Test: PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB, E-Gitarre

16. Juni 2020

SE Semi-Hollow im McCarty-Finish

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB

Der überwiegende Teil im Sortiment von PRS Guitars besteht aus Solidbody-Gitarren, daran besteht kein Zweifel. Doch auch eine Reihe von Semihollow-Modellen tummeln sich dort und darunter nicht nur sündhaft teure Modelle aus der US-Fertigung des Herstellers, sondern auch eine Auswahl kostengünstiger Instrumente, die unter dem Label PRS SE in Fernost hergestellt werden. Unter strenger Aufsicht des Mutterhauses aus Stevensville versteht sich, denn es gilt ja schließlich, einen hervorragenden Ruf zu bestätigen!

Wir werfen jetzt und hier einen genauen Blick auf die PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB, eine Semi-Hollow, die für knapp über einen Tausender in den Shops angeboten wird. Das ist nur rund ein Viertel von dem, was man dem Händler für das USA-Modell über den Ladentisch schieben muss und somit interessant für alle die, die gerne eine echte PRS besitzen möchten, ohne dabei das Gespräch mit der Hausbank suchen zu müssen. Was sie kann und was vielleicht nicht, werden wir nun im folgenden Review erfahren!

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB – Facts & Features

Das Gestaltung des Korpus ist unverkennbar, auch bei der SE Hollowbody MT McCarty TSB finden wir wieder die allseits bekannten Formen einer Gitarre aus dem Hause PRS vor, die das Instrument zum einen perfekt an den Körper des Spielers anschmiegen und zum anderen natürlich ein unverkennbares Markenzeichen darstellen. Basis bildet ein Korpus aus Mahagoni – und das rund herum, denn sowohl der Boden als auch die  Zargen und die Decke im speziellen McCarty-Finish wurden aus diesem Tonholz hergestellt. Für alle die, die es vielleicht noch nicht wussten: Ted McCarty und Paul Reed Smith waren sehr eng befreundet und Paul bezeichnet Ted noch heute als einen wichtigen Mentor in seiner Karriere auf dem Weg zu einem der wohl bedeutendsten Gitarrenhersteller unserer Zeit. Er war ihm so wichtig, dass er ihn sogar mit einem eigenen Instrument ehrte. Das McCarty Modell hielt im Jahre 1994 Einzug in das Sortiment der Gitarren von PRS und ist bis heute dort ein fester Bestandteil. Und das auch in der preisgünstigen SE-Variante. Doch nun zurück zu unserer Testgitarre, die in einem Formkoffer ausgeliefert wird, fast hätte ich das vergessen, zu erwähnen.

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB Koffer Case

In diesem robusten Formkoffer wird die PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB ausgeliefert

Der Farbton „Creme“ stellt einen wichtigen Bestandteil im Design der Gitarre dar. Nicht nur die Ränder der Decke und des Bodens werden durch ein entsprechend farbiges Binding verziert, auch an den Innenseiten der beiden F-Löcher, an den Rändern des Halses und der Kopfplatte sowie bei den zwei Pickup-Rahmen finden wir diese Farbe. Die Verarbeitung der Bindings ist von Kopf bis Fuß tadellos gelungen und bietet einen schönen Kontrast zum absolut klassischen Look, den die SE Hollowbody MT McCarty TSB zweifellosversprüht.

Eingeleimter Mahagonihals mit Ebenholzgriffbrett

Mahagoni, wohin das Auge blickt! Aus diesem Holz besteht auch der eingeleimte Hals, der ein Griffbrett aus Ebenholz trägt und sich, trotz des recht voluminösen Halsfußes, bequem bis hinauf zum 22. Bund bespielen lässt. Das Halsprofil „Wide Fat“ ist schon etwas für kräftigere Hände, dennoch ist die Bespielbarkeit bereits ab Werk sehr gut gelungen und daran ändert selbst die lackierte Halsrückseite nicht viel. Selbst bei den günstigen SE-Instrumenten scheint man hier einen guten Mix aus Schutz des Holzes bei gleichzeitig klebefreier Performance gefunden zu haben.

Nicht fehlen dürfen bei einer echten PRS natürlich die Vögel auf dem Griffbrett, hier sind es die schlichten, aber dennoch hübsch anzuschauenden „Old School Bird-Inlays“, die die vertrauten Stellen auf dem dunklen Ebenholz markieren. Mit einer Mensur von 635 mm ist die SE Hollowbody-McCarty eher dem Gibson-Lager zuzuordnen: Kein Wunder, gilt doch Ted McCarty als ehemaliger Mitarbeiter der Gibson-Company als einer der Entwickler des ewigen Dauerbrenners der Firma – der Les Paul.

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB Griffbrett

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB – Griffbrett mit Old School Bird Inlays

58/15 „S“ Humbucker für einen fetten Ton?

Ohne Zweifel sind die US-Versionen der 58/15 Pickups echte Knaller im Bezug auf einen warmen und saftigen Vintage-Sound. Bei der SE-Serie versuchen die kostengünstigeren „S“-Modelle, diesen Job zu übernehmen und das machen sie gar nicht mal so übel, wie wir bei anderen SE-Gitarren in unseren Reviews bisher feststellen konnten. Zwei dieser in Fernost hergestellten 58/15 wurden auch hier verwendet und in cremefarbenen Rahmen in der Decke versenkt. Die Auswahl erfolgt über einen in unmittelbarer Nähe des unteren F-Lochs angebrachten Dreiwegeschalter, ein Regler für Lautstärke sowie ein weiterer für die Tonblende bilden den Abschluss dieser extrem einfach gehaltenen Schaltung.

Obwohl die 58/15 Humbucker in anderen Modellen schon auch mal mit einer Singlecoil-Schaltung gesehen wurden, wurde bei der PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB auf diese zusätzliche Klangoption verzichtet. Schade eigentlich, aber nicht ungewöhnlich für eine Semi-Hollow Gitarre, die ja überwiegend im Blues oder Jazz eingesetzt werden möchte und es in diesem Bereich in aller Regel eher auf einen möglichst fetten Ton, anstelle von glasigen Singlecoil-Sounds ankommt. Die beiden Potis und der Schalter hinterlassen einen guten Eindruck – nichts wackelt oder hat übermäßig Spiel, damit kann man durchaus arbeiten!

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB 58/15 Pickups

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB – 58/15 „S“ Pickups

Die Hardware: Adjustable Stoptail – ein Hauch PRS USA

Einen schönen Gruß aus Stevensville/USA finden wir dann doch noch auf der SE-McCarty Hollowbody: Das Stoptail nämlich, fest auf zwei in der Höhe variablen Bolzen verankert und mit Saitenreitern aus Messing ausgestattet. Sie führt die Saiten hinauf zur Kopfplatte, die ebenfalls im typischen PRS-Design erscheint und die sechs verchromten Mechaniken aufnimmt. Diese sind wiederum aus fernöstlicher Fertigung und einfache Typen ohne Klemmmechanismus, die aber durchaus einen guten Eindruck hinterlassen und nicht durch übermäßig viel Spiel auf ihren Achsen auffallen. Ohnehin gab es während der Testdauer kaum Probleme mit der Stimmung der Gitarre und wenn mal wenige Cent Korrektur nötig waren, dann war das Thema erfreulich schnell und ohne großen Aufwand erledigt.

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB Stoptail

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB Stoptail made in USA

Die SE Hollowbody McCarty in der Praxis

Akustischer Grundsound & Handling

Warm und singend, knackig und zugleich reich an Resonanzen präsentiert sich die SE-McCarty Hollowbody schon im unverstärkten Zustand. Die Tonansprache (Attack) ist trotz der Vollmahagonikonstruktion überraschend direkt, hinzu kommt ein ausgeglichenes Sustain sowie ein kräftig betonter Mitten/Höhenbereich, was für eine gute Durchsetzungskraft nur förderlich sein kann. Darüber hinaus bietet das Instrument auch ohne angeschlossenen Verstärker bereits eine passable Grundlautstärke, die vollkommen ausreicht, um den Amp mal ausgeschaltet zu lassen.

Die Bespielbarkeit des „Wide Fat“ Halsprofils dürfte niemanden vor ernsthafte Probleme stellen, das hier verwendete Shaping hat mit einem „Baseballschläger“ nur wenig gemein und trotz der lackierten Halsrückseite muss man keine Angst vor dem gefürchteten Ankleben der Greifhand haben. Auch dann nicht, wenn es mal etwas feuchter zugeht. Die Intonation ist an allen Bereichen auf dem Griffbrett sehr gut, ebenso war die Oktavreinheit bei unserem Testinstrument perfekt eingestellt: So und nicht anders sollte man es bei einer Gitarre aus dem Hause PRS erwarten dürfen!

Elektrischer Sound

Diesen durchaus charakterstarken Grundsound können die beiden 58/15 Pickups würdig an den angeschlossenen Amp weiterleiten. Wirklich beachtlich, wie gut der Hersteller doch diese Pickups im Sinne der US-Vorbilder hinbekommen hat. Auffällig ist lediglich ein leichtes Brummen, das sich natürlich bei der Verwendung von Overdrive-Sounds stärker bemerkbar macht. Dabei könnte die SE-McCarty Hollowbody auch in diesem Bereich absolut eingesetzt werden, ihr druckvolles Klangbild beschränkt sich nicht nur auf den Einsatz für Jazz, Blues oder alle Stilistiken, die in der Regel mit nur wenig Gain vom Amp gespielt werden. Wer dem Instrument gerne etwas Sinnvolles gönnen möchte, der dürfte durchaus über den Tausch der beiden Humbucker gegen die US-Modelle oder zumindest gegen hochwertigere Typen von anderen Anbietern nachdenken. Denn die Grundsubstanz des Instruments ist es allemal wert!

PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele wurde folgendes Equipment verwendet: Orange Micro Dark Amp1×12″ Celestion Vintage 30 BoxAKG C3000 MikrofonLogic Audio.

Fazit

Auf der Suche nach einer preiswerten Semi-Hollow, die man nicht nur für Jazz und Blues einsetzen, sondern auch für rockige Sachen benutzen kann? Dann ran an den Speck und die PRS SE Hollowbody MT McCarty TSB unbedingt mal antesten! Neben der gewohnt guten Verarbeitung einer Gitarre aus dem Hause PRS überzeugt das Instrument mit einem warmen und zugleich knackigen Klang, der sie für viele Stile einsetzbar macht.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • warmer und dennoch perkussiver und höhenreicher Sound
  • gute Bespielbarkeit
  • Optik
  • robuster Koffer im Lieferumfang

Minus

  • -

Preis

  • 1035,- Euro
Klangbeispiele
Forum
Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.