Test: Korg Volca Kick, Analog Groovebox

29. Oktober 2016

Kick in den Schritt

 

Korg Volca Kick ist ein Kick-Drum-Generator bzw. monophoner Bassline-Sequencer und der neuste Zugang in der Handtaschen-Synthiefamilie der Volca. Ein weiteres Mal bedient sich Korg bei der eigenen MS-10/20 Vergangenheit und beschert uns nun einen Bass-Synthesizer, dessen Basis das legendäre Filter ist.

Master-Ingenieur Tatsuya Takahashis wird anscheinend einfach nicht müde, neue Ideen zu realisieren und der Erfolg gibt ihm recht. Fast jeder hat inzwischen irgendwo einen Volca Keys, Bass, Beats, Sample oder FM im Studio stehen. Denn die Volcas erfüllen nicht nur das spontane Hardware- und Analogbedürfnis, sondern bieten auch eine Menge fürs Geld und sind – was am wichtigsten ist – musikalisch sinnvoll einzusetzen. Ob das alles auch für die Korg Volca Kick zutrifft, lesen Sie im Test.

Eine Warnung zu den Audiodemos

Die meisten Beispiele, besonders die mit Drive-Einsatz, wurden bei ca. -3 bis -1 dBFS aufgenommen. Die natürliche Lautstärke der Kick musste bei der Aufnahme um 1 dB abgesenkt werden, um Clipping zu vermeiden. Die Demos sind daher sehr laut und sehr tieffrequent! Von der Wiedergabe über Multimedia-/ Laptop-Lautsprecher wird dringend abgeraten.

Auspacken

Die Kick kommt – wie alle Volcas – in einem stabilen Pappkarton und einer dünnen geschäumten Kunststoffschutzhülle. Des Weiteren werden ein Informationsfaltblatt, ein Sechserpack AA-Batterien zum Betreiben jenseits der Steckdose und ein ca. 30 cm langes 3,5 mm Stereoklinkenkabel mitgeliefert. Das Kabel kann auch zum Anschuss an ein Mischpult bzw. Verstärker dienen, ist aber wohl eher als Sync-Kabel zwischen zwei Volcas gedacht. Doch da die Sync-Polarität für Eingang und Ausgang getrennt eingestellt werden kann, lassen sich die Volcas ja mit fast allem synchronisieren. Die Abmessungen der Kick sind mit DIN-A5 gut umschrieben und das Gewicht beträgt 363 g.

An Anschlüssen gibt es einen 9V-Anschluss, aber kein beigelegtes Netzteil. Die Größe der 9V-Buchse folgt dem japanischen Standard JEITA (4,0 x 1,7), während in Deutschland DIN (5,5 x 2,1) üblich ist. D.h. die Strombuchse einer Volca hat einen kleineren Durchmesser. Deswegen sollte man beim eventuellen Nachkauf eines 9V Netzteils darauf achten, dass es auswechselbare Stecker hat, sofern man sich kein Netzteil von Korg holen will. Wie alle Volcas hat auch die Kick einen Netzschalter.

Darüber hinaus gibt es noch den MIDI-DIN-Eingang, jeweils einen 3,5 mm Klinkenstecker für Sync-In und Sync-Out und eine 3,5 mm Stereoklinke für den Audioausgang. Was bei den meisten anderen Volcas gilt, gilt auch hier: Wenn der Sound nicht ganz so knackig rüberkommt, sollte man sicherstellen, ein Stereoklinkenkabel zu verwenden. Bei der Volca Beats z.B. machte das den Unterschied zwischen Tag und Nacht aus. Zeit für das Wesentliche.

We will Kick you!

Korg Volca Kick

Korg Volca Kick

Die Korg Volca Kick ist, wie eingangs erwähnt, bei der Klangerzeugung lediglich auf einem Filter, genauer den Filtern des Korg MS-20, aufgebaut. Keine Oszillatoren, keine Samples sind zu finden. Warum ist das was Tolles? Für die meisten Amazona Leser ein alter Hut, aber vielleicht gibt ja Synthesizerneulinge, die mitlesen:

Bekanntlich wird die Charakteristik eines Filters dadurch festgelegt, auf welcher Seite der einstellbaren Cutoff-Frequenz die Frequenzen abgedämpft werden. Werden die Frequenzen, die höher sind als die Cutoff-Frequenz in der Lautstärke gedämpft, ist es ein Tiefpassfilter, weil es eben tiefere Frequenzen unbehelligt durchlässt. Beim Hochpassfilter verhält es sich genau anders herum. Werden die Frequenzen auf beiden Seiten des Cutoffs abgedämpft, ist es ein Bandpassfilter usw. Den Verlauf der Lautstärkedämpfung nennt man Flankensteilheit und wird in dB pro Oktave angegeben. So sind. z.B. bei einem 6 dB Tiefpassfilter Töne, die jeweils eine Oktave höher sind nur noch jeweils halb so laut. Das wirkt sich stark auf die Klangfarbe eines Audiosignals aus.

An der Cutoff-Frequenz gibt es schaltungsbedingt eine Rückkopplung mit dem Filterschaltkreis. Diese Resonanz am Cutoff-Punkt lässt sich üblicherweise mit dem Resonanzregler verstärken und ist musikalisch gerne gesehen. Bei guten Filtern geht die Resonanzverstärkung sogar soweit, dass durch die Signalrückkopplung (Feedback) das Filter in Eigenschwingung (Selbstoszillation) gerät, ohne dass ein externes Audiosignal anliegt. Das Ergebnis ist ein reiner Sinuston mit der Frequenz des eingestellten Cutoffs. Dieses Phänomen ist soundtechnisch für viele Zwecke zu gebrauchen, z.B. für extreme Sub-Bässe oder eben für Kickdrums.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dacci Pucci  

    So sehr mich das Konzept der Volca Kick begeistert, so wenig überzeugt mich der Klang. Ich habe bisher in keinem Demo eine (zumindest für meine Produktionen) verwertbare Kickdrum herausgehört. Da klingen Jomox MBase 11 und auch Vermona Kick Lancet meines Erachtens besser und vor allem brauchbarer. Zumindest für meine Musik.

    • Profilbild
      tomk  

      @Serlamente
      Geht mir absolut genauso, auch hier nicht ein einziger Kick der für mich verwertbar wäre. Schade, war der erste Volca der interessant sein hätte können (habe ms20m, Korgasmatron 2, MB11).

  2. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo M.

    ich würde sagen in Sachen sequenzter Kickbass hat Korg gegenüber den EHXen die Nase vorn. An den EHXen ist Knöpfe drehen Pflicht. Und dann ist immer noch das Problem der Reproduktion. Hier spricht vieles für die Kick. Ich hab meine Brot und Butter Kicks, Toms, Zapps, Crashes und Sweeps alle im Sampler, resp. Volca Sample. Aber so eine Kick ginge dann doch noch.

  3. Profilbild
    Atarkid  AHU

    DIE Bassdrum gibt’s doch eh nicht. Normalerweise wird da doch gelayert bis der Arzt kommt. Und da ist der Volca Kick sehr interessant, weil er durch das organische „Gewaber“ noch die Steps zwischen den eigentlichen Kicks füllen kann. Finde ich sehr interessant. Aber klar, ist nicht für jeden…

    • Profilbild
      tomk  

      @Atarikid
      Absolut … dem folgend ist meist eine DAW im Einsatz. Somit ist der Kick, den ich eher Klick nennen würde, hinfällig. Auch die neuen Kicks von Markus können mich nicht locken, ganz im Gegenteil. Sehr viele Nebengeräusche, und das sollte beim Layern absolut nicht vorhanden sein. Aber … Volca Klick ist eine Option, die ich mal antesten werden im Laden meines Vertrauens. :)
      @sibbold
      Ich habe bisher keine gehört, leider.

  4. Profilbild
    sibbhold  

    Ich würd auch gern wissen, ob man damit einfach nur schöne Kicks machen kann. Und welche Sweetspots es dabei gibt. Es scheint aber, als lädt die Kiste die Tester immer zu mehr ein.

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