Test: Mindflood Minijam Studio, mobiles Produktionsstudio

18. Juni 2017

Günstiges Hardware-Feeling - so geht's

Kickstarter ist eine hervorragende Möglichkeit für kreative Menschen, mit guten Ideen an Geld zur Finanzierung eben dieser zu kommen. Den beiden Jungunternehmern von Mindflood ist das mit den Patchblocks bereits schon einmal geglückt. Die frei modifizierbaren Modularsynthesizer mit Steckfunktion hatten seinerzeit schon für Aufmerksamkeit auf Kickstarter gesorgt. Mittlerweile sind die kleinen Geräte am Markt etabliert und wurden sinnvoll um weitere „Blöcke“ erweitert.

Nun steht das zweite Projekt der deutschen Unternehmer in den Startlöchern. Mit dem Minijam Studio wollen sie modulares Hardware-Feeling für jedermann bezahlbar machen. Für 199,- Euro bekommt man insgesamt vier Geräte in die Hand, die nicht nur super handlich sind, sondern mit denen man auch noch jede Menge Hardware-Spaß haben kann. Klare Kampfansage in Richtung der Korg Volca Serie. Wir hatten die Gelegenheit, uns eine offizielle Preview-Version zu sichern und haben die kleinen Powerpakete auf Herz und Nieren getestet.

Das Minijam Studio im handlichen Design

Überblick

Mindflood Minijam Studio besteht aus insgesamt vier Geräten: tek.drum, tek.waves, tek.filter und dem hub, einem Audio-Mixer, der alle drei Signale mixt und auch synchronisiert. Ebenfalls im Lieferumfang befindet sich der kleine Lautsprecher .boom, damit man auch wirklich überall jammen kann, wo man gerade Lust dazu hat. Das Tolle am Mindflood Minijam Studio ist, dass sie kaum Platz benötigen. Alle vier Geräte zusammen inklusive Lautsprecher sind kleiner als beispielsweise zwei Volca-Geräte. Der große Pluspunkt des Setups ist für viele sicherlich auch einer der größte Kritikpunkte. Wenig Platz bedeutet nämlich auch meist eingeschränktes Handling. Warum das nur teilweise stimmt, lest ihr auf den folgenden Seiten.

Für unseren Test haben wir eine Preview-Version der Geräte erhalten. Die Funktionen wie auch das Finish der kleinen Gerätschaften können sich bis zur finalen Veröffentlichung im September 2017 noch ändern. Außerdem fehlt uns für diesen Test leider das tek.filter. Wir werfen daher zunächst einen genauen Blick auf die übrigen Einheiten.

tek.drum

Das Herzstück jedes elektronischen Songs und daher auch für mich im Zentrum des Minijam Setups stehen die Drums. Der tek.drum kommt mit einem 16 Steps umfassenden Sequencer daher sowie acht verschiedenen, modulierbaren Sounds: Bassdrum, Snaredrum, Hihat, Clap, Toms, Percussion, Cymbal und Synthbass. Diese Sounds basieren zum Großteil auf Synthese und nicht lediglich auf Samples. Sie lassen sich nach Belieben anordnen oder live einspielen und in insgesamt acht Patterns speichern.

Mit dem tek.drum lassen sich satte Beats programmieren

Auf der linken Seite befinden sich vier Funktionstasten über die man die gewünschten Parameter ansteuert. Über den Shift-Button kann man den einzelnen Sound anwählen. Lässt man Shift wieder los, platziert man den gewünschten Sound im Sequencer. Das funktioniert richtig gut und man bekommt sehr schnell die ein oder andere Idee für seine Beats einprogrammiert.

Außerdem lassen sich über den Shift-Button die globalen Parameter mittels Drehregler einstellen, die da wären: Tempo, Delay Time und Delay Feedback (wobei diese vom Sound abhängig sind) und Volume. Mit dem Record-Button lassen sich die Drums live aufnehmen, wohingegen man mit einem Druck auf den Listen-Button die Sounds anhören bzw. auch stummschalten kann. Die Play-Taste startet und stoppt die Sequenz.

Die vier kleinen Potis oberhalb der Tasten regeln verschiedene Parameter der Sounds, wobei der FX-Parameter immer abhängig vom Sound ist. Bei der Bassdrum wird der Sound beispielsweise verzerrt, bei Snaredrum oder Clap wird ein Delay hinzugefügt.

Natürlich kommt der Sound über den kleinen mitgelieferten Lautsprecher nicht ganz so gut rüber, aber sobald man Kopfhörer oder gar ein paar Monitorboxen dranhängt, merkt man schnell, dass in den kleinen Gerätschaften des Mindflood Minijam Studios wesentlich mehr Wumms steckt, als man zunächst annehmen mag. Besonders die Bassdrum hat „untenrum“ gut Kraft und die anderen Sounds fügen sich super in das Klangbild ein. Ich war ehrlich überrascht, wie gut der tek.drum klingt und noch mehr darüber, wie viel Spaß das kleine elektronische Schlagzeugrepertoire macht. In Verbindung mit dem Synthbass bekommt man recht schnell seine ersten eigenen Beats, Rhythmen und sogar Arrangements hin. Die verschiedenen Patterns lassen sich nämlich verketten, sodass man ziemlich fix ein grobes Songgerüst zusammengebaut bekommt.

Ein weiteres, sehr mächtiges Feature ist die Möglichkeit, seine platzierten Sounds zu automatisieren bzw. eingegebene Parameter pro platziertem Sound festzulegen. So bekommt man wesentlich mehr Dynamik in seinen Hihat-Groove oder kann einen Clap mit einem Delay etwas mehr betonen. Mit einem Mal eröffnen sich zig neue Möglichkeiten, seine Beats noch kreativer, einfallsreicher und interessanter zu gestalten. Der tek.drum macht einfach Spaß und ist super intuitiv in der Handhabung. Sollte man allerdings doch mal nicht mehr wissen, welche Tastenkombination man gerade braucht, so kann man einfach einen Blick auf die Rückseite werfen. Hier sind alle wichtigen Befehle nochmals aufgeschrieben. Wirklich praktisch.

tek.waves

Der tek.waves ist ein polyphoner Wavetable-Synthesizer im Taschenformat und bietet jede Menge Charakter. Innerhalb des Mindflood Minijam Studios sorgt er u.a. für Melodien und Pads. Mit dem integrierten und einfach zu bedienenden Arpeggiator lassen sich auch rhythmische Elemente kreieren und in das Setup einfügen. Dank der Synchronisation über die zentrale Mixereinheit .hub ist man hier stets im Takt und erstellt sehr schnell seine ersten Hooks. Die Sounds passt man über vier Drehregler seinen eigenen Wünschen an und nimmt damit dann anschließend seine Patterns auf. Bis zu vier Patterns lassen sich speichern und abrufen.

Der tek.waves kommt mit einem mächtigen Arpeggiator daher

Das Keyboard auf dem tek.waves ist kein klassisches Keyboard mit allen Noten. Stattdessen lassen sich nur Noten abspielen, die auch in der eingestellten Grundtonleiter vorhanden sind. Clevere Idee, vor allem, da Platz natürlich sehr rar ist auf den kleinen Geräten. Ein toller Nebeneffekt: Man kann keine falschen Noten mehr spielen. Über zwei Buttons auf der rechten Seite lässt sich die gewünschte Oktave einstellen, in der man spielen möchte, während man über einen der Control-Buttons den gewünschten Dur- oder Moll-Grundton einstellt. Während der Arpeggiator läuft, kann man die auch Tonart on the fly ändern oder auch die Oktaven wechseln.

Der Sound des tek.waves ist nicht ganz so mächtig und sauber wie der des tek.drum, aber mit ein wenig Spielerei und etwas Eingewöhnung bekommt man recht interessante Klänge aus dem kleinen Synthesizer. Besonders viel Spaß macht natürlich der Arpeggiator, der mit seinen verschiedenen Modi und Spielweisen viele Möglichkeiten bietet, seine Sounds in Szene zu setzen.

.hub

Der .hub ist die Mixereinheit des Minijam Studios. Hier laufen alle Signale zusammen und lassen sich entsprechend abmischen und sogar synchronisieren. Der Mixer ist recht simpel aufgebaut. Es stehen drei Regler für das jeweilige Eingangssignal (Drums, Synth und Filter) zur Verfügung sowie ein Masterregler. Ein Kopfdruck auf den Record-Button und die aktuelle Session wird auf die SD-Karte gespeichert, die man in der Front des Geräts versenkt.

Der .hub ist die zentrale Mixreinheit des Minima Studios

Der eigentliche Clue des .hub ist die Möglichkeit, ein Clock-Signal an die Geräte zu senden und alle eingehenden Signale somit zu synchronisieren. Nun lässt sich zentral über den Drehregler des Mixers die BPM einstellen, denen alle angeschlossenen Geräte folgen sollen. Das klingt nicht nur super praktisch, das ist es auch.

Hardware

Die Platinen der kleinen Gerätschaften des Mindflood Minijam Studios sind in weiche Softplastik-Cover gehüllt. Sie sind daher natürlich nicht so robust, wie man sie sich vielleicht wünscht. Dafür sind alle wichtigen Teile komplett verhüllt und es schauen keine wichtigen Kontakte o.ä. heraus, die vielleicht Feuchtigkeit abkriegen und das Gerät beschädigen könnten. Zudem sind die Geräte sehr leicht, was sicherlich dazu führt, dass sie auch den ein oder anderen Sturz unbeschadet überstehen. Von einem Praxistest habe ich jedoch abgesehen. Der Akku ist auf der Unterseite der Platine angebracht und gewährt eine Laufzeit der Hauptgeräte von ca. 12 Stunden. Dieser wird über Mini-USB geladen.

Mit dem Minijam Studio kann man immer und überall Musik machen

Die Tasten der Geräte werden durch die weiche Plastikschale hindurch betätigt, was in der Praxis leider häufig zu ungewollten Eingaben führt. Besonders bei der „Klaviatur“ des tek.waves macht sich das natürlich bemerkbar. Live-Performances gehen einem nicht so leicht von der Hand wie bei größeren Geräten, da man häufig die falsche Taste oder gar zwei Tasten gleichzeitig betätigt. Natürlich hat man aber immer noch die Möglichkeit, seine Melodie per Arpeggiator einzuspielen, was mit dem tek.waves auch wesentlich mehr Spaß macht. Mit dem tek.drum verhält es sich ähnlich, wobei hier bspw. die Live-Aufnahme der Drums etwas besser zu funktionieren scheint.

Die Drehregler machen hingegen wieder einen hervorragenden Job. Sie sind stabil gebaut und die Finger haben ausreichend Platz zwischen den Potis, so dass man jeden einzelnen Regler bequem bedienen kann.

Die Geräte werden über Klinkenkabel verbunden und per Mini-USB geladen

Insgesamt kann man sagen, dass die Haptik und Bedienfreundlichkeit des Minijam Studios im Hinblick auf die Größe überraschend gut ist. Lediglich beim live Einspielen kann es zu falschen Eingaben kommen. Doch je länger man sich mit den Geräten beschäftigt, desto mehr gewöhnt man sich an die etwas eingeschränkte Bedienung und Fehler kommen nur noch selten vor.

Fazit

Mal ehrlich, wer hatte nicht schon mal Bock, in seinem Bett oder auf der Couch einfach mal ein wenig Musik zu machen? Was früher mit einem Kabelchaos geendet hat, ist mit dem Mindflood Minijam Studio so einfach wie nie zuvor. Und die Dinger machen tatsächlich richtig viel Spaß. Dank der super schmalen Bauweise, der Stromversorgung über Akkus und der ultraleichten Verkabelung kann jetzt jeder direkt dort Musik machen, wo er Bock dazu hat. Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich mir die Teile geschnappt, Kaffee aufgesetzt habe und dann auf der Couch nichts anderes gemacht habe, als mit den kleinen Geräten eine Runde zu jammen. Dabei gingen schon mal recht schnell 1-2 Stunden ins Land. Die Sachen, die ich gut fand, habe ich einfach per Knopfdruck aufgenommen und auf der SD-Karte gespeichert. Super easy.

Und bei dem Preis sieht man gerne mal über die kleinen Fehler der Minijam-Geräte hinweg. Ja, manchmal ist die Bedienung über das Softplastik-Gehäuse etwas fummelig und auch die Steuerung der ganzen Parameter des tek.waves Synthesizers ist dank Doppelbelegung etwas verschachtelt und nicht ganz so intuitiv. Aber mal ehrlich…für einen mehr als erschwinglichen Preis bekommt man ein portables Ministudio in die Hand, das man nicht nur überall mit hinnehmen kann, sondern das auch noch jede Menge Spaß bringt. Besonders Einsteigern möchte ich das Minijam-Studio ans Herz legen, weil man hier sehr schnell und einfach die Grundmechaniken einzelner Geräte kennenlernt. Aber natürlich ist das Minijam Studio für jeden geeignet, der einfach Spaß daran hat, schnell und einfach elektronische Musik zu machen und überall dort zu jammen, wo man gerade Lust drauf hat. Und das Ganze bekommt man zu einem Preis, der seinesgleichen sucht.

Doch bis zur voraussichtlichen Veröffentlichung im September kann sich das finale Produkt noch ein wenig verändern, doch ich bin jetzt schon von dem Studio im Hosentaschenformat überzeugt.

Plus

  • intuitives und mobiles Design
  • guter Klang
  • hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Aufnahmefunktion

Minus

  • enge Tastenbelegung
  • teils verschachtelte Funktionen beim tek.waves
  • Sofaplastik-Cover

Preis

  • voraussichtlicher Preis: 199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    L. Lammfromm  

    Die Hörbeispiele sind liebevoll gemacht worden, aber die Synthengine, ähem, janun. Ich glaube, das geht besser. Das Produkt hinterlässt mich enorm zwiegespalten und im Zweifel – trotz Mehrpreis – ist die Volca-Serie für mich dann deutlich interessanter. Auch könnte man für einen noch übersichtlichen Mehrpreis sich gleich ein gebrauchtes Ipad Air holen (vielleicht 200 Euro in der Wlan-Variante oder knapp mehr) und dazu dann Korg Gadget.
    .
    Ich denke, das macht auf Dauer mehr Spaß und gibt auch besseren Sound. Dennoch, so begrenzt sie im Variantenreichtum auch waren, die Drumsounds fand ich ebenfalls ziemlich beeindruckend.

  2. Profilbild
    Teufelskerl  

    Prinzipiell nicht uninteressant und da da die Leute von Patchblocks dahinterstecken, auch ein recht sicherer Kickstarter.

    Aber ich hab schon ein IPad Air 2 mit dem ich so ziemlich das Gleiche machen kann, ohne Geräte verkabeln zu müssen.

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      h.weller  RED

      Naja, das ist6 ja genau einer der Punkte um die es hierbei geht. Man WILL ja was zum anfassen und verkabeln haben. Und günstigeres Hardware-Feeling bekommt man meines Wissens noch nirgends.

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    moeins

    Ich habe das Komplettpaket bei Kickstarter zum guten Kurs geordert und hatte bereits Kontakt zu den Entwicklern. Kaufgrund war letztendlich das man das System sehr einfach mit der Korg Volca Serie und der Teenage Engineering Serie verbinden und synchronisieren. Warum Hardware? Mein iPad mit zahlreichen Softsynths liegt in der Ecke herum. Es sind halt keine Drehknöpfe zum schrauben dran…

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    Roman Groschen  

    Hab sie heute bekommen. Leider weicht das Design total von der Vorserie ab. Aber die ersten Tests sind vielversprechend. Der Lautsprecher ist jedoch wirklich nur als kleines Gimmick zu betrachten. Über die Monitore kommt dann doch ordentlich was aus den kleinen Biestern raus… Das ganze wirkt auf mich wie eine Mischung aus Volca und PO-`s. Bedinung ist schnell gelernt und hinten/unten stehen auch alle Funktionen nochmals aufgelistet.
    Also: Daumen hoch!

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      AMAZONA Archiv

      Ja, sehe ich genauso. Ist irgendwo zwischen Volca und Pocket Operator. Leider ist das mit dem Sync und Audio etwas unglücklich gelöst. Um die Minijams mit Volca, PO und anderen zu Synchronisieren benötigt man ein Kabel welches ich bisher noch nicht gefunden habe: Ein Y-Kabel Miniklinke Stereo auf Miniklinke Mono (wegen Sync In und Audio Out in einem Kabel…). Wäre Cool gewesen wenn der Mixer einen separaten Sync In gehabt hätte, dann wäre das alles kein Thema gewesen. Ich muss mir also was selber basteln…
      Trotzdem hier schon mal mein erster Jam mit dem Minijam ;-) https://youtu.be/7pUOfyTOZUc

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        Emmbot  

        Auf Amazon „3,5 mm Stereo Klinkenstecker Zum 2x Mono 3,5 mm Klinkenstecker“ suchen, kostet ca. 3 Euro das Meterkabel.

        Ich habe das 3 mal bestellt und in Verbindung Minijam, PO und Volca getestet. Funzt einwandfrei.

        Video schon in der Wartezeit auf mein Minijam Studio geliked.

  5. Profilbild
    n-Orb

    JiInteressanter Test! Aber „praktisch für unterwegs“ stell ich mi anders vor…
    4 kleine „Wabelkisten“ die an etlichen Kabeln rumbaumelen…
    Meine Lösung: 10zoll Tablett mit korg nanokey Studio (Bluetooth) und Caustic !! Das ist handlich, quadratisch, gut ;-)
    Zur not kann man das Keyboard auch weglassen…

    Und wer ne richtige Tastatur brauch greift zu akai mpk mini oder nem Miditech icontrol 32..
    Soundtechnisch ist man da auch flexibler

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