Test: Kali Audio IN-8, 3-Wege-Nahfeldmonitor

23. März 2020

Kali-fornia Dreaming

test kali audio in 8

Kali Audio IN-8, 3-Wege-Nahfeldmonitor

Kali Audio IN-8 ist ein aktiver Nahfeld-Studiomonitor, der über ein 3-Wege-System mit koaxialem Mittel-/Hochtöner verfügt. Für meine Begriffe rangiert er im Fullrange-Bereich, bedient somit ein Feld, das eher im mittleren Preissegment zu finden ist. Hierbei ist er auf den ersten Eindruck preislich sehr attraktiv.

Kali Audio ist eine relativ neue, in Los Angeles/Kalifornien angesiedelte Boxenschmiede. 2018 gegründet, hatten sie bereits mit dem Vorgängermodellen Kali LP-6 und LP-8 für Furore gesorgt. Vor allem was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, auch wenn sie bei dem einen oder anderen Review nicht so gut wegkommen. Was aber eher auf diverse Kinderkrankheiten zurückzuführen ist. Unterm Strich werden sie doch eher abgefeiert.

Kali Audio ist ein Zusammenschluss von ein Paar Kollegen, die sich bei JBL kennenlernten und ihr eigenes Ding machen wollten. Erst mal keine schlechte Idee. Die Philosophie ist vielleicht so zusammenzufassen: hochwertige Produkte zu einem günstigen Preis. Somit kommt man schnell zu dem Ansatz: entwickelt und desingt in Kalifornien, aber gefertigt natürlich in China.

KALI-IN-8-Hero

Die Produktlinien sind bisher immer nach kalifornischen Städten benannt. Das Debüt, die LP-8, bezog sich auf Lone Pine. In dieser Region findet man den höchsten Berg der unteren 48 Staaten der USA. Wenn ich das richtig verstehe, eine Metapher im Bezug auf die Risiken einer Besteigung eines Berges im Vergleich zum ersten Release nach einer Firmengründung. Wenn man „One up to Lone Pine“ den Highway Richtung Norden fährt, kommt bald die Stadt Independence, der Namensgeber des Project Independence, wie die Kali IN-8 auch genannt wird.

Die Kali Audio IN-8 werden ausgepackt

Eine unerwartet große Kiste darf ich vom Paketdienst in Empfang nehmen, was sich zum Glück nach dem Auspacken wieder etwas relativiert. Mit einer dennoch beachtlichen Größe von Höhe 44,1 cm, einer Breite von 25,4 cm und einer Tiefe von 28,5 cm ist die einzelne Monitorbox, mit 10,4 kg, im Verhältnis relativ leicht. Was mich jetzt nicht überrascht, bei dem Hintergedanken, in welchem Preissegment wir uns hier bewegen. Auch wenn man natürlich dazu sagen muss, dass Masse heute nicht mehr zwingend ein Qualitätsurteil ist. Am Material wird in der Produktion allerdings natürlich immer als erstes gespart.

KALI-IN-8-Front

Das Gehäuse ist aus MDF gefertigt und die Front aus einem Polymer. Die Vinyl-Oberfläche ist sehr empfindlich und man sollte beim Positionieren etwas vorsichtig sein. Aber wenn die Abhöre mal steht, sollte ja in der Regel nichts mehr passieren.

Im Lieferumfang befinden sich zwei Kaltgerätekabel mit unterschiedlichen Steckerformaten nach deutschem und britischem Standard. Hinzu kommen vier kleine Pads zum Aufkleben und eine Bedienungsanleitung auf Englisch.

Spezifikationen

Wie schon erwähnt, handelt es sich hier um ein 3-Wege-Koaxialsystem. Im Englischen sagt man dazu auch coincident oder concentric. Im Grunde heißt es bei den IN-8 nichts anderes, als dass sich der Hochtöner (Tweeter) und der Mitteltöner (midrange driver) auf einer Achse befinden. Somit nicht untereinander, sondern eher „hintereinander“ angesiedelt sind, mit demselben akustischen Zentrum. Das Ganze hat, im Idealfall, ein nahezu dreidimensionales Abhörerlebnis zur Folge. Im Vergleich zum üblichen 2-Wege-System ist das Stereobild variationsreicher und tiefer. Wenn alle Komponenten gut zusammenarbeiten, kommen hierbei viel mehr Details im Mix zum Vorschein und ermöglichen somit eine noch detailgetreuere Arbeit. Mal von dem allgemeinen Hörvergnügen abgesehen.

KALI-IN-Features

Die Bezeichnung „One up to Lone Pine“ hat auch den Hintergrund, dass diverse Dinge vom Vorgängermodell übernommen wurden. Somit sind der Tieftöner (Woofer) und der Hochtöner (Tweeter) identisch mit denen der LP-8. Die Speaker sind entlastend und mit weniger Bewegungsspielraum konstruiert, somit sollen sie definierter klingen und ein geringeres Zerrverhalten aufweisen.

Hier die wichtigsten Details im Überblick:

  • Verstärker aktiv Klasse D (triamped)
  • Hochtöner  40 W
  • Mitteltöner 40 W
  • Tieftöner 60 W
  • Hochtöner 1“ Seidenkalotte
  • Mitteltöner 4“ Mehrschichtpapier mit optimiertem Profil
  • Tieftöner 8“ Mehrschichtpapier
  • Crossover-Frequenzen: 330 Hz, 3000 Hz
  • Frequenz-Antwort (-10 dB) 37 Hz-27k Hz
  • Frequenz-Spanne (-3 dB) 45 Hz-21 kHz
  • maximale SPL 114 dB
  • THD <1,1 % von 70 Hz zu 200 Hz, <0,8 % von 200 Hz zu 3,6 kHz, <1,4 % von 3,6 kHz zu 10 kHz (90 dB SPL @1 m)

Anschlüsse und Features

Auf der Rückseite befinden sich, nahezu identisch mit der LP-8, der An/Aus-Schalter, Eingänge für XLR-, Klinke- und Cinch-Stecker, ein Lautstärkeregler sowie ein 8-facher DIP-Schalter für Begrenzung/Aufstellung, Kompensations-EQ und diverse Einstellmöglichkeiten.

Zum einen kann man hier den Cinch-Eingang aktivieren, der im Auslieferungszustand erst mal inaktiv ist. Weiter besteht die Möglichkeit, die Höhen und/oder die Bässe mit 2 dB zu pushen bzw. auch zu beschneiden, was in Verbindung mit dem Kompensations-EQ die Raum-Klang-Wahrnehmung und Abhörsituation optimieren soll. Für den Einsatz im Heimstudio eine sehr sinnvolle Option. Bis zu 8 verschiedene Positionen lassen sich hiermit einstellen. Hierbei wurden alle erdenklichen Situationen in Betracht gezogen.

KALI-IN-8-Back

Die Kali Audio IN-8 schalten nach 20 Minuten Stille in einen Standby-Modus. Wenn das passiert, wechselt die blaue Kontrollleuchte an der Front auf orange. Zurück in den aktiven Modus kommt man ganz einfach, indem man wieder ein Signal auf die Monitore gibt. Bei Bedarf kann dieser Modus deaktiviert werden, hierbei muss man die Box aber aufschrauben und einen „Jumper“ umlegen. Wie das geht, erklärt ein Video, den Link findet man in der aktuellen Bedienungsanleitung.

KALI-IN-8 Platine mit Standby-Jumper

Praxis

Nach dem Auspacken positioniere ich die Abhöre in meinem Heimstudio an meiner DAW und schließe sie an. Sehr vorteilhaft ist, alle wichtigen Anschlussmöglichkeiten geboten zu bekommen. XLR und Klinke ist meistens Standard, aber Cinch findet man selten an Studiomonitoren. Hier ist Kali am Puls der Zeit und offeriert die Möglichkeit, Smartphones oder Computer direkt anzuschließen. In diesem Zusammenhang ist auch der Lautstärkenregler sinnvoll. In Verbindung mit einem Audiointerface wird empfohlen, die 12-Uhr-Stellung zu wählen. Hier rastet der Regler auch ein.

KALI-IN-8-In Aktion

Fangen wir ausnahmsweise mal mit dem Negativen an. Die Monitore haben ein Grundrauschen, was man aber bei der empfohlenen Abhördistanz von über 2 Metern nicht mehr hört. Dies ist ein Kompromiss, der wohl aus Kostengründen nicht zu vermeiden war. Anfänglich empfand ich es als etwas störend, aber nach neuer Positionierung fiel es mir nicht mehr auf. Trotzdem sei angemerkt: Wer sehr nahe abhört oder Platzmangel hat, könnte damit Probleme bekommen. Für mich persönlich ist es nach etwas „eingrooven“ kein wirkliches Manko mehr. Zumal die positiven Eigenschaften bei Weitem überwiegen.

Der erste wirkliche Höreindruck haut mich, im wahrsten Sinne, fast vom Hocker. Nach dem ich den Artikel der Kali Audio LP-8, von meinem Kollegen Axel Ritt gelesen hatte, waren meine Erwartungen doch eher zurückhaltend. Ich hatte hier schon Studiomonitore stehen, die fast das 10-Fache kosten. Summa summarum haben mich die Kali Audio IN-8 sehr schnell überzeugt. In dieser Preisklasse gibt es bei meiner momentanen Marktübersicht wenig Vergleichbares. Klanglich spielen sie eher in der doppelt so teuren Liga, wenn nicht sogar höher.

Hier sollte man natürlich nicht außer Acht lassen, was man persönlich bevorzugt. Die Kali Audio IN-8 sind eher moderne Abhören, vergleichbar evtl. mit den Neumann KH80, die aber bei Weitem nicht so weit runter in den Tiefbass kommen. Für die meisten Anwendungen funktionieren sie Fullrange.

Was mich am meisten begeistert hat, war das „in-den-Song-reinhören“, sprich die dreidimensionale Detailauflösung und Tiefe. Ich beginne meistens mit dem Song (The New Wild West/Jewel) bei Monitortests. Diesen Song kenne ich in- und auswendig, eine moderne amerikanische  Produktion aus dem Jahr 2001, die alles zu bieten hat. Selbst hier kamen für mich Kleinigkeiten zum Vorschein, die ich bisher nie richtig wahrgenommen hatte. Ich bahnte mir den Weg über Nitfly von Donald Fagen über Reggae hin zu Paramore/Brand New Eyes oder Keith Urban/Ripchord, eine eher elektronisch angehauchte Pop/Country-Produktion. Ich könnte es noch fortführen. Viele Referenzen später hatte ich unglaublich viel Spaß mit den Monitoren. Neben der Tiefe und Auflösung auch einfach nur beim Musikhören.

Die Einstellungsmöglichkeiten über den Kompensations-EQ funktionieren wunderbar. Anfänglich hatte ich aus Versehen eine für meine Anwendung verkehrte Einstellung gewählt und mich noch gewundert, warum der Bass überdosiert. So was kann schnell mal passieren bei 8 kleinen DIP-Schaltern. Nach der Korrektur war aber alles passend und das Klangbild nach meinem Ermessen linear.

Was eventuell noch störend sein könnte, ist das etwas verzögerte Aufwachen nach dem Standby. Ich empfinde das Einblenden und auch das visuelle Umschalten (LED von orange auf blau) zwar als angenehm. Wenn man aber schnell agieren will und vielleicht zwischen diversen Abhören hin und her schaltet, kann es möglicherweise stören. In dieser Situation würde ich den Standby-Modus einfach deaktivieren.

Fazit

Nach meiner Einschätzung hat Kali Audio hier eine Meisterleistung auf den Markt gebracht. Ein bezahlbares 3-Wege System mit koaxialem Mittel-/Hochtöner, was seinen Vergleich sucht. Wer hier gerade auf der Suche ist, sollte sich die Kali Audio IN-8 unbedingt einmal anhören. Sie bietet eine sehr detailreiche Auflösung und Tiefe, der Bass ist schön definiert und keine Frequenz fällt wirklich negativ auf. In dieser Preisklasse habe ich bisher noch nichts Besseres gehört.

Wer mit etwas mehr als 1,5 m abhört, sollte auch mit dem leichten Grundrauschen klarkommen. Sehr empfindsame Hörer könnten hier allerdings ein Problem bekommen.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Transparenz
  • 3D Wahrnehmung

Minus

  • leises Grundrauschen
  • etwas verzögertes Aufwachen aus dem Standby-Modus

Preis

  • 399,- Euro (Preis pro Stück)
Forum
  1. Profilbild
    FLTRHND  

    Mhm ich habe schon einiges von Kali gehört.

    Bei den LP6 war das ganze ja sehr undurchsichtig. Hier auf Amazona wurden die LP6 als schlecht beschrieben. Bei anderen Magazinen wurde gesagt das die LP6 das beste sind was die Preisklasse bietet.
    Auf YouTube wurde die LP6 auch gefeiert, ich bin auf Kali gestoßen als ich ein Video von „IntheMix“ gesehen habe. Die Person hat die Kalis auch sehr gefeiert hat dann aber das Video nach ein paar Monaten wieder gelöscht mit der Begründung das die LP 6 nicht in allen Chargen gleich gut sind (mit dem Verdacht das es spezielle Reviewmodelle gibt die sich vom Consumermodell unterscheiden)

    Nun wäre gut zu wissen ob hier einige Leute schon Erfahrung mit Kali haben

  2. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Das Firmenprinzip erinnert mich an die frühe Firma Alesis, die in den 80ern mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis des Monitor One für Furore sorgte. Nur dass die IN-8 sich wohl in deutlich preisintensiveren Gefilden behaupten können soll. respekt.

    *welche 10 Mal teurere Studioabhöre fühlte sich denn da deglaciert? ;-)

    • Profilbild
      Michael Fendt  RED

      …ich werde hier jetzt keine Typen nennen, vorallem fühlte sich keine von den IN-8 deglaciert. Ist ja eine ganz andere Liga. ;)

  3. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    „mit dem Verdacht das es spezielle Reviewmodelle gibt die sich vom Consumermodell unterscheiden“

    Den Verdacht, dass es sowas gibt, hatte ich auch schon (bin ich naiv?). Ich fand es immer merkwürdig, dass diverse Tester immer warten, bis das Device von einem anderen Tester zurückkommt. Positive Vermutung wäre, dass die Anzahl der Tester einfach zu groß ist, um alle zu bedienen. Die negative siehe oben. Das wäre wirklich schändlich und Betrug!

    Für 399,- Euro abgefeiert zu werden, eine Full-Range-Box zu sein, die doppelt so teuer sein könnte, das klingt insgesamt zu schön, um wahr zu sein. Ich wünschte es wäre so.

    • Profilbild
      mikelepau

      „…das klingt insgesamt zu schön, um wahr zu sein“

      ja, das befürchte ich auch.

      @Michael. Auf welche Studio- Monitore sind denn Deine Ohren eingepegelt, im Zusammenhang mit Deinem Twin, ? das wäre interessant zu erfahren, weil „Meisterleistung“ schon ein arg positive Aussage ist für so einen extrem günstigen 3 Wege- Lautsprecher.

      Ich habe letztes Jahr z.B. ein 6 er Modell dieser Firma gehört , die ich für ein absolutes Super-Billig- Setup nutzen wollte und selbst das war nicht möglich, bei dem Grundrauschen und dem Jahrmarkt-Klang der Box. Aber ich sehe auf Thoman auch fast nur begeisterte Bewertungen , wenn es um Kali geht. Ich mag mich also täuschen.

      • Profilbild
        Michael Fendt  RED

        Ich bin auf keine speziellen Monitore eingepegelt. Durch Tests, hier für Amazona, hatte und habe ich das Vergnügen viele verschiedene Modelle hören zu dürfen. Das geht von Behringer, Tannoy, Genelec, Mackie über Focal, Neumann bis hin zu PSI.

        Ich sage auch nicht, dass die KALIs über jeden Zweifel erhaben sind, ‚war selbst sehr überrascht und hatte nicht damit gerechnet. In dieser Preisklasse, finde ich, sind sie aber überdurchschnittlich gut.

        Probiert sie aus, wenn sie nichts für euch sind, schickt sie wieder zurück.

        • Profilbild
          mikelepau

          Danke für die schnelle Antwort Michael. Ich sehe gerade, dass Du die PSI21 genaus bewertet hast wie ich es tun würde. Somit werde ich mir dann tatsächlich mal die Kalis ins Haus kommen lassen …interessant.

    • Profilbild
      Michael Fendt  RED

      Ein Grund, warum Testgeräte unter Testern rumgereicht werden ist, dass die Geräte oft als B-Ware zurückgehen. Kann man schon nachvollziehen, das Hersteller oder der Vetrieb da nur wenige bis ein Model rumreichen. Ob ihr das glaubt oder nicht, ist natürlich euch überlassen. Ich behaupte es gibt keine speziellen „Testgeräte“. …hatte auch schon „Montagsgeräte“, es kommt aber tatsächlich eher selten vor. Der Qualtitätsstandard ist heutzutage einfach sehr hoch.

      • Profilbild
        Hectorpascal

        Bei Monitoren gibt es immer reichlich B-Ware. Ist wohl das Zalando-Prinzip dran schuld. Vier Paare kaufen und drei, wenn nicht alle wieder zurückschicken. Da lobe ich mir den Abhörraum im Music Store. Nicht optimal aber besser als in der Retourschleife gefangen zu sein. Ich bin immer noch geflasht von den KRK. Da wäre ich nie per Versand drauf gekommen.

  4. Profilbild
    smoo  

    Der würde mich auch gefallen. Aber wie schon angedeutet in den Kommentaren, bei anderen Test ist das Resultat katastrophal, auch bei diesem Modell. Ich würde daher den etwas teureren KRK Rokit V4 3-Weglautsprecher Empfehlen. Die kleinen 5 Zölller sind für den Preis überragend gut. Da frage ich mich wie die grossen klingen (hatten hier auch einen guten Test). Kali finde ich ein Risiko.

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