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Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

4. August 2022

Gekommen, um zu bleiben: Shure KSM11 Mikrofonkapsel für Drahtlossysteme

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Die Mikrofonkapsel Shure RPW194 KSM11 in Nickel

Es gibt eine Menge Musiker und Techniker, die der Meinung sind, dass Shure mit den drei seit Jahrzehnten erhältlichen und bis heute angebotenen „Dynamikern“ SM57, SM58 und Beta58 eine Menge richtig gemacht hat. Was macht also ein Mikrofon-Hersteller, der nicht nur die genannten Evergreens im umfassenden Portfolio hat, sondern eine Vielzahl von Mikrofon-Anwendungen mit seinem breit angelegten Sortiment abdeckt? Er setzt die Messlatte höher. Oder besser gesagt – er definiert die für den qualitativen und kommerziellen Erfolg relevanten Variablen neu. Das Ergebnis? Die Shure KSM11 Mikrofonkapsel für drahtlose Gesangsmikrofone. Die Kondensatormikrofonkapsel mit Nierencharakteristik wurde speziell für Live-Auftritte, Live-Aufnahmen und hochwertiges Streaming entwickelt, um mit digitalen Drahtlossystemen entsprechende Klangqualität zu liefern. Der Preis für die Kapsel, die derzeit lediglich als Wechselkopf für Funksysteme angeboten wird, definiert mit 899 Euro (Musikhaus Thomann) den professionellen Anspruch. Was ist anders an der KSM11 Mikrofonkapsel – beispielsweise im Vergleich zum Shure SM58?

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Ausstattung und Daten der Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Die schraubbare Wechselkapsel wird in zwei Ausführungen angeboten – unter der Typenbezeichnung Shure RPW192 KSM11 in Schwarz sowie als Shure RPW194 KSM11 in Nickel. Technisch bieten beide Versionen identische Specs: Es handelt sich um eine Elektret-Kondensatorkapsel für Drahtlosmikrofone mit ¾-Zoll-Goldmembran und Nierencharakteristik, als Übertragungsbereich werden 50 bis 20.000 Hz angegeben, die Ausgangsimpedanz (1 kHz) beträgt 250 Ω und die Empfindlichkeit bei 1 kHz Leerlaufspannung -46,5 dBV/Pa. Der maximale Schalldruckpegel wird mit 151 dB SPL, der Signalrauschabstand mit 71,5 dB und das Eigenrauschen mit 22,5 dB angegeben (typisch, äquivalenter Schalldruckpegel, dB/A).

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Bei der Shure KSM11 handelt es sich um eine Wechselkapsel für Drahtlossender (hier zusammen mit einer SM58 – dazu später mehr)

Gefertigt ist das Gehäuse aus Aluminium, inklusive Stahlkorb beträgt das Gewicht 150 g. Von Shure steht eine technische Dokumentation zum Download zur Verfügung. Hier lässt sich das Verhalten der Richtcharakteristik über sechs Werte (250, 500, 1.000, 2.500, 6.400 und 10.000 Hz) im Frequenzgang ablesen. Ein wichtiger Punkt, denn oft wird die Richtcharakteristik in optimaler Annäherung lediglich für eine bestimmte Frequenz oder einen Frequenzbereich eingehalten oder angegeben. Laut der Shure-Daten kann die KSM11 Mikrofonkapsel nicht nur bei 1 kHz, sondern auch in den anderen Frequenzbereichen die „Niere“ deutlich abbilden. In der Praxis kann das mit weniger Einstreuungen anderer Bühnensignale und besserer Feedback-Resistenz einhergehen.

Der Frequenzgang der KSM11 Mikrofonkapsel zeigt sich bis etwa 12 kHz eher neutral. Kleinere Anhebungen (etwa 2-3 dB) sind bei 4 kHz, also den oberen Mitten bis hin zum Präsenzbereich, sichtbar. In etwas geringerer Ausprägung zwischen 6 und 8 kHz. Mit +5 dB ist die Frequenzbetonung bei 12 kHz deutlicher. Dem Air-Band wird gern eine magische Macht zugesprochen, die „seidige Höhen“ erzeugt. Hier tummeln sich Obertöne, das „Sahnehäubchen“ in der tonalen Darstellung (eine Übersicht der Energiebereiche von Instrumenten findet sich hier).

Richtcharakteristik und Frequenzgang der Shure KSM11 Mikrofonkapsel

 Direkt dazu im Vergleich die Daten zum Shure SM58

Für meinen Geschmack ist die Abstimmung der KSM11 out of the box sehr authentisch, kaum färbend. Ich persönlich mag diese Art der tonalen Abstimmung, ohne „eingebauten EQ“. Sie empfiehlt sich für viele Situationen, da sie gut auf die sehr unterschiedlich ausgeprägten individuellen Stimmcharakteristiken mit der entsprechenden Dynamik (Stimmlage, Männer- oder Frauenstimme) und der jeweils relevanten musikbezogenen Stilistik anzupassen ist. Zur Überprüfung bot sich eine „bunte Veranstaltung“ mit sehr unterschiedlichen Akteuren an: Ein Saxofon-/Schlagzeug Duo (bei dem das Alt-Saxofon etwas „gestützt“ wurde), ein Singer-Songwriter samt Elektro-Akustik-Gitarre, Durchsagen der Veranstalterin sowie ein Auktionator, der im Rahmen der Veranstaltung eine Charity-Auktion durchführte und dabei immer wieder durch die Publikumsreihen der etwa 130 Besucher flanierte. Die typische Veranstaltungstüte „Buntes“, bei der die KSM11 Mikrofonkapsel für drahtlose Gesangsmikrofone zeigen konnte, wo ihre Qualitäten liegen.

Im Live-Test

Von Shure wurde zu diesem Test der Axient Digital AD4D Receiver, der dazu passende AD2 Sender sowie die Ladestation SBC200 zur Verfügung gestellt. Als Mischpult kam ein Mackie PRO FX16 V3 zum Einsatz. Hier lagen nicht nur die Funkstrecke, sondern ein MP3-Player mit der gewünschten Hintergrundmusik vom Veranstalter sowie die E-Akustikgitarre des Sängers/Gitarristen an. Ausdrücklich waren seitens des Veranstalters keine Subwoofer gewünscht, sodass ich auf meine betagten 15er HK Audio Aktivboxen vertraute, allein schon, um der Hintergrundmusik, die zum späteren Abend auch als Tanzaufforderung dienen sollte, etwas Bassfundament zu geben. Auf jegliche externe Zusatz-Hardware zur Klangoptimierung wurde meinerseits verzichtet, da im Zentrum der Veranstaltung die KSM11 Kapsel stehen sollte. Insgesamt waren noch zwei kleinere Boss MA12 Aktivmonitore als Stütze auf dem Veranstaltungsgelände verteilt, typischerweise beim Getränkestand und der Grillstation. Zwei in Ehre ergraute Mackie SRM450 Aktivboxen kamen als Bühnenmonitore zum Einsatz, wurden aber nur auf „Halbgas“ in ihrem möglichen Leistungsspektrum genutzt, denn meterhohe Marshall-Stacks oder Terry Bozio Drumburgen gehörten nicht zum vitalen Erkennungszeichen dieser Veranstaltung.

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Hier geht’s lang …: Charity-Auktion, Live-Musik und DJ im Rahmen eines Straßenfests

Alle Akteure kamen an diesem Abend mit der KSM11 Kapsel gut klar, ohne wesentliche Frequenzkorrekturen meinerseits. Lediglich eine -5 dB Mittenkorrektur im Bereich zwischen 400 und 600 Hz im 2x 31-Band-Summen-EQ nahm ich vor, aufgrund der konstruktionsbedingten Eigenart der betagten 15er HK Audio Aktivboxen. Klasse auch die Feedback-Resistenz der Kapsel mit Nierencharakteristik, denn der Auktionator meinte, seine Performance-Authentizität zu steigern, wenn er den Korb halb mit der Hand umschloss (wahrscheinlich zu viel HipHop-Videos gesehen), um dann durchs Publikum zu flanieren. Eine kurz aufkeimende Feedback-Frequenz ließ sich schnell zügeln. Lediglich die Vorverstärkung des Mikrofonkanals musste ich im Verlauf etwas drosseln, denn der Auktionator schaukelte sich im Verlauf samt begeistert teilnehmenden Publikum in der Dynamik Stück für Stück höher.

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Plötzlich und unvermittelt wanderte der Gitarrist samt Stativ und KSM11 vor die Aktivboxen, um dem Publikum näher zu sein, wie er mir später erklärte (guter Feedback-Test übrigens …)

Die Auktion gliederte sich in zwei Parts, unterbrochen von Songs seitens des Solokünstlers mit Gitarre/Gesang. Zur besseren klanglichen Vergleichbarkeit ließ ich beim Gitarristen die EQ-Einstellung des Kanalzugs nahezu identisch, lediglich den Bassbereich im Grenzbereich zu den unteren Mitten dünnte ich leicht aus, denn die voluminöse Stimme unterschied sich doch deutlich gegenüber der des Auktionators. Sicherlich ließe sich für jede(n) der Akteure mit gezielter EQ-Arbeit noch ein Sahnehäubchen mehr rausholen, aber notwendig war das in diesem Rahmen nicht – zumal es durch die ständigen Wechsel der Protagonisten so schon genug zu tun gab.

Dass die Axient Digital Funkstrecke in Kombination mit der KSM11 Kapsel solide performte, soll hier erwähnt werden, wird aber kaum verwundern. Es handelt sich um qualitativ überzeugende professionelle Produkte im entsprechenden Preisrahmen.

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Aus dem Vollen schöpfen: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Da so ein Test auf dem Papier nur die „halbe Miete“ darstellt, hatte ich Shure im Vorfeld gebeten, dem Test-Setup noch eine SM58 Wechselkapsel beizulegen. Nicht, um zu entscheiden, ob der Evergreen „mithalten“ kann, sondern um am 58er die Unterschiede zur KSM11 Mikrofonkapsel hörbar zu machen. Dezente Abweichungen zeigt bereits die Papierform zur Richtcharakteristik (Stichwort „optimierte Off-Axis-Dämpfung“ beispielsweise bei 1 kHz – hier reduziert die KSM11 Mikrofonkapsel noch einen Tick deutlicher auf der 180° Achse). Und der Frequenzgang des SM58 zeigt, dass nach einer +5 dB Betonung zwischen 4 und 6 kHz sowie 8 und 9 kHz jenseits von 10 kHz bereits der Roll-off einsetzt. Air-Band um 12 kHz? Eher nicht.

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Im Studio: Shure KSM11 Mikrofonkapsel vs. Shure SM58 im Hörvergleich

Nun zu den Klangbeispielen – sie wurden wie folgt „konserviert“: Der Shure Axient Digital Empfänger ging direkt in das Roland UA-S10 Audiointerface, um bei 24 Bit und 44,1 kHz  in Steinbergs Audio-Software Wavelab aufzunehmen (ohne weitere Hardware im Signalweg).

Bereits die Aufnahme meiner Sprechstimme zeigt die bekannte Intensität der 58er Kapsel in den (unteren) Mitten, demgegenüber verhält sich die KSM11 Mikrofonkapsel für Drahtlossysteme deutlich neutraler.

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Die klangliche Abstimmung der KSM11 Mikrofonkapsel im Vergleich zum SM58 wird nicht nur bei der Stimme, sondern auch bei dem Klangbeispiel mit der 10″ Pearl Firecracker Snare deutlich

Interessant ist auch der Vergleich beider Kapseln in Kombination mit der 10er Pearl Firecracker Snare, besonders, wenn der Snare-Teppich aktiviert wird. Deutlich schwieriger ist die Unterscheidung der Klangfarbe meines alten Zildjian 20“ Ride-Beckens. Hier verhalten sich beide Kapseln ähnlich – die KSM11 Mikrofonkapsel kann eben auch SM58 … inklusive der vielzitierten „seidigen Höhen“, die dem Vergleichsobjekt fehlen.

Test: Shure KSM11 Mikrofonkapsel

Beim 20″ Zildjian Ride Becken verhalten sich beide Kapseln im Hörvergleich ähnlich, wenngleich die Frequenzanalyse in Wavelab dezente Unterschiede zeigte

Falls bei der Nutzung der KSM11 doch Filter zur Betonung oder Absenkung eingesetzt werden sollen/müssen, ist dies problemlos möglich, denn Mann/Frau am Pult kann bei dieser Kapsel im Signalweg aus dem Vollen schöpfen.

Wer mit wem?

Keine Frage – die Preisgestaltung definiert die Anwendungsbereiche der Shure KSM11 Mikrofonkapsel. Audio-Dienstleister, die im ständigen Event- und Rock’n’Roll-Zirkus unterwegs sind, könnten Gefallen an dieser Kapsel finden. Allein schon aufgrund der Vielseitigkeit, kombiniert mit tadelloser Performance. Immer gut, im hektischen Bühnenalltag für alle Fälle so ein Ass als Mikrofon-Alternative im Ärmel zu haben.

Zum Schluss dieses Tests zur Shure KSM11 Mikrofonkapsel folgt noch ein genereller Hinweis: Mit Mikrofonen ist es wie mit Kopfhörern und Studiomonitoren – eine Orientierung erweist sich aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Modelle sowie individueller Hörvorlieben und -prägungen meist schwierig. Was tun? Wissen hilft! AMAZONA.de Kollege Jörg Kirsch hat in seinem Workshop „Kompaktes Wissen über Gesangsmikrofone“ einen Überblick rund um das Thema Schallwandler zusammengestellt – eine empfehlenswerte Lektüre, wenn Basis-Wissen vertieft oder aufgefrischt werden soll.

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Fazit

Wie hinlänglich bekannt und eingangs bereits erwähnt, hat Shure eine breit gefächerte Auswahl unterschiedlicher Mikrofone im Portfolio. Diese Auswahl sollte mit der KSM11 Mikrofonkapsel eine für professionelle Ansprüche sehr vielseitig nutzbare Kapsel, die sich beispielsweise im Rahmen von Einsätzen auf Festivals und größeren Events schnell auf die Stimme unterschiedlicher Künstler und Künstlerinnen anpassen lässt, ergänzt werden. Für meinen Geschmack ist diese Aufgabe gut umgesetzt worden. Aufgrund der Preisgestaltung, die beim Musikhaus Thomann knapp unter 900 Euro liegt, handelt es sich hier sicherlich nicht um ein Produkt für das Budget der ambitionierten Newcomer-Band – dafür um ein ausgereiftes Werkzeug, das aufgrund der gut über den Frequenzbereich eingehaltenen Richtcharakteristik und des „unverbogenen Frequenzgangs“ flexibel im EQ angepasst werden kann, falls dies notwendig ist. Gute Feedback-Resistenz und geringe Griffgeräusche tun ein Übriges hinzu. Interessante Kapsel – zum professionellen Preis.

Plus

  • klangliche Grundabstimmung der Kapsel
  • Richtcharakteristik über den Frequenzgang (wenig rückwärtige und seitliche Einstreuungen)
  • sehr flexibel einsetzbar, aufgrund der nur dezent färbenden Wiedergabeeigenschaften
  • geringe Griffgeräusche

Minus

  • professioneller Preis

Preis

  • 899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tenderboy

    Danke für den Test!

    Kannst du vielleicht was sagen zum Unterschied zum Beta 87 oder zu KSM 9 und KSM 8?

    Dankeschön!
    Philipp

    • Profilbild
      Kutscher

      Hey Tenderboy,

      also zu deiner Frage.

      Wenn ist das KSM11 eher mit dem KSM9 oder Beta87 zu vergleichen.

      Das KSM8 ist ja ein Spezialmikrofon. Mit zwei Mwmbranen um extra KEINEN Nachbesprechungseffekt zu erzeugen. Wenn man den mag oder die Sängerin damit bewusst arbeitet, dann ist es das falsche Mikro. Bei Künstlern die zum Mulmen nwigen aber genau richtig.

      Ansonsten kann die Niere vor und Nachteilig sein beim KSM11. Gut für breites Einfangen des Klanges schlecht für sehr laute Live Bühnen mit stereo Wedges für die Künstler. Hier ist der Seitliche Einfall schon zu viel und es werden die Hypernieren genutzt da hier die Dämpfung aus Richtung der Monitore am höchsten ist.

      Hier ist Auswahl schon echt gut.

      Und was man sich nich ansehen sehen sollte istvder VPH Handgriff von Shure. Er erlaubt das nutzen von Wechselkapseln auch als Kabelvariante. Bei einer 800€+ Kapsel wäre es Schade die nur mit Wireless Systemen nutzen zu können.

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