Test: Solid State Logic SSL Native Plug-ins V6, Plug-ins

20. August 2018

Die Jahre überdauernd

SSL Native V6 Complete Bundle

    SSL Native V6 Complete Bundle

SSL Native Complete Bundle ist eine Sammlung von 9 nativen Plug-ins für Windows und MacOS, bestehend aus diversen Channel-Strips, EQs, Kompressoren und Effekten, mit denen der viel gefragte SSL-Sound in dem heimischen Rechner kommt. Die Plug-ins emulieren Charakteristiken der C-, E- und G- wie auch der analogen XL 9000 K Mixerkonsole (2002), während die ebenfalls enthaltenen Plug-ins der X-Serie nicht auf spezifischen Vorbildern basieren.

Ursprünglich im Jahr 2006 mit dem DSP-gestützten System Duende von SSL auf den Markt gebracht, stellte das kürzlich veröffentlichte V6-Update nur ein Facelifting der Plug-ins dar. Doch wie beim Softube DS1-MKIII heißt alt nicht gleich schlecht. So etwas wie Vintage gibt es auch bei Software. Deshalb prüfen wir, wie sich die SSL Native Complete Bundle 12 Jahre später noch schlägt.

Solid State Logic oder kurz SSL ist eine englische Firma, die 1969 gegründet wurde und die ersten beiden und einzigen A-Konsole erblickten 1976 die Welt. Doch es sollte noch bei 1979 dauern, bis SSL mit der SL 4000 E Serie und deren Varianten G, J und K die Welt der Aufnahmestudios für immer veränderte. Ab 1988 wurde die Firma andauernd weiterverkauft bis sie schließlich 2005 bei Peter Gabriel landete. Aktuell, 2018, ist sie Teil der Audiotonix-Gruppe, zu der auch DiGiCo, Calrec, Allen & Heath und andere Digigrid Marken gehören.
Der Sound von SSL wird generell als transparent angesehen, doch wird z. B. dem EQ der G-Serie ein „krachigerer Klang“ gegenüber Neve und API nachgesagt und einige Toningenieure von damals wundern sich mit Kopfschütteln über den heutigen Rave über die SSL Plug-ins. Für zwei Meinungen zu SSL klänge gut, gibt es locker eine Gegenmeinung im Netz zu finden. Der wichtigste Grund, warum sich SSL so sehr durchgesetzt hat, denke ich, liegt an der engen Computeranbindung und der darauf angepassten Ergonomie, auf die schon sehr früh gesetzt wurde und der im Vergleich zu anderen Konsolen üppigen Ausstattung und relativ günstigem Preis. Total Recall war für die professionellen Studios eine absolute Zeit- und damit auch Kostenersparnis. Das gleiche Phänomen wie für den Siegeszug der DAW.

Der Übergang von Duende / V5 Native

SSL Native V6 sind ein kostenloses Update für Besitzer der V5 Duende und der nativen Versionen. Die Algorithmen sind zwar die gleichen geblieben, doch das darunterliegende Grafik-Framework wurde komplett überarbeitet und beinhaltet neben einer höheren Auflösung der Oberfläche auch einige andere Darstellungsoptimierung, was sich leider auch in einer Verdopplung der Größe des Installers auf 2 GB niederschlägt. Aber das bisherige mausgraue Design der V5 Plug-ins war auch alles andere als schön zu nennen. Auch dass jetzt Mono- und Stereo-Versionen zusammengelegt wurde, macht doch gleich alles viel übersichtlicher im Plug-in Ordner. Leider gibt es keine Dual-Mono-Versionen.

Mit V6 wurden aber auch die V5 Duende Plug-ins aus dem Handel gezogen und es wird keine weiteren Updates für Duende mehr geben. Die V6 Plug-ins gibt es ausschließlich als native Version. Die Duende-Lizenzen sind aber mit den nativen Lizenzen kompatibel, so dass die Besitzer von Duende nahtlos mit den nativen Versionen weiterarbeiten können. Damit ist, außer dem Wegfallen der Notwendigkeit von Hardware, praktisch kein Werteverlust für Langzeitnutzer gegeben.
Ebenso wurde mit V6 der X-Verb Halleffekt eingestellt, da er durch ein Nachfolgerprodukt ersetzt werden wird. Besitzer von X-Verb V5 erhalten dann das neue Produkt als kostenloses Update. Neue V6 Besitzer gehen zwar leer aus, dafür ist der Preis des SSL Native Complete Bundle zur Zeit aber auch etwas günstiger.

Der Preis für das SSL Native Complete-Bundle mit allen 9 Plug-ins kostet 1179,- Euro. Umgerechnet 131,- Euro pro Plug-in. Es gibt auch kleinere Bundles, die es sich lohnt anzusehen, denn bei Preisen meist in der Nähe von 279,- pro einzelnem Plug-in lässt sich hier eine Menge sparen.

Installation

Zum Betreiben der SSL Native Plug-ins bedarf es eines Rechners mit mindestens OS X 10.10 Yosmite oder Windows 7 64 Bit. Als Geschmacksrichtugen gibt es VST, Audio Unit und AAX. Autorisiert werden die Plug-ins über einen iLok der zweiten oder dritten Generation. Softaktivierung oder Cloud werden nicht unterstützt. Die Plug-ins können gekauft wie auch gemietet werden.

Das Handbuch wird ein einem sehr übersichtlichen, verständlichen und gut geschriebenen englischsprachigen PDF dargereicht. Da kann sich so mancher Hersteller eine Scheibe abschneiden.

SSL Native Complete V6

SSL Native Channelstrip

SSL Native V6 Channel-Strip

SSL Native V6 Channel-Strip

Am meisten gefragt wird wohl der Channel-Strip sein, der auf der XL 9000 K Serie basiert. Er beinhaltet getrennte Hoch- und Tiefpassfilter, dedizierte Compressor-, Expander-, Gate- und Limiter-Funktionen und einen parametrischen Vierband-EQ, der auch von der Side-Chain beschickt werden kann.

Besonderheiten sind hier die Effekteinheiten, die beliebig in der Reihenfolge umgestellt werden können. Allerdings scheint es etwas umständlich zu sein, den EQ vor die Dynamik-Sektion zu bekommen. In dieser Ansicht kann auch eingestellt werden, ob der EQ, die Filter oder beide in die Side-Chain für die Dynamik-Sektion eingeschleift werden sollen. Die Auswirkungen lassen sich über den Schaltern „Side-Chain-Listen“ abhören. Da die Dynamik-Sektion eine genaue Nachbildung ist, wundert es einen auch nicht, keinen Dry/Wet- Regler zu finden. Trotzdem schade.

Die Bänder des EQ sind festen Frequenzbereichen zugeordnet. Dsa LF-Band liegt bei 40 Hz – 600 Hz, LMF bei 200 Hz – 2 kHz, HMF bei 600 Hz – 7 kHz und HF bei 1,5 kHz – 22 kHz.
Wobei nur die tiefen und die hohen Mitten über einen Gütefaktor verfügen.

Über den kleinen „E“-Schalter kann der EQ zwischen E- und G-Serien Charakter umgeschaltet werden. Das Umschalten von der G- auf E-Serie resultiert in einer etwas spitzeren EQ-Antwortkurve. Das Handbuch empfiehlt die G-Kurve für Stimmen und Instrumente und die E-Kurve für Schlagzeug. Das sind aber nur Empfehlungen. Bei maximaler Verstärkung sind die beiden Kurven aber identisch. Der beiden Shelf-EQ können dabei zusätzlich von LF- und HF-EQs von Shelf- auf parametrische Arbeitsweise umgestellt werden.

Allerdings ist die EQ-Antwortkurve des Channel-Strips nicht entzerrt, arbeitet also wie ein üblicher digitaler EQ, typisch für seine Entstehungszeit (2006). Soviel zum Thema „Analoge Emulation“, denn die XL 9000 K hat einen analogen Signalweg. Von daher werden sich die SSL Strip-Plug-ins V6 nie genau wie das Vorbild anhören. Das heißt aber noch lange nicht, dass es schlecht klingt! Der Channel-Strip ist neutral und transparent und troztem sehr musikalisch und es ist schwer ihn harsch klingen zu lassen. Die „Klangveredelung“ ist deutlich bemerkbar. Auch SSL wird aus Blei kein Gold machen, das ist klar, aber gutes Material kann damit nochmal aufgewertet werden.

SSL Native Vocal-Strip

SSL Native V6 Vocal-Strip

SSL Native V6 Vocal-Strip

Dieses Plug-in bietet alles zur spezifischen Bearbeitung von Stimmen und Gesang und ist keine Emulationen von spezifischen Konsolenvorbildern. Das Plug-in besteht erst einmal aus einem „Compander“, das ist ein Hybrid zwischen einem Compressor und einem Downward-Expander. Der Expander ist erstmal dazu da, Raumanteile und Atemgeräusche zu reduzieren, um sie durch die nachfolgende Kompression nicht mit der Stimme zusammen lauter zu machen. Eine graphische Darstellung der Kompression und der Frequenzanalyse helfen beim Verständnis der Vorgänge sehr.

Danach folgt der EQ mit einem leicht resonanten Tiefpassfilter bis 300 Hz. Das Bandsperrenfilter arbeitet mit einem sehr hohen Gütefaktor. Das ist dazu dazu gut, ih störende Resonanzen, die z. B. durch die Mikrofonaufstellung entstanden sind, zu finden und zu eliminieren. Eine praktische Dreingabe, um im selben Plug-in weiterarbeiten zu können.

Zwischen den beiden Sektionen sitzen der De-Esser und der De-Ploser zum Bearbeiten von Zischeln und plosiven Lauten. Im Hintergrund arbeiten mehr Vorgänge, als die jeweiligen zwei Regler vermuten lassen und tatsächlich greifen die beiden auch sehr unsichtbar ins Geschehen ein. Natürlich hört man das bei extremen Einstellungen, aber sie arbeiten dennoch sauber und ergebnisbezogen.
Auch hier lassen sich die Sektionen beliebig in der Reihenfolge verändern, aber ein Dry/Wet-Regler ist dennoch nicht zu finden.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    BÄM  

    Ich frage mich, wie die Channels im Vergleich zu diesen hier abschneiden:
    (Anm.Der Red: Links wurden gelöscht, bitte Link-Shortener verwenden)

  2. Profilbild
    JohnDrum  

    Die Teile kann man ja auch einzeln kaufen! Außerdem gibt es ab und zu gute deals. Letztes mal wurden einzelne Plugins auch weit unter 50.-€ verkauft!

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