Test: RCF Ayra Pro8, Nahfeldmonitor

25. September 2020

Gute italienische Phasenlage

rcf ayra pro 8 test

RCF Ayra Pro8, Nahfeldmonitor

Wie auch in nahezu allen anderen Instrumentengruppen ist auch der Bereich der Nahfeldmonitore in Sachen Angebot in den letzten Jahren geradezu explodiert. Immer mehr Anbieter mit immer mehr Produktlinien versuchen ihren Platz im riesigen Pool aus Platzhirschen, Trendsettern & Co. zu finden. Dabei gibt es leider nur vergleichsweise wenige Kriterien, wie man sich beim Käufer Gehör verschaffen kann. Neben interessanten Detaillösungen oder extravagantem Finish ist es vor allen Dingen der Preis, mit dem man im Hobby- und Amateur-Bereich auf sich aufmerksam machen kann. Das hat sich wohl auch das 1949 gegründete italienische Traditionsunternehmen RCF gedacht und mit dem RCF Ayra Pro8 einen Nahfeldmonitor auf den Markt gebracht, der mit einem sehr günstigen Ladenpreis von 223,- Euro pro Stück bei recht erwachsenen Ausstattungspunkten den Käufer auf seine Seite zu ziehen versucht. Bereits vor einigen Wochen hatte mein Kollege Armin Bauer die kleinere Version, die Ayra Pro 5 im Test, heute dreht sich dann alles um den 8-Zöller der Serie.

Die Konstruktion des RCF Ayra Pro8

Bei dem RCF Ayra Pro8 handelt es sich um einen aktiven 2-Wege Nahfeldmonitor, der mit den Abmessungen 410 x 253  x 320 mm (H x B x T) recht üppig, mit einem Gewicht von knapp 9 kg aber recht moderat daher kommt. Das System bietet laut Hersteller einen Frequenzgang von 45 Hz bis 20.000 Hz an, der durch einen 8 Zoll Glasfaserverbundstoff Tieftöner und einem 1 Zoll Neodyn-Treiber übertragen wird. Der Tieftöner erhält 100 Watt, der Hochtöner 40 Watt, beide von getrennten Class-D-Endstufen. Als Maximalpegel (@1 m) wird 111 dB angegeben. Die Crossover-Frequenz beträgt 2 kHz, wo man im Frequenzbild auch eine kleine Senke erkennen kann.

Das Gehäuse besteht aus den üblichen MDF-Platten, ist sauber mit einem feinen Strukturlack überzogen und ansonsten tadellos verarbeitet. Aktuelle Hypes wie über Gebühr abgerundete Ecken zwecks Reflektionsminimierung sucht man bei der Box vergebens. Die Box steht auf ihrem regulären Gehäuse, aufklebbare Füße oder Matten zum Entkoppeln des Gehäuses werden nicht mitgeliefert. Die Monitore haben mit ihren Abmessungen auf jeden Fall ihr Einsatzgebiet auf einem Schreibtisch überschritten und bedürfen entsprechender Boxenstative. Zwar werden diese öfters mit einer entsprechenden Gummi- oder Schaumauflage geliefert, allerdings würde ich einen Cent-Artikel wie 4 aufklebbare Gummifüße als Zubehör für empfehlenswert halten.

RCF Ayra Pro8 Test

RCF Ayra Pro8 Front

Die Vorderseite

Die beiden Lautsprecher sitzen vorderseitig montiert in einem Metallrahmen, der nahtlos an das Gehäuse angepasst wurde. Jeweils vier massive Inbus-Schrauben halten den Tieftöner wie auch das Hochtonhorn, das einen Abstrahlwinkel von 110° x 70° ermöglicht. Ich glaube, ich habe in meiner Karriere noch nie ein solch großes Waveguide bei einem Nahfeldmonitor gesehen, dessen Abmessungen sogar in den Bereich des Tieftöners hineinragen und deshalb etwas eingeschnitten werden muss.

Im Übrigen ist RCF laut eines Produktvideos besonders stolz auf den 0 Grad Phasengang, der nur aufgrund der speziell entwickelten DSPs der Ayra Studiomonitore in Kombination mit der exklusiven RCF FiRPHASE möglich und laut eigenen Aussagen in dieser Preisklasse einzigartig sei. Unterhalb des Tieftöners befinden sich 2 Bassreflexöffnungen, die ihr Signal nach vorne abgeben. Ich persönlich bevorzuge bei 8 Zoll Tieftönern immer die Reflexöffnung im vorderen Bereich der Box, da so der Bass unabhängig von der Raumkonstruktion besser unter Kontrolle zu bringen ist.

Was auffällt, ist die vergleichsweise harte Aufhängung des Tieftöners. Obwohl die Sicke sehr weich und locker zu Werke geht, ist der Tieftöner insbesondere für starke Impulse ausgelegt, was sich besonders bei höherer Lautstärke bemerkbar machen sollte.

RCF Ayra Pro8 Test

RCF Ayra Pro8 Rückseite

Die Anschlüsse

In Sachen Anschlussperipherie bietet RCF das Komplettpaket für den Consumer-Bereich. Neben den symmetrischen Standards XLR (leider nicht verriegelbar) und TRS, bietet die RCF Ayra Pro8 auch den RCA-Standard an, der im Hobby-Bereich immer noch regen Zuspruch findet.

Ein Volume-Regler bietet auf 12 Uhr eine gerasterte -6 dB Stellung, bei Rechtsanschlag 0 dB, bei Linksanschlag komplette Stille. Die 12 Uhr Rasterung erleichtert den Lautstärkenabgleich unter den Boxen ungemein, allerdings lassen sich nur die Bereich 12 Uhr und Volllast gut finden, was allerdings auch schon den überwiegenden Einsatzbereich in dieser Leistungsklasse darstellt.

In Sachen Raumanpassung gibt sich die Box recht spartanisch, wenngleich ausreichend. Der Bassbereich lässt sich mittels eines Schiebereglers bei Bedarf um 2 dB anheben oder absenken, das Gleiche gilt auch für den Hochtonbereich mit jeweils 1 dB. Den Abschluss macht eine Kaltgerätesteckerbuchse samt On/Off-Schalter.

In der Praxis

Schaltet man die Boxen ein, zeigt ein kleiner weißer LED-Balken die Betriebsbereitschaft des Systems an. Das System läuft konsequent durch, eine Standby-Funktion bietet die RCF Ayra Pro8 nicht. Wie immer muss sich der Monitor einer Mixtur aus Referenzaufnahmen, Messtönen und fertigen Produktionen stellen, die ich selber betreut und erstellt habe.

RCF Ayra Pro8 Test

RCF Ayra Pro8 Seitenansicht

Nimmt man die Monitore in Betrieb, fällt einem der zunächst sehr moderate Bassbereich auf, den man aufgrund des optischen Erscheinungsbildes deutlich wuchtiger erwartet hätte. Der Bereich ist präsent, wirkt aber etwas flach, insbesondere in den Tiefmitten. Die Aktivierung des Bassboosts ändert dies zwar ein wenig, lässt den Gesamtklang allerdings etwas „dröhnig“ werden, woraufhin ich den Boost wieder deaktiviere. Die Bassabhebung wirkte mir persönlich etwas zu ungleichmäßig, was zum Beispiel zu einer Überpräsens bei einigen E-Bass Passagen führte. Insgesamt klingt der Bassbereich etwas flach. Die Frequenzen sind vorhanden, es will sich aber nicht das nötige, weiche „Wohlfühlgefühl“ einstellen.

Der Mittenbereich ist soweit in Ordnung, wenn man von der Senke bei 2 kHz absieht. Insbesondere verzerrte Gitarren haben hier einen Peak, was sie auf den RCF Ayra Pro8 vergleichsweise zahm erscheinen lässt. Somit besteht die Gefahr, dass man, um den Instrumenten mehr Biss zu verpassen, schnell die Gitarren zu harsch einstellt. Diesen Aspekt sollte man gerade im Mixdown immer vor Ohren haben. Auch der Gesang verliert ein wenig an Präsenz, was ebenso berücksichtigt werden muss.

Der Hochtonbereich wirkt ähnlich wie der Bassbereich sehr zurückhaltend. Nicht dass der Bereich muffig oder gar blass wirkt, aber ich vermisse etwas das „Feine“ in den Höhen, das „Säuseln“, das einer Aufnahme den Glanz verleiht und gerade bei hochwertigen Preamps, zum Beispiel für Gesangsaufnahmen, den extra Euro bei der Anschaffung rechtfertigt. Für einen Live-Lautsprecher durchaus ausreichend, setze ich im Studiobereich die Messlatte etwas höher. Der Punkt lässt sich durch eine Höhenanhebung etwas verbessern, muss sich letztendlich aber dem Ladenpreis geschlagen geben.

rcf ayra pro 8 test

Was sich hingegen wirklich sehr gut in der Praxis bewahrheitet, ist die Phasenlage des RCF Ayra Pro8. Den Italienern ist es tatsächlich gelungen, eine sehr homogene Abstimmung zwischen Hoch- und Tieftönern zu etablieren, so dass es zu keinerlei Auslöschungen auf dem Weg zum menschlichen Ohr kommt. Die Tiefenstaffelung ist in Ordnung, wenngleich die räumliche Abbildung einem guten Mindestmaß entspricht. Generell kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Lautsprecher vergleichsweise wenig Raum der Aufnahme wiedergeben. Bekanntermaßen geht viel Rauminformation bei dem heutigen Limiter-0 dB-Zappelmastering verloren, von daher ist dieser Eindruck nicht ungewöhnlich. Allerdings hat man den Eindruck, dass auch bei ungemasterten Aufnahmen der Raum vergleichsweise knapp hinter den Boxen aufhört, was im direkten Vergleich zu anderen Systemen schon auffällt.

Was ebenfalls sehr prägnant ist, ist die Lautstärke, in der die Monitore die maximale Qualität entfalten. Mit zunehmender Lautstärke gewinnen die Boxen an Klangqualität. Kurz bevor das menschliche Ohr in die Sättigung geht, haben die RCF Ayra Pro8 in der Tat ihren besten Klang, was mir persönlich allerdings für eine normale Arbeitsumgebung deutlich zu laut ist. Dezente Zimmerlautstärke ist nicht die Stärke des Systems. Man kann regelrecht hören, wie der Charakter des Systems bei der Reduzierung der Lautstärke abnimmt. Inwieweit sich dies auf die persönlichen Abhörgewohnheiten auswirkt, sei dahin gestellt.

Auch die Impulstreue des Systems weiß zu überzeugen, insbesondere bei höheren Lautstärken. Trotz der moderaten Leistungsangaben besitzt das System genügend Headroom, um auch kräftige Kick-Signale oder andere leistungsfressende Impulse sauber zu übertragen.

Alles in allem muss man der RCF Ayra Pro8 jedoch ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis attestieren. Für einen Ladenpreis, bei dem man bei einem anderen Hersteller nicht einmal den Tieftöner für sich alleine genommen erhalten würde, bekommt man hier ein komplettes System, welches den gesamten Frequenzbereich abdeckt.

RCF Ayra Pro8 Test

RCF Ayra Pro8 im Einsatz

Fazit

Mit dem RCF Ayra Pro8 hat der italienische Hersteller einen Nahfeldmonitor im Programm, der sehr viel Abhöre für vergleichsweise kleines Geld bietet. Das System bietet eine umfassende Frequenzabdeckung, eine sehr gute Phasenlage und eine gute Impulstreue auch bei hohen Lautstärken.

Wer auf der anderen Seite mit einer durchschnittlichen räumlichen Auflösung und einem dezent flachen Grundklang leben kann, sollte das System auf jeden Fall einmal antesten.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Verarbeitung
  • Phasenlage

Preis

  • 223,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Scheint ja im unteren Preisbereich eine recht gelungene Box zu sein. Den Vergleich mit Armin Bauers Test der 5-zoll-Variante finde ich aber durchaus spannend. Legte er in seinem Schlußsatz doch die Vermutung nahe, dass er bei der Kleinen Box den ausgewogensten Klang vermutet. Klar, das sind mal 2 verschiedene Paar Ohren. Aber die meisten Punkte, von denen Axel nicht soooo begeistert war entsprechen den Vorzügen der 5″.

    Man würde ja gemeinhin denken, dass größerer Bass auch besserer Klang heißt. Aber das wäre zu einfach. Ein direkter Vergleich der beiden scheint mir unumgänglich zu sein.

  2. Profilbild
    SynergyMan  

    Mich würde eher eine Testwiederholung des 5″ durch Axel interessieren. Ich wette, er kommt zu einem anderen Ergebnis als Armin.

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