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Test: Pearl President Deluxe, Schlagzeug

26. November 2021

This President is King

Pearl President Drum Set test

Pearl President Deluxe, Schlagzeug

President. Das klingt, nun ja, präsidial. Nach Macht, Autorität, Zuverlässigkeit. Auch ein wenig nach Luxus. Pearl hat 55 Jahre nach der Erstauflage und zum 75. Firmenjubiläum das Pearl President Set neu aufgelegt. Hält es, was der Name verspricht?

1966 hatte Pearl sein erstes Drumkit unter eigenem Namen auf den Markt gebracht. Vorher hatte man sich auf die Herstellung von Trommeln für andere Hersteller/Marken konzentriert. Die Neuauflage orientiert sich optisch und technisch sehr genau an der historischen Vorlage, profitiert aber natürlich von Pearls mittlerweile 75-jähriger Erfahrung im Trommelbau.

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Das Original von 1966 …

Zusätzlich zum Testset hat uns der Vertrieb auch einen Vintage-Style Flatbase-Hardware-Satz mitgeschickt. Außerdem eine Dennis Chambers Signature Snare mit gegossenem Aluminiumkessel. Dazu später mehr.

Pearl President Deluxe – Übersicht

Die Kessel der President-Serie bestehen – wie das Original – aus philippinischem Lauan Holz. Die 6 Lagen bringen es zusammen auf 7,5 mm Wandstärke. Die Kanten sind 45 Grad geschnitten und leicht gerundet. Das vergrößert die Auflagefläche für das Fell leicht und verleiht Trommeln im Vergleich zu scharf geschnittenen Kanten einen etwas weniger knalligen, leicht verkürzten und gedämpften Sound. Also ziemlich genau das, was man von einem Vintage-Set erwartet.

Die Spannreifen sind moderne 2,3 mm Superhoops, die Lugs – von Pearl leicht martialisch „Battleship-Lugs“ getauft – entsprechen optisch dem Ur-President, ebenso wie das „Script Badge“ auf den Trommeln und das Pearl-Logo auf dem Bassdrum-Frontfell. Die Standtombeine sind die bekannten Pearl-Air Suspension Beine. Meiner Meinung nach die einfachsten und besten Standtom-Beine auf dem Markt. Sie sorgen für eine sauber schwingende Trommel und vermeiden, dass das Tom abgewürgt klingt. 

… und das Remake von 2021

Als Vintage-Schmankerl gibt’s noch verstellbare Innendämpfer bei den Toms sowie einen Beckenhalter auf der Bassdrum. Letztere wird außerdem mit einem Kissen geliefert, das auf Klettbändern für verschiedene Dämpfungsgrade befestigt wird. Außerdem liefert Pearl noch einen Filzstreifen als weitere Option zur Bassdrum-Dämpfung mit. Mehr Vintage geht nicht.

Alles so wie früher

Der Hardware-Satz besteht aus 2 Beckenständern, davon einer mit Galgen, einer HiHat und einem Snare-Ständer. Alle Teile sind völlig ausreichend stabil, wackeln und rutschen nicht und warten mit professionellen Features auf, wie den stufenlos verstellbaren Becken-Tiltern und neuartigen Filzen, die zur Hälfte aus einer Gummischicht bestehen. Eine Besonderheit der Pearl Flatbase Ständer ist die Möglichkeit, die Beine im Handumdrehen wie bei einem normalen Ständer zu montieren. Das erleichtert bei größeren Setups, die Ständer in-/übereinander zu stellen. Chapeau! Die HiHat ist trotz ihres eher zierlichen Aussehens sehr stabil und sollte auch im rauen Live-Alltag keine Probleme machen. 

Flatbase oder Standard – geht beides

Snare des Pearl President Sets

Für das President Set gibt es auch eine passende Snaredrum in 14×5.5, die stand uns zum Test aber leider nicht zur Verfügung. Als Entschädigung hat uns Pearl eine nicht minder interessante Trommel geschickt. Das 14×05 große Dennis Chambers Signature Modell hat einen gegossenen Aluminiumkessel, der 3 mm dick in der Mitte und 5 mm an den Kesselrändern ist, also sozusagen über integrierte „Verstärkungsreifen“ verfügt.

Eine weitere Besonderheit ist die unterschiedliche Zahl der Böckchen auf beiden Seiten. Zwölf auf der Ober- und acht auf der Unterseite. Damit kann man das Schlagfell sehr fein und gleichmäßig tunen. Für die Unterseite sind acht Stimmschrauben allemal genug. Der Hebel der Snare-Abhebung kann außerdem in drei verschiedenen Positionen arretiert werden, womit man schnell mal die Teppichspannung variieren kann. 

Nicht Vintage aber auch schön – Dennis Chambers Sig. Snare

Nun aber zum eigentlichen Star des Tests, dem President Shell-Set. Wir hatten die kleinere der beiden Varianten zum Test, bestehend aus einer 20×14 Bassdrum, 14×14 Standtom und 12×08 Tom. Das Größere der momentan erhältlichen Shellsets besteht aus einer 22×14 Bassdrum, 16×16 Standtom und einem 13×09 Tom. Was ich persönlich großartig finde, ist das Fehlen jeglicher Tom-Halterung an den 12 und 13 Toms. Die Dinger muss man auf einen Snare-Ständer packen oder halt (Spielverderber!) einen R.I.M.S.-Style Tomhalter montieren. 

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Beim Test hatte ich das 12er Tom auf dem mitgelieferten Flatbase-Ständer montiert und konnte keine störende Beeinträchtigung des Sounds feststellen. Der Trick beim Montieren von Toms auf Snare-Ständern ist, den Korb einfach locker zuzuschrauben und die Trommel nicht wie in einen Schraubstock zu spannen.

Wüste oder Wasser – Desert oder Ocean Ripple Finish

Welche Optik bietet das Pearl President Set?

Das Finish des Testsets nennt sich Ocean Ripple und sieht fantastisch aus. Momentan bietet Pearl die Sets in nur einem weiteren Finish – Desert Ripple – an. Das ist jetzt kein Überangebot aber wie man hört, soll das President fester Bestandteil des Pearl Katalogs werden und mein Gefühl sagt mir, da kommt noch was. Sowohl an Farben als auch an Trommelgrößen. (Wenn das Bonzo-President mit 26,14,16,18-Größen rauskommt – bitte direkt zu Amazona schicken!)

Ein weiterer Pluspunkt ist das sehr geringe Gewicht der Trommeln. Als ich den Karton mit der Bassdrum angehoben habe, konnte ich gar nicht glauben, dass da eine 20 Zoll große Trommel drin sein soll!

Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es natürlich auch: Die Felle, und das ist eine kleine Enttäuschung, sind klare CS von Remo – allerdings keine USA-Felle, sondern aus China. Da hätte ich mir für den Straßenpreis von knapp 1.700,- Euro dann doch die Besseren gewünscht.

Ein weiterer kleiner Minuspunkt betrifft die Filze auf dem Beckenhalter der Bassdrum. Diese sind viel zu dick und steinhart. Ich hätte hier gerne die gleichen wie auf den Flatbase-Ständern gehabt. Ein Feature, das ich persönlich nie benutze, sind die Innendämpfer. Sie sind zwar technisch top gemacht, lassen sich fein justieren und klappern nicht, wie es bei Vintage-Sets oft der Fall ist, aber die Art, wie sie den Sound dämpfen, hat mir noch nie gefallen. Und wird es wohl auch nie. Das ist aber reine Geschmacksache. Das war es aber auch schon mit Gemeckere, denn jetzt kommen wir zum Eigentlichen, dem Sound.

Wie klingt das Pearl President Set?

Und da geht aber so was von die Sonne auf! Die Toms klingen schon aus dem Karton heraus gut und nach minimalem Feintuning erklingen sie in mittlerer Stimmung wunderbar warm und mit perfektem, nicht zu kurzem und nicht zu langem Sustain. Außerdem ist die Artikulation sehr definiert, auch bei schnellen Singles hört man jeden einzelnen Anschlag sauber heraus. Die Trommeln wummern nicht.

Ein Knaller ist auch die Bassdrum. Mit dem mitgelieferten Kissen am Schlagfell und dem Filzstreifen am geschlossenen Resonanzfell hat sie einen wunderbaren Attack und Ton mit schönem Punch und Volumen. Das Ding macht richtig Spaß und man kann den Sound schön kontrollieren, je nachdem, ob man den Beater springen lässt oder ihn im Fell „vergräbt“.

Etwas tiefer gestimmt bekommt das Set noch etwas mehr Punch, die Toms behalten aber ihren tollen definierten und warmen Attack. Hier klingen die Trommeln größer und erwachsener, als die Maße vermuten lassen. Und das alles mit REMO made in China Fellen. Respekt. Wie geil klingt das Set wohl erst mit noch besseren Fellen?

Eine Freude für die Ohren war auch die Dennis Chambers Snare, die – wenn auch nicht optisch – wunderbar zum Set gepasst hat. 

Aber hört nicht auf mich, sondern schaut und hört euch das Video an und macht euch selbst beim Händler eures Vertrauens ein Bild.

Equipment für die Audioaufnahmen: 2x AKG C214 (OH), Audix D6 (BD), Presonus Interface, MacBook Pro mit Logic Pro.

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Fazit

Man bekommt ja als Tester fast ein schlechtes Gewissen, wenn man eigentlich nichts zu meckern hat. Ist man objektiv genug? Hat man was übersehen? Egal! Ich sage es, wie es ist: Das Pearl President Set ist ein Knaller. Es ist absolut professionell gemacht. Kessel und Hardware sind auf höchstem Niveau. Es sieht gut aus und klingt hervorragend. Was will man mehr? Der Preis ist vollkommen angemessen und wenn Pearl das Angebot an Trommelgrößen und Finishes noch erweitert, muss sich die Konkurrenz sehr warm anziehen. Von mir gibt es drei dicke Sterne!

Plus

  • Verarbeitung
  • originale Vintage-Optik
  • toller Sound
  • geringes Gewicht

Minus

  • keine USA-Felle
  • kleine Auswahl an Größen und Farben

Preis

  • 1.649,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    zeitlos  

    Mein erstes richtiges Schlagzeug war von Pearl. Das war 1974. Das Schlagzeug hat in den Kesseln eine dicke Kunststoffbeschichtung. Ich schreibe „hat“, denn ich habe es immer noch. Es steht zusammengelegt auf dem Boden, da ich es nach 15 Jahren und ca. 800 Auftritten durch ein aktuelles Schlagzeug, was moderner klang/klingt, ausgetauscht habe. Obwohl es durch den harten Einsatz ziemlich verkratzt ist, ist es technisch immer noch einwandfrei und wird auch ab und an noch bei Revivalkonzerten benutzt.
    Zum damaligen Kauf noch ne kleine Anekdote. In den früheren 70igern hatte japanische Ware noch nicht den sehr guten Ruf wie einige Jahre später. Eher einen schlechten. Billigware halt. Ich war damals eigentlich total scharf auf ein englisches oder amerikanisches Schlagzeug ( die deutschen Sonorschlagzeuge waren in der Rockszene als Tanzmuckerdrums verpönt [was für ein Fehler! ]). Als Schüler konnte ich mir diese nicht leisten. Da zeigte mir der Verkäufer das Pearl! Ich sagte, ach nee doch kein japanische Ware! Der Verkäufer antwortete, nein nein, da wäre zwischenzeitlich bei der Qualität doch ne Menge passiert. Ich überwand mein Vorurteil und schaute mir die Kiste genauer an. Und kaufte es anschließend. Hab´s nicht bereut.

  2. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Für dem Preis von unter 2k macht es wirklich einen guten Eindruck. Finnish sieht mega aus (Erinnert an Ludwig-Pearl-Style). Das die Felle ab Werk meist nur als Staubschutz dienen, ist allgemein bekannt. Ausnahmen mag es geben. Dennoch würde ich immer einen kompletten Neusatz mit einplanen (zumindest bei den Snare & Tom-Schlagfellen) Übrigens: Der Klang von Innendämpfer, besonders bei der Snare, war auch noch nie meines. Ich benutze stattdessen einen klassischen Dämpfungsring. Bei den Tom-Toms klingt er besser.

  3. Profilbild
    Polyphone  

    Kilingen sehr gut, die Töpfe und Teller. Erinnern mich an den Klang der alten Disco Lieder aus den Siebzigern. Ein sehr schöner Klang, der anfang der Achtziger irgendwie verschwand und gegen hohlklingenden Blechdosen-Sound ausgetauscht wurde. Wäre ich Schlagzeuger, würde ich mir das wahrscheinlich kaufen. Vielleicht kauf ich mir das um es zu samplen? Hmmm…

    Ich frage mich, was ende der 70er an der Bauweise von Schlagzeuginstrumenten geändert wurde, daß der Sound sich so sehr verändert hat, von satt und kräftig tsischernd (Buff Dschhh Bssssssssss!) nach hohl und blechern (Poink Boing Pang!)?

    • Profilbild
      Filterpad  AHU

      Gute Frage. Ich kenne mich nicht aus, aber hier mal meine Einschätzung: Ich denke das hat weniger mit der Bauweise der Sets zu tun (sicherlich auch), sondern eher mit den Fellen und der Trend zur Dämpfung. Früher benutze man einwandige Felle, mit kaum Dämpfung. Heute eher Ölfelle und diese hart gedämpft. Ebenso gab es noch keine blechern-klingenden Metalbecken (Musikgenre). Aber wie bei allem gibt es auch hier einen Trend zum Vintage-Gegentrend. Ich benutze z.B. einwandige Felle ungedämpft mit Vintage-Logo und white-Sandbestrahlt. Eben pure 60er. :) Liegt aber auch an meinem Set.

    • Profilbild
      Peter Zettl  RED

      Ich würde noch hinzufügen, dass sich die Recording-Möglichkeiten seit den 60ern doch sehr geändert haben, außerdem sind Drumsounds immer der Mode bzw. dem Zeitgeist unterworfen. Und dann klingen Drums in einem Be Bop-Trio ja auch grundsätzlich anders als bei einer Metal-Band. Alles eine Frage des Stils. Und mit einem guten Drumset kann man im Prinzip alles machen.

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