Test: Source Audio EQ 2, Equalizer-Pedal

14. Juli 2020

Das beste Equalizer Pedal aller Zeiten?

Das Equalizer-Pedal ist ein in der Gitarrenwelt vielfach unterschätztes Werkzeug. Der gängige Gedanke lautet: Der Amp hat EQ, das muss reichen. Doch es kann einen enormen Unterschied machen, ob man Frequenzgänge verschiebt, ehe man sie durch den Preamp jagt oder eben danach. Die Frequenzbereiche und ihre Auswirkungen auf den Gitarrensound sind eine Wissenschaft für sich, auf die wir noch ausführlich eingehen werden.

Source Audio haben in den letzten Jahren einige famose Pedale und Lösungen entwickelt. Der Collider ist ein irre gutes Delay/Reverb-Pedal, das Source Audio C4 das Synthesizer-Pedal mit dem vielleicht besten Preis-Leistungs-Verhältnis und der Ventris ist inzwischen einfach Kult. Doch es gab eine weitere Veröffentlichung, die ein bisschen untergegangen ist in den letzten Jahren: Source Audio brachten ein großartiges, siebenbändiges Equalizer-Pedal auf dem Markt, das vielen Leute große Freude bereitete und mit MIDI und interessanten Funktionen aufwarten konnte. Der Nachfolger ist das Source Audio EQ 2, über den die Firma ganz selbstbewusst sagt:

„The EQ2 Programmable Equalizer is the most powerful and advanced equalizer pedal on the planet.“

Alright there. Kann man das so stehen lassen? Schauen wir mal – uns liegt das Source Audio EQ 2 vor und wir haben es auf Herz und Nieren überprüft.

Source Audio EQ 2, Equalizer-Pedal – Facts & Features

Also – gibt es etwas, was man vor der Nutzung des EQ 2 unbedingt wissen sollte? Im Grunde schon: Den Source Audio EQ 2 ohne MIDI zu nutzen, ergibt nur bedingt Sinn. Doch als der Reihe nach. Zunächst zu den grundlegenden Daten des Pedals: Normales Stompbox-Format mit den Maßen 114 x 70 x 51 mm. Auf der Stirnseite befinden sich wie inzwischen serienmäßig bei den Source Audio Pedalen, ein USB-Anschluss, ein 3,5 mm Source Audio Control-Input für einen Tap-Schalter oder ein Expression-Pedal. Speziell Letzteres verwandelt das Pedal. Erfreulich: Ein 9 V Netzteil ist dabei.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist das Source Audio EQ 2 ein 10-Band-EQ. Es deckt den Frequenzbereich von 31 Hz bis 16 kHz ab und besitzt für jedes einzelne Band einen potentiellen Regelbereich von +/-18 dB. Allein das erlaubt schon ungemein feine Kalibrierungen im Sound, die weit über das hinausgehen, was der gewöhnliche Amp-EQ leisten kann.

Darüber hinaus ist das Pedal mit einem eigenen Noise-Gate ausgestattet, der alle störenden Nebengeräusche filtert und ein Limiter, der eure Transienten angeht. Auch dabei: ein Tuner. Entsprechend wundert es bei dieser Auswahl, dass der EQ 2 mit nur einem einzigen Regler ausgestattet ist – doch auf die Bedienung als solche kommen wir noch mal im Praxisteil zu sprechen. Soviel sei gesagt – der EQ 2 ist kinderleicht und intuitiv zu bedienen. Übrigens wird der Source Audio EQ2 von Werk her mit vier Presets angeliefert (bzw. acht, wenn ihr den externen Fußschalter besitzt).

Kommen wir zu der wahrscheinlich coolsten Facette des Source Audio EQ2: Dieser EQ funktioniert in Stereo. Rechts und links sind jeweils zwei 6,3 mm Stereo-Klinken vorhanden, die es euch erlauben, ein Stereo-Rig anzusteuern oder im Studio fleißig am Sound zu basteln. Denn für beide Kanäle können jeweils unterschiedliche Einstellungen genutzt werden. Für Nutzer eines Stereo-Rigs also ein kleiner Traum und für das Homestudio eine nicht zu verachtende Angelegenheit, um einen vollen, akzentuierten Gitarrensound zu produzieren. Darüber hinaus erwähnte ich bereits: Ohne MIDI verschwendet man hier eine Fülle an Potential. Der Source Audio EQ 2 kann 128 Einstellungen abspeichern, die per MIDI angesteuert werden können – MIDI In und MIDI Thru findet ihr an auf der linken und der rechten Seite des Pedals. Mir fällt aus dem Stehgreif kein anderer EQ in Pedalformat ein, der so was kann – Boost und Frequenzgang in so ausführlichem Maße per MIDI ansteuern zu können – ein bisschen hat die Gitarristen-Welt darauf gewartet, keine Frage.

Source Audio EQ 2, Equalizer-Pedal – Neuro Editor

Wie auch die anderen Pedale von Source Audio hat das EQ 2 volle Kompatibilität per USB mit dem Neuro Editor. An diesem Punkt verlässt das Source Audio EQ 2 die Dimensionen der regulären Pedal-Welt und wird zu etwas gänzlich anderem – eine Art EQ-Rack-Equipment für das professionelle Studio oder für Zuhause.

Über den Neuro Editor lässt sich das Noise-Gate getrennt oder gleichzeitig auf beide Kanäle schalten, die Kanäle aufteilen und mit unterschiedlichen Frequenzeinstellungen versehen, Output-Volume kann eingestellt werden und vieles mehr. Wer sich prinzipiell an der Existenz solcher Apps stößt, wird auch an diesem Source Audio Produkt genau auszusetzen haben. Sollte man die Expression-Zuweisung direkt an der Hardware machen können? Vielleicht. Aber hier erfolgt es eben über den Neuro Editor: Einzelne Frequenzbänder können in Lautstärke oder Frequenzgang angesteuert werden – Filter-Sweeps jedweder Art sind also mit dem Source Audio EQ 2 möglich. Und natürlich: Jedes einzelne Frequenzband kann zusätzlich vertieft eingestellt werden – inklusive die Größe der Bandbreite als solche. Wie man es also von Source Audio gewohnt ist: Bedienungsfreundliche, kompakte Hardware, deren Potential durch den Neuro Editor vervielfacht wird.

Source Audio EQ 2 – alles eine Frage der Frequenzen?

Eine Sache gestaltet sich für Gitarristen immer wieder schwierig: Konkret festzustellen, welche Auswirkungen welche Frequenzen im Bandkontext haben. Bevor es also an den Praxisteil geht – ein paar Worte zu typischen Frequenzpositionen und ihre Nutzungsmöglichkeiten.

  • 50-60 Hz: Zumeist der Bereich, wo Bass, tiefe Toms und Synthesizer beheimatet sind. Tatsächlich sollten sich die Gitarren zumeist von diesem Frequenzbereich fernhalten, wenn sie im Bandkontext agieren – sonst drängt man sich zwischen Bass und Schlagzeug.
  • 140 Hz: Der „Treffpunkt“ für Bass und Gitarre. In diesem Frequenzbereich sind die beiden Instrumente miteinander abzugleichen und können gemeinsam das Fundament für den Sound bilden.
  • 200-500 Hz: Die „Frequenzhalle“ typischer, warmer Hardrock-Gitarrensounds. Zuviel des Guten in diesem Bereich sorgt jedoch dafür, dass mittenlastiger Gitarrensound starr und undynamisch wirkt.
  • 3 kHz: Hier gibt man der Gitarre durchaus ihren Biss, wenn sie sich gegen andere Instrumente in lauteren Passagen durchsetzen will. Auch der Bereich, wo Gitarren frequenztechnisch gerne mit Becken kollidieren.
  • 5-1o kHz: Hier gibt es Klarheit und Hervorhebung, aber es kommt auf die Feinheit der Kalibrierung an: Bissige, schmerzende Frequenzen passieren oft in dem Bereich, wenn Höhen und Mitten der Gitarren zu präsent sind. Um kratzige, bissige Sound-Erlebnisse zu vermeiden, also vor allem Höhen in dem Band herausnehmen.

Source Audio EQ 2 – in der Praxis

Wir nutzen den Source Audio EQ 2 mit dem Overdrive-Pedal Brothers von Chase Bliss Audio und versuchen anhand verschiedener Amps die grundlegenden Einsatzmöglichkeiten für sich stehend, aber auch im Kontext mehrerer Spuren auszuprobieren.

Das Boosten bzw. Hervorheben bestimmter Frequenzbänder geht bei vielen EQ-Pedalen mit einer Verkünstlichung des allgemeinen Klangbildes einher. Das heißt: Der Charakter und die Resonanz des Klangs werden aus den Angeln gehoben – es wirkt unorganischer, abhängig davon, wo man das EQ-Pedal positioniert – vor allem wenn ein Overdrive-Pedal Teil der Signalkette ist.

Befindet sich das EQ-Pedal vor dem Verzerrer-Pedal und senkt beispielsweise die Mitten herab, gibt man dem Overdrive-Pedal weniger, mit dem er arbeiten kann – der Grad der Verzerrung durch das Pedal kommt nicht zum Tragen. Will man jedoch das Ausmaß der Verzerrung beibehalten und trotzdem die Mitten herausnehmen, empfiehlt es sich, das EQ-Pedal hinter das Overdrive-Pedal zu setzen.

Grundsätzlich gilt – vor der Verzerrung sorgt ein EQ für schärfere Konturen. Die Zerre wird heißer angefahren, während man nach der Verzerrung durch falsche Einstellungen der Sound abdämpfen kann, ggf. aber auch komprimieren und akzentuieren kann. Entscheidend ist das Einsatzgebiet – also haben wir die Frequenzarbeit des EQ2 an mehreren Stellen getestet.

Um im Mix beispielsweise die Präsenz der Lead-Gitarre zu erhöhen, kann ein stufenweises Anheben der Frequenzen von 500 Hz bis 16 kHz einiges hermachen – Mitten und Höhen erhalten also einen Boost. Der Unterschied ist klein, aber fein und kann im Gesamtkontext einiges hermachen. Hier arbeitet der Source Audio SA 207 sehr sauber.

Eins der gängigsten Einsatzgebiete, vor allem im High-Gain, ist der Mid-Scoop. In diesem Falle setzen wir in den ersten zwei Klangbeispielen den EQ vor die Zerreinheit und im dritten Klangbeispiel danach. Vor allem nach der Verzerrung gibt der Source Audio EQ 2 dem Sound durch den Scoop einen ordentlichen Druck.

Das zusätzliche Verstärken der Mitten geht vor allem in Kombination mit einer weichen Verzerrung mit einem ordentlichen Plus in Sachen Gain einher. Schaltet man das EQ-Pedal vor das Overdrive-Pedal und fährt die Mitten hoch, gibt man dem Overdrive quasi mehr Stoff, mit dem er arbeiten kann – die Verzerrung wird „breiter“ und kann sich im Band-Mix gut bewähren.

Anhand eines sehr rudimentären Mixes heben wir zusätzlich hervor, wie sich die alleinige Anhebung der Frequenzen 2 kHz bis 16 kHz auswirkt: Wir aktivieren ab Sekunde 15 den EQ 2 und lassen ihm quasi die Funktion eines Treble-Boosters zukommen.

Vor allem die Arbeit mit Fuzz-Pedalen und einem EQ-Pedal verlangt bisweilen einen anderen Ansatz: Dadurch dass man das EQ-Pedal vor das Fuzz-Pedal schaltet, kann man durch das zusätzliche Boosten der Bässe einen dreckigen Gated-Fuzz-Effekt hervorrufen. Schaltet man das Pedal freilich wieder nach der Zerreinheit, kommt durch die Betonung der Bänder von 31 bis 250 Hz eine ordentliche Wucht ins Klangbild.

(Anmerkung der Redaktion: Aufgrund hartnäckiger Treiber-Probleme ließen sich in diesem Falle die Stereo-Zuweisungen und Expressionen-Kapazitäten des Source Audio EQ 2, die durch den Neuro Editor geschaltet werden können, nicht überpüfen. Aufgrund dessen wird dieser Test schon bald Gegenstand von Aktualisierungen sein.) 

Fazit

Egal, welche Frequenzbänder der Source Audio SA270 EQ 2 betonen soll – er arbeitet sauber, präzise und das Handling ist so intuitiv, dass man das Source Audio EQ 2 aus seiner Signalkette nicht mehr missen möchte. Wer sich mit Fragen der Verzerrung im Band-Kontext rumschlägt, hat durch die MIDI-Kapazitäten des SA270 EQ 2 umfangreiche Preset-Möglichkeiten, um notfalls jeder Passage ihren passenden Frequenzgang zu geben. Der qualitativ hochwertige Klang allein rechtfertigt den Preis nicht – da kommen schon eher die Stereo-Kapazitäten ins Spiel, mit denen der EQ 2 hantiert sowie die enorme Flexibilität, die der Neuro Editor gewährleistet. Letzterem werden wir in einem Teil 2 nachspüren, wenn wir das Source Audio EQ 2 als Recording-Tool unter die Lupe nehmen werden.

Plus

  • MIDI-Kompatbilität
  • Neuro Editor
  • 10-Band-EQ

Minus

  • Preis

Preis

  • 311,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    teofilo  

    Im Fach Medienkompetenz haben wir gelernt, dass man einen Artikel mit einer Frage in der Überschrift nicht lesen braucht, da die Antwort immer „nein“ ist;o)

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Die Artikel Überschriften werden hier in letzter Zeit immer reisserischer und haben mit den Artikelinhalten selbst oft wenig zu tun.
    Im Forum kommen dann immer mal Kommentare der Autoren, dass sie mit den Überschriften nichts zu tun hatten.
    Vielleicht könnte man hier die Fieberkurve mal ein wenig runterfahren. Ich empfinde das als schlechten Stil und bin damit anscheinend nicht der einzige. Vielen Dank.

    • Profilbild
      TheTick123  

      Ich teile die Meinung, dass ich reißerische Überschrift nicht mag. In diesem Fall kann ich mir aber auch vorstellen, dass es eine Anspielung auf das Video ist, in dem die Firma selbst das Pedal als „most advanced“ betitelt.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Jau, das kann natürlich sein, hätte aber dann sinngemäß mit „Das modernste Equalizer Pedal…?“ übersetzt werden müssen und das wäre ja auch erheblich näher an den Fakten gewesen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.