Test: TC Electronic Brainwaves, Pitch Shifter Pedal

4. Juni 2019

Wellen im Kopf mit dem TC Brainwaves!

TC Electronic Brainwaves

TC Brainwaves

Mit den Pitch Shiftern für uns Gitarristen ist das ja so eine Sache. Schon lange gab und gibt es immer wieder von verschiedenen Herstellern aus Ost und West Versuche mit dieser Technologie, die jedoch oft in der Praxis an essenziellen Dingen, wie etwa einem zufriedenstellenden Tracking, scheiterten. Nun hat sich mit TC Electronic erneut ein Hersteller der Sache angenommen und stellt mit dem Brainwaves einen Pitch Shifter vor, der gleich zwei Stimmen zum Verbiegen des Originalsignals bietet und zudem sein Signal sogar in Stereo ausgibt. Ob zumindest das Tracking hier stimmt und was die schweinchenrosafarbene Kiste sonst noch alles kann, wollen wir uns im Folgenden mal genauer anschauen!

 TC Electronic Brainwaves 2

TC Electronic Brainwaves – Facts & Features

Praktisch handelt es sich beim TC Brainwaves um einen Zweifach-Pitch Shifter, denn das rosa Pedal besitzt zwei identische Voices, also Stimmen, die dem Originalsignal jeweils zehn verschiedene Intervalle hinzufügen können. Weitere Einstellmöglichkeiten bieten die beiden Minischalter mit der Bezeichnung „UP/DOWN“, die gebotenen Möglichkeiten lassen kaum Wünsche offen, wie man der folgenden Abbildung entnehmen kann:

Die Auswahl ist also reichhaltig, nicht zu vergessen sei aber, dass wir es hier NICHT mit intelligenten Pitchshift-Algorithmen zu tun haben: Die Intervalle werden einfach nur auf die Originalstimme aufgeschichtet, was beim Spielen von Scales schnell für gruselige Ergebnisse sorgen kann. Doch das Pitch Shifting ist ja nicht alles, was der Brainwaves beherrscht, denn mit dem FX TYPE KNOB lassen sich weiterhin ein Whammy-Effekt oder auch ein Detuner auswählen, weitere drei Slots stehen zum Bestücken mit den TC TonePrints bereit. Entsprechende Sounds können von der TC Website in das Pedal transferiert werden.

Zu guter Letzt sorgt auch bei diesem TC-Pedal die MASH-Funktion für weitere Performances. Für alle, denen dieses Feature bisher unbekannt war: Hinter MASH verbirgt sich ein druckempfindlicher Schalter, der je nach Krafteinwirkung mit dem Fuß dem gewählten Effekt weitere Modulationen hinzufügt. Dass dies recht gut funktioniert, durfte ich bereits im Test des TC  HoF 2 oder des Flashback 2 Delay feststellen.

TC Electronic Brainwaves MASH

Das MASH Feature ist auch beim TC Brainwaves mit an Bord

Positiv zu bewerten ist die Stereo-Signalführung, es gibt sowohl zwei Eingänge als auch zwei Ausgangsbuchsen, was die Tretmine somit auch für die Tastenfraktion interessant machen könnte. Die Buchsen sitzen wieder links und rechts außen am Gehäuse, worüber sich wiederum der Pedalboard-Benutzer beschweren dürfte, klaut es doch immer etwas mehr von dem ohnehin zu wenigen Platz zwischen den einzelnen Kistchen. Der Anschluss für das Netzteil befindet sich an der Stirnseite und wenn man mal einen Blick auf die Unterseite wirft, dann fällt unweigerlich eine große Schlitzschraube auf, die das Batteriefach sichert. Trotz der zu erwartenden hohen Rechenleistung des DSPs für die beiden Stimmen synchron, kann man den Brainwaves Pitch Shifter ganz offensichtlich auch mit einer 9-Volt-Batterie betreiben. Über das Batteriefach gelangt man weiterhin an zwei DIP-Schalter, über die man zum einen zwischen einem True- und Buffered-Bypass-Modus sowie einer „Kill Dry“ Funktion wählen kann. Ersteres sollte klar sein, zu „Kill Dry“ sei gesagt, dass hierbei das Originalsignal ausgeblendet wird – praktisch für Leute, die einen parallelen Effektweg an ihrem Amp besitzen.

Insgesamt betrachtet kann man die Qualität der Hardware als befriedigend bezeichnen. Das Pedal erscheint robust und da sich der Metallschalter ein gutes Stück weit weg von den Potis befindet, kommt man auch nicht in die Gelegenheit, den Reglern mit dem Fuß einen mitzugeben. Das wäre auf Dauer sicher nicht gut, denn die Potis sind zwar fest mit dem Gehäuse verschraubt, in ihrer Bedienung zeigen sie sich aber eher „schwammig“ bzw. unpräzise und im Eifer des Gefechts kann es schon mal passieren, dass man mal eine Stufe bei der Auswahl des gewünschten Effekts bzw. der Presets überspringt.

TC Electronic Brainwaves – in der Praxis!

Über Sinn und Unsinn eines Pitch Shifters kann man sich sicherlich streiten, für mich persönlich ist diese Art von Effekt kaum sinnvoll in einem musikalischen Kontext einsetzbar. Für Gimmicks und Aufhänger in einem Song geht das schon in Ordnung, aber auch dann ist der Wiedererkennungswert enorm hoch – und kann auf Dauer schnell nerven. Natürlich kann solch ein kakophonisches Desaster aber auch die Kreativität des Benutzers ankurbeln und für die eine oder andere Idee sorgen, das steht außer Frage. Soweit kurz und knapp zu meiner eigenen Philosophie über diese Effektkategorie, die natürlich nicht jeder teilen muss.

Im Falle des TC Brainwaves ist das genau so und nicht anders, hier wird eben gnadenlos zu jeder gespielten Note ein weiterer Intervall hinzugefügt und wenn man möchte, sogar in zweifacher Ausführung. Das Tracking ist zufriedenstellend, bei schnelleren Licks merkt man allerdings schon eine gewisse Latenz im Signal bzw. in den Fingern. Saitenzieher oder Slides über das gesamte Griffbrett sind kein Problem, hier folgt der TC Brainwaves brav den Fingern und setzt auch Bendings und Fingervibratos sauber um.

Die Signalqualität an sich ist grundsätzlich gut, Rauschen ist überhaupt kein Thema. Die Intervalle werden sauber abgebildet, man würde sich jedoch noch einen Regler wünschen, der die Intensität der beiden Stimmen untereinander steuert. So gibt es nur das Mix-Poti, das zwischen der Stärke des Originalsignals und der des Effektsignals insgesamt wählt. Die Folge kann schnell ein undefinierbarer Brei sein und das ganz besonders bei der Nutzung der unteren Oktaven beider VOICES. Erwartungsgemäß besser wird das Bild, wenn man die Stereoausgänge des Pedals nutzt, dann wirkt das Signal deutlich aufgeräumter. Aber wie viele unter uns Saitenzupfern benutzen schon ein Stereo-Setup?

Recht wirkungsvoll hingegen zeigt sich der Sound auch in mono beim Detune-Preset, mit dem sich breite Chorus- und Univibe-Flächen erzeugen lassen und auch an der MASH-Funktion gibt es rein technisch betrachtet nichts auszusetzen: Der Schalter reagiert sensibel auf den Druck mit dem Fuß und macht somit die Modulationen innerhalb des ausgewählten Presets gut steuerbar.

TC Electronic Brainwaves Front

TC Electronic Brainwaves – die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das TC Brainwaves direkt in den Eingang meines UAD-Interface (mit aktiviertem Preamp) eingeklinkt. Als Gitarre wurde eine PRS Silver Sky benutzt, weitere Effekte kamen nicht zum Einsatz. Dieser Sound wurde aufgenommen mit der Marshall Plexi Emulation aus der UAD Plugin-Suite.

Im ersten Beispiel hören wir VOICE 1 mit einer nach unten oktavierten Quinte zum Originalsignal. Das Mix-Poti befindet sich nahezu komplett aufgeregelt, wir hören also das fast pure Effektsignal. Und wir hören auch die Latenz, was bei einer langsam gespielten Figur wie der folgenden vielleicht noch nicht ganz so auffällt.

Das zweite Beispiel zeigt ganz gut, wie kreativ sich diese neue „tonale Umgebung“ mit den zugefügten Intervallen zeigen kann. Ausgangspunkt beim folgenden Beispiel war eine simpel gepickte Sequenz in C-Dur, wie man sie schon tausendmal gehört und vermutlich auch selbst gespielt hat. Ausgewählt wurde hier bei VOICE 1 eine Quarte und bei VOICE 2 eine Quinte, die beide eine Oktave über dem Original erklingen. Der TC Brainwaves macht etwas ganz Neues draus, auch wenn es beim Einsatz beider Stimmen, zumindest im Monobetrieb, schon recht eng wird. Hier macht sich zudem das Fehlen eines Mixpotis zwischen den beiden VOICES bemerkbar, beide Stimmen sind stets in der Lautstärke gleichauf.

Ein funkiges Riff gefällig? Im dritten Beispiel hören wir ein solches, dazu wurde bei beiden Voicings eine reine Sexte ausgewählt und um eine Oktave nach oben transponiert.

Im vierten Beispiel nun der Klang des Detuners, der eine gute Alternative zu einem Chorus darstellt.

Zum Abschluss ein verzerrter Sound mit den beiden Stimmen im Quintenmodus, jeweils eine Oktave über dem Originalsignal. Damit sind auf jeden Fall fette Leadlines drin.

Fazit

Wer vorhat, seiner Kreativität mal wieder einen kleinen Kick zu verpassen oder beabsichtigt, seinen Kompositionen den einen oder anderen schrägen Stempel aufzudrücken, der sollte dem TC Brainwaves ruhig mal eine Chance geben. Bis auf die etwas schwammig zu bedienenden Potis gibt es an der Hardware selbst nichts weiter auszusetzen und die Signalqualität ist insgesamt ebenfalls als gut zu bezeichnen, wenn es auch hier dann und wann, bei unglücklichen Konstellationen der beiden VOICES, zu einem unschönen Brei kommen kann.

Plus

  • solide verarbeitet
  • rauscharm
  • Stereo-Option
  • Tone-Print-fähig

Minus

  • Klang insgesamt verwaschen
  • Einsatzgebiet fraglich

Preis

  • Ladenpreis: 106,- Euro
Klangbeispiele
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