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Test: Roland SP-404MKII, mobiler Performance-Sampler

Gelungenes Upgrade oder nur Hype?

17. März 2023
Roland SP-404MKII test

Roland SP-404MKII, mobiler Performance-Sampler

Der Roland SP-404MKII Sampler hat sich in der LoFi-HipHop-Szene fest verankert und ein eigenes Genre kreiert. Ursprünglich wohl eher als DJ-Effekt mit der Möglichkeit, einzelne Samples abzufeuern und mit eher limitierten Möglichkeiten entwickelt, hat sich dieser SP-404 Sampler wohl seinen eigenen Weg gesucht und diesen definitiv auch gefunden. Mit dem Roland SP-404MKII hat der Hersteller die Idee der eigenständigen Groovebox aufgegriffen, auf ein neues Niveau gehievt und dabei vorbildlich auf die Community geachtet und deren Wünsche berücksichtigt. Der Roland SP-404MKII kann mit einigen neuen Features aufwarten, um die ihn seine Vorgänger beneiden und behält dabei seinen Vorteil des transportablen und in seiner Bedienung sehr direkten Samplers. Ob als Effektbox im bestehenden Setup oder als eigenständige Groovebox, der Roland SP-404MKII tanzt auf beiden Hochzeiten ganz wunderbar und das ist in der Tat recht selten.

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Hinweis: Basis des folgenden Tests ist die Firmware 2.0 des SP-404 MK2. Kurz nach Fertigstellung des Artikels legte Roland mit Firmware 3.0 nach. Alle Informationen zu dieser Firmware findet ihr hier:

Konstruktion des Roland SP-404MKII

Während seine Vorgänger, der SP-404A und der SP-404SX, optisch noch an die 90er-Jahre erinnern, wirkt der Roland SP-404MKII deutlich moderner. Die Frontblende besteht aus Metall und ist mattschwarz lackiert. Diese Stealth-Optik passt farblich gut zu den nun komplett schwarzen Tastern des Samplers. Die Frontblende ist mit vier silbernen Inbusschrauben befestigt.

roland sp 404 mk2 test

Mit einer Gehäusegröße von ca. 18 x 28 cm und einem Gewicht von ca. 1 kg hat der Sampler die optimale Balance zwischen Transportfähigkeit und Bedienbarkeit gefunden. Es passt in den Rucksack und kann gut im Park gespielt werden, macht aber auch im Studio oder auf der Bühne einen erwachsenen und robusten Eindruck.

Das Herzstück des Samplers sind 16 Pads, über die der Roland SP-404MKII gespielt wird. Die schwarzen Pads bestehen aus Gummi und verfügen über eine sehr gute Haptik.

Eine Neuerung des Roland SP-404MKII ist, dass nun sechszehn Pads zum Spielen der Samples vorhanden sind und dass sie über eine Velocity aka Anschlagsdynamik verfügen. Die Beschriftung ist durchsichtig in die Pads eingelassen und hintergründig beleuchtet. Also alles gut ablesbar und man findet sich schnell zurecht. Unterhalb der Pads befindet sich die Tastenfunktion, die in Kombination mit der Shift-Taste erreichbar ist, weiß auf das Gehäuse lackiert und erspart ein lästiges Nachschlagen im Handbuch. Vier weitere große Funktionstaster sind neben den 16 Pads angeordnet.
Vier schwarze Potis mit weißer, gut sichtbarer Markierung, sind oberhalb des Displays zu finden. Sie steuern die Effekte, sind gut zu greifen und haben einen cremigen Regelweg. Je nach gewähltem Effekt oder Menü haben sie eine andere Funktion. Das linke Poti bleibt aber immer für die Gesamtlaustärke vorbehalten.

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Das darunterliegende Display ist in seinem Design optisch an seine Vorgänger angelehnt. Die runde Abdeckung beherbergt jedoch ein rechteckiges Display. Dieses Display – und das ist das große Upgrade beim Roland SP-404MKII – ist ein OLED-Display, das Wellenform und Menüinformationen darstellt. Dadurch ist das SP-4040MKII weniger kryptisch als sein zahlenbasierter Vorgänger, bei dem man die Samples nach Gehör und Feingefühl zuschneiden durfte.

Umringt wird das Display von sechs größeren Tastern. Diese lassen sich mit fünf Effekten zum Direktzugriff frei belegen. Der ebenfalls dort zu findende MFX-Taster kann über ein Untermenü 36 spontan gewählte Effekte aktivieren.

Unterhalb des Displays findet man sämtliche Taster, die für die Menüanwahl, das Sampling und Resampling sowie die Bearbeitung der Samples vorgesehen sind. Die Taster wirken erstmal etwas einschüchternd, sind jedoch in ihrer Anordnung und Beschriftung vorbildlich und übersichtlich angeordnet. Der Taster zum Löschen ist übrigens durch etwas erhöhte Kanten des Gehäuses vor einem vorschnellen Drücken geschützt. Vielen Dank dafür. Ein weiteres wichtiges Bedienelement ist ein Encoder mit Tasterfunktion am rechten Rand. Dieser dient zur Navigation, zum Editieren und um den Roland SP-404MKII zu steuern.

Roland SP-404MKII

Seitlich ist ein Slot für eine SD-Karte eingelassen. Dieser Slot dient einerseits als Möglichkeit, um mit dem PC Samples auszutauschen, andererseits kann hierüber der interne Speicher von 16 GB mit einer zusätzlichen 32 GB Speicherkarte auf bis zu 48 GB erweitert werden.

An der Vorderseite befinden sich links zwei Kopfhöreranschlüsse. Eine 3,5 mm und eine 6,3 mm Buchse lassen keine Wünsche offen. Rechts daneben ist ein 6,3 mm Eingang für Gitarren oder Mikrofone, die gewünschte Preamp-Einstellung kann per Schiebeschalter und kleinem Gain-Poti eingestellt werden. Das kleine Gain-Poti ist geriffelt und gut greifbar, stört aber aufgrund seiner Größe auch nicht, wenn man den Sampler auf seinem Schoß platziert hat. Dann sollte man allerdings für den Kopfhöreranschluss einen Winkelstecker verwenden. Durch das leicht abgeschrägte Gehäuse sind die Buchsen zusätzlich etwas geschützt.

An der Stirnseite sind die vier 6,3 mm Buchsen für das Line In und Line Out platziert, die bei einzelner Belegung auch mit Mono-Signalen funktionieren. Die MIDI-Ein- und Ausgänge sind im kompakten 3,5 mm TRS-Format untergebracht, daneben liegt ein USB-C-Anschluss. Über die MIDI-Anschlüsse lassen sich andere Geräte synchronisieren, der USB-C-Anschluss kann zusätzlich für die Stromversorgung und da er Audio überträgt, auch zum Sampeln genutzt werden. Ein Schiebeschalter dient als Power-An-/Ausschalter und zu guter Letzt befindet sich natürlich eine DC-Netzteilbuchse an der Stirnseite. Auch hier ist alles gut beschriftet.

An der Rückseite des Roland SP-404MKII befindet sich noch ein Batteriefach, das mit sechs AA-Batterien werden kann und mit Akkus eine Laufzeit von ca. 3,5 Stunden verspricht.

Vier rutschfeste Gummifüße sorgen für einen festen Stand. Alles fühlt sich wertig an und ist robust verbaut. Also ideal für den Live-Einsatz oder unterwegs. Im schicken Karton liegt noch ein passendes Netzteil mit Winkelstecker bei. Der Winkelstecker ist von Vorteil, da er so nicht so weit aus dem Gerät heraussteht, den Power-Switch etwas abdeckt und so vor versehentlichem Abschalten schützen kann. Sämtliche MIDI-Adapter im 3,5 mm TRS-Format und USB-Kabel müssen separat erworben werden.

roland sp 404 mk2 test

Roland SP-404MKII Sampler in der Praxis

Roland hat beim Entwerfen des Designs des SP-404MKII sehr genau geschaut, wie sein Vorgänger genutzt wurde. Viele Nutzer haben zum Beispiel ihren 404 optisch individuell umgestaltet. Daher hat Roland die Frontblende schraubbar gemacht und bietet online auch gleich eine Schablone, um ein eigenes Design zu gestalten. So kann man ganze Custom Skins herstellen. Der Bildschirmschoner kann individuell hochgeladen werden und die Potiknöpfe wurden ebenfalls oft getauscht. Dies ist beim Roland SP-404MKII natürlich auch problemlos durch Abziehen der Potiknöpfe möglich.

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Allein das OLED-Display hebt den SP-404MKII auf ein ganz neues Level. Hier werden beim Sampling die Wellenformen abgebildet, es kann extrem weit reingezoomt werden und mit Cross Zero kann das Sample klickfrei geschnitten werden. Aktiviert man es, so rutscht der Schnittpunkt automatisch zum nächsten Nullpunkt und beim Loopen entsteht kein nerviger Klick.

Wenn man beim Sampling das End Snap on aktiviert, wird das Sample automatisch zum eingestellten Takt geschnitten, um Loops anzupassen. Das funktioniert super! Sampeln und loopen ist damit kinderleicht und macht richtig Spaß, ohne dass man stundenlang feinjustieren darf.
Es ist großartig, dass die Sounds per USB-C übertragen werden. So kann der Sampler blitzschnell via Kabel mit dem PC oder Smartphone verbunden werden und es kann in guter Audioqualität losgehen.

Die Pads des Roland SP-404MKII

Die Pads des SP-404MKII sind anschlagsdynamisch. Das ist in meinen Augen gerade für Drum-Samples ein riesiges Plus, denn die Drums klingen viel dynamischer, wenn sie wie bei einem echten Drummer mit unterschiedlichen Intensitäten gespielt werden. Ein umständliches, manuelles Anpassen der Lautstärken ist also nicht nötig. Für längere Soundsamples kann die Velocity natürlich deaktiviert werden. Das ist sogar pro Pad möglich. Das live Eintappen der Drums mit Velocity gefällt nicht auf Anhieb jedem, aber ich rate, bevor man die Velocity deaktiviert, zuerst mal im Menü des Roland SP-404MKII die Einstellungen der Velocity an deine Spielweise anzupassen. Mit verschiedenen Hüllkurven und Empfindlichkeiten lässt sich dies sehr gut anpassen und funktioniert dann tadellos.

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Die Pads sind recht flach und relativ kompakt angeordnet. Wer also gerne weit ausholt, sollte gut zielen können. Ich finde, dass sich die Pads sehr gut anfühlen, gut reagieren und sich sehr gut spielen lassen.

Wählt man einen einzelnen Sound und geht in den Chromatic Mode, spielt man die Töne chromatisch ein, um Melodien aufzunehmen. Dies ist auch möglich, während der Sequencer spielt. Allerdings bleibt die Sample-Länge, also der Envelope, konstant wie eingestellt und wird nicht beim Einspielen geändert. Ein langes Sample bleibt also ein langes Sample, auch wenn man es nur kurz anspielt. Im Gate Mode kann die Länge gespielt werden. Allerdings ohne eine einstellbare Release-Zeit. Vielleicht wird hier ja noch nachgebessert.

Im Chromatic Mode kann auch eine Polyphonie aktiviert werden, um Akkorde zu spielen. Insgesamt sind im Roland SP-404MKII Sampler 32 Stimmen gleichzeitig spielbar. Falls man noch mehr braucht, kann man jederzeit einzelne Sounds resampeln.
Spannend ist auch, dass zwei oder mehrere Pads mit Pad Link und Mute Group zugeordnet werden können. So triggert das Tappen von einem Pad im Pad Link Modus mehrere Pads synchron, ideal zum Stacken von Sounds. Es können mit der Mute Group aber auch einzelne Pads gestoppt werden, wenn ein anderes gespielt wird. Dies ist zum Beispiel bei der offenen und geschlossenen HiHat ein Klassiker.

roland sp 404 mk2 test

Alle Pad-Sounds lassen sich super einfach löschen, kopieren und gegeneinander austauschen. Und mit dem sehr unkomplizierten Sampling-Workflow ist der Roland SP-404MKII zu Recht als ein sehr unmittelbares und schnelles Instrument/Groovebox tituliert.

Effekte des Roland Samplers

Ein Herzstück des Roland SP-404MKII sind natürlich, wie bei seinen Vorgängern, die Effekte. Der SP-404MKII verfügt über 41 Effekte, wovon 17 als Input-Effekte nutzbar sind. Die Input-Effekte können beim Sampeln angewählt werden und werden dementsprechend direkt mit aufgenommen. Hierzu zählen Pitch, Vocoder und Amp Emulationen, die allesamt sehr gut klingen.

Die 36 Live-Effekte umfassen alle wichtigen Filter, Isolator und DJ-Effekte, die man von früheren 404-Versionen kennt. Toll ist, dass neben den Vinyl-Simulationen des SP-404SX und des SP-303 und auch eine Kassetten-Simulation mit an Bord ist.

Die Delays und Reverbs klingen sehr gut und haben ihren eigenen Charakter. Alle wichtigen Modulationseffekte, wie Phaser, Flanger, Wah, Tremolo und Verzerrer, sind natürlich ebenfalls mit dabei und sogar ein Juno Chorus ist hier zu finden. Das Spielen mit den Effekten macht Spaß und sie greifen wunderbar passend in das Klanggeschehen ein, um den Sound zu verbiegen.

Das Pitchen bzw. Timestretching funktioniert im Vinyl-Modus gut, es kann allerdings hier nur bis +/- 7 Halbtöne gepitcht werden. Oktavsprünge sind in den anderen Modi möglich, klingen aber nicht so berauschend. Also lieber leicht pitchen, resampeln und nochmals pitchen.

Zwei Effekte können über zwei Busse den einzelnen Pads zugeordnet werden. Also kann man zum Beispiel die Drums mit einem Compressor aufpumpen und die flächigen Synth-Samples mit etwas Reverb oder einem Filter bearbeiten. Zusätzlich sind noch zwei fest einzustellende Busse als eine Art Mastereffekte zu aktivieren. Diese zwei Busse können als Favoriten abgespeichert werden, um sie schneller anwählen zu können. Leider werden die gewählten Effekt-Settings der Busse 1 und 2 nicht abgespeichert. Hier würde ich mir pro Song zumindest eine Speichermöglichkeit wünschen. Aber bisher muss die gewählte Effekteinstellung dann in SP-404 Manier geresampelt werden. Also gut hinhören, entscheiden und festlegen.

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Die verbauten Regler zum Einstellen der Effektwerte und Bearbeiten der Samples sind Potis und keine Encoder. Aber auch deren Funktionsweise kann konfiguriert werden. Zur Auswahl stehen der „Direkt“- und der „Catch“-Mode, die jeweils für das Editieren der Samples und für die Effekte separat einstellbar sind. Im „Direkt“-Mode springt der eingestellt Wert zur Potistellung, im „Catch“-Mode wird der Wert erst verändert, wenn man das Poti über den vorgewählten Wert regelt. Er greift also den aktuellen Wert auf und verändert ihn von dort an. Das finde ich beides praxistauglich und ich vermisse keine Encoder. Bei Encodern würde die weiße Markierung der Potis wegfallen müssen und darunter würde die Übersichtlichkeit der aktuellen Einstellung in meinen Augen irgendwie leiden.

Wie arbeitet man mit dem Roland SP-404MKII?

Der Workflow des Roland SP-404MKII ist definitiv anders als bei anderen Samplern oder Grooveboxen. Sicherlich, mit dem Integrieren des Pattern-Sequencers ist auch eine traditionellere Arbeitsweise möglich, aber der Hauptteil der Arbeit liegt immer noch im Sampling, Slicing, bearbeiten und Resampling. Ähnlich wie beim Arrangieren einer Aufnahme im Studio, erarbeitet man sich beim Songwriting auch gleich den gewünschten Sound. Bereits die Beatles haben das Tonbandgerät nicht nur zum Festhalten der fertigen Songs, sondern auch durch Zerschneiden und rückwärts abspielen der Bänder auch als Songwriting-Element genutzt. Der Workflow des Roland SP-404MKII ist dem in gewisser Weise ähnlich.

Aus schlichten Drum-Samples werden so durch das Layern von zwei Kick-Sounds, etwas Kompression und Verzerrung, einem Filter und ein leichtes Pitching charaktervolle und individuelle Sounds. Da lediglich zwei Effekte gleichzeitig genutzt werden können, muss man weitere Effekte durch Resampling mit aufnehmen. Das heißt, Entscheidungen treffen und bewusst hinhören. Vergleichbar ist das Vorgehen daher mit dem Teenage Engineering OP-1, bei dem eben auch alle Veränderungen auf dem virtuellen Tonband aufgenommen werden und nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Eine Art Undo-Funktion gibt es dann beim Roland SP-404MKII schon, indem man das Sample ohne Effekte einfach nicht löscht und so jederzeit wieder ersetzen kann. Durch diesen Resampling-Workflow wird das SP-404MKII zu einem Instrument und auf den ersten Blick fehlende Bearbeitungsmöglichkeiten können durch Resampling umgangen werden.

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Der Roland SP-404MKII hat seinen eigenen Sound. Auch viele Effekte kolorieren den Klang bereits, selbst in Ihrer Neutralstellung. Und das ist auch der Sinn dieses Geräts: aufnehmen, klanglich verfremden bis zum Gehtnichtmehr und so entsteht etwas Eigenes. Man muss ja auch nicht immer nur fremde Samples nutzen. Auch mit dem eigenen Synths oder der Gitarre lassen sich Samples aufnehmen und dann so zerstückeln und bearbeiten, bis aus dem schnöden Gitarrenriff oder den drei Akkordwechsel des Synths ein neuer Hit entsteht. Durch das Loopen oder Einspielen in den Sequencer erhält man schnell ganze Parts. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und der Roland SP-404MKII Sampler verleitet zum Experimentieren. Während andere Sampler die Parts eher arrangieren und verwalten, kann der SP-404MKII inspirieren und entwickelt seine ganz eigene Art, genutzt werden zu wollen. Mit der Zeit wird jeder seinen eigenen Workflow entwickeln und die Samples zwischen dem Sequencer und den Pads hin und her sampeln.

Pattern-Sequencer

Der integrierte Sequencer kann von einem bis zu 64 Takte lang sein und in Echtzeit entweder quantisiert oder unquantisiert eingespielt oder als Step-Sequencer programmiert werden. Er kann auch Swing programmieren, indem man die einzelnen Steps verschiebt oder eben mit Swing eintappt. Dieser Pattern-Sequencer, der übrigens auch über einen Song-Mode in Form von Pattern-Chains verfügt, muss aber nicht der finale Song sein. Auch der Sequencer kann genutzt werden, um mehrere Samples und Loops wieder zu resampeln. Und so kommt man nach und nach zu seinem gewünschten Sound und Song.

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Die Patterns lassen sich auch kopieren oder beschneiden. Das nachträgliche Bearbeiten von melodischen Patterns im Step-Mode ist etwas umständlich und eine Möglichkeit, einzelne Steps separat anzuhören, gibt es noch nicht. Da der Sequencer erst später hinzugefügt wurde, wird hier sicherlich noch nachgebessert. Undo ist beim Pattern übrigens bis zu 16 Schritte möglich. Sowohl zum Sampeln externer Instrumente, als auch beim Programmieren von Patterns leitet ein Metronom durch die Aufnahme. Ein Count in ist ebenfalls aktivierbar. Hier ein Kritikpunkt oder ein Wunsch für das nächste Update: Ein Einzähler beim Sampling mit Playback ist bisher leider nicht möglich. Hier geht es gleich los und da in den anderen Aufnhmesituationen ein Einzähler möglich ist, würde ich ihn mir auch an dieser Stelle wünschen.

Das MIDI-Synchronisieren funktioniert mit den von mir getesteten Geräten gut und es können Patterns synchron zu externen Geräte gestartet oder, anders herum, einzelne Sounds vom Roland SP-404MKII getriggert werden.

DJ-Mode des Roland SP-404MKII

Und last but not least möchte ich auch noch auf den DJ-Mode eingehen. Hier lädt man zwei fertige Songs, um diese dann zu synchronisieren, mit Effekten zu performen, Parts zu loopen und mit einem Crossfader überzublenden. Per Cue kann der jeweilige Track vorab angehört werden, bevor er scharf geht. Also wirklich eine Möglichkeit, um ein komplettes Set nur mit dem Roland SP-404MKII zu bestreiten. Respekt!

Sampling-Fakten des Roland SP-404MKII

Die Samples können bis zu 16 Minuten lang sein und werden in 16 Bit mit 48 kHz in Stereo aufgenommen. Beim Import von Samples sind WAV- und MP3- wie auch AIFF-Files kompatibel. Der Speicher ist enorm und so speichert der Roland SP-404MKII 16 Samples in 10 Bänken und 16 Projekten. Also kurz gerechnet: 2.560 Samples. Diese lassen sich natürlich über den Editor leicht und schnell austauschen.

Roland SP-404MKII

Ein weiteres großartiges Feature, das den Roland SP-404MKII von sämtlichen anderen Samplern abhebt, ist die Skipback-Funktion. Hier sind standardmäßig 25 Sekunden voreingestellt, es können aber bis zu 40 Sekunden konstant zwischengespeichert werden. Diese Funktion wird immer dann aktiviert, wenn ein Threshold überschritten wird. So kann super einfach gesampelt werden, indem man seine Sample-Quelle durch den SP-404MKII abspielt und so den gewünschten Part nach dem Anhören abspeichern kann. Ein lästiges Skippen nach dem Anhören zum Sampeln entfällt also. Einfach auf den blinkenden Mark-Button klicken und schon findet man das mitgeschnittene Soundfile. Auf diese Weise lässt sich die Spur bereits normalisieren und schneiden und dann auf einem Pad abspeichern. Das nenne ich eine Vereinfachung des Samplings.

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Fazit

Der Roland SP-404MKII Sampler ist ebenso wie seine Vorgänger mehr ein Instrument als ein reiner Sampler oder eine Groovebox. Das Aufnehmen und Arrangieren ist kinderleicht, blitzschnell und man verliert sich leicht in den kreativen Möglichkeiten der Effekte. Es macht einfach Spaß, die Samples zu zerstückeln und neu zusammenzusetzen. Mit dem OLED-Display ist das Ganze jetzt auch viel exakter möglich und der Roland SP-404MKII ist dadurch in meinen Augen erwachsender als seine Vorgänger. Der Pattern-Sequencer vereinfacht den Workflow. Gerade wenn das Fingerdrumming frei eingespielt etwas zu viel Swing hat, kann der Sequencer hier eine solide Basis liefern. Durch weiteres Klang-Shaping und Arrangieren kann man schnell neue Ideen umsetzen. Und das aufgrund des Batteriebetriebs und des kompakten Designs auch jederzeit unterwegs.

Während die Vorgänger aufgrund ihrer Limitierungen (Monophonie und ungenaue Chopping-Möglichkeiten) zu 100 % mit LoFi-Hip-Hop verbunden werden, ist der Roland SP-404MKII wirklich für alle Genres offen. Polyphon, exaktes Sampling und Chopping. So dürfen sich nun alle über den inspirierenden und schnellen Workflow und die genialen Effekte des Roland SP-404MKII freuen. Dementsprechend ein definitiv gelungenes Upgrade, das den SP-404SX ganz schön alt aussehen lässt.

Plus

  • schneller Sampling-Workflow
  • Effekte
  • Skipback
  • Verarbeitung
  • Gitarreneingang mit Amp-Simulation
  • USB-C-Sampling
  • Sampling-Kapazitäten
  • OLED-Display

Minus

  • kein Einzähler beim Resampling zum Pattern-Sequencer
  • Effekt-Settings nicht speicherbar
  • leine „spielbare“ Sample-Länge
  • kein Abhören einzelner Steps im Sequencer-Mode

Preis

  • 499,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    rio AHU

    Ich kann diese Version nicht testen, aber ich hatte mal den ersten SP-404. Vom Prinzip ist es ein Supergerät. Wer aber glaubt, mit kleinen Sample-Snippset, den Roland (SP-404) in einen Drumsampler zu verwandeln, sei gewarnt. Auf Grund der Architektur (direktes Lesen von der Karte) kam es dann zu Latenzen, bzw. Verzögerungen durch die Abarbeitung der Queue (wenn es viele kleine Abfolgen noch zu verarbeiten gab) und damit auch zu einem Desync, gerade bzgl. externer Midi Clock.

    Das passiert sicher nicht bei grösseren Loops oder Samples, welches wahrscheinlich der normale Anwendungsfall ist, aber das sind meine Erfahrungen und ob Roland da hinsichtlich was geändert hat, wäre wirklich interessant (wage ich aber zu bezweifeln), als alle anderen Features …

    …obwohl das Gerät für mich sowieso nicht mehr interessant ist.

    Übrigens ‘Velocity’ hatte bereits die erste Version, aber keine Anschlagsdynamik.

    • Profilbild
      glain

      @rio Die Geräte lassen sich nur teilweise vergleichen. Ist wie bei den alten und neuen MPCs.

      Die sp404 mk2 ist aber wirklich ein Schweizer Taschenmesser: Recorder, Beatsbauen, Effektbox, DJ Mode

      Und seit 3.0 ist sie noch aufgedrehter.

      Ist auch nicht so simpel zu befunden, weil viele Shortcuts und Fingerakrobatik.

      Für Menschen mit Einschränkungen daher leider ungeeignet.

  2. Profilbild
    astral_body

    Der SP-404 MK II macht einfach Spaß und die Updates sind super.
    Ich mecker immer gerne über Roland, aber das Teil wird immer besser. (habe auch einen MPC Live: Der kann viel mehr, ist aber auch viel komplizierter… Beide sind cool).

    Was extra cool ist: man kann vom iPhone/iPad direkt per Lightning oder USB-C nach USB-C sampeln.
    -> Der SP-404 MK ii ist aus sicht von iOS ein class compliant Audio Interface. Also keine D/A-> A/D Wandlung per 3,5 Klinke. Müsste auch direkt vom PC aus funktioneren. Einfach USB-Kabel an den PC und der SP 404 wird als class compliant Audiointerface (-> Keine Treiber erforderlich) erkannt .
    Damit kann man alles per USB -> USB-C sampeln .

    Das macht das Sampeln super spassig:
    – Loops direkt von Audio Streaming App auf Pad sampel? Kein Problem
    – Youtube, etc. sampeln.. usw.

    Einfach iPhone an den SP-404 und munter samepln.
    Der SP-404 viele sinnvolle funktionen, die oft über Hotkeys zu bedienen sind.
    Das macht das Sampeln super fix.

    Insgesamt ein sehr geiles Teil, dass ich 100% mit Batterie auf dem Sessel nutze.

  3. Profilbild
    Jens Barth

    Die Funktionen des 404MKII sind alle gut, da gibt es nichts zu bemängeln. Allerdings hat es Roland nicht geschafft, den warmen Vintage – Sound des 303 zu erreichen.

  4. Profilbild
    kritik katze

    das ding triggert pads sample genau,also nicht altes midi seriell.
    das haben die gemacht, damit die loops nicht flangen
    fuer selbst eingespielte patterns ueber 120bpm hatt das ding kein feeling
    wenn sie hart quantisieren

    das nuetzen auch die angeblichen groove funktionen nichts, weil es nicht wirkt

    schade, die heatten beide trigger sorten einbringen koennen
    so bleibe ich lieber bei meiner mpc oder emx, mc909
    auch schade, weil der klang von sp404 so top ist und es so easy ist patterns zu machen

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