Test: Black Lion Audio Auteur Quad, Mikrofonvorverstärker

9. Dezember 2019

Moderne Vintagesounds im 19 Zoll Format

black lion audio auteur quad

Black Lion Audio Auteur Quad, Mikrofonvorverstärker

Mit dem Black Lion Audio Auteur Quad stellt der als Modding-Spezialist für Studiotechnik gestartete US-amerikanische Hersteller sein ureigenes Preamp-Design in einer Vierfachvariante vor. Im Gegensatz zur bereits in der zweiten Generation erhältlichen Stereoversion (zum Testbericht der ersten Version bei Amazona.de hier entlang) verfügt das komplett in den USA gefertigte Gerät über einige zusätzliche Features.

Die Idee dahinter ist eine Symbiose aus moderner Technik – hier in Gestalt einer Eingangsstufe auf Basis von modernen Operationsverstärkern, die eine transparente, detailreiche Wiedergabe mit flinker Ansprache im Transientenbereich verspricht, in Verbindung mit einem Ausgangsübertrager der Firma Edcon, der eine vintageartige Soundkomponente, vor allem in Form von Sättigungseffekten in den tieferen Registern, beisteuert. Das Ganze zu einem beinahe schon Kampfpreis von 899,- Euro!

Black Lion Audio Auteur Quad: Lieferumfang & Verarbeitung

Im Versandkarton enthalten sind lediglich das Gerät selbst sowie das erforderliche externe Netzteil, die Bedienungsanleitung erhält man auf der Website des Herstellers als Download.

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Das eine 1 HE hohe und 195 mm tiefe 19-Zoll-Gerät bringt stolze 2,8 kg auf die Waage, was nicht zuletzt an dem überaus solide wirkenden durchgängig schwarz lackierten Stahlgehäuse liegen dürfte. Es verfügt über vier identisch aufgebaute Mikrofonvorverstärker, zwei davon sind zusätzlich mit schaltbaren „Hi-Z“-Klinkeneingängen in der Frontplatte ausgestattet, die das Anschließen von hochohmigen Quellen erlauben.

Die Eingangssignale lassen sich um bis zu 65 dB verstärken, was für jegliche Anwendung ausreichen sollte.

Im Einzelnen ist jeder Mikrofonkanal mit einem in schwarz gehaltenen Gain-Regler, drei Druckknöpfen für Phantomspeisung, Phasenumkehr und Pegelabsenkung (-10 dB für die Mikrofon-Preamps bzw. -13 dB für die HiZ-Eingänge) ausgestattet. Eine Status-LED leuchtet bei eingeschalteter Phantomspeisung und ein 10-teiliges, dreifarbiges LED-Segment dient als Aussteuerungsanzeige.

Ein unterschätztes und gerade im Budget-Bereich gerne eingespartes Feature ist der Power-Schalter, der beim Testgerät in der Frontplatte ganz rechts sitzend als Kippschalter ausgeführt ist.

Rückseitig finden sich pro Kanal drei Anschlussbuchsen: Der XLR-Eingang für Mikrofone und zwei Ausgänge, die sowohl im XLR-Format als auch als symmetrische Klinke vorhanden sind. Des Weiteren befindet sich hier noch der Anschluss für das mitgelieferte 21-Volt-Netzteil.

Das schwarze Design mit der weißen Beschriftung wirkt zweckmäßig, solide und auch etwas roh, Black Lion Audio beschränkt sich da auf das Wesentliche und verzichtet auf optische Gimmicks – die inneren Werte haben hier Priorität.

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Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik, alle Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt und machen einen sehr guten, langlebigen Eindruck.

Black Lion Audio Auteur Quad: Bedienung

Die großen, runden Gain-Potis jedes Kanals haben einen angenehmen Drehwiderstand und vermitteln ein hochwertiges Anfassgefühl, ebenso wie die definierten Druckpunkte der Druckknöpfe. Mithilfe der Aussteuerungsanzeige lassen sich die meisten Signale gut kontrollieren, allerdings ist bei leiseren Signalen, die ein höheres Aussteuern des Preamps erfordern, schon etwas Fingerspitzengefühl gefragt, hier drängelt sich der relevante Regelbereich auf wenigen Millimetern. Insbesondere Bändchenmikrofone mit ihrer hohen Dynamik sind hier nicht ganz so leicht zu handeln.

An dieser Stelle habe ich gerasterte Gain-Potis vermisst, die einem das (Tontechniker-) Leben dann doch in solchen Situationen etwas einfacher machen.

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Das gilt auch, wenn es um das Erstellen von Stereoaufnahmen geht. Hier möchte man ja auch gerne, entsprechend selektierte „matched“ Mikrofonpaare vorausgesetzt, identisch eingestellte Preamps beschicken. Ohne Rasterung bei den Gain-Potis ist das natürlich deutlich aufwendiger, zumal die Potis des Auteur Quad zwar eine gut sichtbare weiße Positionsmarkierung haben, aber leider keine auf das Gehäuse aufgedruckte Skalen, die Auskunft über den Verstärkungsgrad geben könnten. Die fehlende Rasterung der Potis ist in dieser Preisklasse mehr als verständlich, die fehlenden Skalen eher nicht.

Sehr positiv bewerte ich die strahlend helle, weiße LED, die aufleuchtet, sobald die Phantom-Power in einem Kanal aktiviert ist. So ist die Gefahr, ein geliebtes Bändchenmikrofon durch irrtümlich doch noch eingeschaltete Phantom-Power zu zerstören, deutlich minimiert.

Black Lion Audio Auteur Quad: Sound & Praxis

Auch hier habe ich für die Klangbeispiele die Mikrofonsignale per Splitter aufgeteilt und gleichzeitig über mein als Referenz dienendes Metric Halo ULN-2 und den Testkandidaten aufgenommen. Als Wandler wird hier der direkt per Insert angesteuerte Wandler des zweiten ULN-2 Kanals genutzt.

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Die ersten Klangbeispiele bestehen aus einer Sprachaufnahme über ein Neumann TLM-103.

Bei der Auflösung und Detailwiedergabe präsentieren sich beide Preamps gleichauf, der Ausgangsübertrager des Auteur steuert ein minimales „Reiben“ und einen etwas „weicheren“ Bassbereich bei.

Ähnlich hört sich das Ganze bei der Verwendung eines SM 58 von Shure an. Hier werden die tieferen Frequenzen etwas betont, die Stimme klingt im Vergleich zum Referenz-Preamp etwas „größer“ und voluminöser. Rauschen oder sonstige Nebengeräusche bleiben außen vor.

Auch bei perkussiven Signalen, hier eine Snaredrum klassisch mit einem Shure SM-57 seitlich am oberen Spannreifen mikrofoniert, gefällt der Preamp und gibt sich keine Blöße. Hier kann ich keine Unterschiede zwischen den beiden Preamps hören.

Auch Gitarrenverstärker werden gerne mit einem Shure SM-57 aufgenommen. Der hier im Klangbeispiel zu hörende ENGL Straight 100 verfügt über einen 12″ Lautsprecher von Celestion (G12) und neigt zu leicht penetranten Höhen. Die Kombination von SM 57 mit dem Auteur Quad entschärft den Sound dezent, ohne dass die Abbildung von Details darunter leidet. Dies gelingt dem Testkandidaten eine Spur besser als dem Referenz-Preamp.

Mit einem KM-184 Kleinmembran-Kondensatormikrofon sind diese Klangbeispiele mit einer Nylonstring-Gitarre erstellt:

Hier zeigt sich der Auteur dem ULN-2 doch leicht unterlegen. Während Nebengeräuschverhalten und Detailgetreue auf Augenhöhe sind, bleiben Dynamik und Plastizität leicht zurück. Dennoch klingt auch diese Aufnahme noch gut und professionell.

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Ans Eingemachte geht es stets, wenn Bändchenmikrofone ins Spiel kommen, zumal wenn damit leisere Signalquellen aufgezeichnet werden sollen. Mit einem preiswerten Mikrofon des Herstellers „the t.bone“ (Modell: RB-100) wird eine leise gespielte Konzertgitarre mit Nylonsaiten aufgenommen.

Erwartungsgemäß gibt es hier dann doch deutliche Unterschiede: Der Testkandidat erzeugt in den erforderlichen hohen Gain-Einstellungen einen deutlich vernehmbaren Rauschteppich, während das ULN-2 kein hörbares Rauschen generiert. Das ist in Anbetracht der Preisklasse allerdings kein ernsthafter Kritikpunkt, zumal das Rauschen noch tolerierbar erscheint, solange es keine Soloaufnahme ist, also noch andere Signale gleichzeitig hörbar sind und diese nicht ebenfalls rauschen. Klanglich ist das Ergebnis durchaus brauchbar, wenn auch im direkten Vergleich etwas weniger detailliert.

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Zusätzlich zu den vier Mikrofon-Preamps beinhaltet das Gerät ja zusätzlich noch zwei integrierte HiZ-Eingänge, deren klangliche Eigenschaften in den folgenden Klangbeispielen demonstriert werden.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Eingänge recht empfindlich sind. Während Bass und Gitarre problemlos auszusteuern waren – allerdings auch schon mit bemerkenswert niedrigen Gain-Einstellungen – musste ich bei der Groovebox, dem Akai Rhythmwolf, nicht nur Gain auf Minimalposition stellen und den PAD-Knopf aktivieren, sondern zusätzlich die Ausgangslautstärke der Groovebox auf maximal 50 % reduzieren, um keine Übersteuerungen angezeigt zu bekommen. Allerdings gibt so eine Groovebox auch kein hochohmiges Signal aus, sondern ein Line-Signal. Dennoch ist es ja nicht unüblich, „mal schnell“ einen Synthesizer oder ähnliches an einen solchen Eingang anzuschließen

Klanglich bewegt sich die HiZ-Sektion auf dem hohen Niveau der Mikrofon-Preamps und veredelt die angeschlossenen Signale mit Wärme und Punch.

Insgesamt gefällt mir der Black Lion Audio Auteur Quad klanglich wirklich sehr. Die Idee, eine übertragerlose Eingangsstufe mit modernen OP-Amps mit einem „vintageartigen“ Ausgangsübertrager zu kombinieren, geht voll auf. Die spritzige, direkte Ansprache der Eingangsstufe wird von der Ausgangstufe mit ihrer dezenten Betonung der tiefen Frequenzen und allgemeinen „Weichheit“ verrundet. Die Signale erhalten tatsächlich ein dezentes „Vintage-Flair“ und bleiben trotzdem crisp und brillant.Black Lion Audio Auteur Quad 01

Besonders gut ist die Performance bei soliden und lauteren Signalen, bei fragilen, leiseren Quellen sind die Ergebnisse innerhalb der Preisklasse auf jeden Fall okay, aber nicht mehr ganz so herausragend, da die Dynamik im Vergleich zu höherpreisigen Preamps etwas zurückbleibt und auch das Rauschen in den höheren Gain-Bereichen deutlich zunimmt.

Das typische, preiswerte Audiointerface im Einsteiger- oder semiprofessionellen Bereich, das ja heutzutage mit Rauschen oder dürftiger Wandlerqualität in der Regel keine Probleme mehr hat, dafür oft mit etwas langweilig und farblos klingenden Preamps bestückt ist, kann durch den Testkandidaten eine deutliche Aufwertung erfahren. Aber auch für professionelle Anwender, die sich, beispielsweise für das Drumrecording, eine charakteristische Färbung mehrerer Kanäle wünschen, kann das Gerät interessant sein, zumal gleichzeitig noch zwei professionelle DI-Boxen an Bord sind. Und davon kann man ja im Zweifel nie genug haben.

Fazit

Die Symbiose aus moderner Technik und traditioneller Bauweise ist Black Lion Audio mit dem Auteur Quad bestens gelungen: Die höhenreiche und detaillierte Wiedergabe der Eingangsstufen mit prägnanten und flinken Transienten wird von den Ausgangsübertragern wirkungsvoll „entschärft“ und mit einem dezenten Vintage-Flair überzogen.

Besonders gut funktioniert das bei soliden bis lauten Signalquellen, in den ganz hohen Verstärkungsbereichen steigt das Rauschen dann doch bis in den hörbaren Bereich an, was man dem Gerät angesichts der Preisklasse kaum ankreiden kann, ebenso wenig wie das Fehlen von  gerasterten Gain-Potis. Auf das Gehäuse aufgedruckte Skalen für die Gain-Potis hingegen wären durchaus auch hilfreich und möglicherweise im Preisrahmen realisierbar gewesen.

Das bleibt aber auch der einzige wirkliche Kritikpunkt für ein Gerät aus US-amerikanischer Fertigung, das jedes Budget-Audiointerface klanglich aufwerten dürfte und darüber hinaus mit seiner klanglichen Färbung auch für professionelle Anwender interessant sein kann.

Der Black Lion Audio Auteur Quad ist eine hochinteressante und beachtenswerte Bereicherung des Mikrofonvorverstärker Marktes.

Plus

  • charakteristischer, eigenständiger Sound
  • Verarbeitung
  • Ausstattung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keine Skalen zum Einstellen der Gain-Bereiche vorhanden

Preis

  • 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Hm, müßte bei den Audiobeispielen mit ULN 2 nicht Metric Halo statt Black Lion stehen, oder habe ich die Konstellation einfach nicht verstanden?

    • Profilbild
      Christian Spohn  RED

      Hallo dAS hEIKO,

      Die Beschriftung der Audiofiles ist so konzipiert, das am Anfang immer Das Testobjekt (hier:“Black Lion Audio Auteur Quad“) genannt wird. So wird die Zugehörigkeit des Audiofiles zu einem Testbericht markiert (auch wenn es, wie in in den Hörbeispielen, die über ein ULN-2 aufgenommen wurden, gar nicht zu hören ist).
      Dahinter wird dann beschrieben, was genau passiert (z.B. „Nylonstring km 184“). Da ich bei all meinen Testberichten das Metric Halo ULN 2 als Referenzpreamp nutze, steht dann am Ende der entsprechenden Audiobeispielen halt „ULN-2“ und am Anfang immer die Produktbezeichnung des Testkandidaten.
      Im Prinzip hast du natürlich recht- ich denke, ich werde zukünftig „Metric Halo ULN-2“ benutzen.

      Ich hoffe, das ist so verständlich?

      Grüße,

      Christian

  2. Profilbild
    julian

    Vielen dank für den Artikel. Ich recorde eigentlich nur Syntesizer und gehe dabei in die Klinkeneingänge meines Fireface 800. Mir ist aufgefallen das viele bekannte Künstler, Ihre Syntesizer durch hochwertige Preamps jagen. So zb. Stimming mit seinen API512. Ich verstehe bis heute nicht wirklich den Grund, da ich ja nicht wirklich das Signal eines (zb.) Arturia Microbrute verstärken muss, oder? Daher mal eine konkrete Frage: Was hätte ich davon wenn ich mein Signal durch den hier getesteten Black Lion schicken würde?
    Lieben Gruss, J

    • Profilbild
      Christian Spohn  RED

      Hallo Julian,

      der Grund dafür ist, das einige Preamps neben dem reinen Verstärken des Signals ( diese Aufgabe übernimmt in deinem Fall das Fireface, auch hier wird das Signal nach dem Klinkeneingang so vestärkt, das es vom Wandler des Ff optimal gewandelt werden kann) dazu in der Lage sind, eine charakteristische klangliche Färbung beizusteuern.

      Dies geschieht in der Regel durch bestimmte Bauteile (Röhren, Transistoren, Übertrager), die in der Schaltung des jeweiligen Preamps verwendet werden. API-Preamps beispielsweise sind für Ihren Punch und ihre „In your Face“-Direktheit bekannt und geschätzt.

      So kann man bereits bei der Aufnahme seinen Sound in eine bestimmte Richtung lenken, oft sitzen die Signale direkt ohne weitere Bearbeitung schon gut im Mix.

      Das Fireface ist bekannt für seinen neutralen Sound (den ich im Übrigen auch schon als sehr gut empfinde, die ihm oft unterstellte „Kälte“ ist mir nicht aufgefallen). Diesen könnte man in der Tat durch den Auteur Quad verändern, für deutliche Ergebnisse sollte man diesen recht hoch aussteuern, dann sorgt der Ausgangsübertrager für hörbare klangliche Färbungen, die meist recht angenehm klingen.

      Ob du „was davon hast“ ist letztlich schwierig zu beantworten. Es kommt darauf an, was genau dir klanglich fehlt und was du schon unternommen hast, um das zu beheben.

      • Profilbild
        Christian Spohn  RED

        So gibt es etliche Plugins, die solche charakteristischen Preamps emulieren – und das wahrlich nicht schlecht. Hier sind sicherlich auch nach der Aufnahme noch ähnliche Resultate zu erzielen.

        Ich hoffe, Dir weitergeholfen zu haben?

        LG Christian

        • Profilbild
          julian

          Ja, super ! Vielen Dank für deine Antwort! das hilft mir sehr bei der Entscheidung erstmal mit Plugins zu arbeiten. Ich habe zb. die Console 1 mit der kann ich schon etwas Charakter simulieren. Gruss Julian

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