Test: Matthews Effects The Whaler V2, Fuzz-Pedal

28. Januar 2020

Macht Platz für den Wal

Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal

Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal

Nanu, Wale singen doch eigentlich, oder? Eher zu vergleichen mit dem zarten Klang eines E-Bow oder eines Pitch-Shifters, dachte ich zumindest bislang. Die US-Boutique-Pedal-Schmiede Matthews Effects sieht das wohl etwas anders und definiert den Sound ihres Fuzz-Pedals The Whaler V2 mit dem des größten Meeressäugers unseres Planeten, wobei sich der Begriff „singen“ dann hier vermutlich eher auf das massige Sustain bezieht, den solche Fuzz-Pedale ja in aller Regel auch liefern und den sich der Stoner- oder Psychedelic-Gitarrist stets als klangliche Grundausstattung wünscht.

Fuzz-Pedale haben ja in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt und auch wir hatten schon einige von diesen speziellen Zerren im Test, genau so hat sich mein geschätzter Redaktionskollege Dimi K. in einem ausführlichen Artikel mit der Stilistik und der Geschichte des Stoner-Rocks befasst, mit einem Klick HIER gelangt man direkt zu diesem lesenswerten Beitrag. Wir kümmern uns aber jetzt direkt um das Whaler V2 Fuzz-Pedal und was man mit dem so alles anstellen kann!

Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal

The Whaler V2 – Facts & Features

Ein erstes Lob gibt es für die Anordnung der Anschlussbuchsen, die aus einem Audioeingang, einem Ausgang sowie dem Anschluss für den Netzadapter bestehen. Denn alle drei Buchsen wurden an der Stirnseite des 6,35 x 3,81 x 11,43 cm großen Gehäuses angebracht, das sorgt für ein platzsparendes Unterbringen des The Whaler V2 Fuzz-Pedals auf einem Pedalboard, falls man derartiges im Sinn hat. Typisch für ein Boutiquepedal erscheint die aufwendige Lackierung des Bedienpanels, meiner Meinung nach wäre hier weniger „Pop-Art“ sinnvoller gewesen und die Möglichkeit gegeben, den fünf Potis eine gut sichtbare Skalierung zu gönnen. Da sich die Beschriftung der Regler dem Design bzw. dem aufgebrachten Dekor anpasst, sind zudem speziell bei dunklen Lichtverhältnissen im Fußraum Fehlgriffe nicht immer ausgeschlossen. Zumindest in der Eingewöhnungsphase, die auf den neuen Benutzer wartet.

Die Regler entsprechen den Erwartungen an ein Boutiquepedal dieser Preisklasse, sie alle wurden mittels Sechskantmutter fest mit dem Gehäuse verschraubt und laufen mit einem idealen Drehwiderstand auf ihren Achsen. Zudem sind, trotz des relativ schmalen Gehäuses, die unteren drei Regler weit genug voneinander eingesetzt, sodass man jeden von ihnen problemlos sogar mit zwei oder mehr Fingern sicher umgreifen kann.

Positives gibt es auch vom Metallschalter zu berichten, denn es ist ein Softklicktyp, der uns vor lauten Knackgeräuschen verschont. Darüber hinaus wurde er in der linken unteren Ecke in das Gehäuse eingesetzt – weiter kann man einen Schalter auf einem Effektpedal wohl kaum von den Reglern entfernt anbringen. Wer hier danebentritt oder beim Drauflatschen einen der Regler erwischt, der sollte mal ein ernstes Wort mit dem Augenoptiker seines Vertrauens reden!

Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal Switch

Platz für den Wal!

Squish, Body & mehr – die Regler und deren Funktionen

Die fünf Potis auf der Oberfläche des The Whaler V2 Fuzz-Pedals übernehmen folgende Funktionen:

  • Output – bestimmt die Ausgangslautstärke des Effektsignals
  • Sustain – der Effekt-Level-Regler sozusagen: sorgt für die Intensität des Fuzz-Effekts
  • Squish – sicherlich der wichtigste Regler auf dem Panel, mit ihm lässt sich die Charakteristik des Fuzz-Sounds einstellen
  • Tone – ein Filter bzw. in diesem Fall eine rudimentäre Klangregelung
  • Body – mit diesem Regler lassen sich die Mitten im Klangbild gezielt bearbeiten bzw. beeinflussen

Wer sich die einzelnen Funktionen nicht merken kann oder will, der drehe das Pedal einfach um, denn auf der Unterseite sind die einzelnen Parameter noch einmal in aufgedruckter Form zu finden. Inklusive einer kleinen Einleitung des Herstellers über das, was uns das Whaler V2 Fuzz-Pedal in die Ohren zaubern soll. Und wie genau das klingt, erfahren wir jetzt im Praxisteil.

Das Whaler Fuzz-Pedal in der Praxis

Das Einsteigen gefällt: Ohne Knacken und vor allem ohne nennenswertes Rauschen tritt das Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal seinen Dienst an. Die erzielbare Verzerrung ist fast schon zu viel des Guten und macht selbst aus einem ansonsten braven Transistor-Amp ein wahres Tiefsee-Monster. Bei den gebotenen Sounds gibt es viel Licht, aber auch einiges an Schatten und die Bandbreite zwischen einem sägenden Fuzz-Sound und einem undefinierbaren Brei ist zum Teil sehr schmal. Das liegt vor allem an der Sensibilität der Regler bzw. deren Parameter, hier sollte man sich einiges an Zeit gönnen, um den Sound des Whaler V2 an das persönliche Setup anzupassen. Da reagiert und klingt erfahrungsgemäß jeder angeschlossene Verstärker ja auf seine eigene Art und Weise.

Alle Sounds gemeinsam besitzen jedoch die unschöne Angewohnheit, beim Ausklingen des Tons das Signal mehr oder minder zu „zerbröseln“. Das klingt irgendwie nach Bit-Crusher oder Ringmodular, in keinem Fall aber nach einem Fuzz. Speziell im Klangbeispiel 2 und 3 kann man das gut hören, dort habe ich die Riffs mit hohem Sustain-Wert ausklingen lassen. Dazu kommt eine spürbare Latenz in der Signalverarbeitung: Beim Braten von Riffs spielt das vielleicht keine besondere Rolle, beim Spielen von schnellen und präzise artikulierten Linien kann das Spielgefühl daher etwas schwammig wirken.

Fazit

Ehrlich gesagt bin ich nur wenig begeistert von dem, was uns das Matthews Effects The Whaler V2 Fuzz-Pedal als Fuzz-Sound anbietet. Sicherlich kann dieses Pedal eine Menge Fuzz-Sound erzeugen, dem gegenüber steht aber vor allem der digitale Charakter, der insbesondere in der Ausklingphase durch ein regelrechtes Zerbröseln des Signals negativ auffällt sowie die Latenz, die sich vor allem beim Spielen von schnelleren Pickings bemerkbar macht. Gut hingegen zeigt sich das Pedal in Sachen Dynamikumfang und Rauschwerten, sodass es hier unterm Strich für ein „Befriedigend“ reicht.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • große Anzahl an Fuzz-Sounds
  • gute Dynamik- und Rauschwerte

Minus

  • digitaler Klangcharakter
  • Fuzz-Sounds klingen oft verwaschen und künstlich

Preis

  • 227,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    „Das Einsteigen gefällt: Ohne Kacken“

    Mäusekacke in der Probebude kennt man ja, aber Bodentreterkacke wäre dreist :D

  2. Profilbild
    Hein Bloed  

    Das Bröseln ist tatsächlich sehr aufdringlich. ein Fuzz sollte dieses Crumbling zwar beherschen, aber eher in den extremen Einstellungen und es soll vor allem organischer klingen als dieses digitale Gehacke hier. Ich habe auf der Herstellseite auch mal nachgesehen, ob das Pedal rein analog oder digital ist, da gibt es aber nur die Null-Aussage „High-grade components selected for their superior sound and response“.
    Also bleibt mein OD-850 auf dem Board.
    Mein Traumgerät für wutentbrannten Krach wäre allerdings immer noch ein Harmonic Percolator, aber den gibt es noch nicht einmal gemodellt.

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