Test: PRS SE Hollowbody II Piezo, E-Gitarre

14. Juli 2020

Die SE Hollowbody jetzt mit Piezo-Sound von LR Baggs

PRS SE Hollowbody II Piezo

PRS SE Hollowbody II Piezo

PRS gönnt seiner SE Semihollow Baureihe ein Upgrade. Natürlich sind wieder neue Farben am Start, die markanteste Veränderung fand jedoch unter der Haube statt, denn ab sofort befindet sich ein von PRS und LR Baggs entwickeltes Piezo-System an Bord der halbakustischen Schönheit. Neben warmen Sounds für Jazz und Fusion stehen dem Benutzer der PRS SE Hollowbody II Piezo nun also auch Klänge im Stil einer Steelstring-Western zur Verfügung, so verspricht es uns zumindest der Hersteller. Eine Erweiterung, die das Einsatzgebiet enorm vergrößert und uns in der Redaktion selbstverständlich neugierig gemacht hat. Aus diesem Grund haben wir uns eines dieser brandneuen Instrumente mal für einen ausgiebigen Test zukommen lassen. Kann sie Western-Sounds oder nicht? Und wie steht es mit dem Rest?

PRS SE Hollowbody II Piezo – Facts & Features

Die Formen sind nach wie vor unverändert: Wäre ja auch blöd, solch ein gelungenes und markantes Design in irgendeiner Form abzuändern. Uns erwartet wieder das typische PRS-Design mit seinem homogenen und ausgeprägten Shaping der Decke und des Bodens, die beide aus Ahorn bestehen und im Fall unseres Testinstruments ein „Peacock Blue Smokeburst“ Finish abbekommen haben. Neben dieser türkisblauen Farbe ist das Instrument darüber hinaus noch in einem klassischen Sunburst-Finish zu bekommen, dann sogar noch ein paar Euro günstiger. Und wenn wir schon über den Preis reden: Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der doch deutlich gestiegen, was aber aufgrund der Bestückung mit dem Piezo-System und der damit verbundenen aufwendigeren Elektronik nur verständlich erscheint. Nicht zu vergessen seien auch die nun verwendeten massiven Hölzer, bei der ersten Serie gab es nämlich nur laminierte Stücke.

Dass es sich tatsächlich um echtes Ahorn handelt, kann man gut am Binding der Decke innerhalb der beiden F-Löcher und des Bodens erkennen. Hier wurde das Holz nur mit Klarlack überzogen und zeigt somit eine attraktive Maserung, ganz im Gegensatz zum Vorgängermodell, bei der an besagten Stellen nur ein Binding aus beigefarbenem Kunststoff verwendet wurde.

PRS SE Hollowbody II Piezo Binding

PRS SE Hollowbody II Piezo Binding

Die Verarbeitung der Hölzer und die der aufgebrachten Lackierung kann vollkommen überzeugen und ehrlich gesagt muss man sich da schon fragen, ob es sich hier nicht vielleicht doch um ein US-Modell von PRS handelt, dermaßen gut sind die Arbeiten gelungen.

Mahagonihals mit charakteristischen Bird-Inlays

Verzichten muss man auch bei in Fernost hergestellten PRS-Gitarren schon lange nicht mehr auf die charakteristischen Inlays, die hier aus feinem Perlmutt in das Griffbrett aus Ebenholz eingearbeitet wurden. 22 Bünde gilt es zu bespielen und die wurden sehr sorgfältig eingesetzt, an den Kanten sauber abgerichtet und auf ihren Oberflächen perfekt poliert. Der Hals besteht aus Mahagoni, wurde natürlich in den Korpus eingeleimt und mit dem Wide-Fat-Halsprofil versehen, obwohl man hier wahrlich nicht von einem Profil im Sinne eines Baseballschlägers sprechen kann. Die Bespielbarkeit ist exzellent und geht sehr einfach vonstatten, was sicher auch an dem guten Setting liegt, mit dem unser Testinstrument ausgeliefert wurde. Die Saitenlage ist angenehm flach und dennoch frei von Schnarren oder anderen Artefakten, somit entsteht zum einen ein fetter, ausgeglichener Ton und zum anderen eben eine Bespielbarkeit, wie sie besser kaum sein könnte.

Hinzu kommt, dass die aufgebrachte Lackierung der Halsrückseite keinerlei negativen Einfluss auf die Performance nimmt, selbst bei feuchter Greifhand lässt es sich immer noch wunderbar vom ersten bis zum letzten Bund flitzen. Auch hier hat PRS erneut einen guten Mix aus Schutz des Holzes und Praxistauglichkeit zugleich erreicht. Schön anzusehen ist darüber hinaus das Binding an den Rändern des Griffbretts, das sich bis zur Kopfplatte fortsetzt und aus einem hellen Riegelahornfurnier besteht. Sehr luxuriös!

PRS SE Hollowbody II Piezo Bird Inlays

PRS SE Hollowbody II Piezo Old School Bird Inlays

Hardware: Piezo Stoptail-Steg und PRS-designt Tuner

Die Hardware der PRS SE Hollowbody II Piezo besteht zum einen aus einer verchromten Stoptail-Bridge, in die ein Piezo-Pickup des renommierten Herstellers für Akustik-System LR Baggs eingesetzt wurde. Am anderen Ende warten hingegen sechs geschlossene Mechaniken aus eigenem Hause an der Kopfplatte auf die Drähte. Auch bei den Tunern scheint man bei PRS noch mal Hand angelegt zu haben, denn gegenüber dem Vorgängermodell wirken sie spürbar weniger schwammig und arbeiten somit deutlich präziser. Sollte man also mal Hand anlegen müssen, so geschieht das recht schnell und unauffällig. Während der mehrwöchigen Testdauer war ein Nachstimmen jedoch nur ganz selten nötig, dermaßen zuverlässig funktionieren diese Komponenten. Und damit auch wirklich jeder weiß, dass die Elektronik der PRS SE Hollowbody II Piezo einen Piezo-Pickup besitzt, wurde dies groß und deutlich in die Abdeckkappe des Halseinstellstabs eingraviert!

PRS SE Hollowbody II Piezo Kopfplatte

Piezo-System inside!

PRS SE Hollowbody II Piezo – Elektronik

Wie bereits erwähnt, stattet LR Baggs die PRS SE Hollowbody II Piezo mit dem Piezo-System aus. Natürlich gibt es aber noch zwei weitere Tonabnehmer, hier setzt PRS die 58/15 „S“ Humbucker ein, die über einen Dreiwegeschalter angesteuert werden und leider keine Singlecoil-Option besitzen. Die originalen US-Pickups „58/15“ gehören mit zu den besten Tonabnehmern, die ich persönlich je in einem Instrument erlebt habe, im Gegensatz dazu bieten die koreanischen Modelle einen kaum vergleichbaren Sound. Auch das kann ich nach einer Menge Reviews von PRS SE-Gitarren sagen, die diese Pickups montiert haben. Aber klar, es kommt ja auch immer ein Stück weit darauf an, in welchem Gitarrentyp sie eingesetzt werden. In den Solidbody-Instrumenten war der Sound bislang immer akzeptabel, wenn man sich die Preisklasse vor Augen führt und zur Not hilft ja immer noch ein Tausch gegen hochwertigere Modelle, die ja nicht zwangsläufig von PRS stammen müssen. Neben dem Dreiwegeschalter, der einen sehr robusten Eindruck vermittelt, finden wir weiterhin drei Regler auf der Decke. Zum einen der für die Lautstärke der 58/15 „S“ Humbucker, ein weiterer für die Lautstärke des Piezos und einen dritten für Tone.

Um das Signal möglichst flexibel handhaben zu können, wurde an der Unterseite des Zargen eine Blende eingesetzt, an der sich zwei Klinkenbuchsen befinden. Hier kann man entweder das pure Signal des Piezos oder aber den Mix aus allen drei Pickups abnehmen, darüber hinaus wird hier auch die Batterie eingesetzt, die für den Betrieb des LR Baggs Systems nötig ist. Ein 9-Volt-Block dient zur Spannungsversorgung, über eine Klappe ist der schnell aus dem Zargen gezogen, zum Tauschen sollte man allerdings etwas Fingerspitzengefühl mitbringen, denn die Halterung mit den zwei Metallklammern ist alles andere als benutzerfreundlich.

PRS SE Hollowbody II Piezo Buchsen Jacks

PRS SE Hollowbody II Piezo Panel am unteren Zargen, hier beim Sunburst-Modell

PRS SE Hollowbody II Piezo – in der Praxis

Der Klang des LR Baggs Piezos schlägt den der verbauten 58/15 „S“ Humbucker doch deutlich, das wird schon nach wenigen Minuten spielen klar. Es ist echt verblüffend, wie natürlich und stilecht dieses Piezo-System an den Klang einer echten Westerngitarre heranreicht. Der Klang ist frisch, voller kristallklarer Höhen und besitzt eine sehr aufgeräumtes Bassfundament, da können die beiden Humbucker leider nur wenig entgegensetzen. Sie profitieren jedoch von der Möglichkeit, den Klang des Piezos zu ihrem eigenen Sound dazuzumischen, um so ein etwas kraftvolleres Klangbild zu erreichen. Besonders bei Cleansound treten die Schwächen der Fernost-Pickups zu Tage bzw. in die Ohren, bei den verzerrten Sounds gibt es jedoch ein paar Lichtblicke, hier vornehmlich bei Nutzung des Hals-Pickups, der durchaus für warme und jazzig klingende Sounds zu gebrauchen ist. Positiv ist jedoch anzumerken, dass beide 58/15 „S“ nur sehr wenig Nebengeräusche produzieren und sich auch in puncto Feedback keinesfalls die Blöße geben. Dennoch – die Domäne der PRS SE Hollowbody II Piezo sind eindeutig die Sounds des Piezos, die eine Westerngitarre so gut wie überflüssig machen.

PRS SE Hollowbody II Piezo – Klangbeispiele

Für die Piezo-Sounds habe ich die Hollowbody II Piezo direkt in mein UAD-Interface eingeklinkt, die Aufnahmen mit den Humbuckern wurden mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ aufgenommen, der mir zurzeit zur Verfügung steht.

Fazit

Viel Licht und nur wenig Schatten – das bleibt als Fazit hängen. Die PRS SE Hollowbody II Piezo ist ein wunderbar verarbeitetes, sehr gut bespielbares Instrument mit einem fantastischen Piezo-Sound, die lediglich von den schwachbrüstigen 58/15 „S“ Tonabnehmern eingeschnürt wird. Ihre Grundsubstanz ist hervorragend, sodass man hier durchaus über einen Wechsel der Pickups nachdenken kann und sollte. Dennoch: Ein sehr gut in unserer Bewertung ist ihr sicher!

Plus

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Qualität Hardware
  • hervorragender und authentischer Piezo-Sound
  • Optik

Minus

  • Klangqualität der 58/15 "S" Tonabnehmer

Preis

  • 1466,- Euro
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