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Test: Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB, E-Gitarre

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27. Dezember 2022
Test: Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB, E-Gitarre

Test: Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB, E-Gitarre

Wer den asiatischen Hersteller Mooer kennt, weiß, dass wenn sich die Chinesen erst einmal etwas vorgenommen haben, sie wirklich alles in Bewegung setzen, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass der Hersteller, welcher den meisten Musikern aus dem Bereich FX-Pedale bekannt sein dürfte, den Bereich seiner neuen E-Gitarren Linie mit der Bezeichnung GTRS konsequent ausbaut und sich dabei auch nicht scheut, Modelle in die Tat umzusetzen, welche bei den großen, zumeist eher traditionell gehaltenen Konkurrenzfirmen auf Ablehnung stoßen dürften. Die zum Test vorliegende Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB beinhaltet somit einige Besonderheiten und setzt ihren Fokus eindeutig auf Transportabilität.

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Das Konzept der Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB

Sowohl optisch als auch in Sachen Elektronik begeht die Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB einen sehr eigenen Weg. Der elektronische Bereich bzgl. des Tone-Modelings wurde von mir bereits ausgiebig im Test der Mooer GTRS P800 besprochen, von daher möchte ich mich in diesem Test mehr auf den analogen Bereich der Gitarre konzentrieren, da der digitale Bereich bei beiden Instrumenten identisch ist.

Bei der Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB handelt es sich, wie man leicht auf den ersten Blick erkennen kann, um eine Headless-Gitarre, demnach um ein Modell, das in den letzten Dekaden stark an Popularität eingebüsst hat. Nachdem Ned Steinberger Anfang der Achtziger mit seinem radikalen Design den Urvater aller Headless-Instrumente an den Start brachte und damit eine gigantische Modewelle lostrat, wurde es spätestens in den Neunzigern sehr ruhig um die fehlende Kopfplatte, entsprach der harte Cut oberhalb des Sattels von der Ästhetik her nur sehr wenigen Musikern.

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Was man allerdings den kopflosen Instrumenten zugutehalten muss, sind ihre durchweg sehr geringen Abmessungen, was gerade bei der Verwendung eines Gigbags große Vorteile in Sachen Transportabilität mit sich bringt und insbesondere in Zusammenarbeit mit der intern verbauten Elektronik und dem damit ermöglichten Verzicht auf Verstärker, Cabinets und Lautsprechern neue Möglichkeiten mit sich bringt. Sich dessen bewusst, hat Mooer dem Instrument auch gleich das passende, in der Verarbeitung hochwertige Gigbag beigefügt, was die Abmessungen einer Tennisschlägertasche nur geringfügig übertrifft. Von einer echten Reisegitarre würde ich dennoch nicht sprechen, da das Instrument weder einklappbar ist, noch aus Abmessungsgründen auf eine Kindermensur zurückgreift. Insgesamt gesehen ist das nur 2,5 kg schwere Instrument mit den Abmessungen (L x B x H): 820 mm x 297 mm x 60 mm als mehr als nur als handlich zu betrachten.

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB Test

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB Back

Headless E-Gitarre von Mooer

Der Besonderheiten nicht genug, richtet sich die Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB mit ihrem Fanned Fret Griffbrett noch einmal im Besonderen an die Prog-Fraktion, auf dass alle Saiten über eine möglichst gleichmäßige Saitenspannung und der damit verbundenen Ein- und Ausschwingphase verfügen. Dabei hat man sich für die Lösung entschieden, bei der der Nullbund im regulären rechten Winkel zum Hals steht und sich die 24 Jumbo-Bünde aus Neusilber gleichmäßig Richtung Brücke verschieben, so dass unter dem Strich eine Mensur von 640 – 648 mm zum Einsatz kommt.

Reguläre Saitensätze werden wie bei einer Standard-Kopfplatten-Gitarre mit den Ballends an der Brücke eingehakt, hinter dem Nullbund mittels sechs Inbusschrauben fest geklemmt und dann mittels sechs „Drehrohrmechaniken“ in die nötige Stimmung gebracht. Dieser Stimmvorgang ist allerdings nicht so komfortabel wie bei einer regulären Kopfplatte, da nur sehr wenig Platz zwischen den Mechaniken vorhanden ist und der Kraftaufwand deutlich höher ist als bei regulären Tunern. Mit ein wenig Übung gelingt dies aber auch recht gut, wobei man jedoch das schnelle Umstimmen zum Beispiel auf Drop-D getrost in der Pfeife rauchen kann.

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB
Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Was Mooer meines Erachtens nicht gut gelöst hat, ist der obere Halsabschluss unterhalb der Klemmschrauben. Vielleicht ist euch schon einmal aufgefallen, dass nahezu alle Gitarren- und Basskopfplatten nach dem Sattel einen relativ weichen Übergang hin zur ersten Stimmmechanik haben. Der Grund liegt darin, dass sich die Greifhand bei tiefen Bünden, insbesondere des ersten Bundes, hinter dem Sattel befindet und deshalb etwas „Space“ in diesem Bereich benötigt. Bei der Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB haben wir diesen Space leider nicht, vielmehr keilt das Halsholz, welches aus einer 5-fachen Mischung von geröstetem Ahorn und Palisander mit Palisander-Griffbrett besteht, unmittelbar hinter dem Nullbund nach rechts und links aus, so dass man seine Greifhand nur im rechten Winkel zum ersten Bund platzieren kann. Alternativ muss man über die Klemmschrauben greifen, wobei beide Lösungen eine sehr ungelenke und ergonomisch fragwürdige Lösung darstellen. Hier sollte meines Erachtens nach Mooer auf jeden Fall nachbessern, da der Spielkomfort erheblich darunter leidet.

Welche Hölzer verwendet die Headless E-Gitarre?

In Sachen Hölzern geht die ansonsten vergleichsweise futuristische Gitarre einen eher traditionellen Weg. Neben dem bereits beschriebenem Ahornhals, welcher 4-fach verschraubt wurde, kommt ein Korpus aus amerikanischer Erle zum Einsatz. Die Korpusform der Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB erinnert ein wenig an das seiner Zeit leider recht unpopuläre Ibanez Reb Beach Modell aus den Achtzigern, wobei selbiges jedoch mit einem Floyd Rose Vibratosystem ausgestattet war.

Die Cutaways des Korpus sind sehr großzügig bemessen und ermöglichen nicht zuletzt aufgrund ihres guten Shapings eine lockere Bespielbarkeit der hohen Bünde. Auch der klassische Rippenschoner fehlt nicht und erleichtert das persönliche Spiel im Zusammenspiel mit dem ebenfalls gerne verwendeten Armauflagen-Shaping. Die Lackierarbeiten sind tadellos ausgeführt, zudem wurde das Instrument von Haus aus gut eingestellt.

Das Shaping des Halses wird mit Standard-C angegeben, was die Ausführung gut beschreibt, wenngleich der Hals vergleichsweise schmal ist. Diese Tatsache wird Musiker mit kleinen Händen sehr entgegen kommen, zumal die mittlere Mensur auf den Diskantsaiten diesen Eindruck untermauert. Wer jedoch über echte „Schaufeln“ als Hände verfügt, sollte im Zweifelsfall einmal ausprobieren, ob er mit diesen Abmessungen zurecht kommt.

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB Test

Mooer GTRS Guitars Wing 800

Die Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB in der Praxis

Wie immer, wenn ich eine Headless-Gitarre in die Hand nehme, verwechsle ich grundsätzlich den siebten mit dem fünften Bund. Die fehlende Kopfplatte bedarf einer komplett neuen Justierung meiner optischen Wahrnehmung, insbesondere wenn die zunehmend schräger verlaufenden Bünde ihren Teil dazu beitragen. Das Problem erledigt sich aber relativ schnell, von daher sollte man dieser Tatsache nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken.

Interessanterweise nimmt man das Fanned-Fret-Griffbrett bis zum 12. Bund kaum wahr, erst in den oberen Lagen kommt der ungewohnte Bundabstand zum Tragen, insbesondere wenn es um Mehrklänge geht. Hier muss man ggf. seinen persönlichen Fingersatz etwas umstellen, was aber auch erstaunlich schnell funktioniert, sofern man stets ein Auge auf das Griffbrett richtet. Trotzdem ist es interessant, wie sehr das allgemeine Schwingungsverhalten von der gleichmäßigeren Saitenspannung profitiert. Der allgemeine Klangeindruck ist runder, ausgeglichener und hinterlässt einen wirklich guten Eindruck, zumal das Schwingungsverhalten in Sache Sustain allein schon durch den gerösteten Hals deutlich an Qualität gewinnt.

Leider können mich, wie auch bereits bei dem P800 Modell, auch bei diesem Modell die hauseigenen GTRS HM-2N/HM-2B Alnico V Humbucker Pickups nicht wirklich überzeugen. Der Grundklang ist mir persönlich zu harsch und „beißt“ mir zu sehr in den hohen Mitten, was leider den sonst rundum gelungenen Eindruck des Instruments doch etwas schmälert. Sieht man das Ganze jedoch im Zusammenhang mit dem Prozessorsystem, auf dem nach wie vor der Fokus des Instruments liegt, bekommt man für etwas über 1.000,- Euro ein sehr flexibles Handwerkszeug, dessen praktische Verwaltung in Sachen Transportabilität und Flexibilität viele Hobby- und Cover-Musiker genau dort abholt, wo sich viele Musiker in ihren Ansprüchen sehen.

Wie bereits erwähnt, möge man sich die Prozessor-Klangbeispiele bei oben genanntem Testbericht anhören, in diesem Test gibt es ausschließlich analoge Sounds über die intern verbauten elektromagnetischen Pickups. Die Klangbeispiele wurden über einen Hughes&Kettner Triamp MKIII, eine Marshall 412er mit Celestion G12 75T und 2 Stück Shure SM57 erstellt, alles mit Cordial Kabeln verbunden. Es handelt sich dabei um keine Emulationen, Profiles, Plug-ins oder sonstigen Imitationen, sondern um die analogen Originale.

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB Test

Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB im Studio

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Fazit

Mit dem Mooer GTRS Guitars Wing 800 Int PB bietet der chinesische Hersteller ein weiteres Modell aus dem Intelligent Process System Bereich an. Die Gitarre ist sehr leicht, besitzt nur geringe Abmessungen und bietet durch die Kombination von analogem und digitalem Gitarrensignal viele Möglichkeiten, mit möglichst wenig Transportaufwand möglichst viele Klänge zu erzeugen.

Wer nur mit einem winzigen Gitarren-Gigbag plus eventuell einem Fußschalter und zwei Kabeln zum Gig oder zur Probe fahren radeln möchte, sollte das Instrument einmal antesten.

Plus

  • Abmessungen
  • Verarbeitung
  • Sustain-Verhalten

Minus

  • Headstock-Abschluss

Preis

  • 1.096,- Euro
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Klangbeispiele
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