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Test: Schoeps MiniCMIT, Miniatur Richtrohrmikrofon

13. November 2020

Das blaue Mikro-Wunder

schoeps minicmit test

Schoeps MiniCMIT, Miniatur Richtrohrmikrofon

Den Mikrofonen des deutschen Herstellers aus Karlsruhe sind die meisten von uns schon unzählige Male begegnet, selbst wenn keine Mikrofonaffinität vorliegt. So werden Exemplare der Colette- und der CCM-Serie gerne da eingesetzt, wo hervorragende Klangeigenschaften und dezente Farb- und Formgebung gefragt sind, z. B. oft und gern im Klassikbereich und bei Funk und Fernsehen.

In eine andere Kerbe schlägt das MiniCMIT, das wir heute im Test haben. Als Richtmikrofon ist es eindeutig für Spezialaufgaben ausgelegt.

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Erster Überblick zum Mikrofon

Beim Auspacken überrascht das MiniCMIT zunächst in zwei Punkten. Erstens ist es mit 151 mm Länge und 21 mm Durchmesser nicht größer als ein normales Kleinkondensatormikrofon, zudem ist es mit 78 g sehr leicht. Zum Vergleich, das beliebte Audio Technica AT4041 ist sogar etwas länger und bringt 120 g auf die Waage.

schoeps minicmit

Das miniCMIT ist nicht größer als ein herkömmliches Kleinmembranmikro

Der zweite Hingucker ist die Farbe. Während die Schoeps Produktpalette gerne in mattgrau daher kommt, um unauffällig zu bleiben, wurde das kleine Richtrohr in einem selbstbewussten Hellblau gehalten. Optional sind auch die Farben Anthrazitgrau und Chromagreen erhältlich.

Wer schon mal mit Schoeps gearbeitet hat, weiß, dass der deutsche Premium-Hersteller sein Handwerk versteht. So ist die Fertigungsqualität wirklich ganz ausgezeichnet, schwer vorstellbar, was da noch zu verbessern wäre.

Mitgeliefert werden die Mikrofonklammer SG 20 und der Schaumstoff Windschutz W 140 in einer hübschen Holzbox.

schoeps minicmit

Holzbox, Mikro, Klemme, einfacher Windschutz

Mein Testset enthält zusätzlich die elastische Aufhängung A 20 und den WSR MS MiniCMIT Windschutzkorb. Dieser ist eigentlich für die Kombi aus dem MiniCMIT und dem CCM 8 für M/S Aufnahmen vorgesehen, also liegt auch noch das Adapterkabel von 5-Pol XLR auf 2x 3-Pol XLR mit bei. Der passende Windschutz wäre natürlich der Mono-Windshield gewesen, das tut der Funktion aber keinen Abbruch, da sich beide Versionen nur durch eine zusätzliche Aufhängung unterscheiden.

schoeps minicmit

Der Rycote „Zeppelin“

Natürlich ist auch ein Windjammer, umgangssprachlich Katzenfell, mit im Lieferumfang. Bei den Windunterdrückern greift Schoeps auf die bewährten und beliebten Produkte von Rycote zurück.

schoeps minicmit test

Wieder ein hübscher Beitrag zu der  Serie „Katzenbilder“

Die CMIT-Serie

Das MiniCMIT ist der neueste Zuwachs in der CMIT-Familie, die bisher aus dem CMIT 5 und dem Super CMIT bestand. Alle drei Mikrofone benutzen das gleiche Richtrohr und unterscheiden sich nur durch die Verstärkerelektronik. So sind auch die Frequenzgänge identisch und die Mikrofone untereinander tauschbar.

Das CMIT 5 ist schon länger am Markt, hier bietet der Verstärkerteil einen größeren Funktionsumfang als das MiniCMIT. Das Richtrohr ist mit drei Filtern versehen, die einzeln schaltbar sind und den jeweiligen Betriebszustand mit LEDs anzeigen. Ein Low-Cut unterdrückt mit einer Flankensteilheit von 18 dB/Okt. tieffrequente Geräusche ab 80 Hz. Der High-Shelf, der das Signal bei 10 kHz um 5 dB anhebt, soll die Höhendämpfung bei der Verwendung von Windschutz ausgleichen. Hinzu kommt ein Filter, das ab 300 Hz mit 6 dB/Okt. dem Nahbesprechungseffekt entgegenwirkt. Das macht das CMIT 5 größer und schwerer, 251 mm Länge und 95 g Gewicht sind aber immer noch handliche Werte.

Auf die schaltbaren Filter wurde beim MiniCMIT verzichtet, hier kommt ein festinstallierter Low-Cut bei 70 Hz mit 24 dB/Okt. zum Einsatz. Dafür lässt sich die kleine Variante auch mit geringer P12 Spannungsversorgung betreiben.

Eine ganz spezielle Konstruktion ist das dritte Mikro im Bunde, das SuperCMIT. Der Low-Cut und der High-Shelf des CMIT 5 werden übernommen, zusätzlich ist ein zweiter Wandler mit digitaler Steuerung verbaut. Damit wird Diffusschall erkannt und unterdrückt und somit die Richtwirkung erhöht. Der dritte Taster ist beim SuperCMIT mit zwei Presets belegt. Beide Ausgänge, der digital gesteuerte und der unbearbeitete, liegen separat an. Bei 280 mm Länge und 112 g Gewicht machen sich die zusätzlichen Features erstaunlich wenig bemerkbar.

schoeps minicmit

Die Familie im Größenvergleich

Das MiniCMIT, technische Daten

Als Richtrohr arbeitet das MiniCMIT natürlich mit der Richtcharakteristik Superniere/Keule nach dem Interferenzprinzip. Der Frequenzbereich reicht von 60 Hz bis 20 kHz, das feste Low-Cut-Filter bei 70 Hz wurde schon erwähnt. Der Ersatzgeräuschpegel liefert mit 14 dB A-bewertet einen sehr guten Wert. Der maximale Grenzschalldruckpegel (THD <0,5 %) liegt bei 130 dB-SPL, wenn die P48 Phantomspeisung anliegt. Wird mit P12 gearbeitet, sind hier immer noch ordentliche 115 dB-SPL möglich. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 100 Ohm.

Wie alle Schoeps Mikrofone ist auch das MiniCMIT mit einer RFI-Abschirmung versehen, um Einstreuungen, sei es von Netzteilen, Dimmern, Radio und Fernsehen oder heutzutage natürlich hauptsächlich von Handy und Internet, zu unterdrücken.

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Die Maße hatten wir schon, hier der Vollständigkeit halber nochmals: Länge 151 mm, Durchmesser 21mm, Gewicht 78 g.

Das Richtrohr in der Praxis

Diese Art von Mikrofonen wird zum allergrößten Teil für Aufzeichnungen von Sprache und Geräuschen bei Funk und Fernsehen oder auch Sportveranstaltungen eingesetzt. Mit dem Richtrohr lässt sich auch aus größerer Entfernung akustisch auf ein Signal hinzoomen. Hier wird auch oft geangelt, d. h. das Mikrofon wird von Tonassistenten an einem langen Mikroarm außerhalb des Kamerabilds, aber möglichst nah dran, gehalten. Wer das schon mal einen ganzen Tag lang gemacht hat, weiß, wie sich die Arme am Abend anfühlen.

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Der Angler ist um jedes Gramm weniger froh

Hier bietet das MiniCMIT durch Größe und Gewicht ganz klare Vorteile. Ich selbst nutze das Audio Technica BP 4071, dass mit 395 mm ca. 2 1/2 mal so lang gerät. Auch das Gewicht ist mit 136 g beim Audio Technica deutlich höher. Da ich das BP 4071 hier als Vergleich mit hinzu ziehe, den ersten Punkt hat das Schoeps damit schon für sich entschieden.

Die Hauptfrage ist aber, ob mit so einem kurzen Interferenzrohr auch eine gute Richtwirkung bei ausgeglichenem Frequenzgang erzielt werden kann.

Dafür stelle ich beide Mikros einfach mal ans Fenster und horche in die Umgebungsgeräusche.

schoeps minicmit

Obacht, Nachbar hört mit!

Vögel in den Bäumen ca. 30 m entfernt, spielende Kinder auf dem Sportplatz dahinter, der Hausmeister der Kirche beim Laufbläsern, beide Mikros liefern eine vergleichbar gute Performance. Auch das benötigte Gain und das Rauschverhalten ist nahezu identisch. Das spricht schon mal für das Schoeps, das allerdings preislich einiges über dem Audio Technica liegt.

Die Richtwirkung überprüfe ich mit Sprache. Hier nimmt das MiniCMIT etwas mehr seitlichen Schall auf, ich bin hier aber über den musikalischen Klang bei der nahen Abnahme überrascht. Schoeps empfiehlt das Mikrofon auch für Instrumentenaufnahmen, das kann ich hiermit bestätigen. Das MinCMIT liefert einen ausgeglichenen Klang, der sehr gut zu akustischen Instrumenten wie z.B. Gitarre, Violine oder auch Holzbläsern passt. Das eröffnet natürlich Käufern, die nicht täglich nur bei Filmproduktionen arbeiten, einen echten Mehrwert für das edle Schätzchen.

Der nächste Test erfolgt im Freien. Hier zeigt das Schoeps klar die größere Windanfälligkeit, eine gute Gelegenheit, den Windschutz zu testen. Der Rycote Windshield ist so eine Art grobmaschiger Zeppelin, der innen mit einer feinen Gaze ausgeschlagen ist. Das Mikro wird in eine zweiteilige elastische Aufhängung eingeclipt. Das kann etwas fummelig werden.

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Das Mikro wird im Zylinder in die zweiteilige Halterung geclipt

Darüber kommt das optionale Katzenfell.

Die Audio Technica Lösung ist eine Eigenkonstruktion. Ein Zylinder aus grobporösem Schaum ist fest mit dem Katzenfell überzogen, ein Handgriff ist integriert. Das Mikro wird einfach von hinten eingeschoben. Die Audio Technica Lösung ist ca. 100 g schwerer, wobei das Gewicht durch Abnahme des Handgriffs nochmals reduziert werden kann. Die Größenverhältnisse für die beiden Richtrohre haben sich nun aber einigermaßen angeglichen.

schoeps minicmit

Mit Windjammer ist das Audio Technica nicht mehr so viel größer

Der Rycote ist ja ein Quasi-Standard, was Windschütze anbetrifft. So wundert es mich, dass der Audio Technica Windshield hier tatsächlich überlegen ist, stärkere Windgeräusche unterdrückt er deutlich besser. Nun, das BP 4071 wird sehr oft bei Outdoor-Sportevents gesichtet, Fußball, Wintersport, die olympischen Spiele werden nach meinem Infostand auch mit Audio Technica Mikrofonen ausgestattet, da werden sie schon den entsprechenden Fokus auf den Windschutz gelegt haben.

Ganz zum Schluss möchte ich das MiniCMIT noch in der angesprochenen Funktion als Instrumentenmikro hören. Dafür nehme ich meine Akustikgitarre mit dem Schoeps und dem schon anfangs für den Größenvergleich herangezogenen Audio Technica AT4041 auf Höhe des 15. Bundes auf. Das AT4041 ist eher hell abgestimmt, dem entsprechend liefert es deutlich mehr Höhen. Das MiniCMIT klingt hier etwas belegt, bietet aber die volleren tiefen Mitten, hier beinahe etwas zuviel. Durch die Richtcharakteristik kann das Schoeps auf größere Entfernung gestellt werden, das kommt sicher einigen Gitarristen entgegen, da sie so freier agieren können.

In einem zweiten Vergleich nehme ich noch ein altes Neumann KM84i dazu. Das trafosymmetrierte Kleinmembran bietet recht warme Höhen und einen straffen Tieftonbereich. Auch hier klingt das MiniCMIT etwas belegter, die Tiefmitten lassen sich aber sehr gut mit einem EQ anpassen. Somit hat das Schoeps auch seine Qualifikation als Instrumentalmikro, gerne an Instrumenten, die oft zu schrill geraten, unter Beweis gestellt.

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Fazit

Mit dem MiniCMIT bietet Schoeps ein erstaunlich kleines Richtrohr an, das trotz seiner geringen Maße ein vollwertiges Ergebnis zeigt.

Dadurch ist es gerade für Situationen prädestiniert, wo ein geringes Platzangebot vorhanden ist. Auch das geringe Gewicht ist ein weiterer Pluspunkt, den der Tonassistent am Ende des Arbeitstages zu schätzen weiss.

Zusätzlich ist das Mikrofon auch gut als Instrumentalmikro einsetzbar, was die Flexibilität nochmals deutlich erhöht.

Plus

  • sehr guter Klang
  • gute Richtwirkung bei minimaler Größe
  • super Verarbeitung
  • flexibel einsetzbar
  • geringer Stromverbrauch

Minus

  • etwas windanfällig

Preis

  • 1.848,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Da der Preisunterschied zum »Schoeps CMIT-5U« gering ausfällt, würde ich mir den Kauf gut überlegen. Das »Schoeps CMIT-5U« ist universeller einsetzbar.
    Tipp zum Windschutz:
    In den Rycote Blimp passt auch noch der mitgelieferte Schaumwindschutz.
    Außerdem gibt es noch den »Rycote Cyclone« Windschutz, der nochmals mehr bringt und aufgrund seiner Handhabung viele Vorteile bietet.
    Wem das nicht reicht kauft einen »Cinela PIA-1 Piano«, der wohl beste Windschutz für viel Wind.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hallo Franz,

    vielen Dank für deine weiteren Erläuterungen zu den Windshields, sehr aufschlussreich.
    MiniCMIT oder CMIT-5U? Klar, das 5U ist universeller, wer aber bei geringem Platzangebot arbeiten muss, der kommt am Mini nicht vorbei.

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