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Test: RYK Modular M-185, Dual-Channel Eurorack Sequencer

Sequencer Klassiker - aber noch immer taufrisch!

18. Februar 2022
ryk modular m185 test

RYK Modular M-185, Dual-Channel Eurorack Sequencer

Besonders freue ich mich, wenn auch eher unbekannte Geräte von kleinen Herstellern in meinem „Testlabor“ landen, so der RYK Modular M185 Eurorack Sequencer. Der Name des Moduls ist mir aber schon lange geläufig, weil dieses Produkt immer in Verbindung mit dem Intellijel Metropolis Sequencer genannt wurde. Das Konzept des schon viele Jahre erhältlichen RYK Modular M185 Sequencers war sozusagen Inspiration für das Intellijel Metropolis Modul und diese Technik wurde sogar von Intellijel offiziell lizenziert! Nun liegt die verbesserte 2.0 Version des Urahnen M185 vor und wird meinen Test durchlaufen müssen. Sofern bin ich recht gespannt, wie sich das RYK Modular M185 Modul behaupten kann. Die neue Software/Hardware beinhaltet folgende Features:

  1. Erweiterung: Anschluss auf der Rückseite, um einen zweiten RYK M-185 anzuschließen, um einen 16-Stage-Sequencer zu erhalten
  2. einige Quantisierungsskalen zusätzlich
  3. eine Live X0X Gate-Pattern-Programmierung
RYK MODULAR_M185_Kit

Der Ryk M185 ist auch als DIY-Kit erhältlich

Man darf sich zwischen dem Kauf eines fertigen Moduls und dem Kit als Bausatz entscheiden.
Das Kit ist gut ein Drittel günstiger, beinhaltet jedoch alles, um einen vollwertigen Sequencer zu bauen. Allzu kompliziert ist der Bausatz nicht, denn er besteht hauptsächlich aus Standardkomponenten in der üblichen Größe. Wer also etwas Muse und Erfahrung hat, kann getrost zum DIY-Paket greifen. Eine Anleitung zum Bau und alle erforderlichen Informationen findet man auf der Hersteller-Website. Den Bausatz bekommt man jedoch nur direkt aus England, wobei das fertige Modul bei Schneidersladen erhältlich ist.

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RYK Modular 185_overview

Der Standardlieferumfang im Bereich Eurorack wird auch hier erfüllt. Eine gedruckte Anleitung in Englisch, schwarze Schrauben inklusive Washern, ein MIDI-Adapterkabel und ein spezielles Splitterkabel für den zweiten Sequencer-Kanalausgang liegen bei. Die achtseitige Anleitung stellt alle Funktionen sachlich, komplett, aber etwas zu kurz dar.

Das grundlegende Konzept des RYK Modular M-185

Der RYK Modular M-185 ist ein Sequencer für den schnellen Zugriff ohne Speichermöglichkeit. Das heißt, was an der Hardware eingestellt oder verändert wird, geschieht sofort oder spätestens beim nächsten Sequenzdurchlauf. Somit ist dieser Sequencer für das intuitive Ansteuern von Klangerzeugern oder anderen „Modulempfängern“ konzipiert. Garniert mit 16 quantisierten Skalen gibt es auch musikalisch sinnvolle Ergebnisse. Die Skalierung ist auch abschaltbar!

8 identische Bereiche lassen sich auf der Frontplatte ausmachen. Dies sind die sogenannten Stages, sprich die Plätze eines 8-Step-Sequencers. Jede Stage beinhaltet das Poti für die CV Spannung (z. B. Tonhöhe), darunter gibt es den Slider, der festlegt, wie oft diese Stage intern angetriggert wird, bevor es zur nächsten Stage weitergeht. Maximal 8x pro Step ist das möglich. Es wird dann sozusagen 8x der Wert des oberen CV-Potis ausgegeben. Der Slider darunter ist für den Gate-Mode dieser Stage zuständig. Hier gibt es auch 8 verschiedene Verhalten, die einstellbar sind. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Von stumm über verschiedene Triggerarten bis hin zu einer programmierbaren Variante oder einem ständigen Wert (Slide). Im Extremfall hat man somit 64 erzeugbare Gates. Hier die Übersicht als Grafik:

RYM M185_sequenzer_gates

Mehr Gate Modes als beim Intellijel Metropolis

Was kann der RYK Modular M-185?

Alles, was ein Sequencer im Eurorack benötigt, ist hier vorhanden. Selbstverständlich sind das das Lauflicht, welche Stage gerade aktiv ist, Clock In/Out, Reset In, MIDI In und MIDI Out. Neben dem runden RUN/STOP (grau) und dem RESET/MENU (rot) Taster gibt es noch zwei weitere Taster in Blau, die zum einen für die Menüführung in den Einstellungen notwendig sind und zum anderen als einfache Vor- und Zurück Funktionen dienen. Vier weitere Drehregler sind für das TEMPO, das PORTAMENTO, die Einstellung der Gesamt-Stages, die gespielt werden und für die GATE Time zuständig.

Der Sequencer Kanal 1 hat einen eigenen CV-Out und einen GATE-Out. Kanal 2 wird mit der beiliegenden Kabelpeitsche anhand eines Stereo-Outs als Miniklinke auf GATE und CV aufgeteilt. Ich schätze, es war einfach kein weiterer Platz mehr vorhanden. Sei’s drum! Hauptsächlich wird sowieso nur 1 Kanal genutzt. Auf die Besonderheiten des zweiten Kanals gehe ich gleich noch mal ein. Wie man sieht, liegt das Wichtigste direkt vor einem.

RYK M185_Sequenzer_eurorack

Drei Schieberegler auf der Frontplatte habe ich noch unterschlagen:

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  1. Als Spielmodi stehen Vorwärts, Ping-Pong, Random und eine selbst einstellbare Länge zur Auswahl. Diese wird durch den Drehknopf „STAGES“ definiert und spielt diese Zahl in der Länge mal 4 ab. Also 8 Stages x 4 Clock Pulses ergibt 32er Länge. Danach startet die Sequenz erneut von vorne.
  2. Die beiden Sequencer-Kanäle lassen sich durch drei verschiedene SPLIT MODES voreinstellen. Die „normalste“ Einstellung ist Kanal A alleine, die Kanäle werden nicht aufgeteilt. Danach erfolgt der serielle Mode, in dem Kanal A eine definierte Anzahl an Durchgängen durchläuft. Danach folgen die Werte des Kanal B, ebenfalls in einer definierten Anzahl ausgegeben. Erst spielt also Kanal A, dann Kanal B und dann wieder A usw. Im parallelen Split Mode spielen A und B gleichzeitig. Ein Split-Point muss in jedem Fall eingegeben werden.
  3. Der unterste Schieberegler ist für den Spannungsbereich der ausgehenden CV-Signale zuständig. 2 V quantisiert, 5 V quantisiert oder 5 V unquantisiert stehen bereit. Hier befindet sich auch die Glide-Programmierung.
M185_sequenzer_switches

4-fach Schieberegler für zusätzliche Funktionen

Neben dem direkten Zugriff über die Frontplatte, gibt es auch noch einen Menü-Modus, mit dem man neben grundlegenden Einstellungen auch noch allerhand wichtige Kleinigkeiten, z. B. das Anpassen der eingehenden Clock bearbeiten kann. Bei Korg Volcas oder Teenage Engineering Geräten, die 2PPQ als Clock senden und verarbeiten, ist das mehr als nützlich. Der Zugriff ins Menu ist auch gut gelöst, denn dort erklären die Lauflicht-LEDs anhand anderer Leuchtfarbe den Menüpunkt. Somit behält man den Überblick. Der Sequencer kann indes ruhig weiterlaufen.

RYK Modular 185_menusystemJa, das ist sogar für den musikalischen Verlauf zwingend notwendig, denn durch das Setup-Menü gelangt man auch zu den verschiedenen Quantisierung-Skalen, die sich während des Betriebs durchschalten lassen.

RYK Modular 185_scale_submenu

Tipp: Wenn man sich im Skalenmenü befindet, regelt der GATE Time Regler die Grundnote in Semitönen. Wie sich das musikalisch auswirkt, kann man im unten stehenden Video sehen und hören.

Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass es keinerlei CV-Inputs gibt. Das mag verschmerzbar sein, denn der RYK M185 ist kein Haupt-Sequencer und eher ein Nebenschauplatz für den schnellen Zugriff und eine spontane Bedienung.

RYK M185_frontview test

Die Sache mit der Hardware

Das Modul ist in dieser Hardwareform schon viele Jahre erhältlich und scheint sich bewährt zu haben. Alle Slider sind in Standardqualität ausgeführt, so wie man es kennt. Trotzdem muss man schon genau die Schieberegler an die richtige Position setzen. Denn ab und zu rastete der Slider nicht im neuen Wert ein und somit wurde dieser Step ganz ausgelassen. Das ist nicht so schön! Wenn das einem öfters passiert, sollte man etwas mehr Obacht geben. Dann klappt das auch permanent. Blöd ist allerdings, dass bei den Stages 7 und 8 keine Zahlen auf das Panel gedruckt wurden. Das musste wohl dem Firmenlogo weichen! Es ist also recht schwer zu erkennen, ob man nun z. B. 3 oder 4 Wiederholungen eingestellt hat. Das ist beim schnellen Orientieren recht hinderlich.

RYK M185_sequencer_near_view

Die Potikappen sind mit einer Riffelung versehen, was das Einstellen von Werten sehr angenehm macht. Grundsätzlich sind alle Anschlüsse sowie auch die Potis mit dem Gehäuse verschraubt. So muss es sein. Hardware- und Haptik-technisch gibt’s einen Daumen nach oben! Bugs und andere komische Vorkommnisse sind mir nicht aufgefallen. Das Gerät ist ausgereift!
Firmware-Updates lassen sich nur über MIDI-Sysex-Daten in das Gerät senden. Ich kenne so etwas noch aus früheren Tagen und das ist heutzutage nicht mehr ganz zeitgemäß. Probieren geht eben über Studieren!

Einsatz des RYK Modular M-185 im Tonstudio

So, jetzt wissen wir genau, was wir vor uns haben, aber rockt der Sequencer? Macht er etwas Besonderes? Ja, er beflügelt das intuitive Spielen mit Sequenzen. Improvisation zeichnet den RYK M-185 aus. Immer mit einer gehörigen Portion Groove und Tightness kloppt das Ding Bassläufe, Arpeggios und anderes rhythmisches Zeug aus meinem Rack. Immer ein bisschen mit Überraschung und Zufall lässt der Sequenzer einen treiben. Selbst das komplette Ändern von Einstellungen geschieht immer ohne Aufsehen und so ganz nebenbei während des laufenden Betriebes. Kein Display – einfach nur die Hände arbeiten lassen und von einer Sequenz in die nächste stolpern, um am Ende in Trance zu verfallen. Ich glaube, so kann man das Spielen des RYK M185 Multi-Stage Dual-Channel Sequencers treffend beschreiben. Natürlich kann man den Sequencer auch für Filterverläufe und andere CV-hungrige Komponenten verwenden, aber so richtig gewinnbringend und spaßig scheint er mir tatsächlich in Verbindung mit reinen Soundmodulen zu sein. Extatische Percussion-Verläufe lassen sich aber auch damit legen, entsprechendes Modul vorausgesetzt. Kopfzerbrechen beschert einem der 2-Kanal Betrieb. Das muss man erst langwierig probieren, um damit klarzukommen bzw. um für einen selbst die entsprechende Anwendung zu finden. Das ist schon etwas kompliziert! Auch das Erkennen, welche Stage denn nun aktiv einen Trigger setzt, geht nur auf den zweiten Blick. Ein schwarzer Raster-Slider auf einem schwarzen Panel ist eben nicht ganz so gut zu erkennen, schon gar nicht bei schwachem Licht.

RYK M185_sequencer_near_view2

Im selbstverständlich obligatorischen Video geht es diesmal etwas verwackelter zu, denn so mancher Moment musste gleich eingefangen werden und das geht nur mit der Handkamera.

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Fazit

Der RYK Modular M185 Sequencer ist tatsächlich das Original des beliebten Intellijel Metropolis Modules, fühlt sich aber weniger technisch an, dafür noch umso verspielter. Da hier die Gate-Modes auch noch mehr Möglichkeiten bieten, kann man noch abstraktere Ergebnisse erzielen. Der Spielfluss wird durch nichts gestört, das Modul ist ausgereift. MIDI In/Out gibt’s zusätzlich auch noch. Die aufgeführten negativen Punkte muss man mit sich selbst ausmachen, wie wichtig das für einen ist. Spaß und Spielfreude sind auf jeden Fall garantiert! Ich werde den RYK M185 vermissen!

Plus

  • Das Original für Multi-Stage-Sequenzing
  • Fun, Fun, Fun
  • ausgereifte Hard- und Software
  • programmierbare Gate-Patterns
  • Quantizer mit 16 Skalen
  • auch als Bausatz erhältlich
  • 4 TE schmaler als Metropolis

Minus

  • Stage Slider zu Anfang versehentlich in Zwischenpositionen
  • keine Zahlenbeschriftung der Stages 7 und 8
  • das Handling des zweiten Kanales ist schwer zu verstehen
  • keine CV-Eingänge

Preis

  • 475,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Emmbot AHU

    Da hatte jemand Spaß. Die Demo ist super kann man auch schön beim lesen laufen lassen. Die Ergebnisse hören sich auch recht brauchbar an. zum Glück habe ich kein Eurocrack sonst könnte ein dezentes GAS aufkommen.

  2. Profilbild
    Dirk E. aka Xsample RED

    Toller Testbericht, cooles Video .. Danke für das erneute GAS-Aufkommen. :) Um den Spaß zu erhöhen, werde ich mir wohl die DIY-Variante kommen lassen.

  3. Profilbild
    monopuls

    Wollte immer schon einen Metropoli(s)(x). Nun gibts ihn im Less-Complex-Easy-Hands-On-Style mit Midi. Das finde ich überzeugend. Deshalb habe ich ihn mir auch sofort als günstige DIY-Version bestellt. Hoffentlich motiviert mich das zusammenbraten dazu, endlich mein selbstentworfenes 4-Channel-Gate-2-Trigger Modul für die Nord-Drum fertigzubacken ;-)

  4. Profilbild
    monopuls

    Ein paar Wochen später ist er bestellt – gelötet – kalibriert – und ready2rumble!
    Im Bausatz ist alles vorhanden.

    Ein paar kleine Anmerkungen zum Zusammenbau:

    Die IC Typen sind ’slightly different‘ von den angegebenen in der Bauanleitung.
    Man kann die Typen zwar erahnen – wer aber keine Ahnung hat, sollte vorher die ICs googlen um sicher zu sein, welcher wohin gehört.

    ‚If you are nervous soldering ICs, then please feel free to use DIL sockets.‘
    Ja – da war ich zu nervous für und habe mir dann lieber Einbausockel bestellt.

    Die 8er Schalter sind keine qualitativen Highlights – Nick Batt (Sonicstate) würde sie bestimmt ‚very wobbly‘ finden ;-) . Ich weiss allerdings nicht, ob es da qualitativ bessere gibt.

    Alles ist ‚trough hole‘ – nur ein einziges SMD Bauelement ist dabei. Das ist aber an einer unkritischen Position und sollte von Anfängern auch leicht zu löten sein.

    Der Stages Multischalter hat eine Kunststoff-Abstandsnase, die verhindert, dass man das Faceplate plan aufbringen kann. Fummelt man sich doof dran, bis man merkt, dass es abgeknipst, abgehobelt, abgefeilt oder abgebissen werden muss.

    Hardware Check und Kalibration sind gut und einfach gelöst.
    DIY-Empfehlung von meiner Seite!

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