Test: SSL X Logic Alpha Channel, Channelstrip

17. Februar 2020

SSL Budget Sound

solid state logic ssl x alpha channel

SSL X Logic Alpha Channel, Channelstrip

Schon seit über zehn Jahren bringt der britische Mischpult-Hersteller SSL immer mehr Produkte für Home- und Projektstudios zu erschwinglichen Preisen auf den Markt. Eines der ersten war der X Logic Alpha Channel, ein monophoner Channelstrip, der als Front-End für DAW-Anwendungen konzipiert wurde.

Sein Erfolg spricht für sich, denn bis heute gehört er unverändert zum Sortiment von SSL, was sicherlich an dem sehr attraktiven Preis und den umfangreichen Ausstattungsmerkmalen liegt:
Neben einem Vorverstärker, 3-Band-Equalizer und Limiter beherbergt der Alpha Channel sogar einen A/D-Wandler und verfügt dank seiner Insert-Anschlüsse über flexible Routing-Optionen.

Alpha Channel auf den ersten Blick

Trotz seines Alters von gut 13 Jahren hat der X Logic Alpha Channel immer noch ein zeitgemäßes, modernes Design und ist in einem 19 Zoll breiten Gehäuse mit einer Höheneinheit untergebracht, dessen Einbautiefe 23 cm beträgt und ganze 3 kg auf die Waage bringt. Rundum wirkt die Verarbeitung des Gerätes äußerst solide, alle Regler und Schalter hinterlassen einen robusten und langlebigen Eindruck.

SSL X Logic Alpha Channel

Der VHD-Preamp

Das schön übersichtlich gestaltete Frontpaneel erklärt sich weitestgehend von selbst, sämtliche Bedienelemente sind in Sektionen unterteilt und von links nach rechts klar strukturiert angeordnet:
Die Signalkette beginnt mit dem Audioeingang, es folgt der Preamp, das Insert-Routing, der Equalizer und zu guter Letzt der Limiter samt Ausgangsregelung und einfacher Aussteuerungsanzeige.

Um den niedrigen Preis zu realisieren, fallen die analogen Anschlüsse etwas einfacher aus, daher ist auf der Vorderseite eine Neutrik Kombibuchse eingelassen, die sämtliche Eingangsanschlussmöglichkeiten vereint. Wahlweise lässt sie sich per XLR für Mikrofon- oder Line-Signale nutzen und bietet zusätzlich einen 6,3 mm Klinkeneingang für Instrumentenkabel. Wie sich schon bei vielen anderen Tests zuvor gezeigt hat, ist auch hier bei der Verwendung von günstigen Klinkensteckern Vorsicht geboten, da diese sich leicht verkeilen können.

SSL X Logic Alpha Channel

Neutrik Kombibuchse für den Eingang

Anstatt XLR-Buchsen werden nur drei symmetrische 6,3 mm Klinkenbuchsen für den analogen Ausgang sowie den Send und Return des Inserts verwendet, die auf der Rückseite untergebracht sind. Direkt daneben liegen vier Cinch-Buchsen, zwei für den digitalen Audioanschluss per S/PDIF und zwei für die Steuerverbindung mit einem weiteren X Logic Alpha Channel, damit die Limiter bei Stereo-Anwendungen gleichmäßig arbeiten.

Im Zubehör des SSL X Logic Alpha Channel befindet sich lediglich das obligatorische Netzkabel sowie eine kurze, einfache Installationsanleitung. Auf der Homepage von SSL kann zusätzlich noch ein ausführliches Tutorial heruntergeladen werden, das sehr anschaulich die zahlreichen Anwendungs- und Routing-Optionen erklärt.

Der Vorverstärker

Der VHD Preamp des X Logic Alpha Channels basiert auf der Technik der SSL E-Serie und ermöglicht eine Vorverstärkung von 76 dB für Mikrofon- und 82 dB für Line-Signale. Per Schalter lassen sich Phantompower, Phasendrehung und ein -20 dB Pad aktivieren, bei dem Anschluss von Line- oder Instrumentensignalen muss die Hi Z Taste gedrückt werden.

Um den überaus klaren und sauberen Klang des Vorverstärkers vielseitig zu bearbeiten, ist der Alpha Channel zusätzlich mit einem sogenannten Variable Harmonic Drive ausgestattet. Hiermit kann das Signal vielseitig gefärbt werden, die Möglichkeiten reichen von subtilen Obertönen bis hin zu starken Verzerrungen.

SSL X Logic Alpha Channel

Der 3-Band-Equalizer

Der 3-Band-Equalizer

Im Gegensatz zu dem SSL SuperAnalogue EQ Modul, dessen flexible Filtersektion auf der des XL9000K Mischpultes basiert, handelt es sich bei dem Equalizer des Alpha Channels um eine Neuentwicklung, beruhend auf der G-Serie, allerdings mit reduzierten Möglichkeiten.

Das Band für die tiefen Frequenzen kann wahlweise als Low-Shelving-Filter mit +/-19 dB im Bereich von 40 – 600 Hz oder als Bell mit +/-15 dB zwischen 35 und 500 Hz genutzt werden, wobei die Bandbreite sich nicht verändern lässt.

Für die Mitten gibt es ebenfalls ein parametrisches Band, dessen Filtergüte wiederum regelbar ist und sich auch zum Entzerren von Signalen eignet. Sein Einstellungsbereich liegt bei +/-17 dB und der Einsatzbereich erstreckt sich von 500 bis 5.200 Hz.

Das High-Shelving-Filter reicht wiederum von 1,5 bis 22 kHz und bietet +/-19 dB Gain.
Um den Bassbereich aufzuräumen, ist der Alpha Channel noch zusätzlich mit einem Highpass-Filter ausgestattet, das bei 40, 80 oder 120 Hz gesetzt werden kann.

Natürlich handelt es sich bei diesem Equalizer nicht um ein Präzisionswerkzeug, dennoch fällt die Beschriftung der Frequenzregler leider sehr minimal aus. Genau genommen werden nur die äußeren Frequenzen angegeben, der komplette Bereich dazwischen muss per Gehör bestimmt werden.

SSL X Logic Alpha Channel

Lite Limiter, Ausgangsregelung und Aussteuerungsanzeige

Der Lite Limiter und A/D-Wandler des Alpha Channels

Um Übersteuerungen am Ausgang vorzubeugen, ist der Alpha Channel mit einem einfachen Soft-Limiter ausgestattet. Er besitzt lediglich eine eigene Bypass-Schaltung, während das Maß der Reduktion mittels des Output-Reglers bestimmt wird und eine dreifarbige LED grob anzeigt, ob der Limiter leicht, stark oder gar nicht eingreift.

Seine festgelegten Preset-Parameter sind wie folgt ausgelegt: Die Ein- und Ausregelzeit beträgt 50 Mikro- und 200 Millisekunden, die Ratio hat ein Verhältnis von 6:1 und der Threshold liegt bei -3 dBFS.

Für die A/D-Konvertierung verwendet SSL einen hauseigenen Wandler, der über eine S/PDIF-Schnittstelle verfügt. Diese lässt sich in 24 Bit mit einer Samplerate von 32 bis 108 kHz nutzen, ohne ein anliegendes Synchronisationssignal übernimmt der Alpha Channel automatisch die Funktion des Masters mit einer Standardeinstellung von 44,1 kHz. Sämtliche Beispiele für diesen Test wurden mit dem integrierten Wandler aufgenommen, was sich in der Praxis absolut problemlos gestaltete. Das Stereosignal des S/PDIF-Anschlusses wird zudem recht praktisch genutzt, da gleichzeizig eine Aufnahme auf dem linken Kanal mit Equalizer und Limiter und auf dem rechten ohne ausgegeben wird.

Die Klangqualität des A/D-Konverters ist durchaus passabel und reicht für Home- und Projektstudioanwendungen aus, dennoch darf angesichts des niedrigen Preises natürlich keine Highend-Wandlung erwartet werden. Darüber hinaus hat sich in den letzten 13 Jahren sehr viel in der Entwicklung von Audio-Konvertern getan, was die Vermutung nährt, dass man heute wahrscheinlich schon mit günstigen Mittelklasse-Wandlern bessere Ergebnisse erzielt.

SSL X Logic Alpha Channel

Das Insert-Routing

Insert mit mehreren Funktionen

Zunächst einmal kann der Insert ganz klassisch zum Einschleifen von Dynamik- oder Effektgeräten verwenden werden, wobei er sich wahlweise vor oder hinter den Equalizer schalten lässt.
Darüber hinaus bietet er aber auch einige praktische Zusatzfunktionen:

Wenn zum Beispiel ein Line-Signal nicht durch die Preamp-Sektion, sondern nur durch den Equalizer und Limiter laufen soll, muss es an den Return-Buchse angeschlossen werden.
Ebenso ist es möglich, ein Signal mit dem Insert analog zu splitten, um parallel eine Spur mit Equalizer und Limiter und eine nur mit dem reinen Preamp-Signal aufzunehmen.
Natürlich geht es aber auch umgekehrt: Wenn sowohl am Mic/Line-Eingang als auch am Insert Return zwei unterschiedliche Quellen anliegen, lassen sich diese bei aktivierter SUM-Taste summieren.
Dank der drei Ausgänge (S/PDIF, Insert-Send und Analogue Out) ergeben sich zudem zahlreiche Möglichkeiten für latenzfreie Monitoring-Setups, die ausführlich in dem bereits erwähnten Tutorial erläutert werden.

SSL X Logic Alpha Channel

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Alpha Channels

In der Praxis: Eine Mikrofonaufnahme

Für den Praxisteil des Tests wurde zunächst mit dem Sänger Mani Mathia ein Beispiel mit einem Neumann U87 der ersten Generation aufgenommen. Dabei kam lediglich der Preamp des SSL X Logic Alpha Channels zum Einsatz, ohne VHD-Sektion, Equalizer oder Limiter.

Das Ergebnis hat einen sehr klaren, sauberen Klang mit einem eigenständigen Charakter. Durch die schnelle Ansprache des Vorverstärkers treten die Transienten deutlich hervor, wodurch die fast 50 Jahre alte Kapsel des U87s eine etwas modernere, hellere Präsenz bekommt.
Darüber hinaus hat die Aufnahme eine für SSL typische, überaus präzise Kontur.

Anschließend wurde diese Gesangsspur über den Line-Eingang durch den Variable Harmonic Drive geschickt, dabei stand der VHD-Regler ungefähr auf Stufe 4, um eine warme Sättigung mit Obertönen zu erzeugen.

Die Stimme erlangt dadurch einen modernen, crispen Sound und je nach Maß der Vorverstärkung lassen sich die Pegelspitzen schön betonen, was die Klangbeispiele in drei verschiedenen Einstellungen zeigen.

Als nächstes sollte die Gesangsaufnahme mit dem Equalizer bearbeitet werden. Um die Preamp-Sektion zu umgehen, wurde für diesen Zweck der Insert Return verwendet.

Bei dem ersten Beispiel erhält die Stimme etwas mehr Präsenz durch eine Verstärkung der Mitten, mit einer schmalen Flankensteilheit, bei ca. 3 kHz und der Höhen bei ca. 10 kHz. Die Aufnahme ist anschließend deutlich heller und brillanter, ohne scharf oder beißend zu klingen. Je nach Mix-Situation kann ein solches Setup sinnvoll sein, wesentlich ausgewogener wirkt jedoch die zweite Einstellung:
In dieser wurden der Bass, bei ca. 100 Hz in Glockencharakteristik und die unteren Mitten, breitbandig bei ca. 500 Hz, angehoben, für luftige Höhen sorgte das Highshelving-Filter bei ca. 15 kHz. Das Ergebnis ist deutlich kräftiger und vollmundiger, ohne dass der Equalizer zu aufdringlich wirkt.

An Hand der letzten Equalizer-Einstellung wurden auch die Qualitäten des Limiters getestet.

Das Maß der Reduktion lässt sich auf Grund der spartanischen, mehrfarbigen LED-Anzeige nur grob einschätzen. Bei dem ersten Beispiel werden die Pegelspitzen im orangefarbigen Bereich abgefangen, wobei das Ergebnis recht rund und ausgewogen klingt. Für das zweite Beispiel arbeitete der Limiter bereits im roten Bereich, das Ergebnis wirkt weniger offen und das Eingreifen des Limiters ist auch klar zu hören.

In der Praxis: Eine Synthesizeraufnahme

Um den Preamp mit einem Line-Signal auszuprobieren, wurde ein analoger Synthesizer (Moog Mother) in Verbindung mit einem Bandecho (Roland RE-501 Chorus Echo) aufgenommen. Auch hier kam nur der Vorverstärker des SSL X Logic Alpha Channels, ohne VHD-Sektion, Equalizer oder Limiter, zum Einsatz.

Wieder glänzt der Preamp mit einem sehr klaren und sauberen Ton, der die Details der Aufnahme gut hervorhebt. Gerade die Mischung aus Chorus, Echo und Federhall des RE-501 wird überraschend transparent wiedergegeben, wodurch eine schöne Definition in der Tiefe entsteht.

Bei der anschließenden Bearbeitung der Aufnahme mit dem Variable Harmonic Drive wurden zwei gänzlich unterschiedliche Einstellungen gewählt.

Ähnlich wie bei der Gesangsspur soll die Sequenz in dem ersten Beispiel eine leichte Sättigung erhalten. Der Effekt ist relativ subtil, trotzdem erzeugt er etwas mehr Wärme und sorgt dank der generierten Obertöne für lebhaftere Höhen.
Dass der Variable Harmonic Drive sich auch als Kreativtool eignet, zeigt das zweite Klangbeispiel, in dem extreme Distortion hervorgerufen wird. Zunächst verzerren nur die lautesten Anteile der Aufnahme, was interessanterweise nach einer parallelen Bearbeitung klingt, da immer noch ein sauberer Anteil mitschwingt. Erst zum Ende, wenn die Gesamtlautstärke zunimmt, übersteuert das Beispiel vollkommen.

Als nächstes ging es weiter mit dem Equalizer, dessen Einstellung sich auf Grund der minimalen Beschriftung wieder nur grob umschreiben lässt. Mit allen drei Bändern wurden leichte Verstärkungen vorgenommen, die Positionen der Gain-Regler lagen zwischen 1 und 2 Uhr.

Das Tiefenband ist bei ca. 80 Hz in Shelving-Form angehoben, die Mittenfrequenzen schmalbandig bei ca. 4 kHz und die Höhen bei ca. 8 kHz.
Erneut zeigt der Equalizer seinen zurückhaltenden, smoothen Charakter, der für ein kräftigeres Lowend sorgt und etwas mehr Präsenz in den oberen Mitten und Höhen erzeugt.

Das eben noch mit dem Equalizer bearbeitete Beispiel diente daraufhin als Vorlage für den Test des Limiters.

Auch hier klingt das Medium-Setting angenehm zurückhaltend, während der Limiter bei einem Einsatz im roten Bereich wieder deutlich zu hören ist. Im Gegensatz zum Vocal, steht dem Synthesizer diese extreme Bearbeitung aber ganz gut, die auch im Mix-Kontext durchaus sinnvoll sein kann – natürlich ist das immer eine Frage des Geschmacks.

Am Ende wurde noch mal die komplette Signalkette genutzt, um alle Komponenten einmal zusammen zu hören.

Die zuvor verwendeten Einstellungen der anderen Beispiele werden hierfür kombiniert, sprich die warme Sättigung des Variable Harmonic Drive, das Equalizer-Setting und der Limiter im Medium-Modus:

Klangbeispiele

Vocal:
Mani Mathia
Neumann U87
SSL X Logic Alpha Channel

Synthesizer:
Moog Mother + Korg SQ-1 + Roland RE-501
SSL X Logic Alpha Channel

Wandler:
SSL X Logic Alpha Channel
RME Fireface 800

DAW: Logic Pro

Die Klangbeispiele wurden nicht weiter nachbearbeitet.

SSL X Logic Alpha Channel

SSL X Logic Alpha Channel

Fazit

Der SSL X Logic Alpha Channel ist ein überaus flexibler Channelstrip, mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Durch die zahlreichen Routing-Optionen der Anschlüsse sind die Anwendungsmöglichkeiten sehr vielseitig, wodurch sich das Konzept des DAW Front-Ends erfüllt.

Zusammengefasst betrachtet fallen einige Komponenten sehr hochwertig aus, bei anderen müssen angesichts des Preises Abstriche gemacht werden:

Sowohl der Vorverstärker als auch der Equalizer sind moderne Anlehnungen an die berühmte SSL E- und G-Serie und überzeugen durch einen sehr sauberen, klaren und transparenten Ton, der hochwertig und edel klingt.

Der Variable Harmonic Drive bietet schöne Möglichkeiten, um dem Signal zusätzlich Färbung und Sättigung zu verleihen.

Auch der Limiter macht bei einem gemäßigten Einsatz eine gute Figur, sollte jedoch mit Bedacht eingestellt und eher zur Nachbearbeitung genutzt werden.

Mit dem integrierten A/D-Wandler lassen sich im Home- und Projektstudiobereich passable Ergebnisse erzielen, bei professionellen Anwendungen empfiehlt sich in jedem Fall die Verwendung eines hochwertigeren Konverters.

Wer auf der Suche nach einem günstigen SSL Sound für seine Aufnahmen ist, sollte den X Logic Alpha Channel unbedingt einmal ausprobieren!

Plus

  • vielseitiger Klang
  • Verarbeitung
  • Klangmöglichkeiten
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • minimale Beschriftung der Regler

Preis

  • 1.149,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    wimu  

    Sehr schöner Testbericht. Vielen Dank! Was die AD Wandler angeht, könnte eine Firma wie SSL, im Laufe der Jahre, durchaus auch mal aktualisieren. Einzelne Teile auf den Aktuellen Stand der Technik bringen ist ja nicht unüblich. Siehe Tegeler Audio oder SPL. Überhaupt frage ich mich, ob der kürzlich getestete SPL Frontliner nicht das besserer Preis-Leistungsverhältnis bietet?

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