Test: SPL PQ, Mastering Equalizer

10. April 2017

Klang, Optik, top!

Es ist doch immer wieder schön, wenn zwei diametrale Welten mit Anlauf aufeinander prallen und ihre beliebten Grabenkämpfe austragen. Ein seit nunmehr Dekaden geführter Krieg spielt sich zumeist in unseren geliebten Tonstudios ab, losgelöst von der Größe, dem Professionalitätslevel und der Ausstattung. Die Rede ist von intern gegen extern, Hardware gegen Software oder besser gesagt, Outgear gegen Plug-in. Es ist mühselig, die immer wieder bemühten Argumente wie Preis, Klang, Habitus und das „ohnehin völlig verdummte Ohr des Konsumenten“ ins Feld zu führen, was wir hiermit auch nicht machen werden. Allerdings würde ein aktueller Zwischenbericht in Sachen Spielstand das Einwechseln eines neuen Spielers auf Seiten der Outgear-Mannschaft vermelden, der durch massives Auftreten und einer sehr hohen Ablösesumme auf sich aufmerksam macht. Die Rede ist vom neuen Schlachtschiff des deutschen 19 Zoll Aushängeschildes SPL, die mit ihrem SPL PQ einen beachtenswerten Koloss auf das Spielfeld schicken. Ring frei für einen Entzerrer der ganz besonderen Art und Weise.

Konstruktion

Der SPL PQ schlägt als Mastering-Stereo-Equalizer in eine Kerbe, die heutzutage zumeist komplett digital innerhalb der DAW abgewickelt wird. Neben Kompressoren und Limitern finden sich auch alle Arten von EQs in der Signalkette, an deren Ende das finale Stereofile steht. Nur noch selten wird die Summe vor dem finalen Mix nochmals gewandelt und über entsprechendes Outgear geschickt und wenn ja, bleibt dies meist den wirtschaftlich besser gestellten Studios vorbehalten. Eine hochwertige Wandlung mit entsprechender Verwaltung setzt eine maximale Qualität im Signalfluss voraus, damit sich die Umleitung des Signals klanglich auch rechnet und nicht womöglich noch die Qualität des Endproduktes mindert. Um dies sicherzustellen, muss das verwendete Produkt schon einiges an Features besitzen, die die Plug-in Armada nicht bieten kann. Da sind wir aber mal gespannt, ob es sich lohnt, knapp fünfeinhalb Riesen für den Platzhirsch auf den Tisch zu legen.

In Sachen Abmessungen und Gewicht schlägt der SPL PQ in die gleiche Kerbe wie der unlängst veröffentlichte SPL Iron Kompressor. 4 HE und ein Gewicht von über 15 kg lassen das mühsam aus der Verpackung geschälte Produkt umgehend ins Rack wandern, auf dass es dort nie mehr weg bewegt wird. Die Verarbeitung ist wie immer im Hause SPL perfekt, die Ausführung massiv bis in die letzten Ecken. Erhältlich ist der Bolide in den Farben Schwarz und Rot.

SPL PQ Black

Bedienelemente

Auch wenn die 30 schwarzen Drehregler mit je 41 Rasterungen plus 22 Druckknöpfen und einiger Minischalter den Nutzer auf den ersten Blick in Ehrfurcht erstarren lassen, so erscheint der SPL PQ auf den zweiten Blick sehr vertraut, ja geradezu „normal“. Fünf vollparametrische Bänder je Kanal mögen zwar ein Vielfaches von dem darstellen, was handelsübliche analoge Equalizer dem Benutzer an die Hand geben, in der Benutzung hingegen sind sie faktisch selbsterklärend. SPL verwendet einmal mehr die hauseigene 120 Volt Technologie, die auf einen maximalen Headroom im Verarbeitungsprozess und einer minimalen Einfärbung des Signals steht. Somit tritt man den üblichen Audioschaltungen, die mit +/-15 Volt arbeiten, mit einer Operationsverstärkerlevel von +/-60 Volt entgegen, der im Vergleich zu konventionellen Schaltungen einen knapp doppelt so hohen Dynamikumfang zulässt.

Wie auch bei dem SPL Iron wurden im mittleren Bedienungsfeld die Funktionen Stereo-Link und Auto-Bypass integriert, wobei gerade die letztere Funktion besondere Aufmerksamkeit verdient. Über einen Drehregler lässt sich ein Zeitintervall einstellen, bei dem der SPL PQ sich automatisch ein- und ausschaltet. So soll das Gehör frisch gehalten werden und das Umschalten nicht von einer Hand gemacht werden, um das Gehör auf den zu erwartenden Unterschied vorzubereiten. Eine sehr praxisnahe Einrichtung.

Durch den Stereo-Link-Schalter übernehmen beide Kanäle die Einstellung des Bypass-Schalters und des Proportional-Q-Umschalters vom rechten Kanals. Da das Gerät im Prinzip as Dual-Mono-Device ausgelegt ist, müssen die Regler auf beiden Seiten weiterhin von Hand verstellt werden. Dies ermöglicht aber auch den Betrieb als 2 High-End Mono-EQs, was in der Praxis garantiert seinen Einsatzbereich finden wird.

Ein Blick ins Innere lässt das deutsche Ingenieurs-Herz höher schlagen. Eine hervorragende Verarbeitung „Made in Germany“, überdimensionierte Bauteile wie der verbaute Ringkerntrafo, gute Wärmeableitung und optimale Abschirmung untereinander sprechen eine eindeutige Sprache. Eine weitere Besonderheit ist das sehr große Überlappen der möglichen Frequenzen innerhalb der Frequenzbänder. So können bis zu drei Bänder sich einen bestimmten Frequenzbereich teilen und bearbeiten.

Bei extremer Bearbeitung sollte man jedoch die Signalkette nach dem SPL PQ im Auge behalten. Durch 120 Volt Technik arbeitet der SPL PQ intern absolut verzerrungsfrei, allerdings verfügt das Gerät über keinen Ausgangsregler. Somit sollte man seinen Input-Bereich hinter dem EQ immer im Auge behalten, damit einem die nachgeschalteten Produkte nicht die aufwendig erzeugten Verzerrungsfreiheit nicht wieder zunichte macht. Über einen Kippschalter kann man jedoch bei Bedarf die +/-20 dB Pegelstellung vierteln, was eine +/-5 dB Ausführung zur Folge hat.

SPL PQ Black – Rückseite

Praxis

Was nützen einem jedoch die besten Messwerte und massivsten Bauweisen, wenn der Klang nicht zumindest ansatzweise den üppigen Abgabepreis rechtfertigt, womit wir uns bereits wieder im nächsten Dilemma befinden. Was heißt denn überhaupt „guter Klang“? Ist dies nicht letztendlich eine zutiefst subjektive Wahrnehmung? Mischen und mastern wir nicht auch für ein Klientel, was einem durchweg katastrophal übersteuerten Album wie „Death Magnetic“ noch einen guten Klang bescheinigt?

Von daher sollte man sich zunächst die Grundausrichtung des SPL PQ vor Augen führen. Wollte man den Grundklang des EQs in ein Adjektiv packen, kommt eigentlich nur das Wort „neutral“, gepaart mit „sauber“. Was auf den ersten Blick an Belanglosigkeit nicht zu überbieten ist, entpuppt sich bei genauem Hinhören als ein Präzisionsinstrument, das mit chirurgischer Genauigkeit einzelne Frequenzen erfasst und die Frequenzkurven gezielt verbiegt. Das gezielte Saturieren, mit dem anderen Geräte dem Ohr mittels Obertönen und Kompression schmeicheln, wird man hier nicht finden. Der SPL PQ hat schlichtweg keinen Eigenklang, was im Bereich eines Mastering-EQs gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

Schon geringe Pegelstellungen haben einen sehr starken Anteil am Gesamtklang und setzen sich mühelos im Klangbild durch. Hierbei wirkt insbesondere die Umschaltmöglichkeit zwischen einem „constant“ und einem proportinal“ Q musikalisch wahre Wunder. Durch diesen Schalter wird die Glockenform des Q-Faktors beeinflusst. Bei der Constant-Q-Einstellung bleibt der Q-Faktor immer gleich, egal wie stark das Filterband angehoben bzw. abgesenkt wird. Ein Proportional-Q-Filter hingegen übernimmt bei stärkerer Bearbeitung immer mehr Nachbarfrequenzen mit in den Arbeitsprozess, die Glockenform nimmt zu. Für gezielte Eingriffe in das Klangbild wird man eher auf die Constant-Q-Variante zurückgreifen, während ein Proportional-Q-Filter eher „musikalisch“ zu Werke geht.

SPL PQ im Studio

Fazit

Mit dem SPL PQ hat das Team um Wolfgang Neumann einen Mastering-EQ auf den Markt gebracht, der sich anschickt, alles bisher Dagewesene in den Schatten zu stellen. Es fällt schwer, Punkte aufzulisten, die der SPL PQ nicht in Perfektion erfüllen oder liefern würde.

Brillante Detaillösungen, eine extrem hochwertige Verarbeitung und ein Klang, der in Sachen Flexibilität und Neutralität nur mit dem Wort „herausragend“ zu beschreiben ist, lassen jeden Zweifler mundtot in der Ecke hocken, es sei denn, er wird das ewige Thema Ladenpreis in die Runde werfen.

Wie immer im High-End-Bereich von SPL ist es schlichtweg sinnlos, über den Preis zu diskutieren, da sich ein echtes Preis-Leistungs-Verhältnis nicht erstellen lässt. Das Gerät besitzt alles, was einen amtlichen Aha-Effekt auslöst, optisch wie akustisch, mehr „auf-die-Kacke-hauen“ ist faktisch nicht möglich.

Hier muss jeder für selber entscheiden, ob einem der ultimative Klang einen Preis jenseits der 5.000,- Euro Marke wert ist oder nicht, basta. Man diskutiert auch nicht mit einem Tesla Fahrer, ob das Fahrzeug einen reellen Gegenwert für den Kaufpreis darstellt.

Plus

  • Klang
  • Konzeption
  • Bauteile
  • Verarbeitung
  • Ausstattung

Preis

  • Ladenpreis: 5.499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    adzix

    Danke für den ausgiebigen Testbericht, aber könnte man den noch um ein paar Zeilen zu den Klangbeispielen erweitern? 04-Loop 1 PQ klingt in meinen Ohren absolut seltsam, als ob die linke und rechte Seite ein paar ms auseinanderliegen und die Mitte einfach weg ist.

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Adzix, so, das ist einer der Momente im Leben eines Autors, die man gerne vermeiden möchte, die aber auch leider manchmal passieren. Ich hatte heute morgen den gleichen klanglichen Effekt, habe schon vermutet was es sein könnte und daraufhin noch mal die Kabel durchgemessen, mit denen die Soundfiles erstellt wurde. Leider ist mir dabei aufgefallen, dass ein Kabel einen Phasendreher hat, daher kommt es u.a. zur Mittenauslöschung. Es tut mir sehr leid, dass dieser handwerkliche Fehler passiert ist, ich werde zukünftig die Files nach der Erstellung noch einmal besser überprüfen.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Was für ein geiler Kasten…. Ikommt zwar keinen Sound raus… Wie bei einem Musikinstrument… aber anscheinend macht es einen gewaltigen Unterschied zu den sogenannten Hobby Studios aus natürlich berichtige Umgang vorausgesetzt wer da sowas nicht für Behringer möglich um den Preis für Normalsterbliche bezahlbar zu machen was meinen die Profis und wie würde man ihn einsetzen in Verbindung mit einer DAW in Verbindung mit Qualitätsverlust oder vorher summieren oder schicke ich arrangiertes Musikstück von der daw.. durch dieses Gerät und nehme es noch mal auf in der daw..hmmm… und so weiter danke im voraus…

  3. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Was mich an SPL-Geräten immer wieder von neuem nervt, ist der Netzschalter auf der Rückseite! Es ist ja bekanntermaßen nicht gut alle Geräte via Steckerleiste zugleich einzuschalten zumal man nicht immer alle Geräte gleichzeitig nutzt. Der Tanz ums Rack oder Audiotisch führt immer zu einer Arbeitsunterbrechung. Ich habe jetzt alle Geräte am Furman mit zusätzlichen Schaltern für jedes Gerät, aber schön sieht das nicht aus.

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      Saftpackerl

      „Es ist ja bekanntermaßen nicht gut alle Geräte via Steckerleiste zugleich einzuschalten…“

      Is das so? Gibts da einen Beleg dafür?
      Ich bilde mir ein mal gelesen zu haben, dass das nicht schlimm ist.

      • Profilbild
        Franz Walsch  AHU

        Ganz allgemein sollte man/frau den Vollverstärker respektive Endstufe (auch Studiomonitore) als letztes Ein- und als erstes Ausschalten.
        Bei zu großer Netzlast kann der plötzlich auftretene »Peak« die Sicherung auslösen und ohne entsprechendes Gerät (Furman-Netzfilter) sogar Geräte beschädigen.
        Diesen Hinweis findet man häufig im Gerätehandbuch.
        Ferner kann ein Einscaltknacken die Lautsprecher beschädigen.
        Es gibt Geräte mit eingebauter »Anlaufverzögerung« um dieses Problem zu vermeiden.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo Saftpackerl,

        beim Einschalten großer Lasten, entstehen durch Induktion und Kapazitäten oder Ohmsche Verbraucher Spannungs oder Stromspitzen. Und Phasenverschiebungen. Was schlimmsten Falls zum einmaligen hellen Leuchten mit charakteristischem Stromgeruch führen kann ;-) Merke, Strom riecht doch.

        Generell ist ein Netz für eine Nennlast ausgelegt. Nun kann es sein, das der Anwender seine 230 V und 16 A ausreizt, weil er Brummkreise vermeiden will. Dann ist es günstiger alles nach und nach einzuschalten. Und generell unter der Maximallast des Netzes bleiben, Und das Einschaltknacken kann z.b. eine Membran soweit auslenken, dass der Lautsprecher hin ist.

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