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Interview Timothy Lamb: Mastermind Dirtywave M8 Tracker

Die One-Man-Show hinter dem M8 Tracker

25. Januar 2023

Als ich Timothy Lamb im Mai 2022 bei der SUPERBOOTH in Berlin traf, stand ich noch auf der Warteliste für den Dirtywave M8 Tracker und war maximal gespannt auf das, was mich im September erwarten sollte. Was ich dann, schon früher als erwartet, bekommen habe, hat mich einfach aus den Socken gehauen und es ist unglaublich, wie schnell die Stunden vergehen, wenn man das kleine Wunderwerk in Händen hält.

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Über den Sampler Dirtywave M8 Tracker

Der Dirtywave M8 Tracker ist schon lange kein Geheimtipp mehr, auch wenn er immer nur in kleinen Chargen hergestellt und angeboten wird. Der handliche Tracker, der für viele die optimale, gesuchte „auf der Couch Jam“-Option darstellen dürfte, verfügt trotz des handlichen Formats über zahlreiche Features, die wir sonst nur von modernen Grooveboxen erwarten: vom Sampler, FM-Synth, Chiptune, MIDI-Sequencer über Synths, die auf dem Mutable Instruments Braids basieren, bis zum Waveform Synth, Virtual Analog Synth und einem 8-Track Sequencer, der pro Step umfangreich editierbar ist. Das Ganze basiert auf einem kleinen Teensy und wird von einem Ein- Mann-Unternehmen hergestellt. Ich muss jetzt als User einfach mal sagen, dass der M8 Tracker wirklich eine großartige Sache ist und ich bin froh, dass ich mit meiner Frau zusammen Musik mache, ansonsten würde sie mich wohl nur noch selten zu Gesicht bekommen, seit ich den M8 Tracker habe.

Für einige ist ein Tracker immer noch ein Mysterium und die fehlende Tastatur zur Eingabe der Notenwerte schreckt viele Musiker vielleicht erst einmal ab. Aber jeder, der schon mal eine Groovebox bedient oder ein Konsolen Spiel gezockt hat, wird die Shortcuts des Dirtywave M8 Tracker sehr schnell verinnerlichen.

Der Dirtywave M8 erinnert nicht nur optisch vom Format an einen Gameboy. Das Konzept basiert lose auf dem legendären Little Sound DJ, auch als nicht bewusstseinserweiterndes LSDJ bekannt, und wurde in die Moderne gehievt. Die 8 Tracks sind beim Komponieren mehr als ausreichend, da pro Track in jedem Step ein anderer Sound getriggert werden kann.
USB-Audio und MIDI sind ebenfalls mit an Bord und so kann der Dirtywave M8 Tracker auch mit seinen Onboard-Effekten, Delay und Reverb, auch als Audiointerface für andere Geräte genutzt werden. Aber neben der kompakten Steuerzentrale für andere MIDI-Geräte liegt sein Haupteinsatzgebiet wohl in dem Standalone-Betrieb. Welche andere Groovebox ist schon so kompakt und batteriebetrieben und lässt sich überall mit hinnehmen, um spontan ein paar neue Songs zu kreieren oder einfach nur DAWless zu jammen?

Für uns Grund genug, mal etwas mehr über den Mann hinter dem kuriosen M8 Tracker zu erfahren und auch, wenn er gerade wirklich viel mit der aktuellen Charge des M8 Trackers um die Ohren hat, nahm Timothy Lamb sich ein paar Minuten für die 7 Fragen des DelayDude.

Erfahre mehr über die Geschichte hinter dem M8 Tracker, warum Corona auch vor einem Sequencer/Synthesizer nicht Halt macht und welche 3 Geräte Tim auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wenn der M8 Tracker gerade mal wo anders Urlaub macht.

Der Dirtywave M8 Tracker

DelayDude:
Du hast mal gesagt, dass die Motivation, etwas wie den M8 Tracker zu entwickeln, ein Traum deiner Jugend war, in dem du davon geträumt hast, einen Laptop zu besitzen, der schnell genug ist, so dass Fast Tracker 2 darauf läuft, damit du auch unterwegs Musik machen kannst. Von einem Traum bis zur Umsetzung war es aber sicher kein leichter Weg und so würde ich mich freuen, wenn du uns auf eine Reise durch die Vergangenheit nimmst und uns ein bisschen was darüber erzählst, wie alles so kam, wie es heute ist.
Die Standardfrage für jeden Musiker lautet natürlich: Wie bist du zur Musik gekommen, mit welchem Instrument hast du deine ersten Schritte in der Welt der Musiker gemacht und wer hat dich dazu motiviert und oder inspiriert (Familie, Freunde, Künstler)?

Timothy Lamb:
Seit ich denken kann, wollte ich immer Klavier spielen. Etwa 1986, als ich ungefähr 7 Jahre alt war, kaufte mein Vater einen Amiga 1000. Er machte mich mit Delux Music (Notations-Software) und später mit Med, Protracker (Musik-Tracker-Software) und einem Casio CZ1-Synthesizer (den ich immer noch besitze!) bekannt.

DelayDude:
Vom ersten Ton auf welchem Instrument auch immer bis hin zu dem letzten Song, den du auf dem M8 Tracker komponiert hast – erzählst du uns etwas über deine musikalische Entwicklung? Und war der M8 Tracker tatsächlich dein erstes Projekt?

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Timothy Lamb:
Der M8 Tracker ist nicht mein erstes Projekt. In den frühen 2000er-Jahren habe ich einige Native Instruments Reaktor Instrumente wie OKI Computer entwickelt, ich habe auch einige der GUIs für Synthesizer entworfen, die in der Reaktor 4 Bibliothek enthalten sind. Was die Hardware betrifft, habe ich das Open-Source-Projekt Arduinoboy (ein Arduino-basiertes MIDI-Interface für den Gameboy) sowie einige andere Tools entwickelt.

DelayDude:
Von der Idee bis zur Auslieferung der ersten Charge war der Weg aber sicher alles andere als einfach: Erzählst du uns etwas über die Höhen und Tiefen der Entwicklungsarbeit und der Herstellung?

Timothy Lamb:
Abgesehen von der globalen Situation und Versorgungsproblemen war der tiefste Punkt, an den ich mich in der frühen Pre-Beta-Phase erinnern kann, die Ankündigung des Polyend Trackers und des Analogue Pockets. Ich hatte das Gefühl, wenn es diese Produkte schon vor meinen Anfängen gegeben hätte, wäre ich nie dazu inspiriert worden, einen Hardware-Tracker zu entwickeln. Unabhängig davon bin ich froh, dass ich es getan habe, da sie alle sehr unterschiedlich sind und es schön ist Optionen zu haben.

DelayDude:
Und was glaubst du, wie froh ich erst bin, dass du den M8 Tracker trotzdem rausgebracht hast. Wie gesagt, so ein Teil zu entwickeln und es dann auch in der Qualität zu produzieren, ist eigentlich für eine One-Man-Show kaum machbar. Hattest du Hilfe bei dem ganzen Prozess und wer hat dich in der Zeit auf welche Weise am meisten unterstützt?

Timothy Lamb:
Ich hatte keine Hilfe bei der Herstellung eines Synthesizers oder eines vollständigen Produkts in dieser Größenordnung – ich wünschte, ich hätte sie gehabt! Aber das Online-Interesse, die Kollegen und diejenigen, die meine frühen Bemühungen auf Patreon unterstützten, erblühten zu einer unglaublichen Community, die mich konzentriert hielt.

DelayDude:
Wow, Hut ab! Planst du trotz der Anstrengungen, die die letzten Jahre so mit sich gebracht haben, noch weitere Projekte oder bleibt der M8 Tracker erst einmal ein Einzelkind?

Timothy Lamb:
Der Schlüssel dazu, wie das Projekt dahin kam, wo es jetzt ist, liegt darin, kleine Babyschritte zu machen beziehungsweise ein Problem nach dem anderen anzugehen. Während ich langsam die geschäftliche Seite der Dinge lerne und in die Zukunft schaue, gibt es noch viele weitere Schritte zu gehen. Ich habe einige Projektideen, aber wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, ist es ziemlich schwierig, Teile zu beschaffen und ich fürchte mich derzeit davor, diese Probleme mit einem anderen Produkt zu multiplizieren.

DelayDude:
O ja, sich als Newbie in die Geschäftswelt reinzufuchsen und dann noch diese Nummer mit den Lieferschwierigkeiten stresst mich auch extrem. Aber trotzdem ist es letztlich doch verdammt geil, das machen zu können, was einem das Herz aufgehen lässt. Wenn du aber einen Job machen müsstest, der nichts mit Musik zu tun hat, was würdest du machen?

Timothy Lamb:
Ich würde wohl das machen, was ich vor dem Start des Projekts gemacht habe … Programmierung und Elektrotechnik in Robotik und Animatronik.

DelayDude:
Ich weiß, diese siebte und letzte Frage ist echt gemein, aber welche 3 Devices/Instrumente außer dem M8 Tracker würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum diese?

Timothy Lamb:
Was keinen M8? Na dann wäre es wohl ein Sequential OB-6, ein Laptop, und, obwohl ich noch keinen besitze, ein Elektron Syntakt.

DelayDude:
Vielen Dank Tim, dass du dir die Zeit für unsere 7 Fragen genommen hast und wir sind gespannt, was wir noch so von dir hören werden.

Dirtywave ist also wirklich ein Ein-Mann-Unternehmen, mit einem unglaublich sympathischen und kreativen Typ. Aber gerade weil er das Ganze alleine aufzieht, ist der Dirtywave M8 Tracker nicht immer erhältlich. Die aktuellen Lieferschwierigkeiten von Bauteilen und der Umstand, dass alle Geräte von einer Person per Hand hergestellt werden, zwingen uns Kunden, auch mal ein bisschen auf ein Gerät zu warten. Es empfiehlt sich daher, den Newsletter von Dirtywave zu abonnieren und zu schauen, wann die nächsten M8 Tracker erhältlich sind. Und auch, wenn der eine oder andere das anders sieht: Ich muss gestehen, dass es lohnt.

 

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Forum
  1. Profilbild
    [P]-HEAD (S.Bernhardt) RED

    Danke für das Interview. Der M8 ist schon ein sehr interessantes Gerät. Kann mir jemand die Frage beantworten, ob das Gerät auch seine einzelnen Instrumente oder Effekte als eine Stereo Summe ausgibt? Also, kann man im Gerät selbst einen relativ brauchbaren Stereo-Mix hinbekommen?

    • Profilbild
      DelayDude RED

      Hi [P]-Head,
      das Ding ist in der Tat super interessant. Man kann alles im Stereo Panorama pannen, sogar pro Step wenn man das möchte. Die Regelmöglichkeiten sind schier unendlich und der Stereo-Mix ist super easy.

  2. Profilbild
    Lumm

    Irgendwie ein ziemlich cooles Teil. Und was die Community damit produziert, ist beeindruckend. Ich vermute aber, dass es für mich persönlich zu viel Menudiving und Shortcuts sind, die mich nerven würden. Ausprobieren würde ich sehr gerne, aber 600 bucks sind dann doch etwas zu viel. Der Weg zu kleinen, kreativen Geräten bleibt spannend. Toll, dass es so viele Musiker mit technischem Background gibt, die sich auch was trauen 👍

    • Profilbild
      DelayDude RED

      Hi Lumm,
      erstaunlicher Weise ist es bei dem M8 Tracker so, dass jeder, der einmal Gameboy gespielt hat, ist ruck zuck drin ist. Meine Frau hat damals auf der SUPERBOOTH ziemlich große Augen gemacht, weil sie sich überhaupt nicht vorstellen konnte, dass man mit dem Ding irgendwas zustande bringt. Jetzt liebt sie den „Mate“. Wir nutzen ihn in unserem musikalischen Nebenprojekt ziemlich intensiv und haben große Teile unseres 4. Albums damit gemacht.

      Ich finde es auch großartig, das Tim die Sache durchgezogen hat. Obwohl es wohl alles andere als einfach war und ich bin gespannt, was er noch so macht. Mal sehen, vielleicht ist er ja auch in diesem Jahr wieder bei der SUPERBOOTH in Berlin 😉

      Übrigens: Als kostengünstige Variante, um zu checken, ob der Workflow einem zusagt oder nicht, gibt es die H8 Headless Firmware. Wer ein bisschen programmieren kann, kann sich mit Arduino eine Einsteiger-Variante programmieren. Man kann damit zwar nicht samplen und hat auch noch einige Hartware-Limitationen, aber wie gesagt: um den Workflow zu lernen und vor allem, um die Wartezeit zu überbrücken, bis man den echten M8 Tracker zu Hause hat 😜, ist das eine gute Sache.

      • Profilbild
        DelayDude RED

        Auto-Korrektur😂Ich meinte natürlich M8 Headless Firmware und HarDware😂
        Aber der Rest hat es durch meine dicken Wurstfinger geschafft – ERGO: auch mit unkoordinierten Pranken lässt sich der M8 Tracker nutzen👍

  3. Profilbild
    Ashatur AHU

    Ich bin seit dem ersten Bericht von dem M8 Tracker echt fasziniert und als Nintendofan der ersten Stunde eigentlich ein Muss!
    Leider ist er mir einfach zu teuer aber falls ich mal wieder etwas mehr auf der hohen Kante haben sollte dann wäre der M8 echt eine Option für mich.

  4. Profilbild
    lunatic AHU

    Einen Amiga links mit Protracker (4 Spuren) und einen Amiga rechts mit Protracker (4 Spuren)…. gesynct mit einem (ich weiß es nicht mehr) Kabel! Das lief mindestens 1-2 Minuten synchron. Für mich der Himmel damals. Viel schöner als das Dubben mit dem Fostex 4 Spur😆

    Ja, ich finde Tracker (wahrscheinlich) immernoch super, zumal durch die Arbeitsweise ganz andere, teils spannende Ergebnisse zustande kommen.
    Nur an einen hardware-tracker wage ich mich noch nicht heran. Das hieße die DAW-comfortzone verlassen. Ob ich das noch kann?….

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