Test: A-Designs Pacifica, Mikrofonvorverstärker/DI Box

26. August 2019

2-Kanal Preamp mit DI-Eingang

a-designs pacifica

A-Designs Pacifica, Mikrofonvorverstärker/DI Box

Mit dem A-Designs Pacifica hat es ein weiterer interessanter Mikrofonvorverstärker ins AMAZONA.de Testlabor geschafft. Was der zweikanalige Bolide aus Kalifornien zu bieten hat, werden wir gleich erleben.

Lieferumfang und mechanischer Aufbau des A-Design Pacifica

Nun aber direkt ans Werk und das Schmuckstück ausgepackt. Das 19“-Gerät auf einer Höheneinheit wird im Lieferkarton sicher durch Hartschaum Seitenteile gehalten. Mit dabei ist ein Netzkabel, das für das amerikanische Stromnetz ausgelegt ist. Ein Pendant für unseren Stromanschluss fehlt leider.

Anstatt einer Bedienungsanleitung liegt dem Preamp eine DIN A4 Seite bei, die in einer Plastikfolie verpackt ist. Darauf wird dem Kunden mitgeteilt, dass aus Gründen des Umweltschutzes die Anleitung nur online bereitsteht. Großartig, da hat jemand echt mit gedacht!

Umweltschutz à la USA

Das Gehäuse ist aus dickem, stabilem Stahlblech gefertigt, das auffällig rot lackiert ist. Das sieht, zusammen mit der beigen Alufront sehr edel aus. Schade, dass die Farbgebung nach dem Rack-Einbau nicht mehr sichtbar ist. Die Verarbeitung ist sehr gut, wie auch der innere Aufbau mit dickem Ringkerntrafo zeigt. Ungewöhnlich, das Blech ist komplett durchlackiert. Das Gehäuse kommt ohne Lüftungsschlitze aus.

Der innere Aufbau

Geschmackvoll und übersichtlich ist die Frontplatte aufgebaut. Die zwei identischen Kanäle bieten ein griffiges Gain-Poti. Der Potiknopf ist aus Alu, dunkelrot eloxiert und durch seine Riffelung angenehm zu greifen. Das Poti selbst läuft sahnig, eine Rasterung ist nicht vorhanden. Drei Drucktaster sind für die Funktionen Phantomspeisung, PAD und Phase zuständig. Der 48V Button zeigt seinen Schaltzustand mit einer roten LED an. Potis und Schalter sind deutlich beschriftet und sind angenehm bedienbar platziert.

Jeder Kanal besitzt einen Hi-Z Instrumenteneingang, der auf der Vorderseite angebracht ist. Ganz rechts befindet sich der Netzschalter mit blauer Betriebs-LED. 

Übersichtlich und gut bedienbar

Die Rückseite ist ebenfalls schnell abgehandelt. Mic In und Line Out als XLR-Paar pro Kanal. Dazu eine Netzbuchse mit Sicherungshalter. Das war’s dann auch schon.

Die Rückseite

Das Klangideal des Pacifica Preamps

Viele Preamps bedienen sich heute bei alten Layouts oder versuchen, diese im Sound nachzubilden. So auch A-Designs mit dem Pacifica. Ungewöhnlich ist dabei, dass hier ein in heutiger Zeit nahezu vergessenes Audio-Equipment als Pate dient. Die Kalifornier haben sich die Preamps eines Produkts der früher 70er ausgesucht, der Quad Eight Console. Hier gab es tatsächlich in der Historie einen Mixer, der auf den Namen Pacifica hörte.

Nun, ich muss gestehen, ich habe noch niemals von Quad Eight gehört und somit auch keine klangliche Referenz vor dem geistigen Ohr. A-Designs selbst beschreiben den Klang als Mischung zwischen Neve (Tiefen), API (Mitten) und Massenburg (Höhen), aber trotzdem eigenständig. Na, da ist ja alles vertreten, wir dürfen also gespannt sein.

Werte des Pacifica Mikrofonvorverstärkers

Der Pacifica kann eine hohe Verstärkung bereitstellen. Mit 72 dB eignet er sich auch hervorragend für Bändchenmikros oder ausgangsschwache dynamische Mikrofone. Mit PAD kann das Gain um 20 dB abgesenkt werden. 

Die Eingangsimpedanz beträgt 1500 Ohm, der Rauschpegel liegt bei -128 dB EIN. Beachtlich ist der Frequenzbereich, der von 9 Hz bis 101 kHz reicht.

Der Preamp arbeitet mit Transformatoren in den Ein- und Ausgängen. Diese werden von Cinemag geliefert. Während sich der Ausgangstrafo am originalen Quad Eight Design orientiert, ist der Eingangstransformator eine A-Designs eine Eigenentwicklung. 

Auch die D.I.-Eingänge durchlaufen beide Trafos, um einen fetten Sound zu erzeugen.

Der Cinemag Ausgangsübertrager hinten, Eingangstrafo vorn

Die Praxis mit dem A-Designs Pacifica

Legen wir also los. Aufgrund der Trafosymmetrierung ist beim Pacifica eher nicht mit einem „wire with gain“ Sound zu rechnen. Trotzdem stelle ich ihm zunächst den Millennia HV-3C gegenüber, der genau dieses Klangideal verkörpert.

Als Mikrofon kommt ein AKG C 414B-ULS zum Einsatz. Im Rauschverhalten sind die beiden Preamps durchaus ebenbürtig, hier ist kein Sieger auszumachen. Ebenfalls in der Ausstattung gleich: Beide Geräte bieten keinerlei Aussteuerungsanzeigen. Das muss also in der DAW erledigt werden.

Klanglich sind die Unterschiede nicht mal so groß, beim Pacifica ist in den Mitten mehr Druck vorhanden. Das gibt der Stimme Durchsetzungsvermögen. Es sind aber nicht die API Mitten, die mir immer etwas zu tief liegen und zu körnig werden. Der A-Designs rundet genau richtig ab, um der Stimme eine angenehme Wärme zu geben. 

In den Höhen sind ebenfalls leichte Unterschiede zu hören. Beide Vorverstärker liefern ein offenes, weit nach oben reichendes Klangbild. Während der HV-3C hierbei absolut neutral bleibt, drängt sich der Pacifica etwas mehr in den Vordergrund. Nicht unangenehm, aber man merkt ihm an, er will da oben einfach nochmals Akzente setzen.

Interessant ist sicher auch, wie sich der A-Designs gegen meinen WA73-EQ schlägt, der Neve Klon von Warm Audio. Die Klangregelung bleibt natürlich ausgeschaltet. Hier ist die Höhenzeichnung beim Pacifica deutlich besser, der WA73 regelt da früher ab und wird etwas wolkig. Der Druck in den Mitten bietet der Warm Audio ein wenig prägnanter, aber auch aufdringlicher an. Das verstärkt sich noch beim Betätigen des Tone-Buttons am WA73. Der schaltet die Impedanz von 1200 auf 300 Ohm, was in den allermeisten Fällen mit einem fetteren Sound belohnt wird. Das ist auch hier so, nicht immer passend, für Rockstimmen aber gerade richtig.

In dieser Kombination möchte ich auch ein dynamisches Mikrofon checken. Dafür kommt ein Beyerdynamic M88 zum Einsatz. Hier bleibt der WA73  zurück, die Stimme klingt flach und nach oben eingeschränkt. Der Pacifica hingegen bleibt hier immer noch offen, bietet angenehme Mitten und klingt deutlich feiner gezeichnet.

Der Pacifica bei der Arbeit

Zurück zum Millennia. Auch hier bietet der A-Designs die bessere Alternative, zu neutral zeichnet der HV-3C das dynamische Gesangsmikro.

Nun wird mit einem Studio-Preamp ja nicht nur Gesang aufgezeichnet. Also steht die akustische Gitarre als nächstes im Pflichtenheft. Mikrofoniert wird mit einem Neumann KMi84 Kleinmembran mit Nierenkapsel.

Bei härteren Akkorden und Schrammelgitarre ist der Pacifica klar im Vorteil. Er klingt wuchtiger, die Saiten klingen frischer durch den Höhen-Boost. Aufholen kann der HV-3C bei ruhigeren und gezupften Passagen. Da klingt er einfach dynamischer und authentischer. Die Höhenzeichnung wird hier plastisch und fein gezeichnet dargestellt. Sehr gute Ergebnisse erzielen beide Preamps, der A-Designs ist eher in der Richtung Rock/Pop verwurzelt, für klassische Instrumentendarbietungen darf es der Millennia sein.

Bleiben wir bei der Stahlsaiten-Akustik und probieren den D.I.-Eingang aus. Als Vergleichskandidat darf hier mein TL Audio A1 fungieren, den ich für diesen Verwendungszweck sehr gerne einsetze. Der TL Audio macht sich gleich durch das stärkere Rauschen bemerkbar, beim A-Designs ist da absolute Ruhe. Auch der Klang des Pacifica ist hervorragend.

Die Schärfe des druckkeramischen Pickups wird fast vollständig unterdrückt, trotzdem ist eine offene Höhenzeichnung vorhanden. Die wichtigen Mittenbereiche sind klar definiert und schön abgebildet. Hier liegt der A1 zurück. Die Höhen klingen recht harsch und die Mitten kommen nicht so angenehm weich nach vorn. 

Durch die PAD-Funktion erfährt der Pacifica noch eine weitere Klangnuance. Bei gleichzeitigem Aufholen der 20 dB mit Gain wird der Sound gutmütiger und in den Höhen bedämpft. Das kann für manche Instrumente durchaus eine Klangnuance darstellen.

a-designs pacifica

Zwei gleich ausgestattete Kanäle in 19″

Ein Punkt fällt trotzdem beim Pacifica noch negativ auf, tut mir leid, dass der am Ende erscheint und somit verstärkt Gewicht erhält. Bei Benutzung des Klinkeneingangs wird der XLR zwar abgeschaltet, die galvanische Trennung scheint aber nicht perfekt zu sein. So ist ein leichtes Brummen zu hören, das bei Anfassen des Mikrofons oder des Klinkensteckers verschwindet. Bei Benutzung der D.I. ist also am besten die XLR-Buchse frei. Das löst der TL Audio besser, hier werden beide Eingänge mit einem Button umgeschaltet.

Fazit

Mit dem Pacifica bietet A-Designs einen hochwertig aufgebauten 2-Kanal Preamp mit schlichter, aber sinnvoller Ausstattung und übersichtlicher Gestaltung.

Der Sound wird durch die Trafos geprägt, ist direkt und vielseitig einsetzbar. Neben den Mikrofonvorstufen bietet das Gerät pro Kanal einen D.I.-Input, der sich ebenfalls durch einen edlen, durchsetzungsfähigen Klang auszeichnet.

Preislich spielt der Pacifica in der oberen Liga. Dafür wird der Benutzer auch mit einem gehobenen Klangbild belohnt.

Plus

  • sehr guter, durchsetzungsfähiger Sound
  • prima Verarbeitung
  • übersichtliche Bedienung
  • vollwertige, gut klingende D.I.

Minus

  • kein europäischen Netzkabel dabei (Versehen?)
  • leichtes Brummen bei gleichzeitig gestecktem XLR und Klinke

Preis

  • 1.979,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Armin,

    Deine Testberichte lese ich immer gerne. Deine Anmerkung zum „Umweltschutz USA“:
    Einfach köstlich!

    Herzliche Grüße von Studio zu Studio

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi Sigi,

      danke dir, kann ich so nur zurück geben.
      Schon irre, oder? Die Daten hätten locker auf einen kleinen Beipackzettel gepasst. Die Erklärung der Bedienelemente…naja, dürften für jemanden, der knapp 2000,- ausgibt, eigentlich selbst erklärend sein.
      Die History des Vorbilds dann gern online.

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