen. Endlich gibt es auch die Möglichkeit, Presets für die Einzelteile zu speichern. Dazu kommen zahlreiche Verbesserungen an den einzelnen Geräten. Der Equalizer bietet neue Filtertypen und ein übersichtlicheres Layout, welches das Erstellen von Snapshots vereinfacht und besseren Zugriff auf alle acht Bänder gleichzeitig bietet. Zudem gibt es nun einen zweiten, identischen Post-Equalizer zur Entzerrung des Signals am Ende der Gerätekette. Sehr praktisch, um Frequenzen, die durch Exciter oder Multibandkompression störend verstärkt wurden, wieder herauszufiltern.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jesus

    Bei „Minus“ gehört eigentlich noch die CPU-Lust dazu, sofern man dieses eine „Hauptplugin“ mit gewissen Presets benutzt.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      CPU- LUST??

      Jesus, was ist das denn?
      Eine neue sexuelle Orientierung?

      ;-)

      Es grinst sich einen

      der

      „Onkel Sigi“

  2. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Zu den Hörbeispielen:
    Hier hört man, dass Mastering eine Kunst ist. Gerade im abschließenden Schritt mit allen Bearbeitungen wurden die meisten Fehler gemacht. Vergleicht man das letzte Hörbeispiel mit dem Ausgangsmaterial, merkt man, dass zwar Equalizer und Exciter das etwas mumpfig klingende Signal aufgefrischt, Kompressor und Maximizer aber dafür alles kaputt gemacht haben. Die Instrumente, die aus gutem Grund im Original nach hinten gemischt wurden, weil sie eher eine begleitende Funktion haben oder ein Effekt sind, treten plötzlich so stark in den Vordergrund, dass sie keinen Sinn mehr machen und sogar nerven. Zugegebenermaßen interpretiere ich jetzt hier etwas Deine Musik, doch das ist ja genau das, was ein Mastering-Ingenieur machen würde (und der Zuhörer letztendlich auch).

    Eine gute Art an eine solche Sache heranzugehen ist immer, vor der Maximierung der Lautheit, einfach mal den Track auf die altmodische Art am Lautstärke-Regler laut zu drehen und aufmerksam zu hören, was passiert. Meistens werden die Bässe und die unteren Mitten weiter hervortreten, im Allgemeinen der Mix aber erhalten bleiben. Möchte man nun eine größere Lautstärke erzielen, wäre das Ziel, genau diesen Effekt durch das Mastering zu erzielen. Die am Markt befindlichen Tools erreichen (vor allem in den Händen von Laien) aber genau das Gegenteil. Es wird alles an die Wand gefahren und der mühselig erstellte Mix ist hin.

    Ich finde es deshalb gut, dass im Text auch immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Mastering eine Kunstform ist und ein solches Tool wie das hier vorgestellte kann eben auch großen Schaden anrichten. Das letzte Hörbeispiel demonstriert das m. E. sehr deutlich. Wer sich ein solches Tool zulegt (meistens erfüllen die in der DAW vorhandenen Tools den Job aber genauso gut), sollte sich mit den Grundzügen des Masterings gut vertraut machen und wissen, dass nicht alles, was im ersten Moment „besser“ klingt, auch tatsächlich besser ist. Das Gaukeln solche Tools gerne vor.

    • Profilbild
      ukm  

      Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Besonders der letzte Schritt ist mir einfach zu „amtlich“. Nach einmaligem Hören entscheidet dann das Unterbewußtsein – ok, das reicht.

    • Profilbild
      vadelupus

      Tja, da habe ich einen „no go“ auf Lager. No go zumindest dann, wenn man diesen Typen folgt, die allerorten als die großen mastering-gurus gehandelt werden. Nämlich, den Limiter (maximizer or whatever) bereits beim mixing in die Summe zu schalten und gegen diesen abzumischen. Außerdem die Lautstärke der jeweiligen Spuren zu automatisieren. Wenn jetzt wieder einer gegen den loudness war wettert…schön. Dann kommt er vielleicht genauso in den Himmel wie derjenige, der lieber an einer U-He Diva oder gar einem echten Analogen rumschraubt, weil er meint, beim zehnten mal hören da noch einen Unterschied zu praxistauglichen tools wie einem Sylenth1 zu hören. Wenn es laut sein soll (in meinen Augen muss es das sein, zumindest im EDM Bereich) ist gegen den limiter abzumischen, um die vom Vorredner zurecht kritisierten Punkte ganz ganz einfach auszuschalten. Cheers

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