Test: PRS SE Hollowbody FR, E-Gitarre

18. Februar 2020

Eine erschwingliche PRS Hollowbody!

PRS SE Hollowbody FR Fire Red E-Gitarre

PRS SE Hollowbody FR Fire Red E-Gitarre

Was einst als Idee von Carlos Santana und Paul Reed Smith entstand, hat sich mittlerweile zu einer festen Institution im Gitarrenmarkt etabliert. Die Rede ist von der PRS SE-Serie, die auch Musikern mit weniger gefülltem Geldbeutel den Einstieg in die Oberklasse ermöglicht. Na ja, zumindest in optischer Hinsicht, denn zwischen den US-Modellen aus Stevensville und den in fernöstlichen Fabriken gefertigten Instrumenten liegt doch noch ein gutes Stück dazwischen.

Das Sortiment der SE-Serie umfasst nahezu jedes Modell von PRS, das es auch aus den Staaten gibt: E-Gitarren, E-Bässe und natürlich auch halbakustische Instrumente laufen in hohen Stückzahlen vom Band und treffen mehr und mehr in den Shops dieser Welt ein. Eines dieser halbakustischen Instrumente ist jetzt auch bei uns zum Test bei uns eingetroffen: Die PRS SE Hollowbody FR Fire Red stellt sich somit dem genauen Check und wir werden mal schauen, was man mit dieser halbakustischen E-Gitarre so alles anstellen kann.

PRS SE Hollowbody FR – Facts & Features

PRS SE Hollowbody FR

Wohl behütet in einem robusten Formkoffer trifft die PRS SE Hollowbody FR E-Gitarre bei ihrem neuen Besitzer ein. Ein Gigbag wäre einfach zu riskant, denn eine Semi-Hollow ist durch ihre Bauart naturgemäß etwas empfindlicher als vergleichbare E-Gitarren mit einem massiven Korpus. Die überstehen auch schon mal den einen oder anderen Druck bzw. Schlag, wenn’s sein muss, bei der PRS SE Hollowbody FR sollte man es aber besser nicht drauf ankommen lassen.

Die Form des aus Mahagoni hergestellten Korpus lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es sich um eine Gitarre aus dem Hause PRS handelt, dazu muss man nicht einmal einen Blick auf die Kopfplatte werfen. Für den gesamten Body wurde ausschließlich Mahagoni als Tonholz verwendet, d. h. die Decke, der Boden und auch die Zargen bestehen aus diesem bewährten Material. Unser Testinstrument trägt ein Finish mit der Bezeichnung „Fire Red Burst“, erhältlich ist dieses SE-Modell zudem noch in „McCarty Tobacco Sunburst“, dann allerdings mit einem zarten Aufpreis von genau 37,- Euro.

PRS SE Hollowbody

Wer 37,- Euro mehr investiert, der kann die SE Hollowbody auch in einem Dreiton-Sunburst-Finish bekommen!

Die zwei Resonanzöffnungen in der leicht konturierten Decke wurden sauber gefräst und so weit man es mit dem bloßen Auge einsehen kann, scheint auch die Verarbeitung im Innern gut gelungen zu sein. Am Binding wurde ganz und gar nicht gespart, sämtliche Kanten und Ecken wurden mit einem solchen versehen. Dazu gehören die Ränder der Decke, die des Bodens, die Seiten des Griffbretts und auch die Kopfplatte bleibt davon nicht ausgenommen.

Mahagonihals, Ebenholzgriffbrett und Bird-Inlays

Neben den weit ausgesägten Cutaways wurde die Decke am unteren Cutaway zusätzlich noch einmal mit einer tiefen Fräsung bearbeitet, um auch die letzten der 22 Bünde bequem zu erreichen. Zusammen mit dem zierlichen Halsfuß ergibt sich somit eine optimale Bespielbarkeit der oberen Lagen des Griffbretts, das aus Ebenholz besteht und, wie kann es anders sein, die typischen PRS Bird-Inlays trägt. Das Halsprofil unserer PRS SE Hollowbody FR Fire Red  ist „Wide Thin“, also die schlankere Ausführung der von PRS erhältlichen Profile, der Hals besteht aus Ahorn und wurde natürlich mit dem Korpus verleimt. Und das absolut sauber, auch an dieser kritischen Stelle am Hals-Korpus-Übergang wurde ordentlich gearbeitet. Doch nicht nur dort, denn auch die Verarbeitung der Bünde kann überzeugen, ebenso wie der Sattel, bei dem es keinen Millimeter Luft nach links, nach rechts, nach oben oder nach unten festzustellen gibt.

PRS SE Hollowbody FR Bird Inlays

Eine PRS ohne Vögel? Geht gar nicht! Auch auf dem Ebenholzgriffbrett der SE Hollowbody FR sind sie zu finden.

PRS 58/15 „S“ Humbucker für den elektrischen Sound

Die beiden eingesetzten Humbucker sind die Fernostvariante der US-Modelle von PRS und unterscheiden sich in ihrer Bezeichnung lediglich durch das hinzugefügte „S“ in der Typbezeichnung. Ob und wie sie dem Original nachstehen, werden wir später im Praxisteil noch erfahren. Eigentlich würde ich mich an dieser Stelle darüber beschweren, dass keine Singlecoil-Option vorgesehen ist. Im Falle der PRS SE Hollowbody FR E-Gitarre halte ich mich diesbezüglich aber zurück, denn wer sich eine solche E-Gitarre kauft, der möchte damit sicher keinen Funk spielen oder etwa nach Fender Strat klingen. Sondern wohl viel mehr nach einem Instrument Ausschau halten, das mit warmen Humbucker-Sounds die Lücken im Bereich Blues, Jazz und/oder Fusion-Rock schließen kann.

Entsprechend sparsam zeigt sich die Schaltung, ein Dreiwegeschalter dient zur Auswahl der zwei Pickups, während ein Volume- und ein Tone-Regler den Rest besorgen. Schalter und Potis geben keinen Anlass zur Kritik, alles funktioniert so, wie es sein soll – und das vermutlich auch für eine lange Zeit.

58/15 „S“ Humbucker an Hals- und Brückenposition

PRS SE Hollowbody FR – solide Hardware an Bord!

Eine Wrap-around-Bridge dient zur Aufnahme der Saiten, auf ein zusätzliches Tailpiece wurde zum Glück verzichtet. Zugegeben, manche mögen die Optik einer Brücken-Tailpiece-Konstruktion, jedoch treibt solch ein zusätzliches Stück Hardware auch stets das Gewicht nach oben, das sollte man nicht vergessen. Die Saiten werden am vorderen Ende der Brücke eingefädelt, einmal um die selbige geführt und dann über Saitenreiter aus Messing zu den Mechaniken an der Kopfplatte geleitet. Die sechs verchromten Tuner sind von guter Qualität, sie laufen ohne Spiel auf ihren Achsen, was daher ein präzises und schnelles Stimmen ermöglicht. Auch mit dem Halten der Stimmung über Tage gab es während der Testdauer keine Probleme, an dieser Stelle wurde offensichtlich nicht gespart, wie man es bei Mechaniken aus fernöstlicher Fertigung leider oft genug erlebt. Die Tuner besitzen immerhin eine PRS-Gravur – da möchte man verständlicherweise nichts anbrennen lassen!

Die SE Hollowbody FR in der Praxis!

Handling / akustischer Grundsound

Immer wieder erfreulich ist das niedrige Gewicht einer halbakustischen E-Gitarre. Nicht viel anders ist es auch bei der PRS SE Hollowbody FR, die leicht wie eine Feder und gut ausbalanciert am Gurt pendelt oder im Schoß des Spielers ruht. Das „Wide Thin“ Halsprofil bietet eine angenehme Bespielbarkeit, die sicher noch angenehmer wäre, wenn die Saitenlage stimmen würde. Unser Testinstrument hat in diesem Fall etwas Nachholbedarf, was aber in wenigen Minuten korrigierbar wäre. Die anfängliche Befürchtung, dass der aufgebrachte Klarlack der Halsrückseite die Greifhand ins Stocken bringt, hat sich nicht bestätigt. Klar, mit einer unbehandelten bzw. nur mit einer Satinlackschicht behandelten Oberfläche würde es bestimmt noch besser flutschen. Nach den ganzen negativen Erfahrungen der letzten Zeit mit klebrigen Halsrückseiten meiner Testinstrumente (es kam mir ja schon fast wie ein Fluch vor) ist das hier doch mal etwas Erfreuliches!

Den Grundsound der Gitarre kann man durchaus als resonant und warm bezeichnen – beste Voraussetzungen also für alles, was warm und weich klingen soll bzw. muss. Wie gut aber können die beiden 58/15 „S“ Humbucker diesen Klang an den angeschlossenen Verstärker liefern?

Elektrischer Klang

Im unverzerrten Bereich machen die beiden 58/15 „S“ Humbucker einen recht guten Job, sie erweitern durch ihr sehr präsentes Höhenbild und ihren druckvollen Klang den Sound der Gitarre ideal. Problematisch wird es nur, wenn der verzerrte Kanal am Amp an der Reihe ist, dann wird das Klangbild doch recht schnell „körnig“, harsch und zum Teil schon etwas blechern. Im Vergleich zur US-Ausführungen des 58/15 Pickups sind hier doch deutliche Unterschiede festzustellen. Die kosten aber, in ein entsprechendes US-Instrument eingesetzt, deutlich mehr als die in unserer SE Hollowbody. Dennoch könnte sich ein Wechsel der Tonabnehmer durchaus  lohnen, es müssen ja nicht zwangsläufig zwei Humbucker aus Stevensville sein. Die gute Grundsubstanz des Instruments bietet sich jedoch für solche Umbauten geradezu an und der Zubehörmarkt kann hier sicher weiterhelfen.

Die Klangbeispiele

Verwendet wurde für die folgenden Klangbeispiele mein Orange Micro Dark Amp mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box sowie ein AKG C3000 Mikrofon, mit dem das Signal in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Fazit

Führt man sich den günstigen Verkaufspreis der PRS SE Hollowbody FR vor Augen, dann kann das Testergebnis nur positiv auffallen. Die Verarbeitung ist makellos, die Bespielbarkeit gut und in puncto Cleansounds kann man mit dieser Hollowbody-Gitarre schon eine Menge anfangen. Bei den Overdrive-Sounds ist das Bild allerdings nicht ganz so positiv und wer vorhat, die PRS SE Hollowbody FR auch mal etwas „rockiger“ einzusetzen, der dürfte hier vermutlich enttäuscht werden. Oder Hand anlegen, um die Tonabnehmer gegen einen Satz besserer Typen zu tauschen. Es kann sich durchaus lohnen!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • warmer und voluminöser Cleansound
  • solide Hardware/Schalter/Potis
  • Formkoffer im Lieferumfang

Minus

  • Overdrive-Sound der Pickups
  • wenig flexibel im Klang

Preis

  • 998,- Euro
Klangbeispiele
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