Test: KMA Audio Machines Cirrus, Delay-, Reverb-Pedal

5. Mai 2020

Cirrus - ein deutsches Delay-Schätzchen

KMA Audio Machines Cirrus

Das Cirrus von KMA ist eins der am sehnsüchtigsten erwarteten Delay-Pedale in diesem Jahr. Im Netz gab es schon mehrere Videos – da haben wir uns in unserer Gitarrenredaktion es auch nicht nehmen lassen, ein Video zu produzieren und das Cirrus an seine Grenzen zu bringen. Doch ob der Hype um das Cirrus wirklich gerechtfertigt ist, ob das Delay-Pedal aus deutschem Lande tatsächlich seinen Nimbus verdient, haben wir uns in einem ausführlichen Test mal genauer angesehen.

KMA Machines dürfte den meisten inzwischen ein Begriff sein – angesehen haben wir uns zuletzt das KMA Machines Logan, ein hochdynamisches Drive Pedal mit einem der besten Low-End Boosts, die ich in Pedalform je gespielt habe. KMA Machines wissen, was sie tun, und so ist das Cirrus gewissermaßen das Magnum Opus der Firma – ein Delay und Reverb, mit Modulation, Filter-Sequenzen und zahlreichen Optionen für ein unverschämt niedrigen Preis. Man darf gespannt sein:

KMA Audio Machines Cirrus, Delay – Facts & Features

Also – was ist das KMA Machines Cirrus? Zum ersteren: KMAs erster Ausflug in vollständig digitale Gefilde. Zweiteres: Ein Delay und ein Reverb, vereint unter einer Haube. Klingt jetzt natürlich erstmal nicht weltbewegend, doch allein aufgrund der Tatsache, dass Ambient-Maschinen aus deutschem Lande selten sind, ist das Cirrus eine nähere Betrachtung wert. Denn nichts anderes ist das Cirrus: Eine Ambient-Maschine, die unter anderem aufgrund eines kleinen Reglers punktet: Der Sensitivity-Regler, der einstellt, wie empfindlich die Effekte auf die Dynamik eures Spiels reagiert. Doch dazu später mehr. Der KMA Audio Machines Cirrus besitzt drei Delay-Modi und drei Reverb-Modi, die per Kipp-Schalter angewählt werden können sowie die Möglichkeit, beide Sektionen unterschiedlich zu routen.

KMA Audio Machines Cirrus

Die Verarbeitung ist ähnlich wie beim Logan absolut erhaben – Regler und Anschlüsse sind stabil und wackeln nicht, nichts an dem Pedal wirkt hastig zusammen gesteckt. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Enrico von KMA Audio Machines die Fertigung über große Teile nur in einem kleinen Team leistet. Die Maße 90 x 120 x 62 mm sind Pedalboard-freundlich, das Gewicht von 420 Gramm ebenfalls. Der typische Wermutstropfen, den ich bei diesem Preis selbstredend erwartet habe: Kein Stereobetrieb. Doch dafür präsentiert das KMA Audio Machines Cirrus in unserem Test eine Reihe von Anschlüssen, die für diesen Preis keine Selbstverständlichkeit sind. Ein Expression-Pedal-Anschluss beispielsweise, bei dem der zentrale Regler auswählt, welche Parameter er konkret ansteuern soll. Ein Trail-Schalter ist ebenfalls dabei, sowie ein FX Loop – mit nur einem Anschluss. Wer also ein weiteres Pedal in die Effektschleife einspeisen will, kommt an einem Stereo Y-Splitter Kabel nicht vorbei. Dass die Option aber nichtsdestotrotz besteht, ist erfreulich.

KMA Audio Machines Cirrus – das Bedienpanel

Kommen wir zum Eingemachten – das Bedienpanel und die Modi. Wirkt ein bisschen dicht alles, ist aber leicht verständlich. Welche Optionen bietet das Cirrus konkret? Für Delay stehen bei diesem Delay-Pedal folgende Modi zur Verfügung:

  • MOD bringt eine für Tape-Delay typische Modulation hervor – leichte bis starke Pitch-Bend-Effekte sind also hierüber drinnen.
  • S/H – Sample and Hold, versieht das Signal mit einem Filter-LFO, der sphärische Texturen oder akzentuierte Filter-Cuts beherrscht.
  • OCT – hier wird eine hohe Oktave dem Signal beigemischt, was durchaus den Charakter eines Shimmer-Effekts annehmen kann.

KMA Audio Machines Cirrus

Die Modi an sich sind grundsolide ausgewählt, aber was die Stärke des Cirrus Delay-Pedal ausmacht, ist ihr Zusammenspiel mit dem Sensitivity-Regler. Je nachdem, welchen Modus Ihr angewählt habt – die Stärke der Modulation, des Filters oder die Fade-In-Zeit des Octavers wird durch euren Anschlag bestimmt. Wenn Ihr im S/H also die Filter-Texturen anschwellen lassen wollt, müsst Ihr das durch euer Spiel anstatt durch einen Depth-Regler leisten – sehr schöne Eigenschaft des Cirrus und für diesen Preis ein definitives Alleinstellungsmerkmal. Für die Delay-Sektion erledigen die Regler folgende Aufgaben: Delay setzt das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal fest – und ja, der KMA Cirrus kann auf beiden Seiten, Delay und Reverb, full wet gehen und das unbearbeitete Signal komplett ausblenden. Time lässt einen die Delay-Zeit einstellen und Repeats die Anzahl der Wiederholungen. Ganz rechts im Anschlag oszillieren diese komplett.

Die drei Reverb-Modi des KMA Audio Machines Cirrus lauten wie folgt:

  • MOD ermöglicht einen modulierten, mit leichtem Chorus-Charakter durchsetzten Hall-Nebel.
  • HP ist ein Reverb mit High Pass Filter.
  • LP ist ein Reverb mit einem Low Pass Filter.

KMA Audio Machines Cirrus

Und auch hier gilt: Der Sensitivity-Regler ermöglicht es euch, durch euer Spiel den Modulationsweg des Reverbs zu verstärken oder zu schwächen. Was heißt das konkret? Schlagt Ihr im High Pass Modus besonders stark an, werden die tiefen Frequenzen verstärkt herausgefiltert. Im Low Pass könnt Ihr dadurch dunkle Reverb-Wolken anschwellen lassen. Der Reverb-Regler ist zuständig für das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal, Decay für die Dauer, mit welcher der Hall erhalten bleibt und Damp kümmert sich um die Frequenzstreuung: heller, klirrender Reverb oder dunkler Ambient – sowie alles dazwischen.

Die restlichen Features des dicht gepackten Bedienpanels lauten wie folgt: Zwei weitere Kippschalter erlauben es zum einem, die Abfolge von Delay und Reverb einzustellen und ein letzter stellt zudem eine Auswahl von Tap-Divisions zur Verfügung (1/1, Dotted 1/8, Triplet 1/3). Der Engage-Fußschalter aktiviert das Cirrus, während der Tap-Fußschalter das Einstellen der Zeit erlaubt sowie, wenn man ihn gedrückt hält, eine Wolke aus Oszillationen anschwellen lässt. Jetzt guckt man auf den Preis und begreift – für nicht mal 200,- Euro ist das eine große Menge an Features. Nicht schlecht, KMA. Doch wie klingt das Ganze? Das finden wir jetzt raus.

KMA Audio Machines Cirrus – in der Praxis

Nach ein paar Stunden Beschäftigung mit dem KMA Cirrus gehen mir immer noch nicht die Ideen aus – das Cirrus, muss klipp und klar gesagt werden, kann nicht völlig abgedrehte Sounds produzieren. Doch etwas an der Klangcharakteristik des Cirrus hält mich fest – die Sensitivitäts-Funktion der Modulation, abhängig von meinem Spiel, ist keine Neuerfindung von KMA und doch passt sie beim Cirrus wie die Faust aufs Auge. Und stetig hat man dabei den Preis im Hinterkopf – 199,- Euro, für diese Vielfalt? Kennt man eigentlich nur von Größen wie Boss.

Die folgenden Klangbeispiele sollen eine möglichst breite Palette der Sounds präsentieren, die der KMA produzieren kann. Wie beim ersten Hörbeispiel demonstriert wird, sind modulierte Dotted-Delays genauso möglich wie völlig entrückte, massive Reverb-Berge. Schaltet man den Reverb vor den Delay, erhält man naturgemäß einen eher undifferenzierten und weiten Sound. Im zweiten Hörbeispiel sehen was, wir rauskommt, wenn wir den Octaverdelay hinter einen Low-Pass-Reverb schalten, im Hörbeispiel darauf würgen wir das Dry Signal komplett ab und stellen erfreut fest, dass der KMA Audio Machines Cirrus auch das hervorragend beherrscht. Im Hörbeispiel „KMA Cirrus 3“ soll die Sensitivität demonstriert werden – die Tiefe der Modulation nimmt mit steigender Anschlags-Intensität zu. Die einzige wählbare Option, die ich intuitiv öfter überspringe, ist der High Pass Filter Reverb. Der klingt naturgemäß ein bisschen dünn, was er natürlich soll, gibt mir persönlich aber nicht viel. Anders beim Low Pass Reverb – kombiniert mit dem Octaver Delay kann man viel Zeit damit verbringen, sein Spiel aufblühen zu lassen. Auch im Hörbeispiel 8 gilt: Sämtliche Sounds kamen aus dem Cirrus, einzig die Drums und Synthie-Flächen in den Beispielen wurden in der DAW produziert. Das KMA Cirrus klingt trotz seiner digitalen Bauweise niemals steril – speziell die Modulation gibt sich stets warm und auch der Filter mischt eine gewisse analoge Wärme ins Klangbild.

Wir haben uns in der Redaktion darüber hinaus noch in einem Video weitergehend mit dem Cirrus auseinandergesetzt und ihm noch mehr Sounds entlockt:

Fazit

Man will sich mit Prognosen zurückhalten – aber ich kann mir gut vorstellen, dass das Cirrus Kult wird. Weshalb? Preis-Leistungsverhältnis – der entscheidende Faktor, ob etwas unter viele Leute kommt. Wenige Boutique Pedale schaffen es, sich ins kollektive Musiker-Gedächtnis zu brennen, da sie zu teuer sind. Der Cirrus besetzt eine goldene Nische: Er liefert Boutique Qualität für einen vergleichsweise niedrigen Stompbox-Preis. Das Ergebnis ist ein definitives Best Buy wert – die hohe Klangqualität, die Menge an Sounds und die Flexibilität, die Einfachheit in der Bedienung und das auszeichnende Artwork – das Cirrus wird bald jeder kennen. Daumen hoch!

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Menge an Features/Sounds
  • Reaktivität auf Spieldynamik
  • Klangqualität

Preis

  • 199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey Zwo5eins
      Also meines Erachtens nicht – sobald man sich mit dem Gerät ein halbes Stündchen befasst hat, läuft das eigentlich.

  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Das Cirrus wäre sicher auch für Pianos und Synthies interessant, v.a. wenn man die Velocity voll ausnutzt. Schade, dass es nur in Mono arbeitet, dafür kann man es 100% wet einschleifen. Der interne FX-Loop ist auch sehr interessant, um Delays und Reverbs zusätzlich zu modulieren. Auch wenn ich schon eigentlich mehr als genug Delay- und Reverb-Geräte habe, meldet sich hier dennoch das GAS-Virus…

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